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Blur Biographie

Blur

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Die Vorgeschichte von Blur lässt sich bis in die frühen Achtziger zurückverfolgen, als sich Damon Albarn (geb. 23.3.1968; voc/key) und Graham Coxon (geb. 12.3.1969; g) erstmals in Colchester, Essex begegnen. Beide stammen aus gutem Hause, britisches Bildungsbürgertum par excellence. Dazu gehörte natürlich auch eine gute Schulausbildung und ein Instrument. Damons Eltern waren liberal und künstlerisch orientiert, sein Vater gehörte in den späten Sechzigern zum Umfeld der psychedelischen Rock-Jazzer Soft Machine. Schon als Teenager offenbarten Damon und Graham ihr ausgeprägtes musikalisches Talent: Damon gewann einen Wettbewerb für junge Komponisten, und der in Deutschland geborene Graham brachte es bald zum Saxophonisten in mehreren lokalen Bands. 1988 studierte Graham am Londoner Goldsmith's College und machte Damon mit seinem Kommilitonen Alex James (geb. 1.11.1968; b) bekannt. Gemeinsam mit dem aus Colchester stammenden Dave Rowntree (geb. 8.5.1964; dr) gründeten die vier Jungspunde eine Band, die zunächst Seymour, dann Great White Hopes hieß. Nach einigen Gigs in und um London benannte sich das Quartett 1989 schließlich in Blur um.

Im Februar 1990 unterschrieben Blur ihren bis heute gültigen Plattenvertrag bei dem aufstrebenden Label Food Records. Acht Monate später erschien mit "She's So High" die Debütsingle, die es immerhin kurz in die Top 50 brachte. Richtig ins Rollen kam die Karriere dann mit der nächsten Single: "There's No Other Way" war von Stephen Street (The Smiths, Morrissey, The Cranberries) produziert und positionierte sich 1991 als veritabler Frühjahrshit auf Rang acht der UK-Charts. Street avancierte in den darauffolgenden Jahren zum Stammproduzenten. Der Erfolg konsolidierte sich mit Blurs Debütalbum "Leisure", das etwas mehr als zwei Jahre nach Gründung der Formation bis auf Rang sieben der UK-Albumcharts vorstieß. Trotz des unverkennbaren Bezugs zur Rave-Bewegung waren die Songs geprägt von Syd Barretts frühen Pink Floyd, den explosiven Gitarren von My Bloody Valentine und den Vokalharmonien der Beatles in ihrer "Revolver"-Phase.

Auf dem zweiten Album "Modern Life Is Rubbish", das nach eineinhalbjähriger Arbeit 1993 erschien, hatte Damon Albarn dann endgültig den Schritt vom eher gleichgültigen Beobachter hin zum bissigen Sozial-Kommentator vollzogen, dem es gelang, seine Songs mit skurrilen und eben typisch englischen Figuren zu bevölkern. Zugleich setzten die sorgfältig austarierten Pop-Elemente samt Streicher- und Bläserpassagen einen selbstbewussten Kontrapunkt gegen die damalige Grunge-Uniformität der Rockszene. Ursprünglich sollte Andy Partridge von XTC das Album produzieren, doch nach einigen Streitereien engagierte man dann doch wieder Stephen Street. Schon die Single "For Tomorrow", die fast nur in Großbritannien chartete, zeigte den starken Einfluss von David Bowie. "Modern Life Is Rubbish" war ein so durch und durch britisches Album, dass aus Amerika der infame Vorschlag kam, es für den dortigen Markt von Butch Vig (Nirvana) neu produzieren zu lassen. Dabei waren Blur mit ihren phantasievollen Arrangements und ihrem lockeren Verständnis für das gesamte britische Poplexikon (Syd Barrett, The Jam, T.Rex, Undertones) so schnell erwachsen geworden, dass das englische Musikmagazin Select sie sogar zur "besten Band seit den Smiths" kürte.

"Parklife" (1994) entwickelte diese British-Lifestyle-Perspektive gekonnt weiter. Wie die Kinks ein Vierteljahrhundert zuvor schrieben Blur jetzt am großen Pop-Epos des britischen Alltagslebens. Mehr als alle anderen ging gerade dieses Album der englischen Popnation in Fleisch und Blut über. Ein wenig modhaft, von scharfzüngiger Ironie, präzise im umgangssprachlichen Duktus und zugleich herrlich nostalgisch, war "Parklife" mit weltweit zwei Millionen verkaufter Exemplare auch ihr bis dato größter kommerzieller Erfolg. Die stilistische Vielfalt offenbarte sich schon mit den unterschiedlichen Singles: "Girls And Boys", der größte Hit des Albums, pendelte zwischen Dance und New Wave, so dass selbst die Pet Shop Boys zu einem Remix antraten; auf der Mod-Hymne "Parklife" gastierte Phil Daniels, Altstar des Who-Films "Quadrophenia"; die säuselnde Ballade "To The End", die Damon Albarn zunächst im Duett mit Laetitia Sadier aufnahm (und später noch einmal mit Francoise Hardy), war die bis dahin wohl zärtlichste Versuchung, während "This Is A Low" mit feinster Gitarrenpsychedelik aufwartete.

