Calexico Biographie
Calexico
Wenige Journalisten haben bisher über Calexico geschrieben, ohne dabei die Klischees des amerikanischen Westens zu zitieren. Angesichts der Tatsache, dass Joey Burns und John Convertino ihre Band nach einem Ort an der amerikanisch-mexikanischen Grenze benannt haben, überrascht dieser Umstand allerdings weniger. Nimmt man dazu ihre Musik - sonnengegerbten TexMex-Wüstenrock mit Mariachi- und Spaghetti-Western-Anklängen - so scheint die Erwähnung von Steppenläufern und staubigen Landschaften geradezu unvermeidlich. Dabei wird der bemerkenswerteste Aspekt des Bandnamens - das Überschreiten von Grenzen nämlich - gern übersehen zugunsten der geheimnisvolleren Elemente der Geschichte, mit der die Musiker und ihr geographischer Namensvetter in Verbindung gebracht werden.
Bei Calexico geht es darum, Grenzen zu überwinden, Kulturen miteinander zu vermischen und zu verbinden, Einschränkungen hinter sich zu lassen. Für diese beiden Weltenbummler sind Genres bestenfalls Begrenzungen, die keine allzu große Beachtung verdient haben. Was deutlich wird in der Musik, die sie spielen, in diesem aromatischen, reichhaltigen musikalischen Eintopf, gewürzt mit unterschiedlichsten Zutaten wie Punkrock, Jazz, Country oder Soundtrack-Kompositionen. "World Drifts In" illustriert gekonnt, wie Burns und Convertino dieses Konzept nicht nur in ihrer Musik umsetzen. Sie mögen aus der Wüstenlandschaft von Tucson stammen, doch der Weg, den sie beschreiten, ist fruchtbar, ertragreich und so unendlich wie der Horizont.
Aus verschiedenen Gründen ist "World Drifts In" viel mehr als ein reiner Konzertmitschnitt. Im Mittelpunkt des im November 2002 aufgezeichneten DVD-Materials steht ein im Londoner Barbican aufgenommener Auftritt im Rahmen des Beyond Nashville-Festivals, einer Reihe von Veranstaltungen, die im Laufe mehrerer Wochen in diversen Venues stattfinden. Gegründet wurde das Festival im Jahr 2001, um der wachsenden Popularität dessen Tribut zu zollen, was gemeinhin unter Überschriften wie Alternative Country, Americana, New Country und anderen klangvollen Begriffen firmiert, die im Grunde nie so recht wissen, was genau sie eigentlich beschreiben. Weniger als zwei Jahre zuvor hatten Calexico - gemeinsam mit Labelkollegen Lambchop - bei einer Vorstellung in der Queen Elizabeth Hall auf der anderen Seite der Themse den Geist dieser "neuen" Musik in die Welt getragen, was ihnen den begehrten Time Out Live Gig Of The Year Award 2000 einbrachte. In den Wochen vor der Barbican-Show ließ jedoch bereits einiges ahnen, dass Burns und Convertino den damaligen Abend in den Schatten stellen würden, da sie gerade, inspiriert durch die kürzliche Fertigstellung ihres vierten Albums "Feast Of Wire", auf einer unaufhaltsamen Welle der Kreativität schwammen.
Wer die Show im Jahr 2000 erlebt hatte, mag eine ungefähre Vorstellung gehabt haben von dem, was da kommen sollte, denn Calexico sind nicht die Art von Band, die sich ständig neu erfindet. Eher feilen sie an ihren Shows wie ein Fünf-Sterne-Koch, der bei einem exotischen Gericht vorsichtig Zutaten austauscht und immer wieder neue Gewürze hinzufügt. So bot der 27. November 2002 in gewisser Weise wenig anderes als jeder Calexico-Gig - was im Grunde nur heißt, dass die Musiker einen Abenteuergeist bewiesen, der leicht als selbstverständlich hingenommen wird, tatsächlich jedoch leider nur selten zu finden ist.
Dass sie Grenzen überwinden wollen, war von Anfang an offensichtlich, denn dem Duo standen Musiker zur Seite, die die beiden in den vorangegangenen vier Jahren unterwegs aufgelesen hatten, bis so etwas wie eine feste Band entstanden war. Wo immer Calexico spielen, bitten sie lokale Musiker auf die Bühne, von denen manche inzwischen zum festen Line-up gehören. Multitalent Martin Wenk und Kontrabass-Spieler Volker Zander stammen aus Kassel, während Pedal-Steel-Musiker und Gitarrist Paul Niehaus von der Nashville-Combo Lambchop überwechselte. Jacob Valenzuela an Trompete, Vibes und Keyboards brachten Burns und Convertino aus Tucson, Arizona, mit.
