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Elton John Biographie

Elton John

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Muss man Elton John eigentlich noch vorstellen? Legende zu Lebzeiten, großer Humanist, zig-facher Grammy-Gewinner, flamboyanter Superstar und immer wieder und vor allem: der Singer/Songwriter, dessen Erfolg so lang und weit trug wie bei keinem anderen seiner Generation. Eine Karriere ist da zu bestaunen, die nun schon über 34 Jahre andauert und zwischen 1972 und 1996 mindestens einen US-Top 40-Hit pro Jahr hervorbrachte. Ein Weg, der abseits aller Moden stets sein ganz eigener war und vielleicht gerade deshalb eine Verbindung zu jedermann fand und findet.

„Peachtree Road“ ist nun sage und schreibe schon sein 43.(!) Album. Doch die Qualität, die Leidenschaft, der Enthusiasmus, die er, sein Texter Bernie Taupin und seine neu belebte Band hier an den Tag legen, lassen dieses Album so frisch und ungeschminkt wie ein Debüt klingen. Wie schon der mit Mehrfach-Platin dekorierte Back-To-Basics-Vorgänger „Songs From The Westcoast“, meidet „Peachtree Road“ allen falschen Studio-Schmuck. Auch hier können wieder zwölf erstaunliche Songs ganz für sich sprechen. Und mal ehrlich: Wer hätte vor einigen Jahren schon vorauszusagen gewagt, dass Elton John in der vierten Dekade seiner Karriere mit die beste Musik eben dieser veröffentlichen wird? Für selbstverständlich hat man ihn genommen, sein Talent wurde oft vergessen über der öffentlichen Wahrnehmung als Superstar. Aber wie er selbst singt in „Turn The Lights Out When You Leave“: „I ain’t gonna die, I ain’t gonna cry, I will wear my heart out on my sleeve.“ Zähigkeit, Offenheit und die Weigerung, sein Talent versauern zu lassen, charakterisieren das musikalische Leben des Elton John

Das begann schon 1961 in seiner ersten Band Bluesology, für den Teenager, der 1947 als Reginald Kenneth Dwight geboren wurde und bereits an der Londoner Royal Academy of Music gelernt hatte. Später wird er diesen Anfängen seinen Künstlernamen verdanken, nach dem Bluesology-Saxophonisten Elton Dean und ihrem charismatischen Sänger Long John Baldry. Denn er war sie bald leid, die anstrengenden Tourneen als Musiker für andere Performer. So führte ihn Liberty Records 1966 mit Bernie Taupin zusammen. Ihre ersten Songs schrieben sie noch per Briefpost zusammen, bevor sie 1968 von Dick James für sein DJM-Label angeheuert wurden und Stoff für aufstrebende Pop-Stars lieferten.

Von dieser Schule sollte das Duo in Punkto Produktivität auch noch profitieren, nachdem Elton John 1970 gleich mit seinem selbstbetitelten Debüt und dem Hit-Klassiker „Your Song“ der Durchbruch zur internationalen Solo-Karriere gelungen war. Keine Seltenheit, dass Taupin den Text zu einem Song binnen 30 Minuten schrieb – und John den Song vollendet hatte, kaum dass die Stunde vergangen war. Nur so konnten sie zwischen 1972 und 1976 drei Alben pro Jahr fertigstellen, darunter bis heute beliebte Meilensteine wie „Madman Across The Water“, „Tumbleweed Connection“, „Honky Chateau“, „Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy“ und „Don’t Shoot Me, I’m Only The Piano Player“. Darunter natürlich auch der All-Time-Klassiker „Goodbye Yellow Brick Road“, der zwei Monate am Stück die Spitze der US-Charts besetzte und dazu etliche No.1-Singles hervorbrachte. 1974 war ein gutes Jahr für Elton John. Nicht nur, dass er einen Vertrag mit MCA über die Rekordsumme von 8 Millionen Dollar unterschreiben konnte: Er trat auch als Co-Autor von John Lennon’s Comeback-Single „Whatever Gets You Through The Night“ in Erscheinung und sang den Song gemeinsam mit ihm auf der Bühne des New Yorker Madison Square Garden. Ihre gegenseitige Wertschätzung dauerte bis zu Lennon’s grausam frühen Tod Ende 1980 an.

