Common Biographie
Common
Wie lange ist es bitte her, dass man sich selbst in einem HipHop-Song wiedererkennen konnte? Wie lange ist es her, dass ein HipHop-Künstler außergewöhnliche Einblicke in das Leben gewöhnlicher Leute gegeben hat? Während in seinem Umfeld schwarz-weiße Bilder von Thugs, Gangstern, Nutten und Pimps entworfen werden, hat sich Common zur Aufgabe gemacht, die bunten und vielfältigen Erfahrungen, die jeder Mensch alltäglich macht, in all ihren Nuancen einzufangen. Er ist mit einer (verbalen) Farbpalette ausgestattet, die sämtliche Zwischentöne kennt, Tausende Facetten. Der Name des mit dieser Palette entworfenen Meisterwerks ist „BE“ – eine schlichte und dennoch tiefschürfende Zusammenfassung der gesamten 13 Jahre, die Common inzwischen Teil des Musikbusiness ist. Es ist ein Bild, das aus einem Leben schöpft, das sich durch Fühlen, Lernen und Wachstum auszeichnet. „Wenn ich mir meine Karriere anschaue, dann sehe ich einen Kreis“, sagt Common. „Auf meinem letzten Album [„Electric Circus“ von 2002] habe ich die Dinge an einen Punkt getrieben, der unfassbar weit von dem entfernt war, womit ich angefangen habe. Doch jetzt bin ich wieder zurück, ich bin wieder bei der Wurzel. Der Name meines kommenden Albums ist `BE´. Es handelt davon, wie man sein kann ohne es zu erzwingen, wie man gänzlich in einem Moment sein kann, wie man es schafft, sich natürlich zu verhalten – wie man derjenige sein kann, der man wirklich ist. Es geht mir darum, genau dieses Gefühl musikalisch zu verdeutlichen. Außerdem bedeutet es für mich, dass man nicht zuviel zurückdenken sollte, sich auch gar keine Gedanken darüber macht, was andere Leute darüber sagen. Es geht darum, wo ich jetzt gerade stehe – sowohl als Künstler als auch als Mensch.“
Während sein letztes Album, „Electric Circus“, durchweg von Kritikern in den Himmel gelobt wurde, weil es als unfassbare Herausforderung und Grenzen sprengendes HipHop-Erneuerungs-Werk verstanden wurde, gab es auch andere Stimmen von seinen Langzeit-Fans, die Commons Karriere schon seit seinem „Can I Borrow A Dollar?“-Debüt verfolgt hatten und darüber enttäuscht waren, dass er ja scheinbar seine puristischen HipHop-Wurzeln gegen eine eklektische Fusion aus Sonnenschein-Melodien eingetauscht hatte. Als sich dann die enttäuschenden Verkaufszahlen von „Electric Circus“ abzeichneten und zudem die Beziehung zu seiner Langzeit-Freundin, der Neo-Soul-Königin Erykah Badu, in die Brüche ging, erlebte der als Lonnie Rashid Lynn geborene Rapper buchstäblich, wie es ist, „hart auf den Boden aufzuschlagen.“ Also überdachte er die bisherige Richtung, die sein Leben und seine Karriere genommen hatten: „Es war wirklich eine harte Phase, sie hat mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geholt“, erinnert er sich. Anstatt jedoch gänzlich im Selbstmitleid zu ertrinken, nahm Common schon bald wieder den Stift in die Hand und begann mit der Arbeit an „BE“.
