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Gorillaz Biographie

Gorillaz

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Unsere Gorillas stehen nicht im Nebel, sondern ständig im Rampenlicht. Die Gorillaz, kongeniale Erfindung von Blur-Sänger Damon Albarn und Cartoon-Spezialist Jamie Hewlett, haben in den letzten Monaten eindrucksvoll aufgezeigt, was man im 21. Jahrhundert in der Popmusik mit ein paar genialen Ideen alles bewegen kann. 2-D, Murdoc, Russel und Noodle sind mittlerweile die vier populärsten Cartoon-Figuren im Popbusiness und ihre virtuelle Heimat www.gorillaz.com gehört zu den am häufigsten frequentierten, weil unterhaltsamsten Websites schlechthin. Visuell durchgeknallt und randvoll mit lauter interaktiven Albernheiten (wo sonst kann man im Internet Toilettenwände mit Graffiti besprühen?), kann sich dort jeder Internet-Freak richtig austoben. So räumten die Gorillaz denn auch besonders bei diversen Online-Award-Verleihungen mächtig ab. Jeweils dreimal kassierten sie Preise bei den UK bzw. German Online Music Awards, viermal bei den Dotmusic Online Music Awards. Hinzu kamen zwei MTV Europe Awards, drei Billboard Video Music Awards und zahlreiche Top-Notierungen in internationalen Leser-Polls.

Begonnen hatte die ungewöhnliche Karriere der Gorillaz mit der Single "Clint Eastwood", die im letzten Jahr, unterstützt von einem gigantisch gut gezeichneten Video, in Europa und den USA ebenso durchstartete wie das folgende Debütalbum "Gorillaz". Während hinter den Comicfiguren unschwer Damon Albarn (2-D), Jamie Hewlett (Murdoc), Del Tha Funky Homosapien (Russel) und Miho Hatori von Cibo Matto (Noodle) zu erkennen waren, zählten außerdem Produzent Dan "The Automator" Nakamura, Tina Weymouth (Talking Heads) und die kubanische Nachtigall Ibrahim Ferrer zum kreativen Umfeld der Band, die auch bei Konzerten anonym bleibt. Da sind sie (wie derzeit auf ihrer US-Tournee) hinter der Leinwand verborgen, auf die alte Filme und natürlich jede Menge Gorillaz-Cartoons projiziert werden. "It's the music that we choose" ("19-2000"), lautet das Credo. Und die aberwitzige musikalische Mixtur aus Pop und Punk, HipHop und Funk, Reggae und Dub, Lo-Fi und Dance, bei der stilistisch so ziemlich alles erlaubt scheint, kommt tatsächlich daher wie ein Parforceritt durch die postmoderne Musikwelt. Noch bevor in nicht allzu ferner Zukunft das nächste offizielle Album erscheint, und zwar der Soundtrack zum ersten Kinofilm der Gorillaz, gibt es mit "The G-Sides" erst einmal einen kräftigen Nachschlag zum Debütalbum.

"The G-Sides" erschien ursprünglich nur in Japan, dem Mutterland der Manga-Comics. Klar, dass die japanischen Fans besonders versessen auf die Gorillaz sind. Die zehn Tracks des Albums (plus die Videoclips zu "Clint Eastwood" und "Rock The House") rekrutieren sich aus Remix-Versionen, B-Seiten und dem einen oder anderen bis dato unveröffentlichten Track. "Dracula" ist eine sinistre Dub-Exkursion, "Faust", eine Hommage an die gleichnamige Krautrock-Legende, becirct mit Electronica-Klängen und japanischen Lead-Vocals, "Ghost Train" beginnt als Voodoo-Zauber und steigert sich im Furor zu einem hybriden Dub/Funk/Punk-Gebräu. Kurzum, "The G-Sides" ist der kleine experimentelle Bruder zum Debütalbum: Popmusik als Fischer-Baukasten. Ein kurzweiliges musikalisches Intermezzo für den wahren Gorillaz-Fan.

