Ed Harcourt Biographie
Ed Harcourt
Manche halten Ed Harcourt für einen sensiblen, charmanten und feinsinnigen Künstler, den man auch gerne mal seiner Mutter vorstellen würde. Aber Vorsicht: "Ich habe bei einem Konzert auch schon mal mein Klavier zertrümmert," bekennt der in London lebende Sänger und Songwriter mit einem diabolischen Grinsen. "Die Leute haben nicht richtig zugehört und das hat mich mehr und mehr geärgert. Ich wurde so wütend, dass ich meinen Hocker nahm, ihn auf das Klavier schmetterte und ‚Danke und Tschüs' schrie. Das war nicht das erste Mal - ich lasse mich manchmal einfach mitreißen. Ich bin der Yngwie J. Malmstein des Klaviers!"
Im Moment gibt es eine regelrechte Flut von blassen jungen Männern, ausgerüstet mit akustischen Gitarren und Nick Drake-Alben, aber nur die wenigsten machen den Eindruck als komponierten sie wie Ed Harcourt aus einem inneren Zwang heraus und kehren ihr Gefühle mit derartiger Vehemenz nach Außen. "Dieser ganze New Acoustic Movement-Käse klingt für mich völlig fade, es hat nichts mit richtigen Gefühlen zu tun. Ich bin eine sehr emotionale Person, getrieben, manchmal auch aggressiv, und das alles spiegelt sich in meiner Musik."
Obwohl erst 24 Jahre alt, hat Ed Harcourt in seinem Leben schon einiges erlebt, was ihm Stoff für seine Songs bietet. Als Sohn eines Diplomaten ist er das Reisen gewöhnt (er erinnert sich daran, dass er in Stockholm der festen Überzeugung war, schwedische Spione würden ihn durch ein Loch in der Badezimmerwand beobachten), hat aber auch Zeit im Internat verbracht ("Wir mussten uns einmal die Woche als Soldaten verkleiden, war schrecklich"). Nach seinem Schulabschluss verzichtete er auf jedes weitere Studium, um sich ganz einer Bandkarriere widmen zu können, stellte jedoch schnell fest, dass er nicht wirklich der Typ ist, der sich gut in einen Gruppenverband einfügen kann. Also tat er, was jeder hoffnungsfrohe Musiker an seiner Stelle getan hätte, und wurde Koch. Nun ja, nicht gerade der ideale Schritt auf der Karriereleiter, aber wenigstens hatte er genug Zeit, um hunderte von Songs zu schreiben, von denen sechs im Jahr 2000 auf dem Mini-Album "Maplewood" erschienen, das von den Kritikern hoch gelobt wurde. Man verglich ihn mit Randy Newman, Harry Nilson und Tom Waits ("Natürlich hat Tom Waits mich beeinflusst - das kann ich gar nicht bestreiten!").
Das Debütalbum "Here Be Monsters", das in Großbritannien bereits vor einem Jahr erschien und in den Staaten in diesem Frühjahr veröffentlicht worden ist, wurde mit einem Budget aufgenommen, das mehr den Erwartungen des jungen ambitionierten Künstlers entsprach. Und es hat ihn nicht nur in kürzester Zeit zum Kritikerliebling gemacht, sondern wurde auch für den prestigeträchtigen Mercury Music Prize nominiert. Aus gutem Grund: Niemand schreibt derzeit so bahnbrechende Liebeslieder. Egal, ob frech und sinnlich wie "She Fell Into My Arms" ("There's a thousand things I shouldn't do/But if I do them, I should do them with you"), herzzerbrechend einsam wie "Something In My Eye" oder quirlig und lebensfroh wie "Shanghai".
Eines ist sicher: Nach "Here Be Monsters" wird niemand mehr Ed Harcourt zum New Acoustic Movement zählen. Man höre sich nur "Beneath The Heart Of Darkness" an, das sich von blubberndem Industrialgroove in Wellen brutaler Gitarrenriffs ergießt, bevor es ein gespenstisches Ende findet. "Der große Wassererhitzer bei uns zu Hause hat mich inspiriert. Er klappert so komisch, als ob er gleich den Geist aufgäbe, und als ich den Song schrieb, fühlte ich mich so ähnlich." Abgemischt wurde der Song von Dave Fridmann (Mogwai, Flaming Lips) in dessen Tarbox Studio in Buffalo, was die Atmosphäre von gruseliger Paranoia noch verstärkte: "Das ist ein wirklich merkwürdiger Ort. Als ich da war, lag dicker Schnee; im Laden um die Ecke kann man Waffen und Munition kaufen und die ganze Nacht über heulen die Wölfe."
Das Album hingegen wurde in der weniger Angst einflößenden Gegend von Surrey aufgenommen, koproduziert von Tim Holmes (Death In Vegas). Auch wenn "Here Be Monsters" von einer bittersüßen Melancholie geprägt ist, war die Stimmung bei den Aufnahmesessions alles andere als düster: "Wir hatten eine echt wilde Zeit" erinnert Ed sich, "Ich habe jede Nacht nur drei bis vier Stunden geschlafen. Gegen Ende der Sessions haben wir die Streicher aufgenommen, und Tim und ich sahen aus wie uralte Männer, mit roten Augen und vollgesabbertem Kinn. Für dieses Album haben wir wahrhaft geblutet!"
