Gisli Biographie
Gisli
Es sind offensichtlich die besonders harschen Dinge des Lebens, die auf den 26-jährigen Allroundmusiker Gisli einen besonderen Reiz ausüben. Zu seiner Lieblingslektüre zählt er jedenfalls "Sarah" von J.T. LeRoy. "Das handelt von diesem Typen, der schreckliche Dinge erlebt hat, als er gerade mal zwölf, dreizehn Jahre alt war. Er hat Klebstoff geschnüffelt und sich Truckern für einen Blow Job angeboten. Er hat so ziemlich das schrecklichste Leben, was man sich vorstellen kann, aber fühlt sich doch wie der glücklichste Mensch der Welt, weil die Dinge gut laufen und weil er Geld verdient. Alles betrachtet er von der sonnigen Seite. Das hat mich inspiriert. Wenn du am Boden bist, geht es immer wieder nach oben. Ich versuche das Leben aus dieser Perspektive zu sehen."
Es gibt wahrscheinlich nicht viele Künstler, die sich die Biographie eines jungen Strichers zu einem Manifest des Lebens machen, aber Gisli dürfte sich mit seinem Debütalbum "How About That?" den Ruf eines genialischen Eigenbrötlers schnell sichern. Der gebürtige Isländer, den es nach Norwegen verschlagen hat, ist eine musikalische One-Man-Freakshow und seine Experimentierfreude hat ihm Vergleiche mit Dinosaur Jr und der Beta Band eingebracht. Auch der "isländische Beck" ist eines der Attribute, mit denen der junge Künstler leben kann, der sich allerdings eher mit den Eels und Leonard "Spock" Nimoy wesensverwandt fühlt, aber sich mit kindlicher Freude ebenso für HipHop begeistert.
Was auf jeden Fall bei den Songs von Gisli direkt auffällt, ist sein unbändiges Talent für griffige Songzeilen. "I don't want to pass out in the street, I just want to get home on my feet", lamentiert er in "Passing Out" und beschreibt darin ein selbst erlebtes Saufgelage in Glastonbury. Klar, dass sich dieser Song als Leadtrack für die erste EP in Good Old England aufdrängte. An bizarren Ideen herrscht bei Gisli wahrlich kein Mangel. Er habe einen schrecklichen Tag mit Gareth Gates verbracht, entrüstet er sich in "Go Get 'Em Tiger", als wäre die Begegnung mit einem glatt geschliffenen Popidol das Übelste, was einem passieren kann. Die Art und Weise, wie Gisli das Image des ewigen Verlierers pflegt, erinnert zuweilen an Woody Allen. Mit trockenem Humor schildert er, wie ihn die täglichen Missgeschicke zur Verzweiflung treiben. "Ich neige bei Problemen dazu, aus einer Fliege einen Elefanten zu machen", gesteht der Autor von Songs wie "The Day It All Went Wrong" und "Worries" mit leichtem Understatement. "Ich denke zuviel nach. Ich bin in dieser Beziehung wie ein Mädchen." Seine Songs reflektieren vor allem, was er in den letzten Jahren erlebt hat. Herzschmerz, Gejammer und Herumtreiberei mögen nicht die besten Grundfeste für einen Songschreiber sein, aber Themen wie Drogenmissbrauch, Wahnsinn und Pechsträhnen haben bei Gisli letztendlich ebenso krass wie superb erzählte Songs hervorgebracht, wobei das stilistische Spektrum von Sixtiesgitarren und akustischen Songwriterpirouetten bis zu elektronisch Experimentellem und Rap aus dem Stegreif reicht.
Gisli hat bisher ein Leben geführt, dass man vielleicht von einem Menschen erwartet, dessen Eltern die seltsame Eingebung hatten, ihrem Sohn einen Namen zu geben, der "Geisel" bedeutet. Tatsächlich hat ihn das erst ins Grübeln gebracht, als man ihn in England immer wieder darauf ansprach. Jetzt kommt ihm dies auch reichlich merkwürdig vor. Aber Normalität würde ihm wohl noch mehr zu schaffen machen. Sein Vater, der als Fischer arbeitete, schleppte von seinen Reisen nach Deutschland immer wieder Platten von den Beatles an. Und bereits mit sechs Jahren hatte sich der kleine Gisli nicht nur durch die Plattensammlung seines Vaters gearbeitet, sondern auch Iron Maiden für sich entdeckt. Später gehörten Duran Duran, David Bowie und HipHop zu seinen Steckenpferden. "Ich glaube, das hört man auch bei meinem Album heraus", grinst Gisli verschmitzt.
