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Gang Starr Biographie

Gang Starr

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Für die meisten HipHop-Acts fällt das Erscheinen eines Best-Of-Albums mit dem Ende der kreativen Phase zusammen. Gang Starr indes zählten noch nie zur Mehrheit der mittelmäßigen HipHop-Fraktion. Und so ist "Full Clip: A Decade Of Gang Starr" eher ein kurzes Innehalten im ungebrochen kreativen Fluß des vielleicht großartigsten HipHop-Duos aller Zeiten. Auf zwei CDs versammelt das sechste Album von Gang Starr nicht nur die größten Hits, sondern auch hochgelobte und vielgesuchte B-Seiten, Remixe, Soundtrack-Beiträge sowie zwei neue Tracks runden die exzellent zusammengestellte Compilation ab.

Was für HipHop-Fans die ultimative Song-Edition sein dürfte, nutzen Guru und sein Partner DJ Premier, um ihre gemeinsame Rolle in der Rap-Szene zu reflektieren. "Wir waren immer auf Langlebigkeit aus", so Guru. "Gerade weil wir zu Beginn unserer Karriere unterschätzt wurden, wussten wir, dass wir hier ein langfristiges Projekt am laufen haben, bei dem es darum geht, die Skills zu perfektionieren, um immer höhere Stufen zu erklimmen." Und DJ Premier ergänzt: "Ich glaube, gerade wegen der Rückschläge machten wir immer weiter, denn dadurch lernten wir, worum es bei dieser Sache überhaupt geht. HipHop bedeutet nämlich, eine Kultur am Leben zu erhalten. Und das haben wir dann einfach getan."

Die Musik ist nur ein Teil der Geschichte von Gang Starr. Mitte der achtziger Jahre zog Guru (bürgerlich: Keith Elam) nach New York, weil er es hier im Musikgeschäft zu etwas bringen wollte; zuvor hatte er am Morehouse College in Atlanta graduiert. Schon bald veröffentlichte er auf dem unabhängigen Label Wild Pitch einige Singles unter dem Namen Gang Starr, zu diesem Zeitpunkt noch ohne musikalischen Partner. Als er sich eines Tages wieder einmal im Wild-Pitch-Büro aufhielt, fiel ihm ein Demo der Formation ICP aus Texas in die Hände, die von einem gewissen DJ Waxmaster C produziert worden war. Wild Pitch zeigte kein Interesse an ICP, und wenige Monate später schon hatte sich die Crew wieder aufgelöst. Daraufhin schlug Guru Waxmaster C vor, bei Gang Starr einzusteigen. Gesagt, getan: Der DJ kam während der Thanksgiving-Ferien nach New York, nahm mit Guru einen ersten Track auf und nannte sich fortan DJ Premier (bürgerlich: Christopher Martin), um auch mit seinem Namen zu dokumentieren, dass er der Erste und Beste in seiner Disziplin sein wollte. Der Rest ist HipHop-Geschichte.

"Manifest", ein epochaler Track aus dem Jahr 1988, koppelt souverän James-Brown-Bläsersätze mit der Basslinie von Charlie Parkers "A Night In Tunisia". "Wir nahmen den Song auf, und dann musste ich wieder zurück zur Schule", erinnert sich Premier. "Guru meldete sich und sagte, 'Yo, Red Alert spielt es und Marley Marl (berühmte HipHop-DJs dieser Ära, d. Übers.) auch'. Schon zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass wir's schaffen würden. Unsere Musik konnte es mit der ganzen Musik aufnehmen, die wir so mochten, und trotzdem klang die Platte nicht wie von irgendjemand anderem. Ich wusste, dass wir von Anfang an einen eigenen Sound und eine eigene Identität hatten."

Das in nur zwei Wochen aufgenommene Debütalbum "No More Mr. Nice Guy" zeigte weitere Facetten dieser Identität, deutete das musikalische Potential indes nur an. Bis heute ist es für Guru und Premier alles andere als ein perfektes Debüt. "Wir verstehen es eher als eine Art vorübergehendes Resümee. Na, wir haben den Job damals halt das erste Mal gemacht", konstatiert Premier augenzwinkernd.

Für den Nachfolger "Step In The Arena" aus dem Jahr 1990 sind solche Entschuldigungen nicht mehr nötig. Das Album zeigt wie kaum ein anderes, welches musikalische und poetische Niveau zu Beginn der Neunziger im HipHop möglich war. Der damals in Brooklyn lebende Guru musste sich nur auf der Straße umsehen, um die atmosphärisch dichten Stories des Albums zu schreiben. "Wir hätten niemals über Sachen gesprochen, die nicht uns selbst oder Bekannten von uns widerfahren wären", so Guru. "Das war die Ära, als HipHop am Boden lag, Brooklyn aber wie wild loslegte."

Mit so unterschiedlichen Tracks wie "Just To Get A Rep", "Who's Gonna Take The Weight" oder dem funkigen Titeltrack widerlegte das Album zugleich das "Jazz Rap"-Etikett, das man dem Duo nach Veröffentlichung der "Jazz Thing"-Single (1989, für den Soundtrack zu Spike Lees "Mo' Better Blues") aufgedrückt hatte. "Unser damaliges Label war gegen die Veröffentlichung von 'Just To Get A Rep' als Single", erinnert sich Premier. "Sie wollten unbedingt eine Platte mit Jazzsound. Sie verstanden nicht, dass wir Jazz-Samples nur benutzten, um einen Beat zu kreieren. Sie dachten, dass wir jedesmal so etwas wie US3 abliefern. Nichts gegen US3, aber wir stehen für schnörkellosen Underground-Rap."

