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Madlib Biographie

Madlib

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Spätestens seit Ende der neunziger Jahre zählt Otis Jackson jr. alias Madlib zu den wirklich kreativen HipHop-Künstlern. Mit dem Debüt "Soundpieces: Da Antidote!" (1999) seiner Formation Lootpack und dem unter dem Alter Ego Quasimoto veröffentlichten Werk "The Unseen" (2000) festigte Madlib seinen Ruf als herausragend vielseitiger Rapper und Produzent. Auf "Shades Of Blue: Madlib Invades Blue Note" trifft der HipHop-Visionär jetzt auf den Katalog von Blue Note. Kein Geringerer als Nu-Jazz-Papst Gilles Peterson hat das Ergebnis bereits gehört und urteilt: "Das Erscheinen dieser LP verleiht dem großartigsten Jazzlabel der Welt den ultimativen Glanz."

Madlib hat sich stets fernab vom Mainstream des HipHop-Markts bewegt, stattdessen diese Musik vor allem durch seine visionären Ideen erneuert. Seine Brillanz äußert sich darin, unterschiedlichste Einflüsse aufsaugen und anschließend in verblüffend neue Formen reinterpretieren zu können. Das Ergebnis ist regelmäßig von atemberaubender Kraft und Intensität. Ein schönes Beispiel dafür war "Blunted In The Bomb Shelter" (2002), Madlibs Mix-CD mit Reggae-Partikeln aus dem Katalog des berühmten Dub- und Roots-Reggae-Label Trojan. Auch "Shades Of Blue: Madlib Invades Blue Note" begeistert durch die Raffinesse, mit der Madlib sein Material ausbalanciert. Seine Sounds klingen klassisch und doch zeitgemäß, die einfühlsam kombinierten Sample-Passagen schweben auf zurückhaltenden, entspannten HipHop-Beats einher. "Balance" scheint ohnehin einer der wichtigen Parameter seiner Arbeit zu sein: "Ich versuche einfach, die alten Köpfe mit den neuen Köpfen zu verbinden", so der Künstler. "Aber tatsächlich ist das Ganze ja nicht derart ausgedacht. Ich mache einfach die Musik, die ich hören will."

Von Menschen, die ihn privat kennen, wird Madlib als eher stiller Charakter beschrieben. Richtig expressiv wird er nur im Studio, wo er seine Persönlichkeit ganz offenlegt. So gesehen, ist das Studio wahrscheinlich das ideale Biotop für ihn - "Shades Of Blue: Madlib Invades Blue Note" legt dies jedenfalls nahe. Allerdings fand er für sein Blue-Note-Projekt auch traumhafte Arbeitsbedingungen vor: Er hatte freien Zugriff auf das Labelarchiv und stellte zunächst einen Wunschzettel mit Tracks zusammen, mit denen er arbeiten wollte. Dann erhielt er die originalen Mehrspur-Aufnahmebänder, so dass Madlib die Möglichkeit hatte, jede Instrumental- und Stimmspur zu separieren und individuell zu bearbeiten. Beim Abhören des Originalbandes von Donald Byrds "Steppin' Into Tomorrow" entdeckte er zum Beispiel eine kraftvolle weibliche Singstimme, die auf der originalen Veröffentlichung nicht zu hören war. Erst auf Madlibs Neubearbeitung erlebt diese Stimme ihre Auferstehung - zusammen mit dem neuen, hochelastischen HipHop-Beat wird aus dem Rare-Groove-Klassiker nun ein meisterhaftes Stück Neo-Jazzfunk. Ähnlich begeisternd gerieten Madlibs Version von Bobbi Humphreys ""Please Set Me At Ease" sowie "Mystic Bounce", eine Adaption von Ronnie Fosters "Mystic Brew", das als Sample-Basis des A Tribe Called Quest-Klassikers "Electric Relaxation" bei Nu Jazz- und HipHop-Fans schon lange Kultstatus genießt.

Bei einem Teil seiner Re-Kreationen ging Madlib noch einen Schritt weiter und holte Instrumentalisten ins Studio, zum Beispiel den Breakestra-Gitarristen Dan Ubick oder den Flötisten James King. Hinter Keyboarder Joe McDuphrey, Organist Morgan Adams III., Vibraphonist Ahmad Miller und DJ Lord Such vom Yesterdays New Quintet verbirgt sich allerdings ein und dieselbe Person - es sind allesamt Alter Egos von Otis Jackson jr. So oder so, bei den Aufnahmen von Reuben Wilsons "Stormy", Wayne Shorters "Footprints", Herbie Hancocks "Dolphin Dance" und den beiden Horace Silver-Nummern "Peace" und "Song For My Father" handelt es sich um komplette Neueinspielungen. Wobei Madlib seine Fassung von "Song For My Father" dem eigenen Vater gewidmet hat - der Siebziger-Jahre-Soullegende Otis Jackson sr.

"Shades Of Blue: Madlib Invades Blue Note" ist nicht einfach nur ein Blue Note-Remixalbum. Es ist eine imaginative Feier der Blue-Note-Kultur, angeführt vom derzeit wichtigsten Zeremonienmeister der intelligenten HipHop-Kunst. "Manche Menschen sagen, das Blue-Note-Sampling sei nur eine Phase im HipHop gewesen", sagt Madlib. "Aber Musik teilt sich einfach in gute Musik und in schlechte Musik, und ich höre mir immer noch Sachen von Blue Note an. Ich liebe es einfach." Kein Zweifel, die Blue-Note-Gründer Alfred Lion und Francis Lion wären stolz auf ihn.
     

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