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Caesars Biographie

Caesars

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Sollen wir zum Anfang ein bisschen verwirren? Caesars Palace aus Stockholm veröffentlichen "Paper Tigers", ihr zweites/viertes Album. Ziemlich genau zwei Jahre/drei Jahre, nachdem sie das Regiment über die Indie-Dancefloors übernahmen. Diese Neue ist sicher ihre ambitionierteste und gelungenste Platte, seit sie vor zwei bzw. sieben Jahren debutierten. Fragezeichen? Man könnte dieses Spiel ewig weitertreiben. Wir werden es weiter unten auflösen.

Vorher, wir kommen eh nicht dran vorbei: "Jerk It Out". Der Hit. "Jerk It Out" ist - bis jetzt - das Theme Tune des schwedischen Quartetts. Und wenn euch der Refrain nicht auf Anhieb einfällt ("It's easy, once you know how it's done, you can't stop now, it's already begun...") - das unwiderstehliche Orgelriff erkennt ihr sofort. "Jerk It Out" ist einer dieser Titel Kategorie "The Only One I Know" von den Charlatans - ein Song, zu dem man auch nach dem tausendsten Mal noch die Faust in die Luft reckt und sich beim Auf- und Abhopsen ertappt. Es war der Song, der den Caesars den Weg zur internationalen Karriere ebnete. Der die letzten Jahre an keinem Indiedisco-Abend fehlen durfte. Der heute noch für Werbespots ausgesucht wird - gerade erst wieder für die weltweite ipod-Kampagne, als Nachfolger von U2s "Vertigo". Ein Song, der daher seine höchsten Hitparadenpositionen erst noch vor sich hat und gerade die itunes-charts nach oben klettert. Der aus diesem aktuellen Anlass und der wieder erstarkten Nachfrage in remixter Version einmal mehr seinen Weg aufs Album gefunden hat.

Als die Orgel vor drei/zwei Jahren erstmals aus den Boxen blies, passte der Song so perfekt ins Garagen-Sixties-The-Band-Dings, dass es fast zu schön war, um wahr zu sein. Alle Welt schreit nach peppigem Sixties-Rock - und plötzlich tauchen da diese Schweden aus dem Nichts auf und schmeissen der PERFEKTEN Knüller hin? Hätte verdächtig sein können, wäre nicht - und hier lösen wir den ersten Absatz auf - der Song schon über ein Jahr alt und in der skandinavischen Heimat bereits ein Riesenhit gewesen. Hätte die Band nicht in Schweden schon drei Alben auf dem Buckel gehabt und lange auf den internationalen Durchbruch hingearbeitet.

Drei Alben, zur Hochspannung aufgeladen mit dreckigem Garagenfuzzpop - ein Sound, den die Band schon seit ihrer Gründung im Jahre 1995 pflegte, als noch kein Hahn danach krähte. "Youth Is Wasted On The Young" (1998), "Cherry Kicks" (2000) und "Love For The Streets" (2002), die, um die Verwirrung vollständig zu machen, in der Heimat unter dem Bandnamen "Caesar's Palace" veröffentlicht wurden. (Der "Palace" wurde für den internationalen Markt aus dem Namen gestrichen, um rechtliche Probleme mit dem Casino in Las Vegas zu vermeiden.)

Hatten sich die vier zuvor also noch schwer getan, außerhalb Schwedens Gehör zu finden, drehte sich der also jetzt Trend zu ihren Gunsten und plötzlich ging alles ganz schnell. Aber da man weder mit drei Alben neu auf den Markt preschen kann, noch die frühen Alben der Band unterschlagen werden sollten, wurde kurzerhand die Compilation "39 Minutes Of Bliss (in an otherwise meaningless world") mit Songs aus allen drei Alben zusammen gebastelt.
Was also dazu führte, dass die Band in verschiedenen Teilen der Welt völlig verschiedene Karrieren am Laufen hatte. In der Heimat längst etabliert als Fuzzpop-Imperatoren Caesars Palace, im Rest der Welt die schrägen Newcomer Caesars.

Und damit kommen wir zur vielleicht signifikantesten Neuerung bei "Paper Tigers" - Dies ist das erste Caesars-Album, das überall nahezu zeitgleich erscheint. Das auch der Welt außerhalb Skandinaviens ausschliesslich aktuelles Material präsentiert.