Seine musikalische Karriere begann Gisli am Schlagzeug. Jahrelang trommelte er auf dem Drum-Kit, das bei einem älteren Freund in der Garage stand. Erst viel später wurde ihm bewusst, dass Schlagzeuger doch sehr wenig Einfluss auf die Songs einer Band ausüben. "So griff ich auch immer wieder zur Gitarre, um irgendwie mitzuhelfen. Aber eine Solokarriere hatte ich eigentlich nicht im Sinn", so Gisli heute. Gisli hat seine mündigen Jahre in zahlreichen Bands verbracht. Die für seine künstlerische Entwicklung wichtigste Formation war Pornshot, die er in Norwegen ins Leben gerufen hatte. Seine Eltern hatten beschlossen, nach Norwegen auszuwandern, als Gisli 18 Jahre alt war. Nach einem halben Jahr, in der er vor allem die Nächte durchfeierte, folgte Gisli seinen Eltern. "Seine Freunde und überhaupt alle mit 18 hinter sich zu lassen, ist schon ein merkwürdiges Gefühl", so Gisli. In der Band Pornshot, bei denen er fünf Jahre an den Drums saß, fand er nicht nur neue Freunde, sondern bandelte auch gleich mit der Leadsängerin an. Beste Aussichten? Von wegen. "Irgendwann lief natürlich alles schief. Die Beziehung mit der genannten Lady brach auseinander und die Band entwickelte sich auch nicht weiter, was alle frustrierte. Ich fing an, herum zu pöbeln und machte mich so unbeliebt in der Band, dass mir nichts anderes übrig blieb als zu gehen. So kann man es wohl am besten beschreiben."
Gisli war erst einmal entwurzelt. Er hatte seine Freundin und seinen Job verloren und fühlte sich eigentlich ziemlich beschissen. Er munterte sich mit trockenen Songzeilen wie "I am a mess, you're a goddess, give me a chance, I can break dance" auf, konnte damit aber auch nicht unbedingt bei neuen Mädchen landen. Aber immerhin brachte es ihm einen kleinen Job bei eben jenem Label ein, das seinerzeit Pornshot unter Vertrag genommen hatte und er zog dort in die Kellerwohnung. Jede freie Minute arbeitete er nun in dem Studio des Hauses an neuen Songs. Zehn Songs, die unter der Prämisse entstanden, dass er sich selbst keine Regeln auferlegen wollte - Hauptsache, sie waren gut. Mit den fertigen Aufnahmen marschierte er zu seinem Boss, der so aus dem Häuschen war, dass er gleich ein paar Demos nach England schickte. Die außergewöhnlichen Songs von Gisli sorgten in London schnell für reichlich Gesprächsstoff. "Es war eine recht seltsame Entwicklung, vom Zeitpunkt die Band zu verlassen und ganz unten zu sein, bis dann plötzlich vier oder fünf der größten Plattenfirmen nach Norwegen kamen und mich zum Essen einluden."
Das bisschen Übergewicht nach den kulinarischen Genüssen war schnell abtrainiert, aber was viel gewichtiger war, Gisli hatte einen Plattenvertrag mit EMI in der Tasche und alles schien sich zum Besten zu wenden. Seine Debütsingle "Passing Out" wurde von den Kritikern in England bejubelt und das Rockmagazin Q lobte seinen "aufgeweckt witzigen Rock-Hop". Mittlerweile spielt der ehemalige Gitarrist von Pornshot in Gislis Liveband.
Auf seinem Album "How About That?" hat Gisli zu seiner Berufung gefunden, die seine Sicht auf das Treiben der Welt zeigt, wobei ihn besonders die krassen Unterschiede und Widersprüche faszinieren. "Stockbrokers who used to be broke, straight people who used to do coke", fabuliert er im Titelsong, der sich alsbald als kraftvoll pointierte Kapitalismuskritik entpuppt. In "Straight To Hell" nimmt er sich selbst aufs Korn: "The hookers won't undress me, the police won't arrest me and my producer thinks my songs are a bunch of noise!" Dieses Agieren ohne Rücksicht auf Verluste zeigt eine Haltung, wie sie auch Punkmusiker nicht selten einnehmen. "Dabei ist das noch einer der fröhlicheren Songs", ereifert sich Gisli. "Der Song bezieht sich darauf, dass mich mein Verhalten mitunter auch direkt in die Hölle bringt, mir das aber egal ist. Ich will einfach Spaß haben."
Gislis Songs wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen. Hatte er denn wirklich diesen "horrible day with Gareth Gates"? "Na ja, nicht in Person", lacht Gisli. "Es geht um dieses ganze Pop-Idol-Ding, das auch in Norwegen richtig groß ist. Da verkaufen die Typen dann 1500 Singles und flippen völlig aus. Das ist doch lächerlich." Dabei kann sich Gisli mit der Hoffnung tragen, dass er wesentlich mehr Alben verkaufen wird. "Das ist tatsächlich alarmierend, weil es wirklich ungewöhnlich gut läuft", gesteht Gisli und räumt mit typischer
Skepsis ein. "Das bin ich nicht gewohnt. Aber worüber soll ich bloß beim nächsten Album schreiben? Ich sollte mich vielleicht betrinken und ein paar Leute verprügeln, um ein paar Songs schreiben zu können." Ganz sicher kann man sich bei Gisli nicht sein, ob er das womöglich ernst meint.
