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Orange Blue Biographie

Orange Blue

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Manchmal muss man sich auf sich besinnen, um weitermachen zu können. Um dann auch gemeinsam weiter wachsen zu können. Und überhaupt: Diese Mär, wonach die beiden Typen von Orange Blue nur die Augenfarbe nicht gemein haben und sonst aber so gut wie alles... war und ist eben eine Mär. „Was uns unterscheidet ist das Leben an sich“. Sagt Vince Bahrdt. „Alles ist Veränderung“. Sagt Volkan Baydar.

Gemeinsam sind sie aber immer noch Orange Blue, die Formation, die 2001 mit ihrem Debut-Album „In Love With A Dream" auf Anhieb Platin-Status erreichte, die von der Single "She's Got That Light" unglaubliche 400.000 Exemplare verkaufte und über 30 Wochen in den deutschen Top 100-Charts platziert war. Es folgten: Eine Echo-Nominierung als „Newcomer des Jahres", der Titelsong „Can Somebody Tell Me Who I Am“ zum Disney-Film „Dinosaurier" und mit „Songs Of Liberty“ ein zweites Album, das ebenfalls gut für die Top 20 war. Zudem für die Hit-Single „The Sun On Your Face", die als Titelmusik für den Julia Roberts-Blockbuster „America’s Sweethearts“ sogar zu Hollywood-Ehren kam. Und für einen Song, der nicht mal ausgekoppelt werden musste, um zum Jingle-Ohrwurm einer TV-Kampagne zu avancieren. „Powered By Emotion“...

Doch in den letzten zwei Jahren hat Orange Blue tatsächlich eher die Kraft der Veränderung angetrieben. Von „Neubeginn“ möchte Vince nicht gleich sprechen, von „Zäsur“ aber gern und unbedingt. Am Anfang stand die Unzufriedenheit mit der alten Plattenfirma, von der man sich schließlich aus eigenem Antrieb getrennt hat. Es folgte eine längere Songwriting-Session auf Mallorca. „Und da hat es dann mit unseren Produzenten geknallt“, erinnert sich Vince, „zu poppig“ seien deren Vorstellungen einfach gewesen. Plötzlich standen wieder viele Wege offen. Sie führten Orange Blue nach Frankfurt, nach Oslo und nach München, zu insgesamt sechs verschiedenen Produzenten, vor allem aber zu Mark Plati (David Bowie u.a.) nach New York, wo sechs der dreizehn neuen Songs produziert und gleich zehn abgemischt wurden. „Ein großartiger Typ“, schwärmt Vince, „auch menschlich. Ganz entspannt, mit unheimlich viel Erfahrung. Der hört sich alles an und kommt dann oft selbst mit einer Idee, wo man nur noch dasitzt und völlig baff ist. Solche Leute können Songs halt verzaubern.“

Dieses Kunststück ist Plati gleich mit dem ersten Orange Blue-Kandidaten „Is This The Point“ gelungen, den Volkan gemeinsam mit Xavier Naidoo geschrieben hat. Baydar, der seit rund 18 Monaten vor allem in Los Angeles lebt, ist also zum ersten Mal überhaupt unter die Co-Writer gegangen. Und zwar gleich über fast ein Jahr lang in verschiedensten Konstellationen. „Es ging nicht um Co-Writing an sich, sondern darum sich in irgendeine Richtung zu bewegen“, in eine Richtung, die möglichst auch Orange Blue weiterbringt. Und die ihn irgendwann mit der Frage konfrontierte: „Wie is‘ es eigentlich mal mit anderen zusammen zu schreiben?“