Der Titel ihres nächsten Albums "The Great Escape" (1995) schien unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass Blur die Flucht antreten wollten. Zunächst war es aber eine Flucht nach vorn. Die englischen Medien hatten landesweit den Kampf um die Krone des britischen Pop ausgerufen, den Blur und Oasis gegeneinander führen sollten. Blurs Single "Country House" und Oasis' "Roll With It" erschienen zeitgleich - und der Sieg von Blur brachte es sogar bis in die Abendnachrichten. Auch wenn Blur diesen ungewollten Kampf zunächst mit ihrem UK-No.1-Hit für sich entscheiden konnten, blieben die weltweiten Albumverkäufe von "The Great Escape" hinter denen des Megasellers "What's The Story (Morning Glory)" von Oasis zurück. Mit handwerklich maßgeschneiderten Popsongs, deren strahlende Arrangements haargenaue Beobachtungen britischer Marotten (beispielhaft: "Charmless Man") ausleuchteten, waren Blur zwar zu Hochform aufgelaufen, doch bereits "The Universal" schien in ganz andere musikalische Sphären zu entfliehen. Blur waren drauf und dran, den Britpop zu Grabe zu tragen.

Nachdem sich Blur ein Jahr lang zurückgezogen hatten - Damon Albarn und Alex James hatten ihre Refugien auf Island entdeckt - nahmen sie ein Album auf, das wirkte wie ein großer, gelungener Befreiungsschlag. Mit ihrem 1997 erschienenen Album "Blur" hatte sich das Quartett zweifellos neu erfunden. Der Longplayer reflektierte ein stark aufgekeimtes Interesse an Alternative-Acts der amerikanischen Rockszene. Dieses zunächst sperrig wirkende Werk voller Haken und Ösen fügte dem Kanon der Band einige ihrer bis dato bemerkenswertesten Songs hinzu. Dazu gehören natürlich "Beetlebum", die wunderbar spröde Hommage an die Beatles, und selbstverständlich die überkandidelte Punk-Hymne "Song 2", eine der erfolgreichsten Singles von Blur und einer der am häufigsten ausgestrahlten Videoclips der Band überhaupt.
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Trotz allen großen Geschreis und Draufgängertums, des schnellen Ausrufs der Revolution und der scheinbaren Radikalität, ist die Welt der Pop- und Rockmusik gezeichnet von Konservativismus. Bands erlangen einige Berühmtheit durch diesen Sound oder jenen Stil und halten jahrelang verbissen an ihrer Erfolgsformel fest, bis sie früher oder später zu schalen Faksimiles ihrer selbst werden. Jeder mag hierfür seine eigenen Beispiele einfügen. Nur wenige Bands sind mutig und kreativ genug, das Äußerste zu wagen und jede Möglichkeit zu suchen, sich selbst neu zu erfinden. Blur jedoch ist so eine Band.

Blur gehörten schon immer zu den großen Hoffnungen ihrer Generation und haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie auch zu den risikofreudigsten Vertretern ihrer Zunft gehören. Sie waren die strahlenden Sterne des Britpop, hatten sich 1995 wie ein stolzer Adler in befreiende Höhen aufgeschwungen, was mit diversen Brit Awards und Nummer eins Singles aus ihren Alben "Parklife" und "The Great Escape" honoriert wurde. Trotz oder gerade wegen des Rummels um die Verfänglichkeiten, als Aushängeschild des ?Cool Britannia' zu dienen, war die Band unzufrieden und unterzog sich einem ebenso regenerativen wie kreativen Prozeß, in dem sie sich experimentellerer Musik zuwandten. Besonders die Arbeiten von musikalischen Eigenbrötlern wie Beck, Tortoise und Pavement, aber auch die Klänge der deutschen Elektronikpioniere Neu und der Sound der Dub-Musik bildeten den Nährboden für neue künstlerische Saat. Schon das 1997 veröffentlichte Album "Blur" brachte diesen Prozeß zur Blüte. Seine volle Pracht, seine wahre Apotheose entfaltet dieser jedoch erst mit "13". Aufgenommen und abgemischt von William Orbit, einem der Hohepriester der zeitgenössischen Studiokunst, zeigt das Werk eine Band, die sich künstlerisch aller Fesseln entledigt hat. "Wir fühlen uns wirklich befreit", so Damon Albarn. "'Blur' war schon ein Schritt in eine neue Richtung, ein ?Modern Life Is Rubbish', wenn man so will. Dies hier ist das ?Parklife' zu ?Blur's' ?Modern Life Is Rubbish'."