Ihre Special Guests am 27. November stammten aus Europa: Francoiz Breut ist eine von Frankreichs herausragendsten zeitgenössischen Chanteusen, und Matt Dowse an der Posaune spielt (unter anderem) in der englischen Band Lincoln. Die überragendste Präsenz an jenem Abend betrat die Bühne jedoch erst in der zweiten Hälfte der Show: Ebenfalls aus Tucson stammend, aber normalerweise in einer völlig anderen Welt als der von Burns und Convertino unterwegs, knüpften Mariachi Luz De Luna unter der Leitung des sympathischen Ruben Moreno eine direkte Verbindung zu der spanischen Kultur, die das Calexico-Publikum bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen Luz De Luna bisher die Einladungen von Burns und Convertino annehmen konnten, immer wieder fasziniert hat. Diese acht Musiker starke Truppe, angetreten in voller Mariachi-Tracht, hätte in dem Augenblick, in dem sie auf die Bühne kam, genauso gut Luftschlangen und Feuerwerkskörper in den Menge werfen können, so spontan löste sie eine ausgelassene Stimmung bis in die hintersten Ecken eines Zuhörerraums aus, der normalerweise eher an gemäßigtere, klassische Darbietungen gewöhnt ist.
Es war jedoch nicht allein ihr spektakulärer Einsatz, der diesen Abend unvergesslich werden ließ, sondern vielmehr das, wofür er stand - eine Mischung aus unterschiedlichen Kulturen in der nüchternen Umgebung eines Londoner Theaters -; genauso wenig übrigens wie ihr Einmarsch der Moment war, der das Konzert zum Leben erweckte. Luz De Luna sorgten lediglich für eine Verlagerung der Dynamik, der Textur und des Tons. Am 27. November 2002 verewigten sich Calexico im Bewusstsein ihres Publikums, und dank "World Drifts In" dürften sie weit darüber hinaus Beachtung finden. Ihre Show bestand zu gleichen Teilen aus Selbstsicherheit und Begeisterung, und jeder Song entwickelte die Fähigkeit, mit den einfachsten Mitteln Drama und Magie zu entfachen. Dabei sollte man die Talente auf der Bühne durchaus nicht unterschätzen: Joey Burns ist zu einem charismatischen Frontman mit einem vollen, bedächtigen Bariton gereift, während man sich einen elanvolleren, poetischeren, charmanteren Drummer als John Convertino kaum vorzustellen vermag. Jacob Valenzuelas Trompetenspiel klingt schlicht atemberaubend, während Martin Wenk auf der Bühne von Instrument zu Instrument springt, häufig mitten in einem Stück. Volker Zanders Kontrabass beschreitet die malerischsten Routen, und Paul Niehaus lässt Pedal-Steel-Schwaden entstehen, die mit unglaublichem Einfühlungsvermögen Licht und Schatten zum Leben erwecken.
"Live At The Barbican" zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, und das zusätzliche Material auf dieser DVD bietet interessante Einblicke in die grenzenlose Welt von Calexico. Interviews mit der Band und ihrer Roadcrew (die ebenfalls aus unterschiedlichen Ländern wie Holland, England und Neuseeland stammt) beweisen den gegenseitigen Respekt, den sämtliche Beteiligten in dieser eng zusammengeschweißten und gleichzeitig sehr lockeren und zugänglichen Gruppe voreinander haben. Lichtdesigner James Murrays Film "Shot & Mounted" entstand aus einem Videotagebuch, das er während der Europatour 2003 drehte, eindringlich untermalt von Calexicos Musik. Bill Carters "Border Horse" ist eine kurze Dokumentation über die Band, gedreht während der Entstehung von "Feast Of Wire". "The Soul Of Mariachi" stammt von Joey Burns selbst und erzählt von der Geschichte und der Kultur der Mariachi-Musik, einschließlich eines in Tucson gedrehten Interviews mit Ruben Moreno. Ein kurzer Cartoon, inspiriert von Calexicos Klassiker "Mina De Cobre", bringt einen weiteren kulturellen Aspekt ein, und die drei Videos, die für "The Black Light" gedreht wurden, sind ebenfalls vertreten. Diese umfassende und vielseitige Sammlung ist ein wichtiges Dokument über eine bedeutende Band, eine weitere spektakuläre Station auf dem Pfad, dem diese Pioniere folgen auf ihrer Reise durch eine Landschaft, über der die Sonne nie unterzugehen scheint.