Das Album besitzt dieselbe Form von roher, ungezügelter Emotion, die schon "Maplewood" auszeichnete. Schräge Töne, sowohl in der Instrumentierung als auch in Eds Stimme, wurden absichtlich beibehalten. Das neu aufgenommene "Apple Of My Eye" transportiert vielleicht deshalb dieses unfassbare Maß an Verzweiflung, weil Ed während der Aufnahmen an einer üblen Bronchitis litt. "Ich mag Dinge, die nicht perfekt sind, Fehlerhaftes. Die Sachen sollen nicht so glatt klingen." Dafür sind die Arrangements so beeindruckend komplex, dass sich nicht wenige Kritiker an Radiohead erinnert fühlten, während andere die erlesenen Streicher- und Bläsersätze mit denen von "Forever Changes" verglichen, dem Meisterwerk blumiger Sixties-Psychedelik der kalifornischen Kultband Love.
Je länger man sich mit "Here Be Monsters" - der Albumtitel ist der Begriff, mit dem auf alten Landkarten unbekannte Territorien gekennzeichnet wurden - auseinandersetzt, desto mehr Referenzpunkte lassen sich sicherlich finden. Dies ist definitiv eines dieser Alben, die man peu à peu entdecken kann, um immer wieder auf neu scheinende Facetten zu stoßen. Wenn Ed Harcourt in dem dramatisch und düster daherkommenden Thriller "God Protect Your Soul" seine kraftvolle Stimme zum lupenreinen Falsett emporschraubt, ist man geneigt, in ihm einen direkten Nachfolger des jung verstorbenen Jeff Buckley auszumachen. Letztendlich dürfen alle Verweise und Vergleiche jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass mit Ed Harcourt eines der größten Talente zeitgenössischer Songwriter-Kunst, gleichsam ein seelenentblößender Romantiker in seinem ganz eigenen Universum, die Szene betreten hat. Der junge Mann, der auf der Bühne zum Berserker werden kann, wird noch lange, lange Zeit von sich reden machen.
Das nächste Album hat Ed Harcourt natürlich schon längst im Kopf. "Es wird von Geistern handeln und richtig schräge und düster sein." Zunächst jedoch kann man sich ganz an "Here Be Monsters" erfreuen. "Der Titel bezieht sich auf meine Songs: Sie sind wie kleine Monster, die ich bei mir hüte, und irgendwann muß ich sie eben ziehen lassen. Ich kann nur hoffen, dass sie losfliegen und andere Leute erreichen." Gut, dass sie nun endlich auch bei uns angekommen sind. Herzlich willkommen, ihr kleinen Ungeheuer!
Im Moment gibt es eine regelrechte Flut von blassen jungen Männern, ausgerüstet mit akustischen Gitarren und Nick Drake-Alben, aber nur die wenigsten machen den Eindruck als komponierten sie wie Ed Harcourt aus einem inneren Zwang heraus und kehren ihr Gefühle mit derartiger Vehemenz nach Außen. "Dieser ganze New Acoustic Movement-Käse klingt für mich völlig fade, es hat nichts mit richtigen Gefühlen zu tun. Ich bin eine sehr emotionale Person, getrieben, manchmal auch aggressiv, und das alles spiegelt sich in meiner Musik."
Obwohl erst 24 Jahre alt, hat Ed Harcourt in seinem Leben schon einiges erlebt, was ihm Stoff für seine Songs bietet. Als Sohn eines Diplomaten ist er das Reisen gewöhnt (er erinnert sich daran, dass er in Stockholm der festen Überzeugung war, schwedische Spione würden ihn durch ein Loch in der Badezimmerwand beobachten), hat aber auch Zeit im Internat verbracht ("Wir mussten uns einmal die Woche als Soldaten verkleiden, war schrecklich"). Nach seinem Schulabschluss verzichtete er auf jedes weitere Studium, um sich ganz einer Bandkarriere widmen zu können, stellte jedoch schnell fest, dass er nicht wirklich der Typ ist, der sich gut in einen Gruppenverband einfügen kann. Also tat er, was jeder hoffnungsfrohe Musiker an seiner Stelle getan hätte, und wurde Koch. Nun ja, nicht gerade der ideale Schritt auf der Karriereleiter, aber wenigstens hatte er genug Zeit, um hunderte von Songs zu schreiben, von denen sechs im Jahr 2000 auf dem Mini-Album "Maplewood" erschienen, das von den Kritikern hoch gelobt wurde. Man verglich ihn mit Randy Newman, Harry Nilson und Tom Waits ("Natürlich hat Tom Waits mich beeinflusst - das kann ich gar nicht bestreiten!").
