A-Ha Biographie
A-Ha
Der Herbst nimmt in der Geschichte von a-ha eine eher untypische Stellung als besonders betriebsame Jahreszeit ein. Mit dem Ende des Sommer folgt für gewöhnlich die Phase, in der Norwegens erfolgreichste Musiker zu Höchstleistungen auflaufen - ein Trend, den sie im heißen Herbst 2005 mit ihrem achten Studioalbum Analogue und einer begleitenden Welttournee eindrucksvoll fortsetzen.
Dabei wird a-ha von besten Erinnerungen begleitet, an das Live8-Konzert in Berlin und an die größte Mobilmachung der norwegischen Geschichte in Oslos weitläufigem Frognerparken, wo sie im August 2005 vor einer begeisterten Masse spielten - "nur wir und 120.000 unserer engsten Freunde," wie es Magne Furuholmen formulierte. Und all das findet sein Echo im Respekt, den geschätzte Kollegen wie Chris Martin und Robbie Williams ihrem Gesamtwerk entgegenbringen.
Das Album und die Tour markieren exakt den 20. Jahrestag ihres Einstieges in die Billboard Hot 100 und ihres Sturms auf die Popwelt mit Take On Me. In der Folge konnten a-ha immer wieder beweisen, dass ihr erster Hit nur an der Oberfläche gekratzt hat. Darunter versteckte sich seit jeher ein ungeahnt komplex und vielschichtig arbeitendes Kollektiv. Als Freunde, Musiker, Stars und menschliche Wesen, haben a-ha seitdem fast alles erreicht. Analogue ist ihre aktuelle Bestandsaufnahme - das braucht keiner als Happy End zu verstehen, denn a-ha bleiben auch künftig der Maxime vom "work in progress" treu.
Aber werfen wir doch einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Herbst 1980, Furuholmen und Paul Waaktaar-Savoy präsentieren als Mitglieder der Band Bridges ihr erstes Album einem vergleichsweise kleinen Teil der Weltöffentlichkeit. Herbst 1983, mit Morten Harket als neuem Frontmann des Trios, das sich fortan a-ha nennt, schließen sie einen weltweiten Deal mit Warner Brothers ab.
Herbst '85, Take On Me wird nicht nur ihre Hymne sondern ein Theme-Song für den Pop der Achtziger, untermauert vom Debütalbum Hunting High And Low. Herbst '86, der berühmte und zeitlose Videoclip wird bei den MTV Music Awards vierfach prämiert; a-ha beginnen damit, sich von den Zwängen des Lebens zu befreien und veröffentlichen ihr überwiegend in Eigenregie produziertes zweites Album, Scoundrel Days.
Herbst 1990, a-ha platzieren ihre 13. Single hintereinander in den Top 30 Großbritanniens. '94 gönnen sich die drei Musiker eine fünfjährige Bandpause, die ihnen Zeit und Muse lässt, persönliche Projekte zu verfolgen, um sich '98 wieder zusammenzufinden. Die Reunion trägt mit Minor Earth, Major Sky (2000) und Lifelines ('02) erste Früchte.
Das muss als Zusammenfassung der Vergangenheit reichen, denn die Gegenwart ist viel zu lebendig, um sich im Gestern zu verlieren. Was sich spätestens erklärt, wenn man Analogue hört. Natürlich haben sich die Drei in den letzten zwei Jahrzehnten verändert und sind reifer geworden; garantiert haben sie sich dabei zu drei einzigartigen und höchst individuellen kreativen Kräften entwickelt, die ihr gemeinsames Werk in immer wieder neue Richtungen pushen.
Aber das ist auch das Aufregende: Morten, Magne und Paul konnten ihre Energien auf eine positive Spannung konzentrieren, um mit einer neue Plattenfirma als Partner ein neues Album zu realisieren. Analogue ist ein Album, das Neuland betritt und dabei unbestreitbar a-ha repräsentiert, angefangen bei der ersten Single, dem gleichzeitig eisigen wie anschmiegsamen Celice, über die unwiderstehlichen Sofortzünder wie Analogue und Halfway Through The Tour, bis zum reflektierten, feinfühligen Keeper Of The Flame sowie dem persönlichen Favoriten der Band Cosy Prisons.