Die späten 70er-Jahre wurden oft und lange unterschätzt in seinem Gesamtwerk, dabei waren sie eine Zeit der Wiedergeburt und des künstlerischen Experiments, die erst jetzt die entsprechende Würdigung erfährt. Seine Beziehung zu Bernie Taupin war vorübergehend eingeschlafen, doch gehört etwa das ambitionierte Doppel-Album „Blue Moves“ schon länger zu den Fan-Favoriten. „A Single Man“ brachte eine fruchtbare musikalische Begegnung mit Gary Osbourne. Und seine 77er-Sessions mit dem legendären Phillysoul-Produzenten Thom Bell bescherten Elton John gerade erst letztes Jahr noch einen UK-Hit, als „Are You Ready For Love“ auf Drängen einflußreicher DJ’s wiederveröffentlicht wurde. Damit nicht genug, denn Elton John hat auch viel Beifall und Anerkennung aus Ecken erhalten, die weit von ihm entfernt scheinen. So haben ihm etwa Courtney Love und Michael Stipe offenbart, dass er den Soundtrack zu ihren 70ern geliefert hat. Und US-Filmemacher Cameron Crowe hat „Tiny Dancer“ in seinem quasi-dokumentarischen Rock-Märchen „Almost Famous“ verewigt.

John und Taupin fanden 1980 für „21 At 33“ wieder zusammen, ein Album, das ihn wieder an die Top Ten heranführte. „Jump Up!“, mit der Hit-Single „Blue Eyes“ und dem Lennon-Tribute „Empty Garden (Hey Hey Johnny)“ klingt rückblickend wie eine Kostümprobe für „Too Low For Zero“, mit dem Elton John endgültig wieder zur Hochform auflief. „I Guess That’s Why They Call It The Blues“ und „I’m Still Standing“ zählen nicht zufällig bis heute zu den absoluten Live-Favoriten. Die 80er, auch weiterhin gepflastert mit Platin-Alben und Top 40-Singles: „Nikita“, „Sad Songs (Say So Much)“, „I Don’t Wanna Go On With You Like That“.

1991 rief Elton John seine AIDS-Stiftung ins Leben, die fortan vielen half und hilft, die am HIV-Virus und damit zusammenhängenden Krankheiten leiden. Im Jahr darauf veröffentlichte er das mit Doppel-Platin bedachte Album „The One“. Vielleicht ist es Zufall, jedenfalls erwies sich jeweils der Beginn der letzten vier Dekaden kreativ wie kommerziell als höchst lukrativ für Elton John. Wobei die 90er neue Höhen erreichten. Erneut brach er Rekorde, als er 1992 einen mit 39 Millionen Dollar dotierten Verlagsvertrag unterschrieb. Seine Zusammenarbeit mit Tim Rice an der Musik für den Disney-Film „König der Löwen“ brachte gleich Grammy und seinen ersten Oskar. Mit Rice hat Elton John seitdem auch noch am Broadway-Knüller „Aida“ gearbeitet, seine Musik für „Billy Elliot: The Musical“ wird 2005 zu hören sein. Ebenfalls im nächsten Jahr wird am Broadway „Vampire Lestat“ nach Anne Rice anlaufen, dafür schrieb John die Musik wieder gemeinsam mit Bernie Taupin.

Die späten 90er waren aber auch eine Zeit persönlicher Tragödien für Elton John, mit dem Verlust enger Freunde wie Mode-Guru Gianni Versace und Diana, der Princess Of Wales. Ihr früher Tod bescherte ihm die größte Hit-Single seiner Karriere. Seine Bearbeitung seines Marilyn Monroe-Tributes „Candle In The Wind“, die er auch in der Trauerzeremonie für Diana spielte, war etwa über drei volle Jahre in der kanadischen Top Ten notiert und hat Bing Crosby’s „White Christmas“ als meistverkaufte Single aller Zeiten abgelöst.

Doch auch dieses Jahrzehnt ist Elton John mit neuem Schwung angegangen. Neben „Billy Elliot“ und „Songs From The Westcoast“, hat er ein drei Jahre währendes Engagement in „The Red Piano Show“ in Las Vegas angenommen, die von dem brillanten David LaChapelle als Art Director gestaltet wird. Und „Peachtree Road“ ist jetzt der Extraschlag Sahne auf der Torte. Wie immer legt Bernie Taupin Elton John die besten Worte über sich in den Mund. Wie singt er im jetzt schon klassischen „The Weight Of The World“? „Fortune and fame are so fleeting these days, I’m glad to say that I’m still around.“ Und wie er das ist.
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