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Tahiti 80 Biographie


Einige Behauptungen über Tahiti 80...
...und einige (puzzle-artige) Gegenargumente
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Das schwierigste wird für sie sein, ein ebenso frisches und gelungenes Album wie das erste zu machen!

Als Puzzle, das erste Album von Tahiti 80, vor drei Jahren das Licht der Welt erblickte, teilten sich die Meinungen in zwei Gruppen. Es gab diejenigen, die so stark applaudierten, dass der Auftritt unterbrochen wurde: Endlich! Da gelang es einer Gruppe Franzosen, die Grammatik des universellen Pop zu praktizieren, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, zu lange im fabulösen Zauberbuch der Sixties geschmö-kert zu haben. Sicher, sie hatten offenbar Klassiker wie die Beatles, Kinks oder Love inhaliert - aber ihr Enthusiasmus und ihre jugendliche Energie siegten dabei über die blosse akademische Methode. Xavier (Gesang, Gitarre), Médéric (Gitarre, Key-bords), Pedro (Bass) und Sylvain (Schlagzeug), vier Jungs im Gegenstrom der Zeit, hatten sich eine 30 Jahre alte Sprache angeeignet und sie mit modernen Redewen-dungen versehen. Sie bereicherten auf ihre Art dieses kollektive Vokabular, so als seien sie die Ersten, die es schrieben. Die zweite Gruppe, eher skeptisch, fand sie natürlich auch charmant und begabt, aber auch etwas weich, romantisch, zu höflich und schön, um nicht als Köder für die Haie zu enden. Kein Zweifel: Wie exotische Fische aus Polynesien würden Tahiti 80 einfach roh verschlungen werden!

Drei Jahre sind vergangen. Und nicht nur, dass Tahiti 80 immer noch zusammen sind - sie haben auch solch außergewöhnliche Abenteuer erlebt, dass sie daraus die nötige Energie ziehen konnten, um ein zweites euphorisches Album zu verwirklichen. Die Angst, dabei Frische und Elan der Anfänge nicht mehr zu finden, ist schnell verflogen zugunsten von einer Dynamik, deren Resultat nun greifbar ist: Mit Wall-paper For The Soul, ihrem zweiten Album, ist es ein wenig so, als würde Tahiti 80 ein zweites "erstes" Album herausbringen, was die Frische des Geistes angeht. Aber wenn man die künstlerische Entwicklung betrachtet, wäre es dann mindestens ihr viertes.

Um ihre Mütter und Bänker zu beruhigen, erzählen sie, dass sie in Japan berühmt sind (und dass dort die Mädchen in Ohnmacht fallen, wenn sie vorbeikommen)! Bedaure, aber im Gegensatz zu einigen ihrer Verwandten, die mehr oder weniger geschickt die Zahlen der Polizei manipulieren, sind Tahiti 80 inzwischen tatsächlich eine der bekanntesten internationalen Gruppen in Japan. Eine Band, die auf den gleichen Bühnen steht wie beispielsweise die Cardigans. Puzzle hat sich dort 120.000 mal verkauft und die Single "Heartbeat" war sogar auf Platz 1 in den Charts. Deshalb ist es für sie heute leider nicht mehr möglich, in einem Second Hand-Plat-tenladen in Tokios In-Viertel Shibuya zu shoppen, ohne damit einen Aufstand zu riskieren. Ihre Mütter sind beruhigt, ihre Freundinnen weniger.