Höchste Zeit, den Künstlern das Wort zu überlassen. "Was wir jetzt zusammen in die Band einbringen," erklärt Magne, "sind unsere individuell ausgebildeten Stärken und das schafft eine ganz andere Dynamik. Auf den letzten beiden Alben haben die internen Kämpfe nahezu den Fokus unserer musikalischen Ausrichtung bestimmt. Jetzt habe ich das Gefühl, dass wir ein wesentlich klareres, homogeneres Album gemacht haben, mit dem wir die Band ganz neu verorten können."
Paul nimmt das Thema auf und setzt den "Neuanfang" in Beziehung zu ihren letzten persönlichen Projekten (er spielte mit seiner Frau Lauren in der Band Savoy während Harket und Furuholmen mit Solo-Veröffentlichungen beschäftigt waren). "Ich denke, wir sind dort viel Material losgeworden und konnten mit diesem Album von Grund auf neu anfangen," erklärt er.
"Das letzte Album wirkte sehr zersplittert, weil wir so viele verschiedenen Produzenten und verschiedene Köche hatten. Mit diesem Album haben wir versucht, genau das zu vermeiden indem wir nur mit einem Mann zusammengearbeitet haben [Produzent Martin Terefe]. Zudem hatten wir eine tolle Zeit als wir die Songs mit Flood abmischten; ich war schon lange ein großer Fan seiner Arbeiten [unter anderem für Smashing Pumpkins, U2, PJ Harvey und Depeche Mode]."
In bester Bandtradition erregt die erste Single Celice auch aufgrund eines bemerkenswerten Videos viel Aufmerksamkeit. So bemerkenswert, dass ein explizites Detail bereits für etwas Nervosität bei manchen Programmverantwortlichen gesorgt hat. Das Video wurde teilweise in einem Berliner Bordell unter Zuhilfenahme einer speziellen Kamera auf wärmeempfindlichen Film gebannt. "Das ist eine starke Idee mit kleinen visuellen Anekdoten von Leuten in verschiedenen Graden der Interaktion und Isolation," erklärt Mags und fügt mit trockenem Humor hinzu, "wir geben einen klassischen Auftritt, aber wir hätten auch einen guten Job als Schauspieler gemacht, wenn man uns nur gefragt hätte."
"Ursprünglich war Celice fast so etwas wie ein Selbstmord-Ballade," sagt Furuholmen. "Ich war mir nicht sicher, ob ich den Song wirklich einbringen sollte, aber dann sagte Martin Terefe 'Das ist ein Hit, wir brauchen nur eine Uptempo-Version.' Er kam mit einem Entwurf wieder, der meine gesamtes Auffassung des Songs veränderte. Der Text ist ziemlich dunkel und hart, aber so wie er ihn verstand, wurde der Song zu einer zweischneidigen Angelegenheit. Ich denke, a-ha hatte auch schon immer diese Untertöne; [der 86er Hit] I’ve Been Losing You ist beispielsweise auch eine Art Murder-Song.”
Der Retro-Anklang im Titel ist Teil eines Prozesses, die Geschichte mit der Zukunft zu verbinden. Insbesondere für eine Band, die plötzlich von einem wahren Sturm der Fan-Begeisterung, Boulevard-Schlagzeilen und Fehlinterpretationen fast hinweggefegt wurde.
"Im ersten Jahr," sagt Morten, "war es für uns schwierig abzuschätzen, was wir getan haben und wie das auf die Menschen gewirkt haben mag. Wir sind z.B. irgendwo hingekommen, wo Bilder von uns gemacht wurden, ohne zu realisieren, dass der Bildhintergrund pink war. Du erscheinst dann natürlich ganz anders als du dich selbst siehst. Wir wurden als Teenie-Idole gesehen - und das hatte alles so wenig mit dem zu tun, warum wir eigentlich angetreten waren."
