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Freidenker Biographie

Freidenker

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Zuerst kommen Rhythmus und Message, dann Melodie. Hi KO macht den Beat, Schilett rappt seinen Part ein, zusammen schreiben sie den Refrain, und schliesslich wirft Hi KO noch seine Strophe in den Topf. Zuletzt sucht DJ Kaiser andere Songs, die ein verwandtes Thema beackern, scratcht diese ins eigene Stück hinein und schafft damit neue Perspektiven. Auf diese Weise waren an die einhundert Stücke zustande gekommen, als man in einem Interview auf VIVA von Herbert Grönemeyers Plattenlabel Grönland Records erfuhr. Man schickte ein Demo hin, und siehe da: Gröni fand die Texte toll. Ein Vertrag fand den Weg in die Provinz.

"Endlich konnten wir unsere musikalischen Vorstellungen verwirklichen!" schwärmt Hi KO. Zum einen wurden untypische Hip-Hop-Produzenten wie Kraans de Lutin sowie das Hamburger Quartett Deichkind zur Arbeit im Studio herbeigezogen. Zum anderen wurden die Klänge mehrheitlich von organischen Instrumenten erzeugt. Und das hiess nicht nur echtes, menschliches Beatbox-Mundwerk, sondern auch live Geige, Klavier, Perkussion, Akustikgitarre und Bassgeige. Das resultierende Album tönt wie nichts sonst am Rap-Horizont. Eher sind es Chansons, die uns das Trio nun kredenzt - Chansons, bei denen zwischendurch auch mal gerappt statt gesungen wird.

Die Provinz kann Vorteile haben. Freidenker stammen aus Neckarsulm und geniessen die Stille. Daraus machen sie keinen Hehl. "Wir haben panische Angst vor der Hektik der Grossstadt", deklariert Schilett. Und genau darum machen sie so schöne Musik. Genau deswegen sind ihre Raps vollgepackt mit so scharf geladener Wort-Munition. Damit schiessen sie auf falsche Politiker und kleinlaute Mitbürger ebenso wie auf die Party-Platitüden und Gangster-Märchen der urbanen Rap-Konkurrenz. Schilett: "Weil wir abseits von der urbanen Szene leben, sind wir frei von ihr. Wir haben uns entfalten können, ohne uns je was vorschreiben lassen zu müssen, weder von irgendeiner Mode, noch von irgendwelchen Szene-Dogmen."

Neun Jahre schon sind sie zusammen, Hi KO und Schilett. Sie lernten sich kennen, weil sie in der gleichen Gegend wohnen. Hi KO war mit Elvis und Heavy Metal aufgewachsen. Schiletts erste Platte war eine LP von Iron Maiden. Gemeinsam entdeckten sie die Radiostation der lokalen GIs und damit Public Enemy. Hi KO zimmerte sich ein kleines Heimstudio zusammen, dann legten sie selber los. "Ich träumte immer schon davon, Hip-Hop mit richtigen Instrumenten einzuspielen statt mit dem Computer", erklärt Hi KO. "Aber es fehlten die Möglichkeiten."

Hi KO war mal Konditor, mal Landschaftsgärtner, mal Gehilfe in der Buchhaltung. Schilett ist ewiger Student. Beeinflusst vom engagierten Deutsch-Rap von Advanced Chemistry aus Heidelberg und von Talib Kweli aus Brooklyn, traten sie auch live auf und schafften es damit bis nach Basel. 1999 kam noch DJ Kaiser zur Gruppe, der mit zwei Grammos und zehn wirbelnden Fingern das Scratchen besorgte. Man nannte sich Rapz Royal. Das Trio frönte nun ungehemmt ihrer Muse. Schilett: "Wir machen Hip-Hop, aber Hip-Hop, der an die maximalen Grenzen geht und diese manchmal sogar überschreitet."

Noch was anderes haben die 3 Jungs aus den langen Studiotagen zurückgebracht - einen neuen Namen, der ihren Geist perfekt auf den Punkt bringt. Eben: Freidenker.
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