Du bist hier: Musik-Base » Bands » Interpreten mit A » Angela McCluskey » Biographie

Angela McCluskey Biographie

Angela McCluskey

Angela-mccluskey_medium
"Angela flatterte 1997 in mein Leben. So ist es mit ihr. Sie flattert in deine Welt, als komme sie aus einer anderen Epoche, mit ihren riesigen Hüten, all dem Samt und diesem derben schottischen Akzent. Ich war wie verwandelt und tief berührt. Sie besaß eine unerklärliche Anziehungskraft, unendlich viel Energie und verstreute praktische Ratschläge, Poesie und unflätige Witze wie Dorothy Parker als Märchenfee. Allein ihre starke Persönlichkeit würde eigentlich reichen, sie legendär zu machen, aber erst wenn sie singt, spürst du förmlich diesen Tritt in den Hintern." - Nathan Larson

Angela McCluskey kleidet sich nicht nur gern exzentrisch, die Stimme der gebürtigen Schottin, die sowohl in Amerika als auch in Frankreich Kultstatus genießt, ist nicht minder auffällig. Dieses brüchig rauchige Timbre dürfte auch hierzulande Popfans vertraut erscheinen. Denn vor nicht allzu langer Zeit lieh sie ihre Stimme der französischen Elektropopformation Télépopmusik für deren europaweiten Hit "Breathe", der auch in den USA in einem Werbespot von Mitsubishi Furore machte und sogar für einen Grammy nominiert wurde. Mit "The Things We Do" erscheint nun das längst überfällige Solodebüt der seit Jahren in den USA lebenden Sängerin, das sie in enger Zusammenarbeit mit dem Multiinstrumentalisten und Produzenten Nathan Larson in Manhattan und Schweden aufgenommen hat. Es ist ein 13 Songs umfassendes Wunderwerk aufgekratzt wirkender Balladen und sphärischer Rockminiaturen, die Blues, Soul und Jazz in Partikeln enthalten und sich zu einem träumerischen Kaleidoskop weltferner Popsongs zusammenfügen. Kurzum, ein kleines Universum für sich, das mit "It's Been Done", einer wundervollen Melange aus amerikanischem Pop und britischem Soul, angereichert mit Gospel und Reggae, furios beginnt.

Man sollte vielleicht zunächst das eine oder andere Wort über ihre Stimme verlieren, die ihr Produzent und Songautor Nathan Larson über den grünen Klee lobt. Angela McCluskeys ungewöhnliches Timbre ist mit Billie Holiday verglichen worden, was höchst ehrenwert, aber doch verfänglich ist; mit Cyndi Lauper, mit der sie befreundet ist; mit Rocklegenden wie Janis Joplin und mit Marianne Faithfull. Tatsächlich ist man jedoch am besten beraten, wenn man sich ganz auf ihre eigene Legende konzentriert. Angela McCluskey stammt aus Glasgow. Obwohl sie schon als Kind eine schöne Stimme hatte und von ihren drei jüngeren Geschwistern oft aus dem Bett geholt wurde, um "Summertime" zu singen, wurde sie von ihren Eltern nicht gerade ermutigt, ihren frühen Ambitionen als Sängerin nachzugehen. Mit 18 Jahren verließ sie die Schule, ging nach London und arbeitete als Promoterin für Channel 4 und EMI sowie als Publizistin für Limelight Films.

"Ich wollte immer singen, aber irgendwie ergab es sich nicht", erzählt Angela McCluskey. "Ich stellte mir vor, dass ich wohl erst mit 50 die Zeit dazu fände und mich dann an Jazz oder so was Ähnlichem versuchen würde. Doch auf Dauer wurde es immer unerträglicher, dass ich nicht das tat, was ich eigentlich wollte." Das änderte sich erst, als sie den klassisch ausgebildeten amerikanischen Pianisten Paul Cantelon kennen lernte, der nicht nur von ihrer Stimme begeistert war und sie zum Singen animierte, sondern sie gleich auch noch heiratete. 1991 zog das Paar nach Los Angeles. "Ich kam nach Amerika und statt weiter als Film-Publizistin zu arbeiten, sagte ich zu mir: ‚Ich bin eine Sängerin.' Und der amerikanische Traum ging für mich tatsächlich in Erfüllung. Nun ja, es war harte Arbeit, ich suchte mir eine Band, stellte eine Clubshow zusammen und musste mich um tausend Dinge kümmern. Aber gleichzeitig bekam ich hier viel mehr Zustimmung als Ablehnung. Die Leute hier sagten: ‚Du bist also eine Sängerin, lass mal sehen, was du drauf hast', anstatt ‚das ist doch kein Leben, such Dir einen richtigen Job', was ich zuhause zu hören bekommen habe."