"Wir waren damals weniger geneigt, unsere Geschicke selbst zu lenken," bekennt Paul. "Wir waren sozusagen immer zur Stelle und haben gemacht, was von uns verlangt wurde. Es war schon so ein Hochgefühl, als Norweger einen Fuß in die Tür zu haben, dass wir uns keiner bestimmten Richtung verschreiben wollten."
"Als Band hatten wir immer das Gefühl, unsere Integrität zu haben, trotz all der Hysterie, die in den ersten Jahren um uns herum herrschte," sagt Magne. "Jede Band mit einer Blitzkarriere und einer gewaltigen Single, die zum Maß deiner Karriere wird - jede Band, die sich nicht vor so einem Erfolg ihre Sporen verdient hat, muss sie sich dann in der Folge verdienen."
Auf der Tour sind neben Songs vom aktuellen Album Analogue eine Fülle von Hits zu hören, die a-ha in frischer wie erfrischender Form zum Besten geben. "Wir kommen auf unsere eigene Vergangenheit zurück und unterziehen sie einer erneuten Prüfung, aber mit einer anderen Grundeinstellung; im Gegensatz zu früher soll das nun auch einen Festcharakter haben," sagt Magne. "Das hat nicht nur etwas mit der verstrichenen Zeit zu tun, sondern auch damit, dass wir inzwischen so viele verschiedene Sachen gemacht haben. Das lädt die psychischen Batterien auf und bringt eine neue Dynamik in die Gruppe."
Das ist also das Geheimnis hinter dem, was bei a-ha als nächstes passiert. Wie ihre Legionen von Fans erregt sie der neue Sinn für Perspektive. "Es war diesmal viel leichter für uns, weil wir einfach sein konnten, wer wir heute sind," sagt Morten. "Ich genieße die Tatsache, dass es uns inzwischen um etwas anderes geht. Was ich am Leben interessant finde, sind die immer wechselnden Stimmungen, und dass nichts so bleibt wie es ist, du musst damit spielen und darauf Antworten finden. Und das kann eine sehr interessante Beschäftigung sein."
Mit freundlicher Erlaubnis von
Quelle & Copyright : Universal Music
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Sänger Morten Harket, Keyboarder Magne Furuholmen und Gitarrist Paul Waaktaar-Savoy legten 2002 nach der kolossal erfolgreichen Tournee anlässlich ihres Comeback-Albums noch eins drauf. Im Anschluss an den Release von Lifelines (u.a. Nummer eins der Media Control-Charts in Deutschland) fiel für a-ha der Startschuss zu 45 hervorragend frequentierten, zum größten Teil restlos ausverkauften Konzerten. Beginnend im mit 24.000 Anhängern bis zum Bersten gefüllten Ullevaal-Stadion im heimatlichen Oslo und endend in einem der schönsten Musentempel des Kontinents, dem Point zu Dublin, besuchten die Drei alle klassischen Stationen einer großen Europareise (darunter allein zwölf Termine in Deutschland). Dazu absolvierte man gigantische Shows in den Stadien russischer, polnischer, baltischer sowie zwischendurch gar südamerikanischer Städte.
Das Echo auf den Besuch der Skandinavier war überall das selbe: überwältigender Jubel. Und das nicht nur von Seiten des Publikums, auch die Presse zeigte eine seltene Einigkeit in ihrer Begeisterung. So fühlte sich der Rezensent der respektierten englischen Wochenpublikation The Independent in der ehrwürdigen Royal Albert Hall zu London an "selige Zeiten" erinnert, als "Popmusik noch nicht grundsätzlich dämlich war." Weiter konstatierte der Autor: "a-ha sind eine der wenigen Gruppen, die sich trauen, musikalisches Grandeur anzustreben und dabei gar selbst ihre Instrumente bedienen können. Harkets Stimme hat nichts von ihrer opernhaften Kraft, ebenso wenig an chorknabengleicher Reinheit verloren." Ebenfalls zur Performance in der britischen Hauptstadt schrieb der Kritiker des "Guardian": "Manhattan Skyline lässt erhabene Melancholie mit avantgardistischen Rockelementen alternieren, die sogar Radioheads 'Paranoid Android' in den Schatten stellen. Stay On These Roads wird zum piano-dominierten Torch-Song, während sich Hunting High And Low zu einer unwiderstehlichen Rock-Sinfonie mausert. The Sun Always Shines on TV macht schließlich jedem rational denkenden Menschen klar, dass die Mitglieder dieser Band zu den unterschätztesten Genies der letzten beiden Dekaden zählen."