Und wie is‘ es nun? Nun, im Prinzip so wie das Leben, in dem ja bekanntlich auch so mancher Schuss daneben geht. Und man meistens dann ins Schwarze trifft, wenn keiner damit rechnet, man selbst am allerwenigsten. Ein Paradebeispiel dafür „But I Do“. Die quirlige erste Single hat Volkan gemeinsam mit Jens Thoresen von Oslo Recordings geschrieben. Am ersten Tag in der norwegischen Hauptstadt war’s mit zwei anderen Leuten nicht richtig rund gelaufen, am zweiten blieb vor dem Ablegen der Fähre zurück nur eine und obendrein leicht verkaterte Stunde. Nach einer halben davon wollte Volkan eigentlich schon aufgeben, „weil ich das Gefühl hatte, das wird nix mehr. Aber dann haben wir doch noch die Grundstruktur von „But I Do“ geschrieben. Musik hat halt nichts mit Zeit zu tun, sondern mit... Gott.“ Gott nicht unbedingt als religiöse Zentralinstanz, sondern „als Inbegriff von Spiritualität, Biologie, Mathematik, Gefühl, als ein Zusammenspiel, wo man denkt: Hier müssen wir jetzt weitermachen. Vielleicht sind’s gerade die Situationen, wo man nicht mehr viel erwartet. So wie man vielleicht die Frau seines Lebens trifft, wenn man in alten Klamotten zum Zigarrettenautomaten geht – während es ultra gestylt sowieso nie klappt.“

Während Volkan seine rastlose Suche weltweit fortsetzt, fand sich Vince zumal nach der langen Auslandsproduktion als Homeboy wieder. „Unterwegs sein macht mich nicht glücklich“, hat er erkannt, „ich vermiss mein Zuhause, meine Freunde.“ Nicht zuletzt sich als den Bastler und Frickler, der am liebsten den Wecker auf 6 Uhr stellt (morgens...) und dann den ganzen Tag unter Kopfhörern hinter Tasten verbringt, um an neuen Farbnuancen für Orange Blue zu rühren. Die schönste ist dem Liebhaber der Brandenburgischen Konzerte wohl mit dem elegischen „Everywhere In My Head“ gelungen, ein Song, der fast nur von Streichern lebt, die hier sogar den Rhythmus tragen. „Das ist musikalisch die völlige Erfüllung für mich“, schwärmt Vince. Demgegenüber steht ein Song wie „Caught In Silence“ eher für Kontinuität, ist er doch thematisch ein Sequel von „Heaven Was Her Name“ vom zweiten Orange Blue-Album. Diese beeindruckende Begegnung mit einer multiplen Persönlichkeit hat Vince halt nicht wieder losgelassen. Und wird es wohl auch künftig nicht tun. „Da werd‘ ich glaub‘ ich noch zehn Songs drüber schreiben“, bekennt er.

Und das durchaus im Rahmen von Orange Blue, der im Jahre 2004 offener ist denn je. Aus den mutig entwickelten Gegensätzen ist eine produktive Spannung gewachsen, die neu ist für diese Band. Man hört, wie sich Vince und Volkan individuelle Räume zugestehen, ohne dass die Identität von Orange Blue in Frage gestellt würde. Vorausgesetzt natürlich man begreift das Duo nicht länger als reine Balladenunternehmung, die sie am Anfang ja durchaus ganz bewußt war.
„Es war ja immer so“, erklärt Vince, „dass jeder seine Songs allein geschrieben hat und dann haben wir zusammen geguckt, was passt. Das hat früher funktioniert, und es funktioniert immer noch. Da gibt es nach wie vor eine große Schnittmenge für Orange Blue.“ Wenn auch zuweilen nur nach „langen und harten Diskussionen.“

Nicht länger diskutiert wird dann aber, wenn sie endlich wieder auf der Bühne stehen. Auch live leuchtet Orange Blue in dieser Saison etwas anders, wie bereits auf einer kleinen Club-Tour im Mai zu sehen und hören war. Eine neue Rhythmusgruppe ist gekommen, auch zwei Sängerinnen setzen den Zug jetzt verstärkt in Richtung R’B/Gospel unter Dampf. „Ich finde es gerade heutzutage schön, den Leute auf der Bühne zu zeigen, dass wir Spaß an der Musik haben“, sagt Volkan. Und fügt mit einem Seitenhieb auf die aktuelle Casting-Unkultur hinzu. „Und dass wir das auch tun können ohne faken zu müssen.“ Nach soviel produktiver Selbstbesinnung ginge das ohnehin nicht mehr.
     

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