Hot Chip Biographie
Hot Chip
Am Anfang von Hot Chips gefeiertem 2004er Debütalbum "Coming On Strong" stand ein gutgemeinter Rat und der warnende Hinweis: "Take care into the home". Was dann folgte, war eine musikalischer Parforceritt durch Hot Chips ganz persönliche Welt. Das ganz erstaunliche Nachfolgewerk "The Warning" beginnt nun wieder mit einer Warnung, welche da lautet: "Fire is hot, steel can cut, glas will break if you´re not careful!"... "Careful", so der Titel des fieberhaft-ungebändigten und irgendwie verwirrenden Eröffnungstracks, dem diese Textzeilen entstammen, beginnt mit siegestrunkenen Keyboards. Was folgt, sind Rave-Rhythmen, Kriegstrommeln, zuckersüße Vocals, computergenerierte Massengesänge und ein Song, der körperliche Vertrautheit und Ballons feiert. Es sind die wahnsinnigen Anfangsminuten einer wahrlich abenteuerlichen Platte.
"Careful" schneidet mitten durch den Hörer hindurch, steht für einen direkteren und konfrontativeren Sound, wie man ihn auch von auf die Eingeweide zielenden Hot Chips Live-Shows kennt. Diese Art musikalischer Streitsucht hallt dann auch auf dem gesamten Album wieder, dessen musikalischer Einfallsreichtum die im Text ausgesprochene Warnung zu verspotten scheint. "Die Fertigstellung von "Careful" stellte einen der entscheidenden Wendepunkte bei den Aufnahmen zum Album dar" erklärt Joe Goddard, einer der beiden kreativen Köpfe von Hot Chip. "Ich wollte, dass wir uns deutlich von unserem ersten Album abgrenzen, gleichzeitig befürchteten Alexis und ich, dass wir mit der Musik, die uns vorschwebte, unser Publikum überfordern könnten. Aber nachdem wir "Careful" im Kasten hatten, waren wir davon überzeugt, dass es uns gelingen würde, eine Platte zu machen, die sowohl unseren Ansprüche genügen als auch die Erwartungen unserer Fans erfüllen würde".
Das war dann auch genau der Punkt, an dem Alexis Taylor und Joe Goddard begannen, ernsthaft am jetzt vorliegenden Album zu arbeiten. Aus der Spannung der Aufnahmesessions, bei den die beiden Produzenten/Songwriter häufig in völlig gegensätzliche Richtungen steuerten, entstanden so irgendwann Momente voller Schönheit, Lachen, Liebe und Chaos. Wo einer nicht in der Lage ist, über seine Leiden zu sprechen, nimmt der andere diese auf. Um sie anschließend durch den Wolf zu drehen. Und dann kommt Gitarrist Owen Clarke und haut in die Saiten, dass die Heide wackelt. Keyborder Felix Martin jagt seine Synthis durch eine "Maschinentrommel", während er nicht aufpasst, drückt ein anderer flugs die Aufnahmetaste. Gitarrist Al Doyle erinnert mit seinen flinken Fingern und Stimmbändern an Brian Eno/Phil Manzanera. Keine Angst, das wird schon passen - so lautete die Devise. Und es funktioniert tatsächlich. Aber aufgepasst, das Resultat grenzt an Wahnsinn...
"The Warning", so der Titel des neuen Hot Chip-Opus´, ist eine Mixtur aus großartigem Songwriting und ambitionierter Pop-Produktion. Es ist eine ehrliche Platte - sowohl emotional als klanglich, gemacht von Musikern, die ihre Sounds nicht in der Anonymität teurer Studios, sondern in der vertrauten Umgebung ihrer Wohnungen erforschten. Eine Platte, die von der zerbrechlich-spröden Kombination zweier Stimmen lebt, welche von Liebe, Farben und Verlust singen. Und von Warnungen. "The Warning" wird die einzige Platte des Jahres 2006 sein, auf der man den mutigen Versuch hören kann, die besten Platten der Vergangenheit - und der Zukunft - noch besser zu machen. Wer also an Musik interessiert ist, die die stilistische Vielschichtigkeit von Aphex Twin-Platten mit Madlips Gespür für derangierte Hiphop-Holidays kombiniert, die die Intimität Princes fantastisch-klaustrophoben Parade-Pops ausstrahlt und mehr als nur den Geist gewisser äußerst wunderbarer Versuche Paul McCartneys auf dem Gebiet von Disco atmet, denen sei "The Warning" wärmstens empfohlen. Zumal es auch deutlich preiswerter ist, als sich die Alben "Richard D. James Album", "Madvillainy", "Dirty Mind" und "McCartney II" zuzulegen.