Das Debütalbum "Here Be Monsters", das in Großbritannien bereits vor einem Jahr erschien und in den Staaten in diesem Frühjahr veröffentlicht worden ist, wurde mit einem Budget aufgenommen, das mehr den Erwartungen des jungen ambitionierten Künstlers entsprach. Und es hat ihn nicht nur in kürzester Zeit zum Kritikerliebling gemacht, sondern wurde auch für den prestigeträchtigen Mercury Music Prize nominiert. Aus gutem Grund: Niemand schreibt derzeit so bahnbrechende Liebeslieder. Egal, ob frech und sinnlich wie "She Fell Into My Arms" ("There's a thousand things I shouldn't do/But if I do them, I should do them with you"), herzzerbrechend einsam wie "Something In My Eye" oder quirlig und lebensfroh wie "Shanghai".
Eines ist sicher: Nach "Here Be Monsters" wird niemand mehr Ed Harcourt zum New Acoustic Movement zählen. Man höre sich nur "Beneath The Heart Of Darkness" an, das sich von blubberndem Industrialgroove in Wellen brutaler Gitarrenriffs ergießt, bevor es ein gespenstisches Ende findet. "Der große Wassererhitzer bei uns zu Hause hat mich inspiriert. Er klappert so komisch, als ob er gleich den Geist aufgäbe, und als ich den Song schrieb, fühlte ich mich so ähnlich." Abgemischt wurde der Song von Dave Fridmann (Mogwai, Flaming Lips) in dessen Tarbox Studio in Buffalo, was die Atmosphäre von gruseliger Paranoia noch verstärkte: "Das ist ein wirklich merkwürdiger Ort. Als ich da war, lag dicker Schnee; im Laden um die Ecke kann man Waffen und Munition kaufen und die ganze Nacht über heulen die Wölfe."
Das Album hingegen wurde in der weniger Angst einflößenden Gegend von Surrey aufgenommen, koproduziert von Tim Holmes (Death In Vegas). Auch wenn "Here Be Monsters" von einer bittersüßen Melancholie geprägt ist, war die Stimmung bei den Aufnahmesessions alles andere als düster: "Wir hatten eine echt wilde Zeit" erinnert Ed sich, "Ich habe jede Nacht nur drei bis vier Stunden geschlafen. Gegen Ende der Sessions haben wir die Streicher aufgenommen, und Tim und ich sahen aus wie uralte Männer, mit roten Augen und vollgesabbertem Kinn. Für dieses Album haben wir wahrhaft geblutet!"
Das Album besitzt dieselbe Form von roher, ungezügelter Emotion, die schon "Maplewood" auszeichnete. Schräge Töne, sowohl in der Instrumentierung als auch in Eds Stimme, wurden absichtlich beibehalten. Das neu aufgenommene "Apple Of My Eye" transportiert vielleicht deshalb dieses unfassbare Maß an Verzweiflung, weil Ed während der Aufnahmen an einer üblen Bronchitis litt. "Ich mag Dinge, die nicht perfekt sind, Fehlerhaftes. Die Sachen sollen nicht so glatt klingen." Dafür sind die Arrangements so beeindruckend komplex, dass sich nicht wenige Kritiker an Radiohead erinnert fühlten, während andere die erlesenen Streicher- und Bläsersätze mit denen von "Forever Changes" verglichen, dem Meisterwerk blumiger Sixties-Psychedelik der kalifornischen Kultband Love.
Je länger man sich mit "Here Be Monsters" - der Albumtitel ist der Begriff, mit dem auf alten Landkarten unbekannte Territorien gekennzeichnet wurden - auseinandersetzt, desto mehr Referenzpunkte lassen sich sicherlich finden. Dies ist definitiv eines dieser Alben, die man peu à peu entdecken kann, um immer wieder auf neu scheinende Facetten zu stoßen. Wenn Ed Harcourt in dem dramatisch und düster daherkommenden Thriller "God Protect Your Soul" seine kraftvolle Stimme zum lupenreinen Falsett emporschraubt, ist man geneigt, in ihm einen direkten Nachfolger des jung verstorbenen Jeff Buckley auszumachen. Letztendlich dürfen alle Verweise und Vergleiche jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass mit Ed Harcourt eines der größten Talente zeitgenössischer Songwriter-Kunst, gleichsam ein seelenentblößender Romantiker in seinem ganz eigenen Universum, die Szene betreten hat. Der junge Mann, der auf der Bühne zum Berserker werden kann, wird noch lange, lange Zeit von sich reden machen.
Das nächste Album hat Ed Harcourt natürlich schon längst im Kopf. "Es wird von Geistern handeln und richtig schräge und düster sein." Zunächst jedoch kann man sich ganz an "Here Be Monsters" erfreuen. "Der Titel bezieht sich auf meine Songs: Sie sind wie kleine Monster, die ich bei mir hüte, und irgendwann muß ich sie eben ziehen lassen. Ich kann nur hoffen, dass sie losfliegen und andere Leute erreichen." Gut, dass sie nun endlich auch bei uns angekommen sind. Herzlich willkommen, ihr kleinen Ungeheuer!
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