Derweil haben die Gorillaz bereits die nächsten Projekte in Angriff genommen. Vor kurzem erschien das erste Videospiel: Zombie Kong. Im Zentrum des Spiels, das an den Arcade-Klassiker "Donkey Kong" angelehnt ist, steht Noodle, die kleine Gitarristin der Band, die man mit ein wenig Geschick mit der TV-Fernbedienung durch zwölf abenteuerliche Levels lavieren kann. Jamie Hewlett arbeitet derweil emsig an der zeichnerischen Umsetzung des ersten großen Films (Arbeitstitel: "Celebrity Heights"): "Wir wollen auf jeden Fall alle Spinal Tap-typischen Bezüge vermeiden. Auch wenn im Mittelpunkt die vier Charaktere stehen, wollen wir mit dem Film vermitteln, was wir von Berühmtheiten und der Welt des Pop denken." Legt man die bisherigen markigen Sprüche zugrunde, mit der insbesondere Murdoc und 2-D zu großmäuligen Rundumschlägen ausholten, könnte uns also in diesem Jahr noch ein zünftiges Affentheater ins Haus stehen: zähnefletschende Gorillaz mit Haaren auf den Zähnen. Wir sind gewarnt!
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The Gorillaz are back. 2-D, Murdoc, Noodle und Russel. Die Fab Four des virtuellen Zeitalters. Entsprechend klassisch auf dem Cover ihres neuen Albums "Demon Days" porträtiert, präsentiert sich eines der innovativsten Pop-Kollektive unserer Tage mit neuen musikalischen und visuellen Ideen von subversiver Kraft. Die beiden treibenden kreativen Köpfe hinter den Gorillaz sind natürlich Damon Albarn und Jamie Hewlett: der stets zu unerwarteten akustischen Abenteuern und Symbiosen aufgelegte Blur-Musikus und der Erfinder einer absurd-apokalyptischen Comic-Welt, die lässig Pop-Art, Zombie-Chic und Widerstand gegen die Globalisierung verquickt. "Demon Days" ist im Gegensatz zu dem stark von Reggae und HipHop geprägten Debütalbum "Gorillaz", das 2001 erschien und weltweit sechs Millionen Anhänger fand, noch experimentierfreudiger und weltläufiger. Wartete schon das Debüt mit einer grenz- und genreübergreifenden Gästeliste auf, setzt das neue Opus magnum der Gorillaz noch einen drauf. Der größte Coup ist sicherlich die Verpflichtung von DJ Danger Mouse, einem der derzeit meistdiskutierten Produzenten. Wer wäre berufener, die als glänzende Collagen angelegten Popsongs der Gorillaz mit zu produzieren, als jener Mann, der mit dem "Grey Album" die perfekte Symbiose aus Beatles und Jay-Z kreierte und somit das wohl populärste illegale Popalbum des 21. Jahrhunderts?

Bereits die höchst infektiöse Single "Feel Good Inc.", die binnen kurzer Zeit auf jeder klugen Playlist zu finden war, demonstriert die unbändige Lust aller Beteiligten, einen Popsong zu schaffen, wie es ihn in dieser Form noch nicht gegeben hat - ganz zu schweigen von dem prall mit unvergesslichen Images gefüllten und frei durch Raum und Zeit schwebenden Videoclip. Ein Plädoyer für eine verloren geglaubte Welt? Auf jeden Fall musikalisch ein Paradestück an Coolness: gewitzt perkussiver White-Funk trifft auf elegant säuselnden Damon Albarn und pfundig rappenden De La Soul. Mit jedem Mal gewinnt der Track an Temperatur. Und das gilt auch für das Album, auf dem selbst nach mehrmaligem Durchhören immer wieder neue Facetten zu entdecken sind. Zu der auf dem ersten Blick unüberschaubaren Vielfalt trägt kunterbunte Prominenz ihr Scherflein bei. Stehen De La Soul mit ihrem Gastauftritt für jenen HipHop, den sie mit dem Daisy-Age-Klassiker "3 Feet High And Rising" tiefgreifend prägten, kommen auf dem Album weitere Ikonen der Popkultur wie Dennis Hopper, Ike Turner, Shaun Ryder, Neneh Cherry und Roots Manuva zum Zuge, um ihre unverwechselbare Duftmarke zu setzen. Dennis Hopper, als Schauspieler berühmt und berüchtigt für seine Rollen als Bad Guy, ist seit den Sixties Prototyp der Gegenkultur und in diesem Sinne ebenso wesensverwandt mit den Gorillaz wie als kreativer Tausendsassa. Sein Monolog auf "Fire Coming Out Of The Monkeys" ist magisch. Voodoo for thought.

Des Wahnsinns fette Beute, also ein gefundenes Fressen für die Gorillaz, ist auch das Gastspiel des manischen Manchester-Impresarios Shaun Ryder. "DARE" ist laut Gorillaz eine Mischung aus Madonna und The Clash. Armageddon Time der fröhlicheren Art für jeden Dancefloor. Da gehört zweifelsfrei auch "Dirty Harry" hin, jener Track, der bereits als White Label kursierte und eine Hommage an die Gründertage des HipHop ist. Die kongeniale Mitwirkung eines Kinderchors soll eine Idee von Danger Mouse gewesen sein. Der NME sieht in "Dirty Harry": "Rap-rock's answer to Pink Floyd's ‚The Wall'". Die Songs der Gorillaz setzen jedenfalls fortlaufend neue assoziative Kräfte frei. Gorillaz in Wonderland. Auch wenn die Spuren manchmal überdeutlich sind. Bei "El Mañana", inspiriert vom mexikanischen Tag der Toten, scheint es nur ein kleiner Schritt zu Blur, "Every Planet We Reach Is Dead" erinnert an die frühen Jahre von Human League und "Don't Get Lost In Heaven" ist ein musikalischer Kniefall vor dem Genius von Brian Wilson. Das Schönste an den Gorillaz ist, dass sie sich mit jedem Stück neu erfinden. Intelligente und bewusst gegen den Strich konzipierte Popmusik als Gegenkultur zum gängig Vergänglichen. Die Gorillaz haben es sich sogar schon geleistet, ein Millionenangebot von Dreamworks für die Filmrechte auszuschlagen. Gut gebrüllt, Gorillaz. Solange sie - wie auf "Demon Days" bravourös exerziert - ihren eigenen Film fahren, besteht berechtigte Hoffnung auf eine bessere (Pop)Welt.
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