Befragt zum Titelstück des Albums erklärt Joe Goddard: "Das Album wurde vor allem von unserer (Vor-)Liebe für 2 Step-Rhythmen und -Melodien geprägt. Die rhythmischen Mittel, die beim Programmieren von 2-Step Garage verwendet werden, tauchen auch bei uns ständig und überall auf. Ich finde nach wie vor, dass einige Garage-Platten zu den funkigsten und souligsten Scheiben überhaupt gehören." Wie zum Beweis ist die im Titeltrack aufgestellte Behauptung "Hot Chip will break your legs, snap off your head" mit einem üppigen Garage-Beat unterlegt. "Look After Me" erzählt von einem Paar, dass sich immer weiter voneinander entfernt, es geht um Verletzlichkeit und die Notwendigkeit vorbehaltloser Unterstützung, die die Grundvoraussetzung jeder funktionierenden Beziehung bildet. Hinsichtlich der musikalischen Umsetzung erklärt Alexis: "In den 90ern habe bei "The Box" (?) R. Kellys Duet mit Sparkle "Be Careful" gesehen. Der Track hat mich seitdem nie mehr losgelassen. Ich habe also versucht, die Akkordstruktur, die Melodie und die Stimmung dieses Songs für den Anfang von "Look After Me" zu kopieren. Für die absteigende Akkord-Folge im Mittelteil habe ich die Keyboard-Linien aus Princes "If I Was Your Girlfriend" fast Note für Note imitiert. Ich habe versucht, eine moderne R´n´B-Ballade zu schreiben, Joe hingegen erinnerte mein Versuch eher an alte Soul-Klassiker a la Al Green. Kurz darauf haben wir dann meinen Entwurf mit gezupften Live-Geigen und sehr softem Schlagzeug ergänzt...".
Irgendwo zwischen all den unausgesprochenen Ideen taucht ein unglaublich persönlicher Hot Chip-Song auf. Ein Song, der das Album zusammenhält und die Stimmung des Albums unterstreicht. Ein Song, der versucht, die Dualität des Hot Chip-Sounds einzufangen, welcher zu gleichen Teilen gefühlsgesteuert und kalkuliert ist, und sich dabei ganz unverhohlen bei anderen Platten bedient
Die Trivialität der Songs auf "Coming On String" wird auf "The Warning" durch echtes Pathos ersetzt. "Boy From School" - eine wundervoll melancholische Ballade, die von Verlust und Einsicht handelt - ist Hot Chips bis dato größter Pop-Moment, wundervoll in seiner Einfachheit, herzerweichend in seiner Ehrlichkeit. "We tried but we didn´t have long, we tried but we didn´t belong...". Ausgangspunkt für "Boy From School" war ein simpler Casio-Walzer, später orientierte man sich dann an Giorgio Moroder. Joe erklärt: "Ich hatte dabei Donna Summers "I Feel Love" im Kopf. Ich dachte, dass, falls es möglich wäre, die rhythmische Power dieses Songs mit einem echten Knaller-Refrain zu verbinden, man damit eine Dance-Platte schaffen könnte, die weitaus besser ist als die meisten Dance-Scheiben. Das Resultat klingt immer noch sehr soft. Inzwischen erkenne ich auch, dass das durchaus etwas ist, worauf man stolz sein kann. Damals hingegen wollte ich es mit Leuten wie DFA aufnehmen."
Einer der ungewöhnlichsten Aspekte bei "Boy From School" - und bei Hot Chip überhaupt - ist der direkte Gegensatz zweier Gesangsstile. Alexis übernimmt meist die höhere "Frauen-Stimme", während Joe den tieferen "männlichen" Part singt. Das erinnert natürlich deutlich an die klassischen Soul- und Country & Western-Duette der Vergangenheit, nur dass die Hot Chipsche Variante ungleich schräger klingt. Weniger Melodiereichtum, dafür mehr Klangdichte. Alexis und Joe singen einstimmig zweistimmig, die Harmonieführung überlassen sie den Instrumenten, was für einen ziemlich einzigartigen Effekt sorgt.