Auch die anderen Konzerte fanden jede Menge Anklang. So schrieb die Frankfurter Rundschau: "Man kann sich so angenehm zurücklehnen in diese Musik, sie hält das Herz warm", während das Monatsmagazin Musikexpress "ein noch mutigeres Set als beim letzten Mal" attestierte. Die belgische Tageszeitung De Morgen sprach von einer "überraschend frischen, brillanten Vorstellung" sowie "Songs, die auf magische Art miteinander verbunden zu sein scheinen." Das dänische Blatt Berlingske Tidende hingegen schilderte den Abend in Kopenhagen mit folgenden Worten: "Eine hochprofessionelle, ausgewogene, perfekt abgestimmte Show; dazu mit unbändiger Energie, sympathischem Lächeln und verdammt viel Liebe vorgetragen."
Das vorliegende Dokument dieses Triumphzugs entstand im letzten Spätsommer während der großen Europa-Tour. Die drei Protagonisten wurden dabei allabendlich von Christer Karlsson (kb), Per Lindvall (dr), dessen Bruder Sven (b) und Anneli Drecker (bvoc), die als Solointerpretin ebenfalls erfolgreich ist, begleitet. Diese Musiker trugen einen großen Teil zur elektrisierenden Stimmung bei, die für How Can I Sleep With Your Voice In My Head - a-ha Live eingefangen wurde. Dabei beschränkte sich das eingespielte Ensemble nicht auf bloßes Reproduzieren, sondern ließ zusätzlich den älteren Hits brandaktuelle Arrangements angedeihen.
Darüber hinaus übergab Frontmann Harket seinen beiden Freunden und Kollegen erstmals für jeweils eine Nummer das Mikrofon. Keyboarder Mags glänzte mit seiner gefühlvollen Interpretation von Dragonfly, während Gitarrist Paul den großen Moment im Spotlight mit einem spektakulär rockenden Sycamore Leaves zu nutzen wusste. Selbst das Publikum steuerte nur allzu gern seinen Part zum Gelingen bei. Die spontan, mit viel Herzblut intonierten Chöre, z.B. beim Klassiker Hunting High And Low bzw. dem dynamischen James-Bond-Song The Living Daylights, sind der beste Beweis für die Begeisterung und den Enthusiasmus, der in den Auditorien herrschte. Eine unglaublich positive Euphorie, die ihren absoluten Höhepunkt freilich immer wieder bei a-has großem Durchbruch, dem Welthit Take On Me, erreichte.
Doch nicht nur vor und neben der Bühne wurde die letzte Tournee als etwas ganz Besonderes empfunden. Magne Furuholmen z.B. hat nur schöne Erinnerungen an die Rückkehr auf die so lange vernachlässigten Bretter: "Die Shows haben uns bewiesen, dass wir endlich auch eine wirklich gute Liveband geworden sind. Wir haben das Alles erstmals in vollen Zügen genossen; deutlich mehr als in den Achtzigern, als Konzerte ein echter Krampf sein konnten. Die Erfahrung lässt uns heute deutlich lockerer mit den bei Live-Auftritten einfach unvermeidlichen kleinen Pannen umgehen. Nach dem Erfolg von 2000 habe ich mich auf diesen Trip gefreut wie nie zuvor."
Eine ungemein motivierende Stimmung, die im a-ha Tourbook, dem Multimedia-Segment der Doppel-CD, nachvollziehbar wird. Hier sind in einem ca. achtminütigen Doku-Film sowohl die Nähe zum Publikum als auch die Verbundenheit der Musiker zu ihren Mitarbeitern sowie die wiederentdeckte Kameradschaft untereinander hautnah zu erleben.
