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DJ Friction Biographie

DJ Friction

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„I´m just the dj and I´m mixing for you.“ („Fucking Good Music“, DJ Friction)

„Nur“ der DJ? Der für die Leute mixt? Ist nicht der DJ der wichtigste Bezug in den letzten 25 Jahren moderner Musikgeschichte gewesen? Ob Disco, Garage, House, HipHop, Drum´n´Bass, elektronische Tanzmusik, Fusion aka Nu-Jazz und sonstige Randgebiete aufgelisteter Schlagwörter, basieren allesamt auf musikalische Entwicklungen, die im Club ihren zentralen Ausgangspunkt haben und deren letztendliche Quelle der DJ ist, der mixt.
Aus zwei macht eins. Diese erste und immer noch grundlegendste DJ-Technik hat DJ Friction, 31, seit den frühen 80iger fasziniert. „Ich bin anfangs unbewusst durch meine ältere Schwester von Disco-Musik beeinflusst wurden“, meint Friction. „Eines Tages hat sie mir ein gemixtes Tape aus einem Club mitgebracht, und mich hat es dermassen geflasht, wie die Musik so „aneinandergereiht“ lief. Ich hatte so etwas noch nie davor gehört.“ Parallel dazu schwappten auch langsam die ersten Platten von Kurtis Blow, Grandmaster Flash oder natürlich „Rappers Delight“ nach Deutschland rüber, „aber man hat das damals noch gar nicht wirklich eingeordnet. Die Begriffe HipHop oder Rap gab es noch gar nicht. Das war für uns ganz normale Disco-Musik.“ Friction saugte das alles in sich auf, versuchte Tapes mit mehr von dem Stuff zu bekommen - Platten kaufen war noch nicht - oder lauschte interessiert, wenn die älteren Jungs aus der Nachbarschaft diesen Sound auf ihrer Anlage laut aufdrehten.
Auf Zelluloid gebahnt folgte Flash Nummer 2. „Wildstyle“ lief als Dokumentationsfilm im deutschen Fernsehen und eröffnete ihm einen ungeahnten Kosmos. „Das war etwas völlig Fremdes, vor allem der Aspekt wie diese Szene zusammenhängt.“ Die sogenannten vier Säulen – Graffiti, Breakdance, MCing & Djing – hinterliessen bei ihm einen tiefen Eindruck, aber eine Szene, die es in dieser Konstellation in Deutschland 1982/83 nicht gab, einzig Breakdance schaffte es zu diesem Zeitpunkt kurzzeitig im Mainstreamprogramm zu landen. Das sollte aber Friction nicht allzu lange tangieren, denn er kam damals, durch „Wildstyle“ visuell aufgestachelt, zu einen ganz persönlichen Ergebnis. „Ich bin dann immer mehr dahintergekommen, dass mich am meisten die Musik interessiert, die von Afroamerikanern gemacht wird. Ich habe festgestellt, dass alles was ich gehört habe, natürlich auch die ganzen Disco Sachen, „Blackmusic“ war.“ Die Frage nach den Roots ist nun also endgültig geklärt, Prince und der Radiosender AFN lassen grüssen.
Bewusst angefangen Platten zu sammeln hat DJ Friction 1985. Doug E. Fresh „The Show“ markierte die eine Richtung, House, zu 100% „black“ und gerade erst aus Disco und Garage entstanden, die andere. Clubmusiken waren es beide, die natürlich von einem DJ in einem Club an einem Abend gespielt wurden. Diese Mentalität, dass ein DJ die ganze Palette drauf haben muss, hat DJ Friction Mitte der 80iger verinnerlicht, weil es damals natürlich gar keine andere Option gab. Heute hat er dafür mit seinem Set alle Optionen der Welt.