Ihre jeden Dienstagabend im Cafe Largo präsentierte Show entwickelte sich rasch durch Mundpropaganda zum Publikumsmagneten. Winona Ryder verkaufte Tickets am Eingang. Keanu Reeves und Stephen Rea waren Stammgäste, und unvergessen geblieben sind die Jimmy-Reeves-Songs, die McCluskey im Duett mit Harry Dean Stanton intonierte. 1992 gründete sie zusammen mit einem Freund The Wild Colonials. "Ich kannte einen Typen, der Saxophon spielte", erinnert sich McCluskey in einem Interview. "Der wiederum kannte einen Bassisten und einen Rockgitarristen. Ich fragte Paul, ob er außer Klavier noch was anderes spielen könnte, worauf er eine Geige unter dem Bett hervorholte. Drei Wochen lang klangen unsere Proben, als würden Züge aufeinanderprallen. Doch dann machte es klick und wir waren die beste Band, die du jemals in deinem Leben gehört hast."

Entdeckt wurde die Band von Chad Smith, Schlagzeuger der Red Hot Chili Peppers, bzw. von dessen Frau Maria, die von den Wild Colonials schwärmte, seitdem diese in ihrem Hause ein Überraschungskonzert gegeben hatten. Smith lud die Band ins Studio 56 ein, in jenes legendäre Studio, in dem Phil Spector seinen berühmten Wall Of Sound kreierte, und produzierte in einer dreitägigen Studiosession eine Demo-CD. Der Clou bei der Session: Smith hatte das Studio in das Cafe Largo verwandelt, inklusive Tischen, Kerzen und - dank vieler anwesender Freunde - der Atmosphäre einer gut gefüllten Bar.

The Wild Colonials unterschrieben kurze Zeit später einen hoch dotierten Vertrag bei Geffen Records, produzierten zwei Alben ("Fruit Of Life", 1994, "This Can't Be Life", 1996) und erspielten sich auf langen Konzertreisen, unter anderem im Rahmen der 1997er "Lilith Fair Road Show", eine große Fangemeinde. Zwischendurch fand Angela McCluskey immer noch Zeit für andere Aufgaben. Sie gastierte auf zahlreichen Soundtracks und arbeitete mit Dr. John, Cyndi Lauper, Joe Henry, Matt Johnson, Deep Forest und der wunderbaren Band ihres Mannes, Triptych. Kurz nach Fertigstellung des dritten Albums trennte sich die Band von ihrem Label und McCluskey zog mit den fertigen Bändern im Gepäck nach New York. Eigentlich wollte sie eine längere Pause einlegen, aber dann kam der Anruf von Télépopmusik, und Angela flog nach Frankreich und nahm "Breathe" auf.

Den Plan für ein Soloalbum trug die Schottin schon lange mit sich herum. Doch erst in New York fand sie die Zeit und den richtigen Partner, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. "Ich lernte Angela kennen, als ich noch Gitarrist von Shudder To Think war", erinnert sich Nathan Larson. "Es war in einem dieser billigen HipHop-Studios in New York. Sie stand im Dunkeln hinter schmutzigem Glas und sang in ein Mikrophon. Mir fiel die Kinnlade runter. Ich fühlte, dass ich gerade Zeuge von etwas wirklich Großem war. Ich verlor augenblicklich meine Seele an diese Stimme. Am ersten Tag, als wir uns trafen, sprachen wir schon davon, ein Album aufzunehmen. Ich glaube jedenfalls, dass es so war. Vielleicht war es auch zu einem späteren Zeitpunkt. Egal, ich weiß, dass viele Leute davon redeten, das ‚Angela-Album' zu produzieren. Aber ich war zuerst da."