Hauptsächlich in New York und Los Angeles aufgenommen, und zum Großteil in seiner Heimatstadt Chicago geschrieben, ist „BE“ ein brillantes Lehrstück in Sachen rauem, warmem, souligem und reinem HipHop, das sich auf nur elf Songs konzentriert. „Ich wollte es nicht übertreiben“, sagt Common und erklärt seinen minimalistischen Ansatz folgendermaßen: „Ich wollte nur die allerbesten Songs aussuchen, aus ihnen eine komplette Story machen. Manchmal habe ich nicht einmal drei Strophen für einen Song geschrieben – so sind manche der Songs kürzer als sonst – aber genau so fühlte es sich gut und richtig an. Letztlich hatte ich das Gefühl, dass jeder der Songs so stark ist, dass 11 davon völlig ausreichen.“
Commons Rückkehr zu seinen musikalischen Wurzeln, zu der unverfälschten Essenz, die schon immer seiner Musik unterlag, bedeutete auch, dass ein Großteil der Produktionen für „BE“ von Kanye West übernommen wurde. Kanye ist – wie Common – in Chicago aufgewachsen und hat bei dessen erstem Produzenten und Freund No I.D. gelernt, wie man sein Handwerk richtig macht. Insgesamt produzierte er ganze neun der elf Stücke und half somit, das Album zu einer runden Einheit werden zu lassen, während der A Tribe Called Quest-Kollaborateur Jay Dee (aka J Dilla) zwei weitere Beats beisteuerte („Love Is“ und „It’s Your World“). Dazu ist „BE“ die zweite Veröffentlichung auf Wests Getting-Out-Our-Dreams-Music-Label, das in diesem Jahr bereits John Legends Debüt-Album („Get Lifted“) hervorbrachte. Das Resultat ist ein Album der Superlative, eine Anhäufung von Stücken, bei denen Common, eigentlich ein alter Hase, Raps mit der ungezügelten Energie eines jungen MCs abfeuert. „Es fühlt sich so an, als ob es sich um eine zweite Introduction handelt“, sagt Common, wenn man ihn zum Beispiel nach „Chi City“ fragt, einer Hymne auf seine alte Heimat, die auf einem harten Drum-Loop basiert und mit einem souligen Bläser-Sample und der Mithilfe von DJ Dummy und DJ A-Trak entstand. In diesem Stück rappt Common: „I rap with the passion of Christ / Nigga, cross me / Took it outta space and niggas thought they lost me / I'm back like a chiroprac with b-boy survival rap / It ain't '94, Joe, we can't go back.“
„Als MC kann ich mir vieles von der Seele reden, ich kann Druck ablassen“, sagt er. Dabei rappt er auf „BE“ keinesfalls nur aggressiv, um seinen Status als Über-MC zu untermauern, nein, er zeigt mit seinen unfassbar tiefschürfenden Storytelling-Texten, dass er auch ein wahnsinnig guter Geschichtenerzähler ist. Ein gutes Beispiel dafür ist „Testify“, eine raue, filmisch anmutende Thriller-Geschichte, in der Common die Geschichte einer Frau wiedergibt, die vor Gericht für ihren Mann aussagen muss. Oder auch „Faithful“, in dem Common die Verbindungen zwischen Gott und den Frauen beleuchtet, während gleichzeitig die Soul-Voices von Bilal und John Legend den Gemütszustand der Zuhörer beeinflussen.
„Kanye war sehr enthusiastisch und hat alles darangesetzt, gute HipHop-Musik zu kreieren. Ich wusste, dass er etwas Außergewöhnliches machen würde, etwas, das viele Menschen hören wollen. Songs, die einfach jeden angehen,“ sagt Common. „Bei Jay Dee ist es dasselbe, seine Musik besitzt eine mit Soul durchtränkte Rauheit, um die man einfach nicht herumkommt. Ich schätze und liebe die Art und Weise, wie sie beide ihre Beats produzieren, über alles. Beide sind unfassbar kreativ, superoriginell. Darum gibt es auch viele Leute da draußen, die sie imitieren wollen. Sie haben jeweils ihren eigenen Sound erschaffen. Außerdem gibt es bei uns natürlich eine geographische Verbindung – die Achse Chicago-Detroit, sie wirkt sehr stark. So wie ich, basieren sie beide ihre Musik auf dem Soul aus den Tagen, als Diana Ross und Marvin Gaye angesagt waren. Und – was HipHop betrifft – machen Kanye und Jay Dee genau die Art von Soul-HipHop, die ich liebe. Das ist die Musik, die ich seit Beginn meiner Karriere machen wollte.“
Um Commons Vision von „BE“ nicht unnötig zu verschandeln, ist auch die Zahl der Gast-Rapper auf ein erfrischendes Minimum reduziert: Neben den ständigen Gästen Bilal („It’s Your World“, „Faithful“) und John Legend („Faithful“, „They Say“), sind nur noch die Feature-MCs Kanye West und The Last Poets zu verzeichnen: Kanye teilt sich auf „They Say“ zwei Strophen mit Common, die Last Poets erweitern das Portrait des innenstädtischen Lebens im Fall von „The Corner“. Gut, ein weiterer darf letztlich natürlich auch nicht fehlen: Pops, Commons Vater, der wie gewohnt seine Gedanken auf dem letzten Track präsentiert. „Viele HipHop-Alben, die ich über alles liebe – viele HipHop-Klassiker geradezu –, wie zum Beispiel „Illmatic“, „Low End Theory“, oder „Paid in Full“ haben auch nur wenige, gewählte Gäste“, sagt Common erklärend. „Ich glaube, dass wahrhaftig gute Künstler es gar nicht nötig haben, so viele andere Rapper auf ihrem Album auftreten zu lassen – man kann auch alleine ein herausragendes Album aufnehmen. Und schließlich wollte ich doch, dass die Leute sehen, wo Common gerade steht, sie sollten sehen, wer ich wirklich bin.“
Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen macht Common weder Wegwerf-Kunst, noch rennt er vor dem Wort „Conscious“ davon. Ihm geht es darum, den Leuten Musik zu präsentieren, die ihren Geist aktiviert, ihren Körper und ihre Seele gleichermaßen bewegt – ihm geht’s um Musik, die zeitlos ist. So ist „BE“ ein Album, das nicht nur die Standards im HipHop ins Unermessliche hochschraubt. Es ist ein Album, das letztlich dafür sorgen wird, dass man den Namen Common in Zukunft gemeinsam mit Künstlern wie Marvin Gaye, Bob Marley und Donny Hathaway hören wird. Und das, liebe Freunde, das ist verdammt noch mal richtig so.
