Du bist hier: Musik-Base » Bands » Interpreten mit A » Archive » Biographie

Archive Biographie

Archive

Archive_medium
Im Juni 2004 überraschte eine Band, deren Wurzeln irgendwann mal im TripHop lagen und die nur wenige Jahre später "progressiv" genannt wurde, auf einer kleinen Clubtournee mit brillanten akustischen Versionen ihrer sonst soundmäßig zur Opulenz neigenden Songs.

Gitarrenwände schmolzen zu filigraner Transparenz zusammen, Keyboardwälle verwandelten sich in fragile Pianoklänge. Ein phantastischer Beweis dafür, dass ARCHIVE sich keineswegs im Bombastbunker verstecken, sondern dass das Herz ihrer Songs auch dann schlägt, wenn sie ungeschminkt und sozusagen nackt daherkommen.

Wer sich nicht an die eindrucksvollen Konzerte erinnern kann, konnte sich wahrscheinlich nicht von den diversen Nachberichterstattungen der EM-Spiele lösen, die leider zur gleichen Zeit wie die ARCHIVE-Tour stattfanden. Dass ARCHIVE trotzdem in nahezu ausverkauften Häusern spielten und die Clubs gerammelt voll waren, spricht allerdings deutliche Worte für die Band. Kein Grund, sich zu grämen, wenn man’s nicht geschafft, hat denn Unplugged fasst die besten Momente der Tour zusammen und zeigt ARCHIVE als Meister des kleinen Arrangements und der persönlichen Atmosphäre.

Der Großteil des Albums besteht aus dem Material von Noise (2004), zwei Songs kommen von You All Look The Same To Me (2001). Mit diesen Alben definierten ARCHIVE nach einer mehrjährigen Suche ihre eigene, unverwechselbare musikalische Sprache. Großartig ist zum Beispiel Fuck U als Opener, der auch in einer heruntergefahrenen Pianoversion nichts von seiner Kraft verliert, und auch das folgende Noise entfaltet in einer Version mit zwei akustischen Gitarren einen Charme, der weit über die opulente Albumversion hinausgeht.

Zwei Coverversionen bereichern Unplugged mit unerwarteten Referenzen an ebenfalls große Songwriter. Eine Ehrerbietung an The Smiths ist Girlfriend In A Coma, dagegen stammt das schwer bluesige Game Of Pool von Santa Cruz. Bisher unveröffentlicht ist der Titel Run, eine stille Ballade in schlichten Gesang/Gitarre/Piano-Outfit.

ARCHIVE haben aus ihrem Akustikprojekt kein pseudozurechtgeschliffenes Unplugged-Spektakel gemacht. Im Gegenteil, die Jungs haben sich einfach auf die Bühne gestellt, auf große Anlagen verzichtet und das Ergebnis ohne weitere Manipulationen auf CD gesetzt. Und wenn Craig Walkers Gesang nicht immer zu 110% perfekt ist, dann wirkt das sogar sehr sympathisch und angenehm ehrlich. Auf jeden Fall aber dürften die Akustikversionen für das Verständnis des Werks von ARCHIVE essenziell sein. Und uns über so manchen dunklen Winterabend hinwegretten...

Angefangen haben ARCHIVE, genauer gesagt Danny und Darius, 1996 mit dem triphoppigen Londinium. Zwischenzeitlich nahmen sie mit wechselnden Vokalisten und -innen auf, u.a. Rapper Rosco und Sängerin Roya; bandinterne Verwirrungen sorgten aber bald für eine Auflösung der Verhältnisse, sodass Darius und Danny zunächst wieder zu zweit dastanden. 1999 legten die Jungs mit der neuen Sängerin Suzanne Wooder das opulent-sinfonische Take My Head vor. Ein aufgedrückter Producer, eine Plattenfirma, die mal wieder ihre Hände nicht aus dem Spiel lassen konnte, kurz - das Album hinterließ in der Band ein gespaltenes Gefühl. Erst die Bekanntschaft mit Craig Walker, der auf eine Anzeige hin zur Band stieß, brach schließlich Bahnen frei. You All Look The Same To Me (2001) ließ schließlich jenen Sound entstehen, der von nun an ARCHIVEs Markenzeichen werden sollte: Relaxte aber kraftvolle Grooves, komplexe und atmosphärische Songstrukturen und die Fähigkeit gnadenlos zu rocken, wenn es an der Zeit dazu ist. Dazu Craigs unverwechselbare Stimme, die sensibel und drängend zugleich sein kann, gemein und hingabevoll, wütend und schmeichelnd. 2003 zog sich die Band in die Normandie zurück und arbeitete am Soundtrack zu Michel Vaillant, der Kultcomic-Verfimung durch Louis-Pascal Couvelaire und Pierre Ange.

Anfang 2004 schritten sie den mit You All Look The Same To Me eingeschlagenen Weg weiter und veröffentlichten Noise, das in einem atemlosen Emotionsmarathon von ganz oben nach unten und wieder zurück führte. Mit Unplugged zeigen sie ihre sensible Seite, und man kann gespannt auf die Zukunft sein und rätseln, wie die Unplugged-Erfahrung sich wohl auf neues Songmaterial auswirken wird.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Sie gehören nicht zum großen Hype der 80s-Derivate und sie wurden nie als „das neue Ding“ bezeichnet, aber sie besitzen seit einigen Jahren Ausnahmestatus in der Musikwelt und der Alternativ-Szene. Das Gebiet von ARCHIVE sind komplexe Strukturen mit progressiven Anleihen, weite Klanglandschaften auf schwer gleitendem, rhythmischen Fundament und ein Hang zu Melodien, die den Zuhörer mit ihrer Intensität auch schon mal in den emotionalen Würgegriff nehmen. Wenn man ein ARCHIVE-Album durchgehört hat, dann hat man eine Reise hinter sich, die an den Kern des eigenen Ich führt, einen Sightseeing-Trip an alle Abgründe und Höhepunkte der eigenen Seele. Das ist auch bei ihrem fünften Studio-Album nicht viel anders, auch wenn der Titel mehr Licht verspricht: Lights.