Sie behaupten, mit bekannten Leuten zusammenzuarbeiten, die aber in Wahrheit keiner kennt (die aber im Ausland berühmt sind)!
Eric Matthews ist kein Unbekannter. Er war Mitglied des Duos Cardinal, das in den 90er Jahren in den USA Geschichte schrieb. Von ihm stammen auch zwei eigene Songwriterplatten, und diejenigen, die sie besitzen, würden sie bei einem Unglück garantiert als erstes retten. Eric Matthews war schon eines der Teilchen bei Puzzle. Auf der neuen Platte spielt er Trompete und praktiziert grazilen Background-Gesang. Andy Chase, der Tontechniker und Produzent, ist auch nicht gerade ein No-Name: Er ist Mitglied der Gruppe Ivy, Macher vieler guter Pop-Platten in seinem New Yorker Studio, Stratosphere, und er sass auch schon bei Puzzle an den Hebeln. Auch Tony Lash ist kein Unbekannter. Er hat schon mit Gruppen wie den Dandy Warhols oder Künstlern wie Elliot Smith gearbeitet. In seinem Studio in Portland hat er Wallpaper For The Soul abgemischt. Und schließlich Richard Hewson, der absolut kein Unbekannter ist. Hier nur ein kleiner Auszug seiner Arbeit: Er ist der Autor der kontroversesten Saitenarrangements der Musikgeschichte! Diese befinden sich auf dem Album Let It Be der Beatles!!! Danach hat er lange mit McCartney gearbeitet, genauer gesagt am Solo-Meisterwerk des ‚cute Beatle', Ram. Und in den mythischen Olympic Studios in London, wo die Beatles einige Spuren hinterliessen, hat Richard Hewson nun mit einem 18-köpfigen Orchester die Streicher-Parts für fünf Stücke von Wallpaper For The Soul unter Dach und Fach gebracht.

Ihre musikalische Zeitrechnung ist im Jahr 1969 stehengeblieben!
Das ist falsch, mit der Coverversion von "A Love From Outer Space" (von A. R. Kane 1989) konnten Tahiti 80 diese These bereits untrüglich widerlegen. Und weil sie sich nicht vor ihren Wurzeln, und vor dem musikalischen Terrain, in dem man sie reifen und sich entfalten ließ, verstecken müssen, haben Tahiti 80 auch nicht vor, ihr Leben damit zu verbringen, immer dieselben schmalen Gartenbeete zu bepflanzen. Auf dem gesamten Wallpaper For The Soul - Album kann man ihr Interesse für kalifornischen Folk, für AM-Pop aus den 70ern (Todd Rundgren, The Raspberries), für jamaikanischen Dub, für blue eyed soul der 80er Jahre (Orange Juice) und für moderne R&B-Produktionen entdecken.

So, wie die aussehen und sich anhören, haben die noch nie schwarze Musik gehört! Hört aufmerksam Wallpaper For The Soul und Ihr werdet merken, dass dem nicht so ist. Wenn das Wort soul im Titel erscheint, ist das übrigens zweifellos kein Zufall. Stücke wie "1000 Times", "Separate Ways" oder natürlich "Soul Deep", verra-ten eine grosse Liebe für einen bestimmten, samtigen und luxuriösen Soul: den von Smokey Robinson, Marvin Gaye, Al Green.... Und bis hin zur ausgebleichten Version von Style Council. Weil der Soul nicht nur eine Sache der Pigmentierung ist, sondern, wie sein Name schon sagt, eine Sache der Seele.

Sie singen auf Englisch, weil sie nichts zu sagen haben!
Man kann die Dinge auch anders betrachten: sie singen auf Englisch, weil die Gren-zen der sechseckigen französischen Landkarte für sie noch nie die Trennwand der Welt, in der sie leben, waren (ob konkret oder eingebildet). Sie lieben es zu reisen, Landschaften zu sehen, Eindrücke mit amerikanischen, englischen, japanischen oder schwedischen Fans auszutauschen. Ihre Stücke sind feine Variationen von univer-sellen Pop-Themen: Liebe, Leiden, Verrat, Phantasie, Nostalgie, Freude (und dazwi-schen die Züge, um von A nach B zu gelangen). Die englische Sprache erlaubt es, Dinge auszudrücken, die das Geschliffene des französischen Vokabulars so nicht zulässt. Die Popmusik ist eine Beschäftigung von einfachen Leuten.

Tahiti 80 stammen nicht aus Tahiti (und 80 sind sie auch nicht)!
Das ist korrekt. Sie kommen aus Rouen, aber Rouen 80 wäre weniger poetisch gewesen. Sie jedoch zu sehen, wie sie Stücke so komponieren, als wären es duftende Blüten, und zuzusehen, wie sie unsere Ohren damit zärtlich bekränzen, lässt uns rätseln, ob sie nicht doch ein kleines bisschen polynesisch sind?

Sie verlassen sich auf ihren Bandnamen, um auf schamlose Weise vom 80er-Revival zu profitieren! Ohhh, non. Mon dieux.

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