Das dritte Album "Daily Operation" bestätigte mit grandiosen Tracks wie "Gotta Get Over" (vom "Trespass"-Soundtrack), "Take It Personal", "B.Y.S." und "Ex Girl To Next Girl" Gang Starrs Rolle als führende Exponenten des Underground-HipHop. Intelligente Details zeigten zugleich, dass das Duo seine Fähigkeiten weiter verfeinert hatte. So wechselte der Beat des nacheinander von Guru, Jeru The Damaja und Lil' Dap gerappten "I'm The Man" von MC zu MC. Und mit einem exakt dosierten Streicher-Sample gab man "Soliloquy Of Chaos" seine eigentümlich gespenstische Spannung. Trotzdem: "DWYCK", die Partynummer, die Gang Starr vielleicht hätte ganz groß rausbringen können, wurde auf der B-Seite von "Take It Personal" versteckt.

"DWYCK" tauchte dann erst 1994 auf dem Album "Hard To Earn" auf, dessen erste Single "Mass Appeal" Gang Starr im übrigen nutzten, um augenzwinkernd ihre Meinung zum chartskompatiblen Mainstream-HipHop kundzutun. "Mass Appeal ist einer unserer Favoriten", erklärt Premier. "Viele Leute haben nicht verstanden, dass wir uns über die Regeln lustig machten, wie ein im Radio erfolgreicher HipHop-Track zu klingen habe. Deshalb dieser fröhliche Loop und all das. Im Kontrast dazu sagen die Verse, dass es sehr viel schwerer ist, auf der Straße glaubwürdig zu sein."

Street Credibility wird auch auf dem "Hard To Earn"-Titeltrack abgehandelt, diemal allerdings unironisch. Die weiteren Höhepunkte dieses Albums, das streichergeladene Manifest "Code Of The Streets", das chaotische "Tonz O Gunz" und die "I'm The Man"-Fortsetzung "Speak Ya Clout", sind ebenfalls überzeugend authentische Tracks von und für die Straße. Sie gefielen den Kids in den Ghettos genauso wie denen, die sich das Denken selbst beigebracht hatten und nun nach einer Botschaft suchten.

Guru über seine Autorschaft zu dieser Zeit: "Meine Sachen wurden zunehmend persönlicher. Aber ich versuchte es immer so hinzubekommen, dass es poetisch rüberkam und gleichzeitig jeder etwas damit anfangen konnte. Ich wollte immer so schreiben, dass es nicht predigerhaft, sondern aufklärerisch klingt. Die Kids glauben eben nicht unbedingt den Autoritäten. Deshalb muss man genau wissen, von welchem Level aus man mit ihnen spricht. Verse zu schreiben ist eine Art Therapie, durch die sich Dinge kanalisieren lassen."

Obwohl ihre Musik qualitativ immer noch auf beträchtlicher Höhe lag, erkannten Guru und Premier an diesem Punkt bald eine um sich greifende Routiniertheit. Guru: "Wir brachten eine heiße Platte nach der anderen raus, und wir bekamen dafür jedesmal den gebührenden Respekt. Aber die Absatzzahlen hielten damit nicht Schritt. Und das war der Punkt, wo wir uns sagten, dass wir nicht noch eine dieser von uns erwarteten Platten abliefern wollten."

Das Duo gab den Fans mit "The ? Remainz" eine weitere grandiose B-Seite und hinterließ gleichzeitig jede Menge Fragezeichen hinter der Existenz von Gang Starr. Denn während der nächsten vier Jahre häuften sich zwar die Soloarbeiten (darunter Gurus Jazzmatazz-Projekt und die zahlreichen Fremdproduktionen von DJ Premier), doch zugleich wurde die Frage immer drängender, ob das Duo überhaupt noch existierte. Erst 1998 gab es ein neues Lebenszeichen. Und was für eines: "Moment Of Truth" war das bislang wohl grandioseste Album ihrer Karriere. "Es ist ein emotionelles Album", findet Premier, "und ich denke, es ist auch unser bestes Album. Das Album spiegelt die Frustrationen jedes einzelnen von uns und dazu auch noch alles, was uns in unserem Leben so beschäftigt."

Von den ersten Beat-Box-Rhythmen der Single "You Know My Steez" an zeigte "Moment Of Truth" die neue Kraft und Frische der wiederauferstandenen Gang Starr. Weitere Tracks wie "Work", "Royality" mit K-Ci und JoJo oder "Above The Law" mit Inspectah Deck vom Wu Tang Clan zeigten, was der State of the Art für den HipHop-Jahrgang 1998 war. Dasselbe leistet der Titeltrack der vorliegenden Zusammenstellung, "Full Clip", für den HipHop-Jahrgang 1999: Über einer exquisiten, von DJ Premier ausgewählten Gitarrenline parliert Guru ebenso cool wie souverän.

Zugleich dokumentiert "Full Clip" die Ebene, auf der sich Gang Starr heute bewegen: Wo sich andere einst hochgerühmte Formationen längst aufgelöst haben, halten Gang Starr nicht nur ihren kreativen Anspruch oben, sondern werden mit jeder Veröffentlichung noch etwas perfekter. "Unsere Geschichte ist etwas, mit dem sich niemand messen kann", fasst Guru zusammen. "Du musst es akzeptieren und anerkennen. Es ging und geht darum, auf alles vorbereitet zu sein. Und jetzt sind wir bereit für die nächsten zehn Jahre."
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