Zusammen mit Freunden wurde das erste DJ-Equipment angeschafft, wobei Mixing mit pitchlosen Turntables damit eigentlich nahezu unmöglich war. „Für uns war es das Grösste, wenn wir zwei Stücke übereinander geblendet haben“ schmunzelt Friction, wenn er an die ersten Sessions zurückdenkt. Mit der Zeit wurde die Hardware zunehmend besser, die ersten Scratches kamen zustande und – der erste Mix, der erste Übergang, zwei Beats laufen im Takt, jeder DJ weiss, was das für ein Gefühl ist. Ein spanischer DJ zeigte aber Friction´s Clique im Sommerurlaub zum ersten Mal live wie es richtig geht. „Der Typ hat gescratcht und minutenlange Übergänge gemacht, was damals wohlgemerkt gar nicht so einfach war, weil die Drums von vielen Stücken noch live vom Schlagzeug kamen und nicht vom Drumcomputer, sprich sie hatten Tonschwankungen, was natürlich schwierig zum Mixen ist. Er hat uns immens beeindruckt, auch was die Musikauswahl anging, weil das genau unser Geschmack war.“
Friction wandte sich dann langsam aber sicher immer mehr dem Mixing von HipHop Platten zu, was vorerst in Battle DJing endete, wobei wohlgemerkt Ende der 80iger und frühen 90iger Battles noch nichts mit Turntablism zu tun hatte, so wie man es von den heutigen Wettbewerben kennt. „Das war zu der Zeit einfach ein Wettstreit, wer der coolere DJ ist und wer die bessere Musikauswahl hat. Man hatte 7 Minuten Zeit, und da hat man versucht, so viel und so gut wie möglich ineinander zu mixen. Das ist ja auch HipHop - verschiedenste Sachen zusammen zu mischen und etwas Neues entstehen zu lassen.“
Sein Verständnis für Musik und das jahrelange Üben liessen ihn 1990 die Baden-Württembergische DMC Meisterschaft gewinnen, was die Eintrittskarte in Stuttgarter Clubs darstellen sollte. Von Michi Beck (Die Fantastischen Vier) übernahm er einen regelmässigen HipHop Abend in einem der damals bekanntesten Clubs der Landeshauptstadt, welche Nacht auch der erste Treffpunkt der Leute wurde, die sich später inklusive Friction zur „Kolchose“ zusammenschlossen.
Schon zuvor versuchte Friction mit einem einfachen Drumcomputer, bekannte HipHop Tracks nachzuprogrammieren, was nur mager funktionierte. Die Einsicht, dass ein Sampler, Computer und Sequenzerprogramm angeschafft werden musste, kam sehr schnell. Mit Atari und Cubase bewaffnet, arbeitete er sich in die völlig neue Materie ein. „Ich habe mir alles selbst erarbeitet und alles selbst beigebracht. Ich hatte nie jemanden der mir grossartig etwas zeigen konnte.“ Wer auch 1991?
Nach den ersten Gehversuchen fand Friction seinen ersten äquivalenten Partner und MC, mit dem er die Formation Raw Diamenz gründete. Die erste Maxi wurde vollständig aus seiner eigenen Tasche finanziert, die schon in den frühen 90igern für damalige Verhältnisse recht weit entwickelt klang, „wie aus New York“ hiess es in der Stadtpresse. Raw Diamenz war ein sehr offenes Projekt, teilweise wurde auch ein Sänger eingesetzt, damals sehr im Trend liegender New Jack Swing spielte genauso eine Rolle wie R´n´B oder HipHop im klassischen Sinne, der auf einmal „Eastcoast“ hiess, was für Friction übrigens keine Kategorie ist, und auch gleich zweimal keine, in der er sich als DJ stecken lässt, sondern lediglich die nüchterne Tatsache „da kommt es eben her, das habe ich als erstes wahrgenommen und das hat mich geprägt“ darstellt.
Raw Diamenz sollte nur ein kurzer Abschnitt in Frictions Biographie darstellen, musikalische Meinungsverschiedenheiten liessen die Band bald wieder auseinanderbrechen. Eines hat er aber aus dieser Zeit behalten: Sein Partner verpasste ihm damals seinen Namen. Friction, englisch für Reibung, könnte für sein Schaffen als DJ und Produzent kaum besser gewählt sein.
Frictions Producerskills waren schon bald so weit fortgeschritten, dass er nicht nur sämtliche Stuttgarter Young Cats mit Beats versorgte und ihnen seine Fähigkeiten weiter vermittelte, sondern auch mit anderen Stilen experimentierte - Jungle zog durch Deutschland. „Mich hat schon immer die Musik interessiert, die dadurch entsteht, weil DJs damit experimentieren oder daran arbeiten. So ist HipHop, Disco oder House entstanden und eben auch Jungle.“ Seine erste Jungle Nummer, „I feel Good“ von James Brown im Breakbeat-Gewandt, erschien auf Eastwest und schlug auch auf britischen Dancefloors ein. Danach reduzierte Friction wieder die Geschwindigkeit seiner Beats, liess sie aber um so komplexer ausarten. Auf der EP „Pulp Friction“ (Gap Rec.) schaffte er erstmals den Spagat zwischen TripHop, instrumentalen Songs und einem Rap-Stück. Schon Mitte der 90iger war er seinem heutigen Sound sehr nahe, die Band Freundeskreis dehnte aber die Zeit zwischen seinem aktuellen Album „Friction“ und „Pulp Friction“ auf über 5 Jahre hinaus. Ein kurzes Intermezzo stellte zwischendurch die EP „The Difference“ auf Continuemusics dar, die ebenso mit einer musikalischen Vielfalt zwischen Downbeat, House und schnellen Breakbeats glänzen konnte und zusammen mit Don Philippe (Freundeskreis und Thommy Wittinger entstand unter dem Projektnamen „DJ FK“ die astreine Electro-Nummer „Rock the most“ (Four Music).
