Daby Toure Biographie
Daby Toure
Die meisten Besucher von Peter Gabriels diesjähriger Tournee dürften von dem Sänger Daby Touré, der nur mit Gitarre das Vorprogramm bestritt und beim Duett "In Your Eyes" die Rolle von Youssou N'Dour übernahm, überrascht gewesen sein. Worldmusic-Freunde indes kennen Daby Touré, der mit Diam sein Solo-Debüt auf Real World veröffentlicht, als Mitglied des legendären afrikanischen Musikerclans Touré Kunda (Kunda heißt Familie) sowie als eine Hälfte des hoch gelobten Duos Touré-Touré, dessen Album Laddé vor zwei Jahren die internationalen Worldmusic-Charts stürmte.
Der Legende nach geht der Touré-Clan auf vier Brüder zurück, die einst in einem Dorf im heutigen Mali lebten. Alle waren von Beruf Schuhmacher und verdienten sich ihren Lebensunterhalt, indem sie aus Krokodilleder Schuhe und Taschen herstellten. Aus irgend-einem Grund, vielleicht weil der Fluss, in dem die Krokodile lebten, austrocknete oder weil man zu viele Tiere erlegt hatte, mussten die Brüder ihr Gewerbe aufgeben. Sie verließen das Dorf und wanderten getrennt in alle vier Himmelsrichtungen davon. Einen der Tourés zog es in die Nähe von Zinguinchor, das in der südlichsten Provinz des Senegals, Casamance, liegt. Hier ehelichte er vier Frauen und zeugte eine große Anzahl Kinder, die alle mit einem großen musikalischen Talent gesegnet waren. Hamidou Touré studierte Medizin in der maureta-nischen Hauptstadt Nouakchott. Nach dem Studium arbeitete er als Arzt in dem Wüstenort Boutilimit, wo er eine Frau halb arabischer, halb schwarzafrikanischer Herkunft heiratete. Ihren ersten Sohn nannten sie, in Erinnerung an den Großvater, Daby.
Daby verbrachte seine Jugend - die Eltern hatten sich scheiden lassen - bei einem Onkel in Djéole, einem Dorf am Ufer des Senegal, der die Grenze zwischen den Staaten Mauretanien und Senegal bildet. "Im Rückblick war die Zeit im Dorf die wichtigste meines Lebens, denn dort lernte ich alles über die Sprache, Kultur und Musik meines Volkes, die Soninké und ihre Nachbarn, die Toucouleur und Wolof", berichtet Daby und erzählt weiter von samtschwarzen Nächten, in denen er mit Freunden auf alten Dosen, Kanistern und Pappkartons herum-trommelte. Und weil sie das so gut konnten, spielten sie auch bei Hochzeiten, Geburten und sonstigen Festlichkeiten.
Später wohnte Daby bei seinem Vater, der inzwischen an einem Krankenhaus in Nouakchott arbeitete. Nach einem anstrengenden Tag entspannte sich Hamidou, indem er mit Freun-den jammte. Daby durfte jedoch die Gitarre nicht anfassen, denn sein Vater wollte nicht, dass er auf die dumme Idee käme, Musiker zu werden. "In Mauretanien gibt es den Beruf Musiker überhaupt nicht", erklärt Daby. "Ein Beruf ist etwas, das man lernt und für das man
ein Diplom bekommt. Mein Vater wusste durch seine Familie, was das Leben eines Musikers bedeutet. Für ihn war das keine Zukunft für seinen Sohn." Das hinderte den Jugendlichen natürlich nicht daran, sich in unbeobachteten Momenten das Gitarrenspiel beizubringen.
Gleichzeitig entdeckte er dank Radio und Cassetten die exotischen Freuden westlicher Popmusik. The Police, Dire Straits, Bob Marley, Stevie Wonder und Michael Jackson hinterließen prägenden Eindruck.