Die insgesamt 20 Songs auf How Can I Sleep With Your Voice In My Head - a-ha Live spiegeln nicht nur die einmalige Atmosphäre eines Abends mit a-ha wider, sie zeigen obendrein die Ausnahmestellung auf, die Harket, Furuholmen und Waaktaar-Savoy in den Herzen der vielleicht treuesten, begeisterungsfähigsten Fans der Welt einnehmen.
Dabei wird a-ha von besten Erinnerungen begleitet, an das Live8-Konzert in Berlin und an die größte Mobilmachung der norwegischen Geschichte in Oslos weitläufigem Frognerparken, wo sie im August 2005 vor einer begeisterten Masse spielten - "nur wir und 120.000 unserer engsten Freunde," wie es Magne Furuholmen formulierte. Und all das findet sein Echo im Respekt, den geschätzte Kollegen wie Chris Martin und Robbie Williams ihrem Gesamtwerk entgegenbringen.
Das Album und die Tour markieren exakt den 20. Jahrestag ihres Einstieges in die Billboard Hot 100 und ihres Sturms auf die Popwelt mit Take On Me. In der Folge konnten a-ha immer wieder beweisen, dass ihr erster Hit nur an der Oberfläche gekratzt hat. Darunter versteckte sich seit jeher ein ungeahnt komplex und vielschichtig arbeitendes Kollektiv. Als Freunde, Musiker, Stars und menschliche Wesen, haben a-ha seitdem fast alles erreicht. Analogue ist ihre aktuelle Bestandsaufnahme - das braucht keiner als Happy End zu verstehen, denn a-ha bleiben auch künftig der Maxime vom "work in progress" treu.
Aber werfen wir doch einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Herbst 1980, Furuholmen und Paul Waaktaar-Savoy präsentieren als Mitglieder der Band Bridges ihr erstes Album einem vergleichsweise kleinen Teil der Weltöffentlichkeit. Herbst 1983, mit Morten Harket als neuem Frontmann des Trios, das sich fortan a-ha nennt, schließen sie einen weltweiten Deal mit Warner Brothers ab.
Herbst '85, Take On Me wird nicht nur ihre Hymne sondern ein Theme-Song für den Pop der Achtziger, untermauert vom Debütalbum Hunting High And Low. Herbst '86, der berühmte und zeitlose Videoclip wird bei den MTV Music Awards vierfach prämiert; a-ha beginnen damit, sich von den Zwängen des Lebens zu befreien und veröffentlichen ihr überwiegend in Eigenregie produziertes zweites Album, Scoundrel Days.
Herbst 1990, a-ha platzieren ihre 13. Single hintereinander in den Top 30 Großbritanniens. '94 gönnen sich die drei Musiker eine fünfjährige Bandpause, die ihnen Zeit und Muse lässt, persönliche Projekte zu verfolgen, um sich '98 wieder zusammenzufinden. Die Reunion trägt mit Minor Earth, Major Sky (2000) und Lifelines ('02) erste Früchte.
Das muss als Zusammenfassung der Vergangenheit reichen, denn die Gegenwart ist viel zu lebendig, um sich im Gestern zu verlieren. Was sich spätestens erklärt, wenn man Analogue hört. Natürlich haben sich die Drei in den letzten zwei Jahrzehnten verändert und sind reifer geworden; garantiert haben sie sich dabei zu drei einzigartigen und höchst individuellen kreativen Kräften entwickelt, die ihr gemeinsames Werk in immer wieder neue Richtungen pushen.
Aber das ist auch das Aufregende: Morten, Magne und Paul konnten ihre Energien auf eine positive Spannung konzentrieren, um mit einer neue Plattenfirma als Partner ein neues Album zu realisieren. Analogue ist ein Album, das Neuland betritt und dabei unbestreitbar a-ha repräsentiert, angefangen bei der ersten Single, dem gleichzeitig eisigen wie anschmiegsamen Celice, über die unwiderstehlichen Sofortzünder wie Analogue und Halfway Through The Tour, bis zum reflektierten, feinfühligen Keeper Of The Flame sowie dem persönlichen Favoriten der Band Cosy Prisons.