Das wiederum erklärt den großen Schritt, der zwischen einem Song wie "Kick You Out" von "39 Minutes..." und Tracks wie "Spirit" oder "Your Time Is Near" liegt. Letztere haben ganz klar die Garage verlassen und die Richtung "klassisches Lennon/McCartney-Songwriting" eingeschlagen. Es liegen nämlich sieben Jahre zwischen "Kick You Out" und den zwei neuen Liedern - und auch wenn die Caesars immer mit typischem, ungebremst begeistertem Elan an die Sache gehen, diese sieben Jahre hört man eben.
Sieben Jahre, in denen sich das kreative Zentrum der Band, die Sandkastenkumpels Joakim "Jocke" Åhlund (Gitarre, Gesang) und Cesar Vidal (Gesang, Gitarre), übrigens nicht nur bei den Caesars kreativ austobte. Jocke hat mit den genreclashenden Teddybears STHLM eine zweite erfolgreiche Band am Laufen (drei Alben, zuletzt "Fresh", 2004), Cesar debutierte im Herbst 2004 mit seinem Synthiepop-Trio Safari On Pluto. Tausendsassa Jocke wiederum ist einer der gefragtesten Regisseure Schwedens für Popvideos und Werbespots (er drehte u.a. "New Noise" von Refused, für Backyard Babies, Broder Daniel, Int. Noise Conspiracy und viele andere.)

Jetzt aber gilt sämtliche Konzentration wieder den Caesars und dem neuen Album "Paper Tigers". Die von Gitarrist Joakim "Jocke" Åhlund produzierten Sessions begannen im Winter 2003. Jocke: "Wir nahmen über einen längeren Zeitraum in mehreren Sessions auf. Wir mussten mehrmals unterbrechen, für Tourneen, die Betty Ford Klinik und solche Sachen. Wir begannen in einem Studio namens Silence in den dunklen, verschneiten Wäldern Schwedens, nahe an der norwegischen Grenze. Fünf tolle Tage lang verbrachten wir mit Abendessenkochen und Weintrinken. Dazu nahmen wir etwa neun Lieder auf."
Weiter gings zurück in den Decibel Studios in Stockholm, damals Jockes eigene Studios, die gerade erst erstanden hatte. Dort konnte man etwas langsamer, aber kreativer arbeiten. "Es ist wie in einem Clubhaus für uns und unsere Freunde. Oft hängen wir dort nur rum und hören Platten an. Wir haben dort ein Mellotron, all unsere alten Mikros, Verstärker etc und wir können aufnehmen, wann immer uns die Inspiration packt. Wir müssen uns keine Sorgen um Studiomiete und Zeitdruck machen." Gemixt wurde letztlich in New York von Michael H. Brauer (Coldplay, Bob Dylan, Aimee Mann, Rolling Stones), letzte Hand legte Jocke noch einmal in Stockholm an.

Was nun hören wir auf "Paper Tigers"? Den Sound einer Band, die sich treu bleibt, aber dabei weiterentwickelt. (Jaja, das steht in jeder Bandbio, aber hier stimmt's. Echt.) Die liebgewonnene Elemente früherer Platten, z.B. die unmittelbaren Popmelodien, den trockenen Humor der Texte, wieder aufgreift, dabei um ein paar Stufen erfahrener und gekonnter abwandelt und ausarbeitet.
Wir erwähnten bereits, dass das Songwriting und Sound nicht mehr ganz so nach Garage klingen - dennoch wird man die Sixties niemals aus den Caesars herausprügeln können. Warum sollte man das auch wollen. Jocke und Cesar sind im Songwriting stilsicherer und gewandter geworden, können sich weiter auf ihr Pop-Gespür und ihre Klangfarbe "Rotzlöffel" verlassen. So jedenfalls zeigen Titel wie die SWE-Top10-Single "We Got To Leave" oder "Soul Chaser" oder "Not The Fall That Hurts", wie frisch tolle Melodien in Kombination mit fuzzigem Gitarren- und Orgelsound auch 2005 noch klingen. Und sie zeigen noch etwas: Dass die Tage gezählt sind, an denen man in erster Linie an "Jerk It Out" denkt, wenn der Name Caesars fällt.

Jockes eigene Wünsche für das neue Album klingen dagegen ganz schlicht: "Mir wäre es am liebsten, wenn man die Platte auflegt, wenn Freunde vorbei kommen, wenn man eine kleine Party feiert und tanzt und kreischt. Oder wenn man traurig und alleine ist, weil man sich von der Freundin getrennt hat. Oder man macht sie im Auto an und schreit die Texte mit. Oder man setzt den Kopfhörer auf und läuft damit durch die Stadt und fühlt sich tough und cool dabei. Oder sie bringt einen dazu, die Freundin rauszuwerfen ... oder sich wieder mit ihr zu vertragen. Halt all die Dinge, die ich mit meinen Lieblingsplatten mache."
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