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Celtic Frost Biographie

Celtic Frost

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"Innovativ, avantgardistisch, mutig, brutal, bizarr, elektrisierend, einzigartig" - nur ein kleiner Teil der Anerkennungen, die Frost'>Celtic Frost während ihrer 8jährigen Karriere ernteten, in der sie mit die kraftvollste und provokativste Musik des späten 20. Jahrhunderts produzierten.

Gegründet 1984 in Zürich vom Gitarristen und Sänger Thomas Gabriel Warrior und dem Bassisten Martin Eric Ain, zusammen mit dem Studiodrummer Stephen Priestly, kreierten Celtic Frost atemberaubend harte Sounds mit einer dem Artrock nahen Sensibilität, wie sie u.a. stark von Roxy Music und Dead Can Dance inspiriert wurde.

Warrior, heute zurückgekehrt zu seinem richtigen Namen Fischer, erklärt: "Wir experimentierten viel, aber das ganze war das natürliche Produkt eines kreativen Prozesses. Wir haben diesen Weg nie geplant. Und, um ehrlich zu sein, haben wir uns selbst niemals als so außergewöhnlich wahrgenommen, wie uns die Medien darstellten. Wir wollten anders sein, aber legten es nie darauf an, die Leute so aufzuwühlen."

Doch genau das passierte. Die Vorstellungskraft und der Erfindungsgeist von Celtic Frost standen in einem starken Kontrast zu dem oft eng begrenzten Blickfeld so vieler Rockmusik. Genauso schockierten und überraschten Celtic Frost sogar ihre eigenen Fans durch die rapide Weiterentwicklung von einem Album zum nächsten.

1984 erschien mit "Morbid Tales" Celtic Frosts Debutalbum. Veröffentlicht zur Zeit der ersten Welle des "Thrash Metal", einer aus der Basis des Untergrunds erwachsenden Revolution der Harten Musik, etablierte "Morbid Tales" die Band zusammen mit der weiteren Elite des Underground-Metals, damals vor allem aus den Vereinigten Staaten stammend, so z.B. Metallica, Slayer, Anthrax und Megadeth.

"Wir waren extrem bescheiden" erinnert sich Tom. "Möglicherweise, weil wir aus der Schweiz kamen und dadurch nicht ein Teil einer großen Szene waren. Wir wußten, daß wir noch eine Menge zu beweisen hatten, aber die Medien setzten uns bereits den US-Bands gleich. Es ist heute schwer zu beschreiben, aber die Mitte der Achtziger Jahre war eine extrem revolutionäre Zeit für die Rockmusik, und wir wollten unseren Teil dazu beitragen, die Grenzen dieser Musik zu erweitern."

"Morbid Tales" entwickelte sich zu einen maßgeblich einflußreichen Hybrid aus Thrash- und Deathmetal. Es waren Celtic Frost-Klassiker wie "Into the Crypts of Rays" und "Procreation (of the Wicked)", welche die rohe Wucht der originalen Black Sabbath widerspiegelten und gleichzeitig als Vorlage für die Schärfe von zukünftigen und eines Tages selbst trendbestimmenden Metal-Helden wie Sepultura, Paradise Lost und Obituary diente. Die 1999er "Morbid Tales"-Neuauflage wurde übrigens durch drei weitere Songs ergänzt, welche ursprünglich von der 1985 erschienenen "Emperors Return" EP stammen. Eingespielt nur drei Wochen nachdem die Band einen permanenten Drummer, den Amerikaner Reed St. Mark, gefunden hatte, war Tom damals von der Qualität der Aufnahmen nicht überzeugt. Heute sieht er diese EP als ein "wohl unumgängliches historisches Dokument" an.