Während sein letztes Album, „Electric Circus“, durchweg von Kritikern in den Himmel gelobt wurde, weil es als unfassbare Herausforderung und Grenzen sprengendes HipHop-Erneuerungs-Werk verstanden wurde, gab es auch andere Stimmen von seinen Langzeit-Fans, die Commons Karriere schon seit seinem „Can I Borrow A Dollar?“-Debüt verfolgt hatten und darüber enttäuscht waren, dass er ja scheinbar seine puristischen HipHop-Wurzeln gegen eine eklektische Fusion aus Sonnenschein-Melodien eingetauscht hatte. Als sich dann die enttäuschenden Verkaufszahlen von „Electric Circus“ abzeichneten und zudem die Beziehung zu seiner Langzeit-Freundin, der Neo-Soul-Königin Erykah Badu, in die Brüche ging, erlebte der als Lonnie Rashid Lynn geborene Rapper buchstäblich, wie es ist, „hart auf den Boden aufzuschlagen.“ Also überdachte er die bisherige Richtung, die sein Leben und seine Karriere genommen hatten: „Es war wirklich eine harte Phase, sie hat mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geholt“, erinnert er sich. Anstatt jedoch gänzlich im Selbstmitleid zu ertrinken, nahm Common schon bald wieder den Stift in die Hand und begann mit der Arbeit an „BE“.
Hauptsächlich in New York und Los Angeles aufgenommen, und zum Großteil in seiner Heimatstadt Chicago geschrieben, ist „BE“ ein brillantes Lehrstück in Sachen rauem, warmem, souligem und reinem HipHop, das sich auf nur elf Songs konzentriert. „Ich wollte es nicht übertreiben“, sagt Common und erklärt seinen minimalistischen Ansatz folgendermaßen: „Ich wollte nur die allerbesten Songs aussuchen, aus ihnen eine komplette Story machen. Manchmal habe ich nicht einmal drei Strophen für einen Song geschrieben – so sind manche der Songs kürzer als sonst – aber genau so fühlte es sich gut und richtig an. Letztlich hatte ich das Gefühl, dass jeder der Songs so stark ist, dass 11 davon völlig ausreichen.“
Commons Rückkehr zu seinen musikalischen Wurzeln, zu der unverfälschten Essenz, die schon immer seiner Musik unterlag, bedeutete auch, dass ein Großteil der Produktionen für „BE“ von Kanye West übernommen wurde. Kanye ist – wie Common – in Chicago aufgewachsen und hat bei dessen erstem Produzenten und Freund No I.D. gelernt, wie man sein Handwerk richtig macht. Insgesamt produzierte er ganze neun der elf Stücke und half somit, das Album zu einer runden Einheit werden zu lassen, während der A Tribe Called Quest-Kollaborateur Jay Dee (aka J Dilla) zwei weitere Beats beisteuerte („Love Is“ und „It’s Your World“). Dazu ist „BE“ die zweite Veröffentlichung auf Wests Getting-Out-Our-Dreams-Music-Label, das in diesem Jahr bereits John Legends Debüt-Album („Get Lifted“) hervorbrachte. Das Resultat ist ein Album der Superlative, eine Anhäufung von Stücken, bei denen Common, eigentlich ein alter Hase, Raps mit der ungezügelten Energie eines jungen MCs abfeuert. „Es fühlt sich so an, als ob es sich um eine zweite Introduction handelt“, sagt Common, wenn man ihn zum Beispiel nach „Chi City“ fragt, einer Hymne auf seine alte Heimat, die auf einem harten Drum-Loop basiert und mit einem souligen Bläser-Sample und der Mithilfe von DJ Dummy und DJ A-Trak entstand. In diesem Stück rappt Common: „I rap with the passion of Christ / Nigga, cross me / Took it outta space and niggas thought they lost me / I'm back like a chiroprac with b-boy survival rap / It ain't '94, Joe, we can't go back.“
„Als MC kann ich mir vieles von der Seele reden, ich kann Druck ablassen“, sagt er. Dabei rappt er auf „BE“ keinesfalls nur aggressiv, um seinen Status als Über-MC zu untermauern, nein, er zeigt mit seinen unfassbar tiefschürfenden Storytelling-Texten, dass er auch ein wahnsinnig guter Geschichtenerzähler ist. Ein gutes Beispiel dafür ist „Testify“, eine raue, filmisch anmutende Thriller-Geschichte, in der Common die Geschichte einer Frau wiedergibt, die vor Gericht für ihren Mann aussagen muss. Oder auch „Faithful“, in dem Common die Verbindungen zwischen Gott und den Frauen beleuchtet, während gleichzeitig die Soul-Voices von Bilal und John Legend den Gemütszustand der Zuhörer beeinflussen.