"13" stellt in vielerlei Hinsicht einen Bruch mit der Vergangenheit dar. So ist es das erste Album, für das die Band nicht mit Stephen Street zusammengearbeitet hat. "Wir haben einige fantastische Sachen mit Stephen in unserer Vergangenheit gemacht und wir haben größten Repekt vor ihm, aber wir waren an dem Punkt angelangt, an dem wir selbst unsere eigene Arbeitsweise in Frage stellten." Die neue Gangart machte sich unter anderem in nicht enden wollenden Improvisationen um lose Songstrukturen bemerkbar, die von Orbit und seinen Tick, Trick und Tracks akribisch mitgeschnitten und ausgewertet wurden. Das Ergebnis: ein Sound, der abstrakt ist und zugleich voller Details und lichter Momente.

"13" spiegelt auch die persönlichen und emotionalen Veränderungen der vier Bandmitglieder wider, den Reifeprozess einer Band zu einer musikalisch geschlossenen Einheit. Eine epische, über alles Leid dieser Welt hinwegtröstende Hymne wie die erste Single "Tender" drückt dies mit am besten aus - und "Tender" ist, so Alex James, "einer der besten Songs, die wir jemals gemacht haben, der wird die Leute einfach aus den Socken hauen". Den roten Faden wird man im Klanglabyrinth von Blur indes vergeblich suchen. Zu unterschiedlich sind dafür die einzelnen Songs: der qual- doch hoffnungsvolle Blues von "No Distance To Run", der cool souveräne Lo-fi-Pop von Graham Coxons "Coffee And TV" und die verwirrende Linienführung in Songs wie "Battle" und "Mellow Song", die sich zur aktuellen britischen Popszene wie fremdartige Klangkörper verhalten. "Bugman" hingegen ist die granitharte Steigerung von "Song 2", und "Trailer Park", ursprünglich komponiert als Beitrag zur Compilation für die Kultserie "South Park", ist ein Abstieg in den Hades des Krautrock, den kaum einer ihresgleichen wagen würde. Hier wandelt eine Band frohen Mutes und ebenso verzückt wie entrückt durch eine Klangwelt, die sie sich selbst erschaffen hat, die jedoch immer wieder zu historischen Quellen führt, ob sie nun Fall oder Faust, Nick Drake oder Pink Floyd, Staple Singers, Wire oder Augustus Pablo heißen.

"13", das sechste Album von Blur, markiert zugleich das zehnjährige Bestehen der Band. Damon Albarn und Graham Coxon kannten sich schon von der Stanway School in Colchester, und machten zunächst mit dem durch die Clubs tingelnden Lokalmusiker Dave Rowntree gemeinsam Musik. Etwas später schloss sich ihnen auch Alex James an, den es von Bournemouth nach Colchester verschlagen hatte. 1989 gründeten die vier Musiker Blur, nachdem man zunächst unter dem Namen Seymour mit chaotisch brechtschem Art-Rock der Londoner Medienwelt einige Rätsel aufgegeben hatte. Glücklicherweise hatte man bei Food Records von dem Quartett gehört und nahm sie kurz vor dem Ende der Dekade unter Vertrag. Nach den ersten Hits mit "She's So High" und "There's No Other Way" veröffentlichten Blur im August 1991 ihr Debütalbum "Leisure", eine ausgebuffte Mixtur aus My Bloody Valentineschem Noise, psychedelischer Melodietrunkenheit und britischem Beat-Pop. Immerhin reichte das für Platz sieben in den UK-Charts. Nach ihrer nie offiziell veröffentlichten Single "Popscene" - mittlerweile eines der meistgesuchten Promo-Items - setzte die Band stur ihren Weg fort und veröffentlichte mit "Modern Life Is Rubbish" ein so durch und durch britisches Album, dass sich besonders jene Auguren der Popkultur geohrfeigt gefühlt haben müssen, die zuvor noch amerikanische Grungemusik zum Maß aller Dinge erklärt hatten. Mit ihren fantasievollen Arrangements und ihrem lockeren Verständnis für das gesamte Poplexikon war die Band längst aus den Schuhen herausgewachsen, in denen ihre Mitstreiter noch steckten. Mit bewundernswerter Einsicht erklärte das englische Musikmagazin Select Blur zur "besten Band seit The Smiths".