Es gibt wahrscheinlich nicht viele Künstler, die sich die Biographie eines jungen Strichers zu einem Manifest des Lebens machen, aber Gisli dürfte sich mit seinem Debütalbum "How About That?" den Ruf eines genialischen Eigenbrötlers schnell sichern. Der gebürtige Isländer, den es nach Norwegen verschlagen hat, ist eine musikalische One-Man-Freakshow und seine Experimentierfreude hat ihm Vergleiche mit Dinosaur Jr und der Beta Band eingebracht. Auch der "isländische Beck" ist eines der Attribute, mit denen der junge Künstler leben kann, der sich allerdings eher mit den Eels und Leonard "Spock" Nimoy wesensverwandt fühlt, aber sich mit kindlicher Freude ebenso für HipHop begeistert.
Was auf jeden Fall bei den Songs von Gisli direkt auffällt, ist sein unbändiges Talent für griffige Songzeilen. "I don't want to pass out in the street, I just want to get home on my feet", lamentiert er in "Passing Out" und beschreibt darin ein selbst erlebtes Saufgelage in Glastonbury. Klar, dass sich dieser Song als Leadtrack für die erste EP in Good Old England aufdrängte. An bizarren Ideen herrscht bei Gisli wahrlich kein Mangel. Er habe einen schrecklichen Tag mit Gareth Gates verbracht, entrüstet er sich in "Go Get 'Em Tiger", als wäre die Begegnung mit einem glatt geschliffenen Popidol das Übelste, was einem passieren kann. Die Art und Weise, wie Gisli das Image des ewigen Verlierers pflegt, erinnert zuweilen an Woody Allen. Mit trockenem Humor schildert er, wie ihn die täglichen Missgeschicke zur Verzweiflung treiben. "Ich neige bei Problemen dazu, aus einer Fliege einen Elefanten zu machen", gesteht der Autor von Songs wie "The Day It All Went Wrong" und "Worries" mit leichtem Understatement. "Ich denke zuviel nach. Ich bin in dieser Beziehung wie ein Mädchen." Seine Songs reflektieren vor allem, was er in den letzten Jahren erlebt hat. Herzschmerz, Gejammer und Herumtreiberei mögen nicht die besten Grundfeste für einen Songschreiber sein, aber Themen wie Drogenmissbrauch, Wahnsinn und Pechsträhnen haben bei Gisli letztendlich ebenso krass wie superb erzählte Songs hervorgebracht, wobei das stilistische Spektrum von Sixtiesgitarren und akustischen Songwriterpirouetten bis zu elektronisch Experimentellem und Rap aus dem Stegreif reicht.
Gisli hat bisher ein Leben geführt, dass man vielleicht von einem Menschen erwartet, dessen Eltern die seltsame Eingebung hatten, ihrem Sohn einen Namen zu geben, der "Geisel" bedeutet. Tatsächlich hat ihn das erst ins Grübeln gebracht, als man ihn in England immer wieder darauf ansprach. Jetzt kommt ihm dies auch reichlich merkwürdig vor. Aber Normalität würde ihm wohl noch mehr zu schaffen machen. Sein Vater, der als Fischer arbeitete, schleppte von seinen Reisen nach Deutschland immer wieder Platten von den Beatles an. Und bereits mit sechs Jahren hatte sich der kleine Gisli nicht nur durch die Plattensammlung seines Vaters gearbeitet, sondern auch Iron Maiden für sich entdeckt. Später gehörten Duran Duran, David Bowie und HipHop zu seinen Steckenpferden. "Ich glaube, das hört man auch bei meinem Album heraus", grinst Gisli verschmitzt.