Höchste Zeit, den Künstlern das Wort zu überlassen. "Was wir jetzt zusammen in die Band einbringen," erklärt Magne, "sind unsere individuell ausgebildeten Stärken und das schafft eine ganz andere Dynamik. Auf den letzten beiden Alben haben die internen Kämpfe nahezu den Fokus unserer musikalischen Ausrichtung bestimmt. Jetzt habe ich das Gefühl, dass wir ein wesentlich klareres, homogeneres Album gemacht haben, mit dem wir die Band ganz neu verorten können."
Paul nimmt das Thema auf und setzt den "Neuanfang" in Beziehung zu ihren letzten persönlichen Projekten (er spielte mit seiner Frau Lauren in der Band Savoy während Harket und Furuholmen mit Solo-Veröffentlichungen beschäftigt waren). "Ich denke, wir sind dort viel Material losgeworden und konnten mit diesem Album von Grund auf neu anfangen," erklärt er.
"Das letzte Album wirkte sehr zersplittert, weil wir so viele verschiedenen Produzenten und verschiedene Köche hatten. Mit diesem Album haben wir versucht, genau das zu vermeiden indem wir nur mit einem Mann zusammengearbeitet haben [Produzent Martin Terefe]. Zudem hatten wir eine tolle Zeit als wir die Songs mit Flood abmischten; ich war schon lange ein großer Fan seiner Arbeiten [unter anderem für Smashing Pumpkins, U2, PJ Harvey und Depeche Mode]."
In bester Bandtradition erregt die erste Single Celice auch aufgrund eines bemerkenswerten Videos viel Aufmerksamkeit. So bemerkenswert, dass ein explizites Detail bereits für etwas Nervosität bei manchen Programmverantwortlichen gesorgt hat. Das Video wurde teilweise in einem Berliner Bordell unter Zuhilfenahme einer speziellen Kamera auf wärmeempfindlichen Film gebannt. "Das ist eine starke Idee mit kleinen visuellen Anekdoten von Leuten in verschiedenen Graden der Interaktion und Isolation," erklärt Mags und fügt mit trockenem Humor hinzu, "wir geben einen klassischen Auftritt, aber wir hätten auch einen guten Job als Schauspieler gemacht, wenn man uns nur gefragt hätte."
"Ursprünglich war Celice fast so etwas wie ein Selbstmord-Ballade," sagt Furuholmen. "Ich war mir nicht sicher, ob ich den Song wirklich einbringen sollte, aber dann sagte Martin Terefe 'Das ist ein Hit, wir brauchen nur eine Uptempo-Version.' Er kam mit einem Entwurf wieder, der meine gesamtes Auffassung des Songs veränderte. Der Text ist ziemlich dunkel und hart, aber so wie er ihn verstand, wurde der Song zu einer zweischneidigen Angelegenheit. Ich denke, a-ha hatte auch schon immer diese Untertöne; [der 86er Hit] I’ve Been Losing You ist beispielsweise auch eine Art Murder-Song.”
Der Retro-Anklang im Titel ist Teil eines Prozesses, die Geschichte mit der Zukunft zu verbinden. Insbesondere für eine Band, die plötzlich von einem wahren Sturm der Fan-Begeisterung, Boulevard-Schlagzeilen und Fehlinterpretationen fast hinweggefegt wurde.
"Im ersten Jahr," sagt Morten, "war es für uns schwierig abzuschätzen, was wir getan haben und wie das auf die Menschen gewirkt haben mag. Wir sind z.B. irgendwo hingekommen, wo Bilder von uns gemacht wurden, ohne zu realisieren, dass der Bildhintergrund pink war. Du erscheinst dann natürlich ganz anders als du dich selbst siehst. Wir wurden als Teenie-Idole gesehen - und das hatte alles so wenig mit dem zu tun, warum wir eigentlich angetreten waren."
"Wir waren damals weniger geneigt, unsere Geschicke selbst zu lenken," bekennt Paul. "Wir waren sozusagen immer zur Stelle und haben gemacht, was von uns verlangt wurde. Es war schon so ein Hochgefühl, als Norweger einen Fuß in die Tür zu haben, dass wir uns keiner bestimmten Richtung verschreiben wollten."
