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Camille Biographie

Camille

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Viele kennen ihre Stimme. So mancher hat sie im letzten Jahr gar auf der Bühne gesehen und am nächsten Tag den Freunden von der tollen Sängerin und ihrer wilden Performance vorgeschwärmt. Allein, ihr Name war hierzulande bislang nur aufmerksamen "Le Pop" Fans ein Begriff: Camille.

"Und Wo soll ich die gehört, ja gar gesehen haben?", mag der Leser nun einwenden. Das Zauberwort heißt: "Nouvelle Vague". Auf dem Album der Elektro-Bossa-Waver, welches den letzten Sommer als Soundtrack aller Szenecafés versüßte, leiht Camille ihre Stimme den Versionen von "In a manner of speaking", "Guns of Brixton", "Too drunk to fuck" und "Making plans for Nigel". Auf der Nouvelle Vague Tour im Herbst 2004 rockte sie dann die Clubs und gab dem ganzen Projekt live noch eine neue, sehr lebendige Note.

Doch die Karriere der 26 jährigen hatte da schon längst begonnen:
Mit 16 folgte sie einer Familientradition und sang live auf einer Hochzeit von Verwandten. Nach diesem Debütauftritt war sie für einen Job in der bürgerlichen Welt verloren. Doch noch war ihr die Musik nicht alles, sie ließ sich eine klassische Tanzausbildung angedeihen, von der sie bei ihren Auftritten in sehenswerter Weise profitiert, sie studierte Kunst und Politikwissenschaften und nahm dann irgendwann auch Gesangkurse. Glücklicherweise wählte sie die Workshops der Avantgarde-Jazzlegende Julie Tippetts, die einst als Julie Driscoll mit Brian Auger & the Trinity Pop-Chartserfolge feierte. Hier ließ man ihrer Stimme den Raum den sie benötigt. Statt eine klassische Gesangausbildung folgen zu lassen spielte Camille lieber eine kleine Rolle in Antoine de Caunes Kult-Horrorfilm "Les morsures de l'aube" und beendete ihr Studium an der Französischen Schule für Politikwissenschaften. "Ich suchte nach intellektueller Inspiration die beim Schreiben und Denken hilfreich sein kann und mich etwas über das Leben lehrt. Aber das Singen ist eine andere Sache. Ich wollte nie zur Musikschule gehen. Ich denke, das muss von innen kommen, als etwas instinktives und selbst Gelerntes", sagt sie.
Camille nennt als ihre Einflüsse als eine Vielzahl von Stilen: Soul und Gospel, brasilianische Musik, klassische Musik. Erst spät entdeckt sie den Chanson, doch es ist nicht jener Sound, auf den so viele ihrer Nouvelle Chanson Kollegen zurückgreifen...

2002 erscheint ihr Debütalbum "le sac des filles" (wörtlich: "Die Tasche der Mädchen") und verblüfft gerade aufgrund seiner Vielschichtigkeit und unerwarteter Einflüsse. Da erklingt eine modifizierte Version des Chansons der 30er und 40er, stilecht stimmgewaltig vorgetragen und doch ohne Pathos. Dann wieder ist es schwärmerischer Soul, der ihre Erzählungen über ihre Heimatstadt Paris und deren Einwohner begleitet. Das Stück "Paris" wird fast zur Hymne der Stadtmüden und Camille zu einer der beachtenswertesten Figuren einer kreativen Szene. Camilles Liebe zu Stumm- und frühen Ton-Filmen spiegelt diese Musik genauso wieder, wie ihren klaren, fast forschenden Blick auf das Leben junger Frauen, deren Geheimnisse nicht nur im Lied über die titelgebenden Handtaschen besungen werden.

Das Album zog eine Reihe von Kollaborationen nach sich. Camille sang unter anderem auf Platten von Jean-Louis Murat, Gérard Manset und Etienne de Crécys Super Discount 2. Als sie dann mit Nouvelle Vague durch die Lande zog, hatte aber ein anderes Projekt längst Gestalt angenommen:

"Le fil"-2005, Camilles zweite Platte setzt nicht einfach den Stil des Debüts fort. Sicher, da ist das beeindruckende Kompositionstalent, das Wissen um die Kraft des Arrangements und der so wundervoll prägnante Gesang, doch "Le fil" ist mehr als die Summe dieser Talente. Die Platte verblüfft den Hörer, sie trifft ihn mit Acapella Arrangements, R&B Einflüssen und avantgardistischen Einfällen völlig unvorbereitet, "Le fil" (Der Faden) zieht ein musikalisches Band, welches wieder die Geschichten von Frauen verknüpft. Eigenes Erleben so wie die Geschichten Anderer reiht sie aneinander und erschafft eine Stimmung von einer Schönheit die einen die Qualitäten der einzelnen Songs erst nach und nach bewusst wahrnehmen lässt. Man mag sie nicht auseinander dividieren jene Musik die nun gar keinem der Klischees über den "Nouvelle Chanson" mehr entspricht. Cleverness, Mut und Leidenschaft in einer Musik, welche ihre Zuhörer erreicht. Ohne Hitsingle und ohne großen Radioeinsatz erreichte die Platte in Frankreich bald Goldstatus!

Dabei lässt sie sich nicht labeln, da mögen Kate Bush oder Erykah Badu anklingen, doch sie erklären nichts, nicht jene ansteckende Begeisterung jener emotionalen Achterbahnfahrt. Wie diese wirkt, führte Camille unlängst bei drei ausverkauften Auftritten in Paris' legendärem "Café de la Danse" vor. Wenn am Ende der Show der politische Refrain eines bisher unveröffentlichten Stücks im Saal laut mitgesungen wird, Camille und Band von der Bühne steigen und samt des Publikums auf die Straße tanzen um dort singend den Raum zu erobern, dann hat das schon ein bisschen was von französischer Revolution. Es gibt viele gute Gründe, sich ihr anzuschließen!
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