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Die Toten Hosen Biographie

Die Toten Hosen

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Ostern 1982 spielten wir unser erstes Konzert in Bremen, bedauerlicherweise angekündigt als „Die Toten Hasen“. Davon ließen wir uns aber nicht entmutigen und nutzten in den folgenden Monaten jede Gelegenheit, um Konzerte zu spielen. Das Publikum, dessen Anzahl zwischen 20 und 150 schwankte, reagierte von gelangweilt über verstört bis enthusiastisch; „Eisgekühlter Bommerlunder“ und „Opel Gang“ sangen sie aber alle mit.

1984 begannen wir, mit dem wahren Heino im Vorprogramm aufzutreten. Der Streit zwischen ihm und seinem Doppelgänger, einem gleichnamigen Bäckergesellen aus Düsseldorf, eskalierte. So fand die Karriere des wahren Heino vor dem Bonner Landgericht ein abruptes Ende.

Nach der „Unter falscher Flagge“-Tour verließ Trini im Oktober 1985 den Platz hinter dem Schlagzeug, um wenig später als Trainer und Manager zurückzukehren.

Nach einigen vergeblichen Versuchen mit anderen Jungs übernahm Wölli im Juli 1986 die Schlagzeugstöcke. Beim Anti-WAA Festival in Wackersdorf feierte er im intimen Rahmen vor 120.000 Zuschauern mit wackligen Knien seinen Einstand und rief gleich darauf mit uns zur „Damenwahl“ auf.

Weniger erfolgreich waren wir dagegen im August beim Schwarzwald-Pokal in Freiburg, denn wir schieden durch Elfmeterschießen im Halbfinale aus (den Pokal nahmen wir aber trotzdem mit).

Anfang 1987 trugen wir zum ersten Mal unsere interne Ski-Rennwoche aus. Bilanz nach fünf Tagen: Mehr Regen als Schnee, ein gebrochenes Wadenbein, eine aus-gekugelte Schulter und die Idee zu „Never mind the Hosen – here’s Die Roten Rosen“, die aus gegebenem Anlass beim Fischerwirt in Strobl am Wolfgangsee entstand. Unbewußt wurde Ende desselben Jahres eine Tradition begründet: Im Tor 3 in Düsseldorf fand das erste Weihnachtskonzert statt.

1988 bedauerte so mancher Abonnent des Bonner Schauspielhauses, nicht aufmerk-samer das Programm studiert zu haben und dem Abend fernzubleiben, als wir der Einladung folgten, die Musik zur Uraufführung von „Clockwork Orange“ zu liefern, „Ein kleines bißchen Horrorschau“.

Am 19.3.1989 spielten wir zum ersten Mal in Rottweil. Am folgenden Tag fand die schicksalhafte Begegnung zwischen Campino und dem „Mädchen aus Rottweil“ statt, die später legendär werden sollte. Bei derselben Tournee sammelten wir eine Mark pro Eintrittskarte, um von dem Erlös einen kompletten Nachwuchsspieler und das rechte Bein des ghanaischen Nationalspielers Anthony Baffoe für Fortuna Düsseldorf zu bezahlen, die sogenannte Fortuna-Mark.

1990 waren wir auf dem „Kreuzzug ins Glück“: Zum ersten Mal Platz 1 in den Charts, die Tournee ausverkauft und im Vorprogramm der Rolling Stones gespielt. Doch es sollte noch besser kommen! Von der Fußball-WM in Italien berichteten wir vier Wochen lang für Presse und Radio. Wir sahen jeden Tag mindestens ein Spiel live, lernten in Neapel, wie man wirklich Auto fährt, verliebten uns in die drei Töchter des Wirts der abgelegenen Kaschemme an der N 286 nach Salernitana, badeten in den heißen Schwefelquellen bei Orvieto, sahen Diego Maradonna nach dem Sieg gegen Italien durch den argentinischen Mannschaftsbus toben und warten noch heute auf den Pulitzer-Preis für unsere tägliche Kolumne in der „taz“.

Der August 1991 war der Anfang einer lebenslangen Freundschaft mit dem ehemaligen Posträuber Ronald Biggs. Wir feierten sogar auf seiner Geburtstagsparty und blieben noch eine ganze Woche danach, obwohl wir nur nach Rio de Janeiro gekommen waren, um mit ihm ein paar Lieder für das Album „Learning English – Lesson 1“ aufzunehmen. So ähnlich ging es uns mit den meisten, die wir während der Aufnahmen für diese Platte trafen – wenn wir sie nicht ohnehin schon vorher kannten. Den vielen großartigen Tagen mit Joey Ramone, T. V. Smith, Charlie Harper,Captain Sensible und anderen folgte der absolute Tiefpunkt, als Johnny Thunders 36 Stunden nach den Aufnahmen zu „Born To Lose“ in einem Hotel in New Orleans starb.