Nach zwei Studio-LPs, einem Live-Album und zwei goldenen Schallplatten im Gepäck mit Freundeskreis, stellt sich die Frage, warum Friction nicht anschliessend wieder seine Rolle als Produzent von Beats jeglicher Art auf Albumformat in den Vordergrund rückte, sondern erst mit „Science Friction“ ein Feature/Produzenten Album als Solo-Debüt veröffentlichte. „Durch das viele Herumreisen mit Freundeskreis habe ich viele MCs kennengelernt. So entstand der Wunsch, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten und ein reines Produceralbum machen, wo ich verschiedene Leute auf meine Beats höre.“ Der Gedanke, ein nahezu komplettes Instrumentalalbum einzuspielen, lag vor 2 Jahren noch fern, da er auch wusste, dass es wesentlich schwieriger ist, Tracks ohne Raps für sich alleine stehen zu lassen und dabei nicht zu langweilen.
Nun aber gelang es Friction, seine Kreativität weit über das übliche Instrumtental-Beats-Schema zu steigern und ein Album voller eigenständiger Tracks zu produzieren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Er kam auch letztendlich zum Entschluss, dem Album den Namen „Friction“ zu geben, da es erstens von Reibung und Spannung lebt und zweitens nicht nur den Produzenten Friction charakterisiert, sondern auch gleichzeitig den Discjockey Friction wieder in den Mittelpunkt bringt und so beide Parts des Künstlers Friction bestens vereint und widerspiegelt. DJ Friction sieht „Friction“ als sein eigentliches erstes Solo-Album an.
Dazu kam noch ein wesentlicher Faktor, der die Arbeit beeinflusste. „In den letzten ein, zwei Jahren kamen wieder wahnsinnig meine Roots hoch. Durch mein Alter habe ich ein wenig Abstand zu der HipHop Szene bekommen, womit ich mich aber keines Falls von dieser ausgrenzen will. Wenn man immer vor sehr viel jüngeren Leute auflegt, wird man mit seiner eigenen Jugend konfrontiert und denkt darüber nach. Wenn ich Old-School auflege, wird das von den meisten Gästen nicht verstanden, die realisieren gar nicht, dass das HipHop ist und die Wurzeln darstellen. Noch extremer wird es natürlich, wenn man anfängt Disco-Funk Sachen aufzulegen, dann verstehen sie die Welt überhaupt nicht mehr. Diese Erkenntnis hat mich dazu bewogen, dass ich meine Roots aufarbeiten und so ein Album machen will.“
„Friction“ ist aber auf gar keinen Fall ein Old-School (HipHop) Album geworden, dass altbacken oder übertrieben retro klingt, ganz im Gegenteil. Es greift zwar Elemente der letzten 25 Jahre DJ-Culture auf und bringt sie aber in einen frischen und modernen Kontext. „Das Album ist natürlich ein Versuch, Ansätze und Strukturen z.B. von Disco, Funk oder Electro in die heutige Zeit zu übertragen und diese mit heutigen Sounds zu vermischen.“ Zum Beispiel war er mit seiner Coverversion der Disco-Funk Nummer „Feel Alright“, das er mit der Sängerin Dela Miles neu eingespielt hat, anfangs nicht zufrieden. „Ich habe festgestellt, dass es eigentlich nur das gleiche Stück ist, eben 20 Jahre später neu eingespielt, 1 zu 1 kopiert,“ was aber nicht im Sinn des Albums lag. Hochgradig discoid ist nun die daraufhin überarbeitete Version immer noch, bloss der Beat ist voluminöser und satter, im Hintergrund zwitschert ein Soundkosmos, der vor 20 Jahren einen Club leer geräumt hätte, aber dem heutigen Publikum unbewusst stark vertraut vorkommt. Die Aktualität oder besser gesagt die Zeitlosigkeit, stand bei der Produktion zu „Friction“ an erster Stelle.