Bei Calexico geht es darum, Grenzen zu überwinden, Kulturen miteinander zu vermischen und zu verbinden, Einschränkungen hinter sich zu lassen. Für diese beiden Weltenbummler sind Genres bestenfalls Begrenzungen, die keine allzu große Beachtung verdient haben. Was deutlich wird in der Musik, die sie spielen, in diesem aromatischen, reichhaltigen musikalischen Eintopf, gewürzt mit unterschiedlichsten Zutaten wie Punkrock, Jazz, Country oder Soundtrack-Kompositionen. "World Drifts In" illustriert gekonnt, wie Burns und Convertino dieses Konzept nicht nur in ihrer Musik umsetzen. Sie mögen aus der Wüstenlandschaft von Tucson stammen, doch der Weg, den sie beschreiten, ist fruchtbar, ertragreich und so unendlich wie der Horizont.
Aus verschiedenen Gründen ist "World Drifts In" viel mehr als ein reiner Konzertmitschnitt. Im Mittelpunkt des im November 2002 aufgezeichneten DVD-Materials steht ein im Londoner Barbican aufgenommener Auftritt im Rahmen des Beyond Nashville-Festivals, einer Reihe von Veranstaltungen, die im Laufe mehrerer Wochen in diversen Venues stattfinden. Gegründet wurde das Festival im Jahr 2001, um der wachsenden Popularität dessen Tribut zu zollen, was gemeinhin unter Überschriften wie Alternative Country, Americana, New Country und anderen klangvollen Begriffen firmiert, die im Grunde nie so recht wissen, was genau sie eigentlich beschreiben. Weniger als zwei Jahre zuvor hatten Calexico - gemeinsam mit Labelkollegen Lambchop - bei einer Vorstellung in der Queen Elizabeth Hall auf der anderen Seite der Themse den Geist dieser "neuen" Musik in die Welt getragen, was ihnen den begehrten Time Out Live Gig Of The Year Award 2000 einbrachte. In den Wochen vor der Barbican-Show ließ jedoch bereits einiges ahnen, dass Burns und Convertino den damaligen Abend in den Schatten stellen würden, da sie gerade, inspiriert durch die kürzliche Fertigstellung ihres vierten Albums "Feast Of Wire", auf einer unaufhaltsamen Welle der Kreativität schwammen.
Wer die Show im Jahr 2000 erlebt hatte, mag eine ungefähre Vorstellung gehabt haben von dem, was da kommen sollte, denn Calexico sind nicht die Art von Band, die sich ständig neu erfindet. Eher feilen sie an ihren Shows wie ein Fünf-Sterne-Koch, der bei einem exotischen Gericht vorsichtig Zutaten austauscht und immer wieder neue Gewürze hinzufügt. So bot der 27. November 2002 in gewisser Weise wenig anderes als jeder Calexico-Gig - was im Grunde nur heißt, dass die Musiker einen Abenteuergeist bewiesen, der leicht als selbstverständlich hingenommen wird, tatsächlich jedoch leider nur selten zu finden ist.
Dass sie Grenzen überwinden wollen, war von Anfang an offensichtlich, denn dem Duo standen Musiker zur Seite, die die beiden in den vorangegangenen vier Jahren unterwegs aufgelesen hatten, bis so etwas wie eine feste Band entstanden war. Wo immer Calexico spielen, bitten sie lokale Musiker auf die Bühne, von denen manche inzwischen zum festen Line-up gehören. Multitalent Martin Wenk und Kontrabass-Spieler Volker Zander stammen aus Kassel, während Pedal-Steel-Musiker und Gitarrist Paul Niehaus von der Nashville-Combo Lambchop überwechselte. Jacob Valenzuela an Trompete, Vibes und Keyboards brachten Burns und Convertino aus Tucson, Arizona, mit.
