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Era Biographie

Era

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Sie wollen Drama und Atmosphäre? Eine schmuckvolle Fabel statt schnöder Fakten? Sie reizt der Schlüssel zum Unbewußten? Auch wenn dort vielleicht mehr Fragen als Antworten warten? Dann – aber nicht nur dann - sind Sie richtig bei Eric Levi. Auch auf seinem neuen, dritten Album "The Mass" kreiert der gebürtige Pariser unter dem Namen ERA ein intensives Akustik-Epos zwischen Pop, Rock und Klassik.

Letztere bildet zweifellos das Rückgrat im aktuellen Schaffen des Autodidakten. "Ich versuche meine Musik nicht zuviel zu analysieren, aber mir ist schon bewusst, dass ich mich gern auf das konzentriere, was man "die großen Momente" der Klassik nennen könnte", erklärt Levi, der 1998 mit seinem Debüt gleich für Gold und Platin in nicht weniger als 18 Ländern gut war und bisher mehr als 6 Millionen Exemplare seiner ersten beiden Alben "Era" und "Era 2" verkaufen konnte. Zu diesen großen Momenten zählt natürlich ein Carl Orff-Meisterstück: "Carmina Burana" zierte schon Filme (John Boorman’s "Excalibur") und Rock’n’Roll-Spektakel - etwa als Intro zu Ozzy Osbourne-Shows in den 80ern. Hier hat Levi das populäre "O Fortuna"-Thema des deutschen Komponisten in der ersten Single "The Mass" wohlverarbeitet. Flankiert von ähnlich prägnanten Kompositionen wie "Looking For Something", "Don’t Go Away", "Don’t You Forget About Me" und "The Champions"(die Eröffnungshymne der letzten Fußball-WM in Korea!) , klingt das Album wie der Soundtrack zum größten Helden-Monumentalfilm, der erst noch gedreht werden muss. Vor dem inneren Auge tauchen Schauspieler auf, die bis zur Nasenspitze in Rüstungen stecken, und mit ein bisschen Fantasie sieht man vielleicht sogar, wie sich Meere teilen und riesige Steine durch die Wüste geschleppt werden...

Dem Orchestralen räumt Levi auf "The Mass" mehr Gewicht denn je ein, besonders im erstaunlichen "Sombre Day". Wobei er die Zwischentöne eher spirituell denn religiös verstanden wissen will. Levi: "Ich versuche, nicht zu spezifisch zu werden. Mir liegt eher daran, bestimmte Stimmungen zu kreieren, die sonst eher dem Film vorbehalten sind. Aber ich trete nicht für einen besonderen Glauben ein. Bei Era geht es vielmehr darum, die Welt auf eine bestimmte Art und Weise anzuschauen – oder vielleicht eher: hinter sie zu schauen."

Und wo hat das alles angefangen? Nein, nicht mit der Lektüre von Tolkien’s "Herr Der Ringe", der gerade eine unglaubliche (Kino-)Renaissance erlebt. Auch nicht mit einschlägigen Sandalen-Monumentalfilmen à la Ben Hur. Sie werden’s nicht glauben: Es waren klassische Rolling Stones-Alben wie "Aftermath" und "Beggar’s Banquet", die Eric Levi’s Kreativität weckten und ihn Ende der 60er mit 15 zur Gitarre trieben. "Ich hatte Klavierstunden in der Schule", erinnert er sich, "aber das war mir zu gezwungen. Also eiferte ich lieber Keith Richards und Mick Taylor nach, die mich damals stark beeinflussten. Ich hab‘ sogar die Platten langsamer laufen lassen, um genau mitzubekommen, was da passiert. Heute schreibe ich aber vor allem an Keyboards. Weil ich die Gitarre inzwischen einfach zu gut kenne, da gibt es keine Chance mehr auf diese glücklichen Unfälle, die der Musik manchmal ein besseres Feeling geben können."

Nach der Stones-Initiation lebte Levi seine Rock’n’Roll-Passion mit dem Quintett Shakin Street aus. Noch grün im Geschäft teilte die Band schon bald die Bühne mit Punk-Ikonen wie The Clash und The Damned, es gab international gute Presse, und 1978 wurde das in London eingespielte Columbia-Debüt mit dem schönen Titel "Vampire Rock" veröffentlicht. Bei "Yesterday’s Paper" saß Ian McLagan (ex-Faces) an den Keyboards, der damals gerade mit den Stones durch die USA tourte. Das passte: Jagger und Richards haben die Nummer ja geschrieben.

Die Götter schienen also herab zu lächeln auf Shakin Street, zumal sich mit Sandy Pearlman (Blue Oyster Cult) ein Top-Produzent für das zweite Album anbot. Tatsächlich ebnete "Shakin Street" den Weg in die USA, Levi und Co. tourten mit Black Sabbath und AC/DC, und für das dritte Album stand schon Produzent Tom Allom (Judas Priest) bereit. Doch dann kam die Lektion, die Levi später bei der Entscheidung für ERA prägen sollte. Gerade, als alles unter Kontrolle schien, ging sie doch verloren. Zunächst unmerklich hatte sich die berühmte "Chemie" innerhalb der Band verändert, eher aus kaum zu greifenden denn handfesten musikalischen Gründen. Eric Levi musste lernen, dass es auch problematisch, ja schmerzvoll sein kann, sich auf andere zu verlassen...