„Kanye war sehr enthusiastisch und hat alles darangesetzt, gute HipHop-Musik zu kreieren. Ich wusste, dass er etwas Außergewöhnliches machen würde, etwas, das viele Menschen hören wollen. Songs, die einfach jeden angehen,“ sagt Common. „Bei Jay Dee ist es dasselbe, seine Musik besitzt eine mit Soul durchtränkte Rauheit, um die man einfach nicht herumkommt. Ich schätze und liebe die Art und Weise, wie sie beide ihre Beats produzieren, über alles. Beide sind unfassbar kreativ, superoriginell. Darum gibt es auch viele Leute da draußen, die sie imitieren wollen. Sie haben jeweils ihren eigenen Sound erschaffen. Außerdem gibt es bei uns natürlich eine geographische Verbindung – die Achse Chicago-Detroit, sie wirkt sehr stark. So wie ich, basieren sie beide ihre Musik auf dem Soul aus den Tagen, als Diana Ross und Marvin Gaye angesagt waren. Und – was HipHop betrifft – machen Kanye und Jay Dee genau die Art von Soul-HipHop, die ich liebe. Das ist die Musik, die ich seit Beginn meiner Karriere machen wollte.“
Um Commons Vision von „BE“ nicht unnötig zu verschandeln, ist auch die Zahl der Gast-Rapper auf ein erfrischendes Minimum reduziert: Neben den ständigen Gästen Bilal („It’s Your World“, „Faithful“) und John Legend („Faithful“, „They Say“), sind nur noch die Feature-MCs Kanye West und The Last Poets zu verzeichnen: Kanye teilt sich auf „They Say“ zwei Strophen mit Common, die Last Poets erweitern das Portrait des innenstädtischen Lebens im Fall von „The Corner“. Gut, ein weiterer darf letztlich natürlich auch nicht fehlen: Pops, Commons Vater, der wie gewohnt seine Gedanken auf dem letzten Track präsentiert. „Viele HipHop-Alben, die ich über alles liebe – viele HipHop-Klassiker geradezu –, wie zum Beispiel „Illmatic“, „Low End Theory“, oder „Paid in Full“ haben auch nur wenige, gewählte Gäste“, sagt Common erklärend. „Ich glaube, dass wahrhaftig gute Künstler es gar nicht nötig haben, so viele andere Rapper auf ihrem Album auftreten zu lassen – man kann auch alleine ein herausragendes Album aufnehmen. Und schließlich wollte ich doch, dass die Leute sehen, wo Common gerade steht, sie sollten sehen, wer ich wirklich bin.“
Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen macht Common weder Wegwerf-Kunst, noch rennt er vor dem Wort „Conscious“ davon. Ihm geht es darum, den Leuten Musik zu präsentieren, die ihren Geist aktiviert, ihren Körper und ihre Seele gleichermaßen bewegt – ihm geht’s um Musik, die zeitlos ist. So ist „BE“ ein Album, das nicht nur die Standards im HipHop ins Unermessliche hochschraubt. Es ist ein Album, das letztlich dafür sorgen wird, dass man den Namen Common in Zukunft gemeinsam mit Künstlern wie Marvin Gaye, Bob Marley und Donny Hathaway hören wird. Und das, liebe Freunde, das ist verdammt noch mal richtig so.
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