Ihre Special Guests am 27. November stammten aus Europa: Francoiz Breut ist eine von Frankreichs herausragendsten zeitgenössischen Chanteusen, und Matt Dowse an der Posaune spielt (unter anderem) in der englischen Band Lincoln. Die überragendste Präsenz an jenem Abend betrat die Bühne jedoch erst in der zweiten Hälfte der Show: Ebenfalls aus Tucson stammend, aber normalerweise in einer völlig anderen Welt als der von Burns und Convertino unterwegs, knüpften Mariachi Luz De Luna unter der Leitung des sympathischen Ruben Moreno eine direkte Verbindung zu der spanischen Kultur, die das Calexico-Publikum bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen Luz De Luna bisher die Einladungen von Burns und Convertino annehmen konnten, immer wieder fasziniert hat. Diese acht Musiker starke Truppe, angetreten in voller Mariachi-Tracht, hätte in dem Augenblick, in dem sie auf die Bühne kam, genauso gut Luftschlangen und Feuerwerkskörper in den Menge werfen können, so spontan löste sie eine ausgelassene Stimmung bis in die hintersten Ecken eines Zuhörerraums aus, der normalerweise eher an gemäßigtere, klassische Darbietungen gewöhnt ist.
Es war jedoch nicht allein ihr spektakulärer Einsatz, der diesen Abend unvergesslich werden ließ, sondern vielmehr das, wofür er stand - eine Mischung aus unterschiedlichen Kulturen in der nüchternen Umgebung eines Londoner Theaters -; genauso wenig übrigens wie ihr Einmarsch der Moment war, der das Konzert zum Leben erweckte. Luz De Luna sorgten lediglich für eine Verlagerung der Dynamik, der Textur und des Tons. Am 27. November 2002 verewigten sich Calexico im Bewusstsein ihres Publikums, und dank "World Drifts In" dürften sie weit darüber hinaus Beachtung finden. Ihre Show bestand zu gleichen Teilen aus Selbstsicherheit und Begeisterung, und jeder Song entwickelte die Fähigkeit, mit den einfachsten Mitteln Drama und Magie zu entfachen. Dabei sollte man die Talente auf der Bühne durchaus nicht unterschätzen: Joey Burns ist zu einem charismatischen Frontman mit einem vollen, bedächtigen Bariton gereift, während man sich einen elanvolleren, poetischeren, charmanteren Drummer als John Convertino kaum vorzustellen vermag. Jacob Valenzuelas Trompetenspiel klingt schlicht atemberaubend, während Martin Wenk auf der Bühne von Instrument zu Instrument springt, häufig mitten in einem Stück. Volker Zanders Kontrabass beschreitet die malerischsten Routen, und Paul Niehaus lässt Pedal-Steel-Schwaden entstehen, die mit unglaublichem Einfühlungsvermögen Licht und Schatten zum Leben erwecken.
"Live At The Barbican" zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, und das zusätzliche Material auf dieser DVD bietet interessante Einblicke in die grenzenlose Welt von Calexico. Interviews mit der Band und ihrer Roadcrew (die ebenfalls aus unterschiedlichen Ländern wie Holland, England und Neuseeland stammt) beweisen den gegenseitigen Respekt, den sämtliche Beteiligten in dieser eng zusammengeschweißten und gleichzeitig sehr lockeren und zugänglichen Gruppe voreinander haben. Lichtdesigner James Murrays Film "Shot & Mounted" entstand aus einem Videotagebuch, das er während der Europatour 2003 drehte, eindringlich untermalt von Calexicos Musik. Bill Carters "Border Horse" ist eine kurze Dokumentation über die Band, gedreht während der Entstehung von "Feast Of Wire". "The Soul Of Mariachi" stammt von Joey Burns selbst und erzählt von der Geschichte und der Kultur der Mariachi-Musik, einschließlich eines in Tucson gedrehten Interviews mit Ruben Moreno. Ein kurzer Cartoon, inspiriert von Calexicos Klassiker "Mina De Cobre", bringt einen weiteren kulturellen Aspekt ein, und die drei Videos, die für "The Black Light" gedreht wurden, sind ebenfalls vertreten. Diese umfassende und vielseitige Sammlung ist ein wichtiges Dokument über eine bedeutende Band, eine weitere spektakuläre Station auf dem Pfad, dem diese Pioniere folgen auf ihrer Reise durch eine Landschaft, über der die Sonne nie unterzugehen scheint.
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