"Als Band hatten wir immer das Gefühl, unsere Integrität zu haben, trotz all der Hysterie, die in den ersten Jahren um uns herum herrschte," sagt Magne. "Jede Band mit einer Blitzkarriere und einer gewaltigen Single, die zum Maß deiner Karriere wird - jede Band, die sich nicht vor so einem Erfolg ihre Sporen verdient hat, muss sie sich dann in der Folge verdienen."
Auf der Tour sind neben Songs vom aktuellen Album Analogue eine Fülle von Hits zu hören, die a-ha in frischer wie erfrischender Form zum Besten geben. "Wir kommen auf unsere eigene Vergangenheit zurück und unterziehen sie einer erneuten Prüfung, aber mit einer anderen Grundeinstellung; im Gegensatz zu früher soll das nun auch einen Festcharakter haben," sagt Magne. "Das hat nicht nur etwas mit der verstrichenen Zeit zu tun, sondern auch damit, dass wir inzwischen so viele verschiedene Sachen gemacht haben. Das lädt die psychischen Batterien auf und bringt eine neue Dynamik in die Gruppe."
Das ist also das Geheimnis hinter dem, was bei a-ha als nächstes passiert. Wie ihre Legionen von Fans erregt sie der neue Sinn für Perspektive. "Es war diesmal viel leichter für uns, weil wir einfach sein konnten, wer wir heute sind," sagt Morten. "Ich genieße die Tatsache, dass es uns inzwischen um etwas anderes geht. Was ich am Leben interessant finde, sind die immer wechselnden Stimmungen, und dass nichts so bleibt wie es ist, du musst damit spielen und darauf Antworten finden. Und das kann eine sehr interessante Beschäftigung sein."
Mit freundlicher Erlaubnis von
Quelle & Copyright : Universal Music
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Sänger Morten Harket, Keyboarder Magne Furuholmen und Gitarrist Paul Waaktaar-Savoy legten 2002 nach der kolossal erfolgreichen Tournee anlässlich ihres Comeback-Albums noch eins drauf. Im Anschluss an den Release von Lifelines (u.a. Nummer eins der Media Control-Charts in Deutschland) fiel für a-ha der Startschuss zu 45 hervorragend frequentierten, zum größten Teil restlos ausverkauften Konzerten. Beginnend im mit 24.000 Anhängern bis zum Bersten gefüllten Ullevaal-Stadion im heimatlichen Oslo und endend in einem der schönsten Musentempel des Kontinents, dem Point zu Dublin, besuchten die Drei alle klassischen Stationen einer großen Europareise (darunter allein zwölf Termine in Deutschland). Dazu absolvierte man gigantische Shows in den Stadien russischer, polnischer, baltischer sowie zwischendurch gar südamerikanischer Städte.
Das Echo auf den Besuch der Skandinavier war überall das selbe: überwältigender Jubel. Und das nicht nur von Seiten des Publikums, auch die Presse zeigte eine seltene Einigkeit in ihrer Begeisterung. So fühlte sich der Rezensent der respektierten englischen Wochenpublikation The Independent in der ehrwürdigen Royal Albert Hall zu London an "selige Zeiten" erinnert, als "Popmusik noch nicht grundsätzlich dämlich war." Weiter konstatierte der Autor: "a-ha sind eine der wenigen Gruppen, die sich trauen, musikalisches Grandeur anzustreben und dabei gar selbst ihre Instrumente bedienen können. Harkets Stimme hat nichts von ihrer opernhaften Kraft, ebenso wenig an chorknabengleicher Reinheit verloren." Ebenfalls zur Performance in der britischen Hauptstadt schrieb der Kritiker des "Guardian": "Manhattan Skyline lässt erhabene Melancholie mit avantgardistischen Rockelementen alternieren, die sogar Radioheads 'Paranoid Android' in den Schatten stellen. Stay On These Roads wird zum piano-dominierten Torch-Song, während sich Hunting High And Low zu einer unwiderstehlichen Rock-Sinfonie mausert. The Sun Always Shines on TV macht schließlich jedem rational denkenden Menschen klar, dass die Mitglieder dieser Band zu den unterschätztesten Genies der letzten beiden Dekaden zählen."