Manche fühlen sich durch den androgynen und schmachtenden Klang von Alex´ Gesang, die Zerbrechlichkeit und Einfachheit bestimmter Drum-Sounds an Scritti Politti oder auch die Young Marble Giants erinnert. Andere glauben, in Hot Chips´ Musik Parallelen zu R.Kelly oder Wookie zu erkennen. Hot Chip bewegen sich im Niemandsland zwischen Idee und Umsetzung, und genau das macht sie so unverwechselbar und faszinierend. Das und der Umstand, dass sie kein Problem damit haben, auch die Imperfektionen in ihrer Musik zu belassen: "Wir finden es ausgesprochen wichtig, die kleinen Ungenauigkeiten, die zwangsläufig in Songs entstehen, wenn Leute Instrumente spielen, in unsere Musik einzubeziehen. Das ist die komplette Antithese zur heutzutage üblichen Art von Pop-Produktion, bei der jeder kleine Fehler digital ausgebügelt wird. Wenn ich an die Produzenten und Songs denke, die ich wirklich schätze, dann sind das diejenigen, bei denen man die hastigen Entscheidungen, die kleinen Fehler und Ungenauigkeiten, die sich beim Einspielen und Abmischen hin und wieder einschleichen, auch hört. Das sind genau die Sachen, die ich liebe".
Hot Chip haben mit "The Warning", was Raffinesse und Klarheit betrifft, einen beachtlichen Sprung nach vorne gemacht. Eine bewusst einfach gehaltene Nummer wie "Colours" wirkt, trotz der kindlich-unschuldigen Naivität, die die Grundidee auszeichnet, letztlich traumhaft und irgendwie tiefsinnig. "Ich wollte Texte schreiben, die ähnlich direkt wie die von Kraftwerk sind. Wir hatten Kraftwerk gerade bei ihrem Aufritt in der Brixton Academy gesehen, und ich war überwältigt davon, wie sie es schafften, mit so wenigen Worten so viel über komplexe Dinge wie Bewegung, Licht oder auch Radioaktivität auszudrücken", erklärt Alexis. Und Joe ergänzt: "Eine Zeit lang wollte ich, dass das Album nach Can oder Neu klingt. Ich wollte, dass die Songs diese wirklich starke, treibende Kraft haben, ohne dabei angestrengt zu wirken. Und ich wollte Keyboard-Sounds, die ähnlich glitzern und ähnlich wunderbar geformt sind, wie die von Kraftwerk. Schlichtheit und Geradlinigkeit, das war unser Ziel."
"The stories you told were awful/I hope that they weren´t just artful/I hope that you will be careful", heißt es im Refrain zu "Careful". Man könnte fast meinen, dass Hot Chip damit sich selbst beschreiben, und dass sich diese Warnung auf ihre eigene Musik bezieht. Alex und Joe ist nicht entgangen, dass die gelegentlich undurchsichtige, dann wieder übertransparente Ehrlichkeit ihrer Texte von manchen als "gekünstelt" empfunden wurde. Sie nutzen diese Erkenntnis zu ihrem eigenen Vorteil, und mit gerade zu perversem Vergnügen. Sie wissen genau, womit sie dich am besten auf die Palme bringen können, und sie tun es. Um dich dann, wenn du dich gerade an ihre Frechheit gewöhnt hast, wieder ganz sanft daherkommen.
Hot Chip sind aber auch eine Live-Band. In der Vergangenheit spielten sie u.a. als Support von LCD SOUNDSYSTEM, MYLO, STEREOLAB und - erst kürzlich - von GOLDFRAPP. Natürlich spielen sie auch eigene Konzerte/Tourneen.
"Careful" schneidet mitten durch den Hörer hindurch, steht für einen direkteren und konfrontativeren Sound, wie man ihn auch von auf die Eingeweide zielenden Hot Chips Live-Shows kennt. Diese Art musikalischer Streitsucht hallt dann auch auf dem gesamten Album wieder, dessen musikalischer Einfallsreichtum die im Text ausgesprochene Warnung zu verspotten scheint. "Die Fertigstellung von "Careful" stellte einen der entscheidenden Wendepunkte bei den Aufnahmen zum Album dar" erklärt Joe Goddard, einer der beiden kreativen Köpfe von Hot Chip. "Ich wollte, dass wir uns deutlich von unserem ersten Album abgrenzen, gleichzeitig befürchteten Alexis und ich, dass wir mit der Musik, die uns vorschwebte, unser Publikum überfordern könnten. Aber nachdem wir "Careful" im Kasten hatten, waren wir davon überzeugt, dass es uns gelingen würde, eine Platte zu machen, die sowohl unseren Ansprüche genügen als auch die Erwartungen unserer Fans erfüllen würde".