"The Things We Do" entstand in Manhattan und Schweden, wo Larson, der mit der Cardigans-Sängerin Nina Persson verheiratet ist, ein eigenes Studio hat. Nach der Erzählung des Gitarristen, der bei den Aufnahmen auch Bass, Keyboards, Vibraphon und Percussion spielte sowie Drumcomputer und Sampler programmierte, herrschte während ihrer gemeinsamen Arbeit eine ganz besondere, fast unwirkliche Atmosphäre. "Ich kann mich nur an Bruchstücke erinnern, an Papierteller voller ausgebrannter Teelichter und ausgedrückter Zigaretten, an eine Flasche Scotch, deren Inhalt sich über eine Seite mit handgeschrieben Texten ergießt, an das Erdbeben-ähnliche Rumpeln, wenn der Zug nach Dänemark nur ein paar Zentimeter von unserer Studiowand entlang donnerte, an Angela in einer schmutzigen Küche, die mit einer kaputten Gitarre, den einzigen Akkord, den sie beherrscht, in ein Diktaphon spielt und dazu irgendwas über ein fremden Ort singt. Der Gesang dieses Abends wurde in einem einzigen betrunkenen, nachmitternächtlichen Take auf das Band genagelt. ‚Long Live I' etwa sang sie hinaus aus dem Fenster, hinein in die Lücke, in der nur drei Wochen zuvor noch die Twin Towers gestanden hatten."

"Wir standen morgens um neun Uhr auf und gingen gegen zwei ins Bett.", fügt Angela hinzu. "Wir arbeiteten den ganzen Tag. Als ich wieder nach Hause fuhr, nahm ich eine CD mit, die nur vier Riesen gekostet hatte. Da ich keinen Manager hatte, gab ich die CD an Nathans Manager, Danny Heps, und er ging damit zu einigen Plattenfirmen. Als uns Manhattan Records einen Vertrag anbot, dachten wir, jetzt müssen wir das ganze Album noch mal aufnehmen, aber die Verantwortlichen bei Manhattan Records meinten nur, sie fänden das Album großartig wie es ist und ‚Rührt ja nichts mehr an'."

Ganz ohne Veränderung ging es dann doch nicht. Für einige Songs engagierte man ein Streichquartett. Der Drumcomputer wich einem Schlagzeuger aus Fleisch und Blut und auf der einzigen Coverversion des Albums, Matt Johnsons (The The) "Love Is Stronger Than Death", brilliert neben James MacDonald am Akkordeon der Jazzpianist und Blue-Note-Künstler Jason Moran.

Das Gros der Songs stammt aus der Feder von Nathan Larson. Weitere Credits gehen an den Gitarristen Per Sunding. Angela McCluskey selbst fungiert bei drei Larson-Titeln als Co-Autorin. Außerdem hat sie den skizzenhaften Albumausklang "Hidden Song" geschrieben und zusammen mit Skip Ward das schimmernde, absolut hitverdächtige Pop-Juwel "Know It All". Aber auch wenn sie nur wenige der tiefsinnigen, oft melancholischen Texte über Sex, Tod, Angst, Schmerz, Liebe und Schönheit verfasst hat, intoniert sie die Worte doch so überzeugend, als wären sie ihre eigenen. Zweifellos scheint ihre verlorene und melancholisch wirkende Stimme besonders geschaffen für bittersüße Songs wie die wahrlich herzzerreißenden "Sleep On It" und "Long Live I", die anrührende Soul-Ballade "Wrong Side", das jazzige "This Night" und das mit Doo-Wop- und Blues-Zitaten kokettierende "A Thousand Drunken Dreams". Aber auch die leichtfüßigeren Songs, die wie "Perfect Girl Eleven", "Somebody Got Lucky" und das dylaneske "Dirty Pearl" aus zahllosen Rock-Einflüssen schöpfen, meistert sie mühelos.

Fraglos zeigt Angela McCluskey schon seit geraumer Zeit die Energie und Entschlossenheit, die ein Künstler braucht, um in der aktuellen Musikszene Akzente zu setzen. Doch erst jetzt, im Alter von 37 Jahren, hat sie mit "The Things We Do" endlich das Album aufgenommen, das ihrem unglaublichen Talent als Sängerin wirklich gerecht wird. Aber trotz der euphorischen Reaktionen, die das Album in den USA bereits ausgelöst hat und obwohl sie auf dem gleichen Label veröffentlicht, ist Angela McCluskey realistisch genug, nicht daran zu glauben, dass aus ihr die nächste Norah Jones wird. Der Erfolg einer Lucinda Williams oder Sarah McLachlan wäre hingegen nicht zu verachten. "Alles, was ich will, ist noch einige Alben aufnehmen und ein paar Konzerte geben. Wenn ich meine eigene Theater-Tournee auf die Beine stellen könnte, wäre das natürlich großartig. Denn ich bin sehr theatralisch". Was wahrlich niemand wundert, der "The Things We Do" hört.
Diese Seite speichern bei:   Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  

Mehr Informationen zu Angela McCluskey



0 Kommentare zu Angela McCluskey Biographie

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. :(