Seine musikalische Karriere begann Gisli am Schlagzeug. Jahrelang trommelte er auf dem Drum-Kit, das bei einem älteren Freund in der Garage stand. Erst viel später wurde ihm bewusst, dass Schlagzeuger doch sehr wenig Einfluss auf die Songs einer Band ausüben. "So griff ich auch immer wieder zur Gitarre, um irgendwie mitzuhelfen. Aber eine Solokarriere hatte ich eigentlich nicht im Sinn", so Gisli heute. Gisli hat seine mündigen Jahre in zahlreichen Bands verbracht. Die für seine künstlerische Entwicklung wichtigste Formation war Pornshot, die er in Norwegen ins Leben gerufen hatte. Seine Eltern hatten beschlossen, nach Norwegen auszuwandern, als Gisli 18 Jahre alt war. Nach einem halben Jahr, in der er vor allem die Nächte durchfeierte, folgte Gisli seinen Eltern. "Seine Freunde und überhaupt alle mit 18 hinter sich zu lassen, ist schon ein merkwürdiges Gefühl", so Gisli. In der Band Pornshot, bei denen er fünf Jahre an den Drums saß, fand er nicht nur neue Freunde, sondern bandelte auch gleich mit der Leadsängerin an. Beste Aussichten? Von wegen. "Irgendwann lief natürlich alles schief. Die Beziehung mit der genannten Lady brach auseinander und die Band entwickelte sich auch nicht weiter, was alle frustrierte. Ich fing an, herum zu pöbeln und machte mich so unbeliebt in der Band, dass mir nichts anderes übrig blieb als zu gehen. So kann man es wohl am besten beschreiben."
Gisli war erst einmal entwurzelt. Er hatte seine Freundin und seinen Job verloren und fühlte sich eigentlich ziemlich beschissen. Er munterte sich mit trockenen Songzeilen wie "I am a mess, you're a goddess, give me a chance, I can break dance" auf, konnte damit aber auch nicht unbedingt bei neuen Mädchen landen. Aber immerhin brachte es ihm einen kleinen Job bei eben jenem Label ein, das seinerzeit Pornshot unter Vertrag genommen hatte und er zog dort in die Kellerwohnung. Jede freie Minute arbeitete er nun in dem Studio des Hauses an neuen Songs. Zehn Songs, die unter der Prämisse entstanden, dass er sich selbst keine Regeln auferlegen wollte - Hauptsache, sie waren gut. Mit den fertigen Aufnahmen marschierte er zu seinem Boss, der so aus dem Häuschen war, dass er gleich ein paar Demos nach England schickte. Die außergewöhnlichen Songs von Gisli sorgten in London schnell für reichlich Gesprächsstoff. "Es war eine recht seltsame Entwicklung, vom Zeitpunkt die Band zu verlassen und ganz unten zu sein, bis dann plötzlich vier oder fünf der größten Plattenfirmen nach Norwegen kamen und mich zum Essen einluden."
Das bisschen Übergewicht nach den kulinarischen Genüssen war schnell abtrainiert, aber was viel gewichtiger war, Gisli hatte einen Plattenvertrag mit EMI in der Tasche und alles schien sich zum Besten zu wenden. Seine Debütsingle "Passing Out" wurde von den Kritikern in England bejubelt und das Rockmagazin Q lobte seinen "aufgeweckt witzigen Rock-Hop". Mittlerweile spielt der ehemalige Gitarrist von Pornshot in Gislis Liveband.
Auf seinem Album "How About That?" hat Gisli zu seiner Berufung gefunden, die seine Sicht auf das Treiben der Welt zeigt, wobei ihn besonders die krassen Unterschiede und Widersprüche faszinieren. "Stockbrokers who used to be broke, straight people who used to do coke", fabuliert er im Titelsong, der sich alsbald als kraftvoll pointierte Kapitalismuskritik entpuppt. In "Straight To Hell" nimmt er sich selbst aufs Korn: "The hookers won't undress me, the police won't arrest me and my producer thinks my songs are a bunch of noise!" Dieses Agieren ohne Rücksicht auf Verluste zeigt eine Haltung, wie sie auch Punkmusiker nicht selten einnehmen. "Dabei ist das noch einer der fröhlicheren Songs", ereifert sich Gisli. "Der Song bezieht sich darauf, dass mich mein Verhalten mitunter auch direkt in die Hölle bringt, mir das aber egal ist. Ich will einfach Spaß haben."
Gislis Songs wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen. Hatte er denn wirklich diesen "horrible day with Gareth Gates"? "Na ja, nicht in Person", lacht Gisli. "Es geht um dieses ganze Pop-Idol-Ding, das auch in Norwegen richtig groß ist. Da verkaufen die Typen dann 1500 Singles und flippen völlig aus. Das ist doch lächerlich." Dabei kann sich Gisli mit der Hoffnung tragen, dass er wesentlich mehr Alben verkaufen wird. "Das ist tatsächlich alarmierend, weil es wirklich ungewöhnlich gut läuft", gesteht Gisli und räumt mit typischer
Skepsis ein. "Das bin ich nicht gewohnt. Aber worüber soll ich bloß beim nächsten Album schreiben? Ich sollte mich vielleicht betrinken und ein paar Leute verprügeln, um ein paar Songs schreiben zu können." Ganz sicher kann man sich bei Gisli nicht sein, ob er das womöglich ernst meint.