Die neue künstlerische Ausrichtung der Band führte unweigerlich zu dem, was rückblickend einer der maßgeblichsten Momente der britischen Popmusik der 90er war: dem Album "Parklife". Mehr als alle anderen ging gerade dieses Album der englischen Popnation in Fleisch und Blut über. Ein wenig modhaft, von scharfzüngiger Ironie, präzise im umgangssprachlichen Duktus und zugleich herrlich nostalgisch, profitieren heute noch zahlreiche Epigonen von seinem stilistischen Reichtum, während Blur schon längst zu neuen Ufern aufgebrochen sind. "Parklife" kam weltweit auf zwei Millionen verkaufte Exemplare und die Erfolgskurve gipfelte in Blurs umjubelten Auftritt beim Festival in Miles End. "The Great Escape", das Folgealbum aus dem Jahr 1995, führte die Band in logischer Konsequenz zum Endpunkt ihrer damaligen Entwicklung. Mit handwerklich maßgeschneiderten Popsongs, deren strahlende Arrangements haargenaue Beobachtungen britischer Marotten ausleuchteten, waren Blur zu Hochform aufgelaufen. Zudem beschäftigte die von den Medien akribisch verfolgte Rivalität zwischen Blur und Oasis jedermann einen Sommer lang. Der krönende Abschluss kam mit Blurs Nummer eins Triumph mit "Country House" vor "Roll With It" von Oasis. Zugleich war dies einer der letzten Songs, mit dem Damon dem narrativen Charakter eines Songs Faszination abgewinnen konnte. "Ich musste mich einfach weiterentwickeln und anfangen, mit meiner inneren Stimme zu singen."

Diese Stimme und die Stimme der Band als Einheit konnte man auf dem 1997 veröffentlichten Album "Blur" erstmals hören. Es reflektierte nicht nur ein neu erwachtes Interesse an Alternative-Acts der amerikanischen Rockszene, besonders von Grahams Seite, sowie die Entdeckung der klaren Schönheit Islands auf Seiten von Damon und Alex. Ganz klar erkennbar war auch das zunehmende Desinteresse an englischer Popmusik und dem Starrummel, der auch die oberflächliche Fehde mit Oasis mit sich gebracht hatte. "Blur" war ein sperriges Werk mit Haken und Ösen, aber fügte dem Kanon der Band einige ihrer bis dato bemerkenswertesten Songs hinzu. Dazu gehört selbstredend "Song 2", eine der erfolgreichsten Singles und der am häufigsten ausgestrahlte Videoclip der Band überhaupt, aber auch das seltsame "Strange News from Another Star" und der erste Alleingang von Graham, das melancholische "You're So Great".

Seit der Veröffentlichung von "Blur" waren die einzelnen Musiker mit vielen unterschiedlichen Projekten beschäftigt. Alex stand einmal mehr als Popstar im Rampenlicht: Mit der Fat Les Combo veröffentlichte er die WM-Single "Vindaloo". Dave stürzte sich in die abenteuerliche Welt der Computeranimation, begeisterte sich außerdem gemeinsam mit Alex für Flugabenteuer und beide unterstützen die unbemannte britische Marsexpedition im Jahr 2003. Graham gründete mit Transcopic sein eigenes Label, auf dem er die Musik veröffentlichen will, die er liebt, und auf dem auch das vielgelobte Soloalbum "The Sky's Too High" erschien. Damon übernahm nach seinem Schauspieldebüt in Antonia Birds "Face" für den neuen Film der Regisseurin, "Ravenous", gemeinsam mit Michael Nyman den Soundtrack. Aus all diesen neuen Engagements ging auch ein neues Selbstbild und gesundes Selbstverständnis für die Band hervor: "Die Dinge haben zwischen uns niemals besser gestanden. Wir haben unsere Unterschiede erkannt und ironischerweise haben wir dabei festgestellt, wieviel wir gemeinsam haben und warum wir ursprünglich eine Band gegründet haben. Wir respektieren einander und sind uns nun bewusst, wie sehr wir unsere gegenseitigen Interessen lieben." Das Resultat einer stürmischen Zeit ist jedenfalls ein Album von beeindruckendem Format, Lichtjahre entfernt von dem, was heutzutage unter Alternative Music verstanden wird. "13" ist ein Album, das man so nicht von Blur erwartet hätte, aber das wahrhaftig nur dieser Band zuzutrauen ist.
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