Es war das nächste Album, "To Mega Therion", welches 1986 den visionären Anspruch von Celtic Frost erst wirklich erfüllte. Die Musik - Tom beschreibt sie als "unglaublich düster" - ist die perfekte klangliche Ergänzung zum beklemmenden Artwork des Schweizer Künstlers H.R.Giger, seinerseits Schöpfer des bekannten Monsters aus den "Alien"-Filmen. Der Titel des Albums übersetzt sich als "Das große Biest" und enthüllt den großen Einfluß des notorischen Okkultisten Aleister Crowley auf den Bassisten Ain, einem leidenschaftlichen Studiker exotischer Religionsthemen.

"To Mega Therion war ein Schlüsselwerk in der Karriere von Frost", erinnert sich Tom. "Die Konzepte für Musik und Artwork entstanden parallel. Dieses Album enthält einen unserer populärsten Songs - "The Usurper" - live gespielt bis zur Auflösung der Band. Und "Dawn of Meggido" ist ein klassisches Beispiel für den sich entwickelnden experimentelleren Sound von Celtic Frost mit orchestralen Elementen."

Die innovative Natur von Celtic Frost führte die Band zu dem, was die maßgebende englische Rockzeitschrift "Kerrang!" als "das avantgardistischste Metal-Album, das jemals erscheinen wird" bezeichnete. Das fragliche Album hieß "Into the Pandemonium" und wurde 1987 unter großem Applaus der internationalen Presse veröffentlicht. Das Szenemagazin "Sounds" schwärmte: "Celtic Frost nehmen ihre Kunst ernst, ohne auch nur etwas Rücksicht auf die Grenzen ihres Genres zu nehmen." "Kerrang!" lobte "Into the Pandemonium" als "das Album, das zeigt, wie experimentelle Musik neue Horizonte für den Metal eröffnen kann".

Eröffnet von einer verblüffenden Version von "Mexican Radio", ursprünglich aufgenommen der obskuren und spleenigen U.S. Band "Wall Of Voodoo", ist "Into the Pandemonium" ein wahrhaft eklektisches Werk einer gewaltigen musikalischen Bandbreite, umfassend Streicher, gesprochene Poesie ("Tristesses de la Lune"), Rap ("One in their Pride") und ein Requiem, von dem Tom sich damals wünschte, daß man es auf seiner Beerdigung spiele ("Rex Irae (Requiem)"). Das Album ist ein Meisterstück, für das die Band einen hohen Preis bezahlte. "Niemals zuvor oder danach habe ich so viel in ein Album eingebracht", offenbart Tom. "Die Schwierigkeiten spotten jeder Beschreibung. Der Titel des Albums trifft tatsächlich genau die Umstände seines Entstehens. Es ist eines der komplexesten Independent-Alben, welches jemals aufgenommen wurde. Es ist extrem, aber ich bin stolz darauf."

Tom schreibt es in großen Maße dem hinzugestoßenen amerikanischen Gitarristen Ron Marks zu, dass die Band in der Öffentlichkeit dennoch zusammenhielt und auf der folgenden Welttournee überschwengliche Anerkennung fand. Marks wurde während der Mixingsessions zu "Into the Pandemonium" gefunden, jedoch zu spät, um auf der Originalveröffentlichung des Albums Erwähnung zu finden.

Unter den Bonustracks der 1999er Version von "Into The Pandemonium" ist Celtic Frosts legendäre Coverversion von Dean Martins "In The Chapel In The Moonlight" zu finden. "Wir alle liebten den amerikanischen Swing der 50er Jahre", erklärt Tom. "Und wir wollten eigentlich den Song "These Boots Are Made For Walking" aufnehmen, als Megadeth uns zuvorkamen. Wir wählten dann Dean Martins Song, weil sich der Titel fast nach Slayer anhörte. Es reizte uns daran der Aspekt der Verballhornung der damals üblichen Black Metal Songtitel."

