Katie Melua Portrait
Zumindest eine Zeit lang sind die Karriere-Wünsche bei vielen Kindern an den Berufen der Eltern angelehnt. Mit Abstrichen trifft das auch auf die Sängerin Katie Melua zu. Doch während ihr Vater als Herzchirurg in einer Klinik Leben rettet, nimmt seine Tochter mit anderen Instrumenten und ihrer Stimme Angriff auf dasselbe Organ. Zum Glück, denn eigentlich wollte die 1984 in Georgien geborene Katie immer Politikerin werden. Natürlich hätte sie auch so einiges bewegen können, aber ob ihr in der Position so viele Menschen zugehört hätten? Der Wandel weg von der Entscheidungsträgerin hin zur Musikerin beginnt 1997 mit dem Umzug nach London. Dort landet Katie auf der Brit Performing Arts & Technology School und nimmt erfolgreich an ihrem ersten Nachwuchswettbewerb teil. Im Gegensatz zu einigen Politikern, die sich gerne mal ein bisschen mehr Kohle als verdient in die eigene Tasche stecken, verwendet Katie diese ersten Einnahmen, um die Wohnung ihrer Eltern renovieren zu lassen. Im Gegenzug unterstützen diese ihre Tochter bei der Finanzierung ihrer ersten Musikaufnahmen – eine äußerst lohnende Investition, wie sich später heraus stellen sollte. Der Produzent Mike Batt ist begeistert von der 17-jährigen Sängerin und bietet ihr einen Plattenvertrag über gleich fünf Alben an. Aber sein Vertrauen in die Newcomerin reicht nicht aus. Es findet sich einfach keine Plattenfirma, die Meluas Debüt-Album auf den Markt bringen will. Wie überzeugt Mike Batt aber von ihrem Talent ist, zeigt sein risikofreudiger Einsatz: Er finanziert die Produktion von „Call off the search“ aus eigener Tasche und darf sich mit seinem Zögling kurze Zeit später über die erste Nummer Eins der UK-Albumcharts freuen. Es dauert auch nicht lange, bis die Jazz-, Blues- und Folk-Klänge von Katie Melua von der Insel aus langsam das restliche Europa erobern. In Deutschland erreicht sie sogar Platin. Die Gefahr, als „Eintagsfliege“ in die Musikgeschichte einzugehen, räumt sie mit dem Nachfolge-Album „Piece bei piece“ aus, mit dem sie fast auf dem gesamten Kontinent einen der ersten beiden Plätze einnimmt. Die Briten haben sie besonders ins Herz geschlossen und dürfen Melua 2005 endlich wirklich „eine von uns“ nennen, nachdem sie die britische Staatsbürgerschaft annimmt. Rekordverdächtig ist ihr Karriere-Aufschwung, und auch ein wirklicher Rekord gelingt ihr: Sie spielt 2007 auf einer Bohrinsel in der Nordsee das tiefste Unterwasser-Konzert aller Zeiten und schafft es damit in das „Guinness Buch der Rekorde“. Auch mit ihrem dritten Album erobert Katie Melua im selben Jahr die obersten Plätze der Charts und wählte mit „Pictures“ einen passenden Titel für ihren Bilderbuchstart in eine große Musik-Karriere. Sicherlich kann sie mit ihrer Musik nicht Leben retten, wie es ihr Vater tut, aber sie kann sie ganz sicher schöner machen – notfalls auch ohne Instrumente.
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