1992, Liebe auf den ersten Blick: Schon unser erstes Konzert in Buenos Aires sollte für uns unvergeßlich werden und begründete ein Verhältnis, wie man es nur selten zu einer Stadt und ihren Bewohnern bekommt, wenn man immer nur zu Besuch ist. In Deutschland prägten die Eskalation des Rassismus und brennende Asylbewerberheime die Schlagzeilen. Das Lied „Sascha – ein aufrechter Deutscher“ war unser Versuch, darauf zu reagieren.

Mit unserer CD „Kauf mich“ im Gepäck pendelten wir im Frühjahr 1993 ständig zwischen Konzerten im Vorprogramm von U2 und Auftritten an abstrusen Orten, wie dem „Stift für englische Fräulein“ in einem Kloster oder vor fünf Zuschauern auf einer Berghütte in Österreich. Dasselbe Jahr brachte uns einen der schönsten Nachmittage der Bandgeschichte: Den Fototermin für das Cover von „Reich & Sexy“.

Am 1. Mai 1995 gingen wir für ein Jahr bei Radio Fritz in Potsdam mit „Tausend Takte Tanzmusik“ auf Sendung. Einmal in der Woche konnten wir uns eine Stunde lang ohne Zensur austoben und alles machen, was sonst im Radio nicht möglich ist. Eine große Zeit... Im August trafen wir uns dann bei größter Sommerhitze mit den Leningrad Cowboys zum Eishockey-Showdown, dem Powerplay des Wahnsinns. Wir verloren 10:11, wurden aber Weltmeister der Herzen.

Karneval 1996 nahmen wir mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug in Düsseldorf teil und gaben den Menschen „Opium fürs Volk“. Der Tag wurde zum längsten Konzert der Bandgeschichte, da wir fünf Stunden lang ununterbrochen spielten. Auch beim Abschiedskonzert der Ramones im River Plate Stadion von Buenos Aires waren wir herzlich willkommen und eröffneten mit Iggy Pop diesen denkwürdigen Abend.

Eine riesige Party sollte unser tausendstes Konzert im Düsseldorfer Rheinstadion am 28. Juni 1997 werden, doch es endete in einer Tragödie. Ein Mädchen aus Holland kam bei einem Gedränge im Publikum zu Tode. Nach schweren Monaten und einer tiefen Krise wagten wir 1998 einen Neuanfang: Bei der Warped Tour durch Neuseeland, Australien und Japan mußten wir erst wieder lernen, vor einem Publikum auf der Bühne zu stehen und dabei locker zu bleiben.

Im Januar 1999 ging es erst einmal für ein paar Wochen mit dem Motorrad durch Indien, bevor wir uns wieder um die Musik kümmerten. Bei den Aufnahmen zu „Unsterblich“ mußte Wölli wegen massiver Bandscheibenprobleme das Schlagzeugspielen teilweise Vom Ritchie überlassen, der in den Jahren zuvor sein Roadie gewesen war und selber schon in unzähligen Bands gespielt hatte, u. a. bei Doctor and the Medics, 999, Johnny Thunders und Stiv Bators.

Bei der darauffolgenden Tournee im Frühjahr 2000 übernahm Vom den Platz hinter dem Schlagzeug dann endgültig. Im März spielten wir das kürzeste Konzert unserer Laufbahn: In Buenos Aires brach nach 30 Sekunden die Bühne zusammen, weil die Fans in ihrer Euphorie zu sehr nach vorne drängten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, und wir konnten den Auftritt am nächsten Abend nachholen.

Im Mai 2001 kehrten wir gerade von einem Konzert in Kuba zurück, als wir uns mit der drohenden Pleite von Fortuna Düsseldorf beschäftigen mußten. Um mitzuhelfen, den Kollaps abzuwenden, wurden wir Haupt- und Trikotsponsor. Viele Monate des Jahres verbrachten wir allerdings auch in Spanien für die Aufnahmen von „Auswärtsspiel“.

Im Jahr 2002 konnten wir ein paar persönliche Rekorde aufstellen. Das Konzert auf der Zugspitze war das höchste in der Bandgeschichte (2.960 m), beim Festival in Zary in Polen spielten wir vor dem größten Publikum (300.000) und beim Grillfest auf der Loreley spielten wir an zwei Tagen 64 Lieder (viel), verkauften eigenhändig aber nur 67 Grillwürste (wenig). Für „Reich & Sexy II – Die fetten Jahre“ sollte auch noch ein Rekord fallen: Wieviele Menschen kriegen wir dieses Mal auf ein Cover? The story continues...
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