Um es gleich vorweg zunehmen: Die erste Single, ist Track 4: System. Und der Song beschreibt recht gut, warum Lights seinen Titel zu Recht trägt, denn auf dem Album gehen ARCHIVE die Popsongs lockerer von der Hand denn je zuvor. Man lasse nur den Opener Sane auf sich wirken: er wirkt, als hätten New Order eine Frischzellenkur verpasst bekommen und ein bißchen Schmirgelpapier gefuttert. Ebenso Sit Back Down: so groovy und auf dem Punkt konnte man die Südlondoner bisher nur selten erleben. Selbst die ganz stillen Songs wie die Pianoballade Fold wirken lichter als erwartet, und ein Song wie Veins lächelt einen ja geradezu an. Aber wo Licht ist, ist eben auch Schatten und wenn man beim Titelsong Lights angekommen ist, dann wird es Zeit, sich zurückzulehnen und willig auf einen 18 Minuten langen Trip zu gehen, der dem analytischen Verstand die Zügel aus der Hand nimmt.

„Man könnte sagen, Lights ist auf seine Art ein Pop-Album,“ überlegt Danny Griffiths. „Wir schreiben nicht oft Dreieinhalb-Minuten-Songs. Aber dieses Mal war es genau das Richtige. Aber es schließlich geht es auch darum, von etwas, das wie ein totaler ‚Rock’n’Roll’-Song klingt, zu einem Track zu kommen, der fast 19 Minuten hat und genau das Gegenteil ist. Und dann haben wir wieder 2-Minuten-Nummern, die nach John Carpenter oder Scarface klingen und eine kinematische Anmutung haben...“

Definitiv neu bei ARCHIVE ist Pollard Berrier, ein amerikanischer Sänger, der seit einigen Jahren in Österreich lebt und Mitglied der innovativen Formation Bauchklang ist. Seine feinfühlige und beinah kristalline Stimme wurde zum perfekten Bestandteil des Kollektivs und repräsentiert perfekt die neue Nuance, die ARCHIVE mit Lights erproben wollen. „Nach der Düsterkeit von Noise war es gut, etwas anderes zu tun, etwas positiveres, daher der Titel Lights. Pollard hat es sofort verstanden und brachte etwas sehr Reines und fast Klaustrophobisches dazu, das aber gleichzeitig sehr offen und leuchtend wirkt,“ so Danny.

Der Neuzugang war ebenso glücklich gewählt wie notwendig. 2005 verließ Craig Walker die Band und brachte Darius Keeler und Danny Griffiths dazu, den nächsten kreativen Schritt zu tun. Letztlich durchziehen Veränderung und Weiterentwicklung die Geschichte ARCHIVEs. Begannen sie 1996 mit dem warmen, und noch stark TripHop-beeinflussten Album Londinium, das die Sängerin Roya featurete, legten sie 1999 mit Sängerin Suzanne Wooder das opulent-sinfonische Take My Head vor. Erst mit dem Zugang von Craig Walker und dem 2001er Album You All Look The Same To Me erreichten ARCHIVE eine gewisse Stabilität und formulierten ihren heute gültigen Sound aus. 2004 erschien dann der Markstein Noise, bevor im Herbst desselben Jahres das ungemein intensive Live-Album Unplugged kam.
Dementsprechend bereitete der Verlust Craigs dann zunächst ein bißchen Sorge: „Wir kamen ein bißchen ins Stolpern, als Craig ging. Aus dieser Perspektive schien uns Lights wie die letzte Möglichkeit ARCHIVE zu retten, und dass wir Pollard fanden, war wirklich ein Geschenk des Himmels. Bei ARCHIVE ging es immer vor allem um die Musik, um das was wir tun. Mit Pollard sind wir wieder ein Kollektiv, so wie es war, als wir anfingen.“

Lights wurde im Londoner Hauptquartier aufgenommen, im Clapham ‚Southside’-Studio, und in Paris von Jérome Devoise in Paris, ARCHIVEs zweiter Heimatstadt, gemischt. Lights beschreibt auf seine Art alle Richtungen ARCHIVEs und bahnt sich musikalisch den Weg von Pop über TripHop, Psychedelia und kinematographische Übergängen, nahezu barocke Einschübe und ausgeprägtes Rockfeeling.
Inhaltlich geht es auf Lights um die westliche Welt als soziale Struktur. „Lights kein politisches Album, aber sehr von sozialen Gegebenheiten geprägt. Es geht darum, wie die Leute sich benehmen und was aus ihnen wird. Alle von uns! Unsere Schuld, die darin liegt, dass wir auf eine gewisse Weise eindimensional werden. Ein unzynischer Blick auf den Zynismus, der uns umgibt. Die westliche Welt wird immer verrückter. Es gibt so viele Kämpfe in dieser Welt, um alles und jedes, Kultur, Politik, Religion und aus den Fugen geratenes Konsumverhalten. Aber es ist eine sehr interessante Zeit, um Musik zu machen.“
Diese Seite speichern bei:   Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  

Mehr Informationen zu Archive



0 Kommentare zu Archive Biographie

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. :(