DJ Friction konstruiert auf „Friction“ Tracks, die – abgesehen von gesampelten Vocalhooks - meist ohne Gesang oder Raps auskommen, aber in ihrer von vorne bis hinten durch arrangierten Weise wiederum Songs bilden. Anfang, Ende, Breaks, Höhen, Tiefen & Emotionen, alles findet seinen Platz und der Dancefloor wird stets im Auge behalten. „Es sind auf jeden Fall Tracks, die man auflegen kann und Spass machen sollen.“ Abgesehen von ein paar ruhigen Skits, die eine laid back Atmosphäre verströmen und der wunderschönen „White Soul“ Hymne „Search 4 Love“ feat. Angelize, geht „Friction“ kompromisslos in Mark und Bein, das Spektrum der Beats bleibt offen. Ob roughe House Cuts wie die erste Single „The Vibe“ oder „I can´t Stop“, slammende Instrumental-HipHop Tracks wie „The Grandmaster“, Affinitäten zu Big Beats wie auf „Sunshine Baby“ (zusammen mit DJ Thomilla) oder „On My Way“, bouncende Partybreaks wie „Funky Beat“ (nicht auf der Promo-CD enthalten) oder „Move To The Left“ oder Funk in bester Parliament Manier wie auf „Space Party“ oder gar Tunes, für die, wie „Fucking Good Music“ oder „Wildstyle 2002“, erst noch Kategorien gefunden werden müssen, DJ Friction präsentiert sich auf „Friction“ als universeller Beatschneider erster Güte. Sicherlich ist HipHop eine seiner grössten musikalischen Vorlieben, aber eben nur auch. Deswegen ist mit „Rapactors“ feat. Bazooka Joe nur eine richtige HipHop Nummer auf dem Album vertreten. „Die HipHop Einflüsse sind natürlich auch stark auf dem Album vertreten, was aber vielleicht der ein oder andere weniger heraus hört. Für mich persönlich sind die meistes Stücke auch HipHop. Selbst wenn es sich um ein housiges Stück dreht, ist es von der Herangehensweise, wie es produziert wurde, HipHop.“
Neben der Absicht, die Dancefloors dieser Welt zu stürmen, hört man aber auch, dass DJ Friction in den letzten 2 Jahren als Produzent und Musiker nochmals um einiges gereift ist. Die Sounds müssen authentisch klingen, deswegen wird nach den richtigen Streichern auch gerne mal die akribisch sortierte Plattensammlung länger durchforstet. Aber „Friction“ baut nicht nur auf reiner Sampledelica auf, sondern auch eigene Einspielungen machen einen Grossteil des Albums aus. Aber der wichtigste Aspekt der Platte ist und bleibt die Rolle des Diskjockeys. „Friction“ ist ein DJ-Album. Ein Album, auf dem Einflüsse eines DJs verarbeitet werden und wo DJ-Techniken wie Mixing und Scratching Fundamente eines Songs sind („Funky Beat“, „On My Way“). Der Turntable-Track „Superstar DJs 2“ mit DJ Thomilla („Superstars DJs 1“ erschien auf dem DJ Thomilla Album „Genuine Draft“) stellt diese Tatsache nochmals explizit dar. Vom DJ für den DJ. „Das ist das ganze Prinzip von der Platte. Das Auflegen macht mir nach wie vor riesigen Spass und mich freut es noch mehr, wenn ich diese ganzen Classics spielen kann. Noch besser ist es, wenn ich diese mit neuen Sachen von allen möglichen Stilrichtungen wie z.B. House, Electro oder Big Beat verbinden kann, so wie ich es eben auf meiner Platte gemacht habe.“
DJ Friction hat sich also mit seinem Solo-Werk ein Album auf den Leib geschnitten, wie er es gelernt hat, als Discjockey Mitte der 80iger einen Abend zu gestalten und wie er heute am liebsten sein Set aufbaut. Nicht nur als Produzent steht er am (vorläufigen) Zenit seines Schaffens, auch als DJ ist er besser und flexibler denn je und erzeugt aus Disco, Funk, Soul, Rare Groove, Old-School, House und aktuellen HipHop und R´n´B Releases einen unglaublichen Flow, der Euphorie und bleibende Eindrücke auf dem Dancefloor hinterlässt. Vorausgesetzt er darf natürlich. Für Open Mindness im Club braucht es immer zwei, DJ und Publikum. Aber nachdem man schon vor Jahren Freestyle als DJ Pflicht gekürt hat, es aber entweder an den Fähigkeiten des DJs gemangelt hat oder wiederum am Verständnis des Publikums, brechen seit ein, zwei Jahren Barrieren im Kopf langsam nieder. Gut für DJ Friction. Gut für „Friction“. Gut für uns.
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