Das war dann auch genau der Punkt, an dem Alexis Taylor und Joe Goddard begannen, ernsthaft am jetzt vorliegenden Album zu arbeiten. Aus der Spannung der Aufnahmesessions, bei den die beiden Produzenten/Songwriter häufig in völlig gegensätzliche Richtungen steuerten, entstanden so irgendwann Momente voller Schönheit, Lachen, Liebe und Chaos. Wo einer nicht in der Lage ist, über seine Leiden zu sprechen, nimmt der andere diese auf. Um sie anschließend durch den Wolf zu drehen. Und dann kommt Gitarrist Owen Clarke und haut in die Saiten, dass die Heide wackelt. Keyborder Felix Martin jagt seine Synthis durch eine "Maschinentrommel", während er nicht aufpasst, drückt ein anderer flugs die Aufnahmetaste. Gitarrist Al Doyle erinnert mit seinen flinken Fingern und Stimmbändern an Brian Eno/Phil Manzanera. Keine Angst, das wird schon passen - so lautete die Devise. Und es funktioniert tatsächlich. Aber aufgepasst, das Resultat grenzt an Wahnsinn...
"The Warning", so der Titel des neuen Hot Chip-Opus´, ist eine Mixtur aus großartigem Songwriting und ambitionierter Pop-Produktion. Es ist eine ehrliche Platte - sowohl emotional als klanglich, gemacht von Musikern, die ihre Sounds nicht in der Anonymität teurer Studios, sondern in der vertrauten Umgebung ihrer Wohnungen erforschten. Eine Platte, die von der zerbrechlich-spröden Kombination zweier Stimmen lebt, welche von Liebe, Farben und Verlust singen. Und von Warnungen. "The Warning" wird die einzige Platte des Jahres 2006 sein, auf der man den mutigen Versuch hören kann, die besten Platten der Vergangenheit - und der Zukunft - noch besser zu machen. Wer also an Musik interessiert ist, die die stilistische Vielschichtigkeit von Aphex Twin-Platten mit Madlips Gespür für derangierte Hiphop-Holidays kombiniert, die die Intimität Princes fantastisch-klaustrophoben Parade-Pops ausstrahlt und mehr als nur den Geist gewisser äußerst wunderbarer Versuche Paul McCartneys auf dem Gebiet von Disco atmet, denen sei "The Warning" wärmstens empfohlen. Zumal es auch deutlich preiswerter ist, als sich die Alben "Richard D. James Album", "Madvillainy", "Dirty Mind" und "McCartney II" zuzulegen.
Befragt zum Titelstück des Albums erklärt Joe Goddard: "Das Album wurde vor allem von unserer (Vor-)Liebe für 2 Step-Rhythmen und -Melodien geprägt. Die rhythmischen Mittel, die beim Programmieren von 2-Step Garage verwendet werden, tauchen auch bei uns ständig und überall auf. Ich finde nach wie vor, dass einige Garage-Platten zu den funkigsten und souligsten Scheiben überhaupt gehören." Wie zum Beweis ist die im Titeltrack aufgestellte Behauptung "Hot Chip will break your legs, snap off your head" mit einem üppigen Garage-Beat unterlegt. "Look After Me" erzählt von einem Paar, dass sich immer weiter voneinander entfernt, es geht um Verletzlichkeit und die Notwendigkeit vorbehaltloser Unterstützung, die die Grundvoraussetzung jeder funktionierenden Beziehung bildet. Hinsichtlich der musikalischen Umsetzung erklärt Alexis: "In den 90ern habe bei "The Box" (?) R. Kellys Duet mit Sparkle "Be Careful" gesehen. Der Track hat mich seitdem nie mehr losgelassen. Ich habe also versucht, die Akkordstruktur, die Melodie und die Stimmung dieses Songs für den Anfang von "Look After Me" zu kopieren. Für die absteigende Akkord-Folge im Mittelteil habe ich die Keyboard-Linien aus Princes "If I Was Your Girlfriend" fast Note für Note imitiert. Ich habe versucht, eine moderne R´n´B-Ballade zu schreiben, Joe hingegen erinnerte mein Versuch eher an alte Soul-Klassiker a la Al Green. Kurz darauf haben wir dann meinen Entwurf mit gezupften Live-Geigen und sehr softem Schlagzeug ergänzt...".
