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Graham Coxon Biographie

Graham Coxon

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Um ein letztes Mal jegliche Gerüchte zu entkräften: Eine Reunion von Blur wird es niemals geben. "Ich will nicht mehr zu dieser Band zurück", sagt Graham Coxon mit felsenfester Überzeugung zwei Jahre nach der Trennung. "Ich glaube, das wäre so ziemlich das Schlechteste für mich. Ich habe nichts gegen die Jungs persönlich, aber ich habe das Gefühl, als sei ein riesiges Gewicht von mir genommen, und ich denke, es gibt auch absolut keine Veranlassung, die Zeit zurück zu drehen. Ich bin in einer komplett neuen Phase." Einen guten Teil seines neuen Lebensabschnitts verbringt der Sänger und Gitarrist mit seiner dreijährigen Tochter Pepper. Und nach zwei Aufenthalten in einer Entzugsklinik hat er seit vorletztem Jahr keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Lieber geht er in seiner Nachbarschaft in Camden mal einen Kaffee trinken. Und vor allem hat er sein fraglos außergewöhnliches musikalisches Talent genutzt, um sein fünftes und mit Abstand wohl zugänglichstes Soloalbum aufzunehmen.

Während seine bisherigen Alben streckenweise brillant, aber teilweise eben doch so experimentell und ungehobelt daher kamen, dass sie nie über einen kleinen Fankreis hinaus einen bleibenden Eindruck hinterließen, hat sich Graham Coxon für "Happiness In Magazines" im wahrsten Sinne des Wortes am Riemen gerissen und seine Kreativität so gewinnbringend fokussiert wie bei noch keinem anderen Soloprojekt. "Ich stand das erste Mal seit meinem Weggang von Blur bewusst vor der Entscheidung, entweder ich mache es jetzt richtig oder ich lasse es ganz bleiben", so Coxon. "Ich will zu meinen Songs stehen, ganz ohne Selbstmitleid auftreten und meine Karriere gescheit durchziehen. Ich will Singles veröffentlichen und Videos machen. Nicht, dass ich eines Tages auf meine Karriere zurückblicke und es bereue, nicht mein Bestes versucht zu haben."

Der Arbeitstitel des neuen Albums - "No More Mr Lo-Fi" - sagt eigentlich schon alles. Kenner seiner bisherigen vier Alben werden zweifellos bemerken, dass Coxon auch diesmal nicht auf seine Bandbreite unterschiedlicher Einflüsse verzichtet hat. Von traditionellem Folk bis zum gestählten Sound von Fugazi, von seinen für ihn typischen, erfindungsreichen Gitarrenriffs bis zu seinen introspektiven Lyrics hat der vielseitige Musiker wieder auf all das zurückgegriffen, was ihm heilig ist. Nur hat er es diesmal konsequenter und einfach besser umgesetzt. "Ich habe alles einfach viel gewissenhafter aufgenommen, ganz so, als hätten die Songs zu mir gesprochen. ‚Graham, um Himmels Willen, nimm uns bitte gescheit auf. Nicht wie diese anderen Songs, bei denen der Gesang doch sehr zweifelhaft klang. Das würde dich doch nur für den Rest deines Lebens quälen. Reiß dich mal zusammen.'" Und so vertraute sich Graham Coxon jenem Mann an, der mit den Smiths berühmt wurde und auch die ersten Alben von Blur produzierte: Stephen Street. "Das war wahrscheinlich der entscheidende Wendepunkt", räumt Coxon ein.

Nicht nur für den brillanten Sound des Albums hat Stephen Street Sorge getragen, er hat auch einen entscheidenden Beitrag für den um Längen verbesserten Gesang Coxons geliefert. "Ich habe schon immer gerne gesungen, aber ich hatte nie das rechte Selbstvertrauen, mich richtig gehen zu lassen. Mit Stephen war diese Unsicherheit wie weggeblasen, obwohl oder gerade weil ich genau wusste, dass er mir keine Schlampigkeit durchgehen ließ. Deswegen gehört besonders meine Gesangsperformance auf diesem Album zum Besten, was ich jemals zustande gebracht habe."

Das gilt aber auch für die Songs generell. Das Album startet furios mit "Spectacular", einem entfesselten Swamp-Beat, der Coxons Vorliebe für präzise Punk-Riffs auf den Punkt bringt - ein Song, der der britischen Schauspielerin Shannyn Sossaman ("Kick It Like Beckam", "Pirates Of The Carribean") gewidmet ist. Von da an geht die Achterbahnfahrt über tragikomische Geschichten ("Bittersweet Bundle Of Misery"), harsche Anti-Drogen-Songs ("No Good Time"), Beatles-Frühphasenklopper ("Hopeless Friends"), eine cineastisch angelegten Psycho-Westernballade ("Are You Ready"), explosiven Punk ("Freakin' Out"), auf den selbst Clash stolz gewesen wären, lockeren Calypso ("Bottom Bunk"), auf den auch Albarn neidisch sein wird, bis zur von Trauer umrankten Piano-Ballade ("Ribbons And Leaves"), die dem verstorbenen Großvater gewidmet ist.

"Zu den Referenzpunkten für dieses Album gehören Ennio Morricone, Scott Walker, The Ruts, The Cars, Split Enz und ähnliche Kaliber. Ich hatte schon immer eine Vorliebe für die Musik der späten Siebziger. Sogar für die Wings. Zu unserer eigenen Überraschung saßen Stephen und ich eines Abends zusammen und hörten uns ‚Band On The Run' an, was ich seit meiner Kindheit nicht mehr gehört hatte. Und dieses Album ist einfach fantastisch. Kann also durchaus sein, dass man auch davon ein wenig auf meinem Album entdeckt."

Die fast an allen Stellen zu entdeckenden Vibes brillanter Gitarrenriffs haben auch etwas mit der Tatsache zu tun, dass Graham diesmal so ziemlich alle Songs auf der elektrischen Gitarre komponierte, nicht wie sonst auf seiner akustischen. "So war es fast automatisch immer mehr chug-chug-chug als pick-pick-pick", kommentiert Coxon auf etwas schnoddrige Art. Tatsächlich wäre es genauso abwegig, da Vinci als Maler zu bezeichnen, der sich mit brush-brush-brush zufrieden gibt.

Bereits die vorab an die Radiostationen versandte Single "Freakin' Out" ist eine musikalische Kampfansage. Der Song ist ein Teaser für "Happiness In Magazines", das Album, mit dem sich Graham Coxon nun auch endgültig als Live-Act etablieren will. "Ich will den Erfolg", kündigt Graham Coxon an. "Und ich will endlich wieder live spielen - nicht vor den Riesenmengen - aber ich fühle mich jetzt eher bereit dazu als die meisten Jahre zuvor." Eine UK-Tournee für Mai ist schon unter Dach und Fach. Prima wär's, wenn Coxon mit seinen neuen Songs auch nach Deutschland kommt.

Nach einer knappen Dekade voller Hochs und Tiefs ist Graham Coxon nun endlich so weit, sich als Mensch und Musiker so zu entfalten, wie man es sich für ihn schon immer erhofft hat. "Happiness In Magazines" verbreitet Aufbruchstimmung, verzichtet auf alle überflüssige Frickelei und setzt auf die grantigeren Kapitel britischer Rock'n'Roll-Geschichte. Graham Coxon steht nicht nur glücklich und ausgelastet mitten im Leben, er erweist sich auch neuerlich als kraftstrotzender Gitarrist und steckt zudem knietief in brillanten Songs.
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