Als Ende der 80er Jahre in Mauretanien gewalttätige Konflikte zwischen den ethnischen Grup-pen ausbrachen, nahm Dabys Vater ein Angebot seiner jüngeren Brüder Sixu und Ismael an. Zusammen mit seinem Sohn reiste er nach Frankreich und wurde Mitglied von Touré Kunda, die als eine der ersten Bands Westafrikas den internationalen Musikmarkt erobert hatten. Paris war für den jetzt 18 Jahre alten Daby eine Offenbarung. Er stürzte sich ins musikalische Treiben, spielte mit Rock- und Coverbands in Bars und bei Studentenparties und gründete, nachdem er gegen alle väterliche Proteste die Wirtschaftsschule geschmissen hatte, zusammen mit seinem Vetter Omar die Formation Touré-Touré. Über eine Dekade lang experimentierten "die Beatles der afrikanischen Musik", wie sie wegen ihres Auftretens mit Gitarren, Gesang und Perkussion genannt wurden, im Grenzbereich von Jazz, Pop und westafrikanischer Musik, bevor sie über Jean Pierre Como, den Keyboarder der etablierten Avantgarde-Jazz-Formation Sixún, einen Plattenvertrag erhielten und das Album Laddé veröffentlichten.
Auch für sein Solodebüt Diam ließ sich Daby Touré ausgiebig Zeit. "Es ist wie bei einem Maler, der ein Bild malt", erklärt er. "Ich stehe morgens auf, nehme meine Gitarre und beginne zu spielen. Ich weiß nicht, wohin ich gehe, aber ich gehe." Mehrere Monate verbrachte er so in seinem Heimstudio, schrieb Songs, nahm sie auf, arrangierte und mixte. Erst als seine musikalische Vision Gestalt annahm, tat er sich mit dem elektronischen Musik-spezialisten Cyrille Dufay zusammen, der für den punktgenauen Sound des Albums sorgte.
Wer Daby Tourés virtuoses Gitarrenspiel und seine geschmeidige Stimme auf Diam hört, versteht augenblicklich, warum Peter Gabriel diesen Vollblutmusiker aus dem erfolgreichsten musikalischen Familienunternehmen Westafrikas für sein Label verpflichtet hat und ihn als Special Guest zu seiner Tournee einlud. Tatsächlich wird man betörendere Klänge schwerlich finden. Gleichwohl haben Daby Tourés Kompositionen wenig gemein mit dem gängigen Image von afrikanischer Musik, das immer noch geprägt ist von überschäumender Lebens-freude, die sich in einem Feuerwerk mitreißender Rhythmen ausdrückt. Der Wunsch, mit diesem Klischee zu brechen, erklärt auch, warum Daby trotz des Erfolgs von Touré-Touré nach einigen hundert Konzerten in Frankreich, Brasilien, Kanada, USA und Deutschland einen Schlussstrich unter das Projekt zog. "Ich war mit der Entwicklung der Band unzufrieden", erzählt der Sänger. "Bei allen euphorischen Reaktionen schien es immer so, als ob Medien und Publikum allein an den afrikanischen Traditionen und den Tanzband-Aspekten interes-siert wären."
Natürlich finden sich auch auf Diam rhythmische Finessen, variantenreiche Perkussion und swingende Leichtigkeit, etwa beim Auftakt "Iris", dem traditionell gefärbten "Mi Wawa"
und der Ali-Farka-Touré-Hommage "Mansa". Aber meist präsentiert sich Daby Touré als Meister der leisen Töne, der in sparsamen Arrangements eine breite Palette afrikanischer Musikfarben mit westlichen Einflüssen aus Folk, Jazz, Blues und Pop verbindet. Wenn er wie in Trance seine kristallklar klingende Akustikgitarre spielt und dazu mit wunderschöner be-schwörender Stimme melancholische Balladen wie "Dendecuba", "Mi Malama", "Hammadi" und "Hassinna" intoniert, ist andächtiges Lauschen Pflicht. Zart tropfen die Töne von den Saiten. Die perlenden Gitarrenlinien führen Zwiegespräche, formen sich zu komplexen melodischen und perkussiven Mustern und kreieren allein durch minimale Verän-derungen in Klang und Tempo unerwartete Nuancen. Daby Tourés unglaubliche Gitarren-technik und seine fesselnden Songs sind von berauschender Wirkung. In den wichtigsten Sprachen der westafrikanischen Länder Mauretanien und Senegal (Toucouleur, Soninké, Wolof) singt Daby von Liebe, Verständnis, Familie, Freiheit, Hoffnung und Frieden ("Diam"). Dass einem die Inhalte der Liedtexte verborgen bleiben, schmälert die Wirkung der Songs in keiner Weise. Denn die tiefen Emotionen, die hier ausgedrückt werden, sind unmittelbar spürbar. Manche Klänge und Melodien mögen dem westlichen Ohr geheimnisvoll erscheinen, aber wie hier Genre- und Kulturgrenzen aufgebrochen werden, das ist originell, hat Seele und verbreitet einen Zauber, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Zweifellos ist Daby Touré mit Diam ein potenzieller Klassiker der afrikanischen Musik gelungen, der sich nicht nur in die besten Werke von Youssou N'Dour, Salif Keita, Ali Farka Touré, Habib Koité, Boubacar Traore, Baaba Maal und Paba Wemba einreiht, sondern auch dem großen Namen "Touré" alle Ehre macht.