Nach der dem Album folgenden "One In Their Pride"-Tour verblieb nur Tom in der Band. Nun erschien Stephen Priestly wieder an den Drums, ergänzt vom Gitarristen/Bassisten Curt Victor Bryant und dem Gitarristen Oliver Amberg. Celtic Frosts nächstes Album war "Cold Lake", stark beeinflußt vom amerikanischen mainstream Hard Rock der 80er Jahre. Das Album rief bei seiner Veröffentlichung 1988 gemischte Reaktionen hervor. "Cold Lake" ist nicht unter den neuen Wiederveröffentlichungen zu finden, weil Tom es für einen kapitalen Mißerfolg hält. Er gibt lachend zu bedenken "Wenn du eine
hochgelobte, avantgardistische Band bist, gehört ein Flop geradezu zur Gesamtausgabe! "Cold Lake" ist nicht ein wirkliches Celtic Frost Album. Es wird von allen gehaßt. Schreib es ab!"

"Vanity/Nemesis" war die Veröffentlichung, welche 1990 die Band wieder auf den ihr eigenen Weg zurückbrachte. Nach "Into The Pandemonium" ist dies das wohl aussagekräftigste Album. "Wir arbeiteten mit Roli Mosimann (Marilyn Manson, Björk u.a.) zusammen, einem Produzenten, den wir seit langer Zeit bewunderten." Gleichsam wichtig: Mit "Vanity/Nemesis" erlebte Celtic Frost die Rückkehr von Ain am Baß und Marks an der Gitarre, während Bryant sich nun ausschließlich auf die Gitarre konzentrierte. Amberg war einstimmig verabschiedet worden.

Unter anderem zeugen Coverversionen wie David Bowies "Heroes" und Roxy Musics "This Island Earth" auf "Vanity/Nemesis" von Celtic Frosts Artrock-Einflüssen, und Kritiker einigten sich rasch, dass dieses Album die Band wieder in bester Form zeigte. "Sounds" ereiferte sich: "Hurra dem Neo-klassischen feministischen Metal. Welche andere Band würde den Krieg als phallisches Gehabe ("Phallic Tantrum") darstellen? Wer sonst könnte Gitarren so wild zermalmen, könnte einen Track "The Name Of My Bride" nennen und erklären, dass er davon handelt, wie die Beziehung zur Mutter die Beziehung zu jeder anderen Frau prägt?"

Es war nie beabsichtigt, dass die 1992er Retrospektive "Parched With Thirst Am I, And Dying" das letzte Celtic Frost Album sein würde, doch so passierte es. Diese Auswahl von Frost-Klassikern und -Raritäten war als ein Lückenfüller gedacht, während die Band in der Zwischenzeit an einem noch ambitionierteren Album als "Into The Pandemonium" arbeitete - Ein Doppelalbum, betitelt "Under Apollyon's Sun". Es wurde nie fertiggestellt.

Tom dazu: "Um ein solch unbändiges Album erfolgreich zu Ende zu führen, hätten wirklich alle Details stimmen müssen. Nach allem, was die Band erlebt hatte, wollten wir es entweder 100% auf unsere Weise machen, oder aber gar nicht. Und unser Gefühl war es, daß das Album nicht genau unserer Vorstellung entsprochen hätte. Nenn es Selbstvertrauen oder Arroganz, wir sagten schlußendlich: Fuck it!"

Und so terminierte im Frühjahr 1993 diese brillante, einmalige Band. "Ihre Karriere", schrieb Kerrang!, "war ein Triumph der Kunst über den Lärm."

Der Geist von Celtic Frost lebt in Tom Fischers jetziger Band, bezeichnenderweise unter dem Namen "Apollyon's Sun". Das erste Album der Band erscheint im Frühjahr 2000. Wie Tom es sieht, "pulsiert der Atem von Celtic Frost in einer Menge neuer, unerschrockener Bands. Diese Gesinnung existiert weiter, innerhalb meiner eigenen Arbeit und genauso außerhalb von dem, was ich selbst tue."

Und, so sagt er, ein neues Celtic Frost Album ist für die Zukunft im Gespräch. Tom diskutiert zur Zeit mit den früheren Mitgliedern der Band darüber, neue Frost-Musik zu machen. "Alles, was ich sagen kann, ist, das es extrem würde." Er lächelt. Wie könnte es auch anders sein?
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