Nach dem Ende von Shakin‘ Street versuchte sich Levi an einer etwas anderen Stones-Connection. In New York teilte er ein Appartement mit der ex-Jagger-Muse Marianne Faithful, schrieb auch Songs mit ihr. Doch letztlich fand das Duo musikalisch nicht zueinander, und Levi blieb kaum etwas anderes übrig, als seine Karriere komplett zu überdenken. Er war kein Sänger, kein Frontmann, er hatte von Bands die Nase voll. Also wandte er sich im Alleingang der Welt der Soundtracks zu. Seine Liebe zur Musik hatte ja immer auch die Power-Soundscapes von Pink Floyd und Led Zeppelin eingeschlossen, also hatte es eine gewisse Logik, sich die musikalische Seite des Filmemachens mal genauer anzuschauen.

So folgten Levi-Scores für den Regisseur Jean-Marie Poire ("L’Operation Corned-Beef"). Dabei ergab sich 1993 erstmals die Möglichkeit, Mittelalter und Moderne zu fusionieren. Im französischen Box Office-Hit "Les Visiteurs" spielt Jean Reno einen Ritter aus dem 11. Jahrhundert, der sich plötzlich im Amerika des 20. Jahrhunderts wiederfindet. Klassische Grandeur und hippe Beats gaben dem Film in "Enae Volare Mezzo" das akustische Leitmotiv. "Diese Musik wollte ich immer in einem Film hören", erklärt Levi. "Vangelis‘ Soundtrack für Ridley Scott’s "1492: Conquest Of Paradise" hatte mich zuvor wirklich beeindruck, besonders wie er den englischen Kammer-Chor einsetzte. Das gab mir Vertrauen in meine eigenen Ideen. Doch erst als ich selbst in den Abbey Road Studios den Choral für "Enae Volare" aufnahm, wusste ich, dass ich da was in der Hand hatte, das ich weiterentwickeln könnte. Es war ein besonderer Moment für mich, und damit wohl auch für ERA."

So eröffnete Levi der Soundtrack-Komposition mit Keyboards, Streichern, Chören eine frische Perspektive, inspiriert von einer Zeit, als der Glaube noch einfacher, die Werte noch klarer definiert waren. Sein Ziel sind dabei immer Gefühle gewesen, so pur und unverfälscht wie möglich. Und wenn ein Hit erforderte, große Chöre einzusetzen, die man eher in einem Kloster als in einem Studio vermuten würde, dann sollte das so sein. Levi interessierte nicht, was man normalerweise machte, sondern das, was notwendig war, um eine Verbindung zu den Menschen herzustellen. Eine Maxime, die er 1998 mit dem "Era"-Debüt erstmals voll und ganz realisieren konnte - für einen Film jenseits der Leinwand. "Ich hatte schon lange diesen Film in meinem Kopf", blickt er zurück. "Ich konnte die Szenen und Bilder ganz klar vor mir sehen – und "Era" wurde dann der Soundtrack dazu."

Es war ein Soundtrack mit internationalem Appeal, nicht nur, weil das Album rund um die Welt (Paris, London, Nashville etc.) aufgenommen wurde. Da war eine Sprache, die signifikant war, ohne auf Bedeutung festzunageln. Da war eine Musik – verblüffend, beruhigend, nie bloß Background -, die zwar die Aura des Heroischen atmete und doch auf ganz persönliche Bedürfnisse zugeschnitten war. So war es nicht verwunderlich, dass "Era" in über 40 Ländern insgesamt über 2 Millionen Mal verkauft wurde und einzelne Tracks den Weg in die Werbung fanden (etwa die Mastercard-Kampagne für die Fußball-WM 1998). Ein World Music Award (Kategorie: "Export-Verkäufe") und ein French Music Award folgten.

Für den im Mai 2000 veröffentlichten Nachfolger "Era 2" ließ sich Levi von einem Aufenthalt in Prag inspirieren, auch wenn die larger-than-life-Chöre des Albums in den Air-Studios von Produzentenlegende George Martin (Beatles) aufgenommen wurden. Natürlich war sich Levi des Spagats bewusst, den er nach dem Debüterfolg zu bewältigen hatte: Wieviel Vertrautes muss sein, wieviel Neues kann rein? Während er dabei noch ganz auf die notwendige Vervollkommnung seines Handwerks setzte, spielt Levi jetzt auf "The Mass" voller Selbstvertrauen mit alten und neuen Optionen und Referenzen. So knüpft "O Fortuna" an "Divano" vom Vorgänger an, und "Avemano Orchestral" verrät schon im Titel die Fortsetzung von "Avemano" aus dem Debüt. Und auch "Enae Volare" feiert ein Comeback, allerdings eher auf den Spuren von Led Zeppelin’s "Kashmir", was erneut die engen Bande zwischen Klassik und Hard-Rock bestätigt.

"Es geht mir immer um starke Empfindungen", erklärt Eric Levi. "Es war ja die Leidenschaft und Intensität der Rock-Szene, die mich zuerst anzog. Und ich möchte sicherstellen, dass ERA diese Qualitäten teilt. Gewiss beruht diese Musik sehr stark auf Einbildungskraft, aber sie ist auch immer noch sehr real für mich. Ich möchte deshalb Ende 2003, Anfang 2004 in der Lage sein, diese Songs auch live vorstellen zu können. Es müsste natürlich eine große Produktion werden, mit tollem Sound und Licht und viel Aufmerksamkeit für jedes Detail. Weshalb es wohl am besten wäre, wenn die Performance dieser Musik in ein besonderes Ereignis eingebunden wäre. Wir werden sehen..."

Werden wir. Bis es eventuell soweit ist, bleibt nur, "The Mass" zu hören. Aber was heißt nur: Ein Fest für alle Sinne ist das Album auch auf der kleinen Bühne des heimischen Wohnzimmers.
     

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