Der Legende nach geht der Touré-Clan auf vier Brüder zurück, die einst in einem Dorf im heutigen Mali lebten. Alle waren von Beruf Schuhmacher und verdienten sich ihren Lebensunterhalt, indem sie aus Krokodilleder Schuhe und Taschen herstellten. Aus irgend-einem Grund, vielleicht weil der Fluss, in dem die Krokodile lebten, austrocknete oder weil man zu viele Tiere erlegt hatte, mussten die Brüder ihr Gewerbe aufgeben. Sie verließen das Dorf und wanderten getrennt in alle vier Himmelsrichtungen davon. Einen der Tourés zog es in die Nähe von Zinguinchor, das in der südlichsten Provinz des Senegals, Casamance, liegt. Hier ehelichte er vier Frauen und zeugte eine große Anzahl Kinder, die alle mit einem großen musikalischen Talent gesegnet waren. Hamidou Touré studierte Medizin in der maureta-nischen Hauptstadt Nouakchott. Nach dem Studium arbeitete er als Arzt in dem Wüstenort Boutilimit, wo er eine Frau halb arabischer, halb schwarzafrikanischer Herkunft heiratete. Ihren ersten Sohn nannten sie, in Erinnerung an den Großvater, Daby.
Daby verbrachte seine Jugend - die Eltern hatten sich scheiden lassen - bei einem Onkel in Djéole, einem Dorf am Ufer des Senegal, der die Grenze zwischen den Staaten Mauretanien und Senegal bildet. "Im Rückblick war die Zeit im Dorf die wichtigste meines Lebens, denn dort lernte ich alles über die Sprache, Kultur und Musik meines Volkes, die Soninké und ihre Nachbarn, die Toucouleur und Wolof", berichtet Daby und erzählt weiter von samtschwarzen Nächten, in denen er mit Freunden auf alten Dosen, Kanistern und Pappkartons herum-trommelte. Und weil sie das so gut konnten, spielten sie auch bei Hochzeiten, Geburten und sonstigen Festlichkeiten.
Später wohnte Daby bei seinem Vater, der inzwischen an einem Krankenhaus in Nouakchott arbeitete. Nach einem anstrengenden Tag entspannte sich Hamidou, indem er mit Freun-den jammte. Daby durfte jedoch die Gitarre nicht anfassen, denn sein Vater wollte nicht, dass er auf die dumme Idee käme, Musiker zu werden. "In Mauretanien gibt es den Beruf Musiker überhaupt nicht", erklärt Daby. "Ein Beruf ist etwas, das man lernt und für das man
ein Diplom bekommt. Mein Vater wusste durch seine Familie, was das Leben eines Musikers bedeutet. Für ihn war das keine Zukunft für seinen Sohn." Das hinderte den Jugendlichen natürlich nicht daran, sich in unbeobachteten Momenten das Gitarrenspiel beizubringen.
Gleichzeitig entdeckte er dank Radio und Cassetten die exotischen Freuden westlicher Popmusik. The Police, Dire Straits, Bob Marley, Stevie Wonder und Michael Jackson hinterließen prägenden Eindruck.
Als Ende der 80er Jahre in Mauretanien gewalttätige Konflikte zwischen den ethnischen Grup-pen ausbrachen, nahm Dabys Vater ein Angebot seiner jüngeren Brüder Sixu und Ismael an. Zusammen mit seinem Sohn reiste er nach Frankreich und wurde Mitglied von Touré Kunda, die als eine der ersten Bands Westafrikas den internationalen Musikmarkt erobert hatten. Paris war für den jetzt 18 Jahre alten Daby eine Offenbarung. Er stürzte sich ins musikalische Treiben, spielte mit Rock- und Coverbands in Bars und bei Studentenparties und gründete, nachdem er gegen alle väterliche Proteste die Wirtschaftsschule geschmissen hatte, zusammen mit seinem Vetter Omar die Formation Touré-Touré. Über eine Dekade lang experimentierten "die Beatles der afrikanischen Musik", wie sie wegen ihres Auftretens mit Gitarren, Gesang und Perkussion genannt wurden, im Grenzbereich von Jazz, Pop und westafrikanischer Musik, bevor sie über Jean Pierre Como, den Keyboarder der etablierten Avantgarde-Jazz-Formation Sixún, einen Plattenvertrag erhielten und das Album Laddé veröffentlichten.