Auch die anderen Konzerte fanden jede Menge Anklang. So schrieb die Frankfurter Rundschau: "Man kann sich so angenehm zurücklehnen in diese Musik, sie hält das Herz warm", während das Monatsmagazin Musikexpress "ein noch mutigeres Set als beim letzten Mal" attestierte. Die belgische Tageszeitung De Morgen sprach von einer "überraschend frischen, brillanten Vorstellung" sowie "Songs, die auf magische Art miteinander verbunden zu sein scheinen." Das dänische Blatt Berlingske Tidende hingegen schilderte den Abend in Kopenhagen mit folgenden Worten: "Eine hochprofessionelle, ausgewogene, perfekt abgestimmte Show; dazu mit unbändiger Energie, sympathischem Lächeln und verdammt viel Liebe vorgetragen."
Das vorliegende Dokument dieses Triumphzugs entstand im letzten Spätsommer während der großen Europa-Tour. Die drei Protagonisten wurden dabei allabendlich von Christer Karlsson (kb), Per Lindvall (dr), dessen Bruder Sven (b) und Anneli Drecker (bvoc), die als Solointerpretin ebenfalls erfolgreich ist, begleitet. Diese Musiker trugen einen großen Teil zur elektrisierenden Stimmung bei, die für How Can I Sleep With Your Voice In My Head - a-ha Live eingefangen wurde. Dabei beschränkte sich das eingespielte Ensemble nicht auf bloßes Reproduzieren, sondern ließ zusätzlich den älteren Hits brandaktuelle Arrangements angedeihen.
Darüber hinaus übergab Frontmann Harket seinen beiden Freunden und Kollegen erstmals für jeweils eine Nummer das Mikrofon. Keyboarder Mags glänzte mit seiner gefühlvollen Interpretation von Dragonfly, während Gitarrist Paul den großen Moment im Spotlight mit einem spektakulär rockenden Sycamore Leaves zu nutzen wusste. Selbst das Publikum steuerte nur allzu gern seinen Part zum Gelingen bei. Die spontan, mit viel Herzblut intonierten Chöre, z.B. beim Klassiker Hunting High And Low bzw. dem dynamischen James-Bond-Song The Living Daylights, sind der beste Beweis für die Begeisterung und den Enthusiasmus, der in den Auditorien herrschte. Eine unglaublich positive Euphorie, die ihren absoluten Höhepunkt freilich immer wieder bei a-has großem Durchbruch, dem Welthit Take On Me, erreichte.
Doch nicht nur vor und neben der Bühne wurde die letzte Tournee als etwas ganz Besonderes empfunden. Magne Furuholmen z.B. hat nur schöne Erinnerungen an die Rückkehr auf die so lange vernachlässigten Bretter: "Die Shows haben uns bewiesen, dass wir endlich auch eine wirklich gute Liveband geworden sind. Wir haben das Alles erstmals in vollen Zügen genossen; deutlich mehr als in den Achtzigern, als Konzerte ein echter Krampf sein konnten. Die Erfahrung lässt uns heute deutlich lockerer mit den bei Live-Auftritten einfach unvermeidlichen kleinen Pannen umgehen. Nach dem Erfolg von 2000 habe ich mich auf diesen Trip gefreut wie nie zuvor."
Eine ungemein motivierende Stimmung, die im a-ha Tourbook, dem Multimedia-Segment der Doppel-CD, nachvollziehbar wird. Hier sind in einem ca. achtminütigen Doku-Film sowohl die Nähe zum Publikum als auch die Verbundenheit der Musiker zu ihren Mitarbeitern sowie die wiederentdeckte Kameradschaft untereinander hautnah zu erleben.
Die insgesamt 20 Songs auf How Can I Sleep With Your Voice In My Head - a-ha Live spiegeln nicht nur die einmalige Atmosphäre eines Abends mit a-ha wider, sie zeigen obendrein die Ausnahmestellung auf, die Harket, Furuholmen und Waaktaar-Savoy in den Herzen der vielleicht treuesten, begeisterungsfähigsten Fans der Welt einnehmen.
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