Auch für sein Solodebüt Diam ließ sich Daby Touré ausgiebig Zeit. "Es ist wie bei einem Maler, der ein Bild malt", erklärt er. "Ich stehe morgens auf, nehme meine Gitarre und beginne zu spielen. Ich weiß nicht, wohin ich gehe, aber ich gehe." Mehrere Monate verbrachte er so in seinem Heimstudio, schrieb Songs, nahm sie auf, arrangierte und mixte. Erst als seine musikalische Vision Gestalt annahm, tat er sich mit dem elektronischen Musik-spezialisten Cyrille Dufay zusammen, der für den punktgenauen Sound des Albums sorgte.
Wer Daby Tourés virtuoses Gitarrenspiel und seine geschmeidige Stimme auf Diam hört, versteht augenblicklich, warum Peter Gabriel diesen Vollblutmusiker aus dem erfolgreichsten musikalischen Familienunternehmen Westafrikas für sein Label verpflichtet hat und ihn als Special Guest zu seiner Tournee einlud. Tatsächlich wird man betörendere Klänge schwerlich finden. Gleichwohl haben Daby Tourés Kompositionen wenig gemein mit dem gängigen Image von afrikanischer Musik, das immer noch geprägt ist von überschäumender Lebens-freude, die sich in einem Feuerwerk mitreißender Rhythmen ausdrückt. Der Wunsch, mit diesem Klischee zu brechen, erklärt auch, warum Daby trotz des Erfolgs von Touré-Touré nach einigen hundert Konzerten in Frankreich, Brasilien, Kanada, USA und Deutschland einen Schlussstrich unter das Projekt zog. "Ich war mit der Entwicklung der Band unzufrieden", erzählt der Sänger. "Bei allen euphorischen Reaktionen schien es immer so, als ob Medien und Publikum allein an den afrikanischen Traditionen und den Tanzband-Aspekten interes-siert wären."
Natürlich finden sich auch auf Diam rhythmische Finessen, variantenreiche Perkussion und swingende Leichtigkeit, etwa beim Auftakt "Iris", dem traditionell gefärbten "Mi Wawa"
und der Ali-Farka-Touré-Hommage "Mansa". Aber meist präsentiert sich Daby Touré als Meister der leisen Töne, der in sparsamen Arrangements eine breite Palette afrikanischer Musikfarben mit westlichen Einflüssen aus Folk, Jazz, Blues und Pop verbindet. Wenn er wie in Trance seine kristallklar klingende Akustikgitarre spielt und dazu mit wunderschöner be-schwörender Stimme melancholische Balladen wie "Dendecuba", "Mi Malama", "Hammadi" und "Hassinna" intoniert, ist andächtiges Lauschen Pflicht. Zart tropfen die Töne von den Saiten. Die perlenden Gitarrenlinien führen Zwiegespräche, formen sich zu komplexen melodischen und perkussiven Mustern und kreieren allein durch minimale Verän-derungen in Klang und Tempo unerwartete Nuancen. Daby Tourés unglaubliche Gitarren-technik und seine fesselnden Songs sind von berauschender Wirkung. In den wichtigsten Sprachen der westafrikanischen Länder Mauretanien und Senegal (Toucouleur, Soninké, Wolof) singt Daby von Liebe, Verständnis, Familie, Freiheit, Hoffnung und Frieden ("Diam"). Dass einem die Inhalte der Liedtexte verborgen bleiben, schmälert die Wirkung der Songs in keiner Weise. Denn die tiefen Emotionen, die hier ausgedrückt werden, sind unmittelbar spürbar. Manche Klänge und Melodien mögen dem westlichen Ohr geheimnisvoll erscheinen, aber wie hier Genre- und Kulturgrenzen aufgebrochen werden, das ist originell, hat Seele und verbreitet einen Zauber, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Zweifellos ist Daby Touré mit Diam ein potenzieller Klassiker der afrikanischen Musik gelungen, der sich nicht nur in die besten Werke von Youssou N'Dour, Salif Keita, Ali Farka Touré, Habib Koité, Boubacar Traore, Baaba Maal und Paba Wemba einreiht, sondern auch dem großen Namen "Touré" alle Ehre macht.
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