Irgendwo zwischen all den unausgesprochenen Ideen taucht ein unglaublich persönlicher Hot Chip-Song auf. Ein Song, der das Album zusammenhält und die Stimmung des Albums unterstreicht. Ein Song, der versucht, die Dualität des Hot Chip-Sounds einzufangen, welcher zu gleichen Teilen gefühlsgesteuert und kalkuliert ist, und sich dabei ganz unverhohlen bei anderen Platten bedient
Die Trivialität der Songs auf "Coming On String" wird auf "The Warning" durch echtes Pathos ersetzt. "Boy From School" - eine wundervoll melancholische Ballade, die von Verlust und Einsicht handelt - ist Hot Chips bis dato größter Pop-Moment, wundervoll in seiner Einfachheit, herzerweichend in seiner Ehrlichkeit. "We tried but we didn´t have long, we tried but we didn´t belong...". Ausgangspunkt für "Boy From School" war ein simpler Casio-Walzer, später orientierte man sich dann an Giorgio Moroder. Joe erklärt: "Ich hatte dabei Donna Summers "I Feel Love" im Kopf. Ich dachte, dass, falls es möglich wäre, die rhythmische Power dieses Songs mit einem echten Knaller-Refrain zu verbinden, man damit eine Dance-Platte schaffen könnte, die weitaus besser ist als die meisten Dance-Scheiben. Das Resultat klingt immer noch sehr soft. Inzwischen erkenne ich auch, dass das durchaus etwas ist, worauf man stolz sein kann. Damals hingegen wollte ich es mit Leuten wie DFA aufnehmen."
Einer der ungewöhnlichsten Aspekte bei "Boy From School" - und bei Hot Chip überhaupt - ist der direkte Gegensatz zweier Gesangsstile. Alexis übernimmt meist die höhere "Frauen-Stimme", während Joe den tieferen "männlichen" Part singt. Das erinnert natürlich deutlich an die klassischen Soul- und Country & Western-Duette der Vergangenheit, nur dass die Hot Chipsche Variante ungleich schräger klingt. Weniger Melodiereichtum, dafür mehr Klangdichte. Alexis und Joe singen einstimmig zweistimmig, die Harmonieführung überlassen sie den Instrumenten, was für einen ziemlich einzigartigen Effekt sorgt.
Manche fühlen sich durch den androgynen und schmachtenden Klang von Alex´ Gesang, die Zerbrechlichkeit und Einfachheit bestimmter Drum-Sounds an Scritti Politti oder auch die Young Marble Giants erinnert. Andere glauben, in Hot Chips´ Musik Parallelen zu R.Kelly oder Wookie zu erkennen. Hot Chip bewegen sich im Niemandsland zwischen Idee und Umsetzung, und genau das macht sie so unverwechselbar und faszinierend. Das und der Umstand, dass sie kein Problem damit haben, auch die Imperfektionen in ihrer Musik zu belassen: "Wir finden es ausgesprochen wichtig, die kleinen Ungenauigkeiten, die zwangsläufig in Songs entstehen, wenn Leute Instrumente spielen, in unsere Musik einzubeziehen. Das ist die komplette Antithese zur heutzutage üblichen Art von Pop-Produktion, bei der jeder kleine Fehler digital ausgebügelt wird. Wenn ich an die Produzenten und Songs denke, die ich wirklich schätze, dann sind das diejenigen, bei denen man die hastigen Entscheidungen, die kleinen Fehler und Ungenauigkeiten, die sich beim Einspielen und Abmischen hin und wieder einschleichen, auch hört. Das sind genau die Sachen, die ich liebe".
Hot Chip haben mit "The Warning", was Raffinesse und Klarheit betrifft, einen beachtlichen Sprung nach vorne gemacht. Eine bewusst einfach gehaltene Nummer wie "Colours" wirkt, trotz der kindlich-unschuldigen Naivität, die die Grundidee auszeichnet, letztlich traumhaft und irgendwie tiefsinnig. "Ich wollte Texte schreiben, die ähnlich direkt wie die von Kraftwerk sind. Wir hatten Kraftwerk gerade bei ihrem Aufritt in der Brixton Academy gesehen, und ich war überwältigt davon, wie sie es schafften, mit so wenigen Worten so viel über komplexe Dinge wie Bewegung, Licht oder auch Radioaktivität auszudrücken", erklärt Alexis. Und Joe ergänzt: "Eine Zeit lang wollte ich, dass das Album nach Can oder Neu klingt. Ich wollte, dass die Songs diese wirklich starke, treibende Kraft haben, ohne dabei angestrengt zu wirken. Und ich wollte Keyboard-Sounds, die ähnlich glitzern und ähnlich wunderbar geformt sind, wie die von Kraftwerk. Schlichtheit und Geradlinigkeit, das war unser Ziel."
"The stories you told were awful/I hope that they weren´t just artful/I hope that you will be careful", heißt es im Refrain zu "Careful". Man könnte fast meinen, dass Hot Chip damit sich selbst beschreiben, und dass sich diese Warnung auf ihre eigene Musik bezieht. Alex und Joe ist nicht entgangen, dass die gelegentlich undurchsichtige, dann wieder übertransparente Ehrlichkeit ihrer Texte von manchen als "gekünstelt" empfunden wurde. Sie nutzen diese Erkenntnis zu ihrem eigenen Vorteil, und mit gerade zu perversem Vergnügen. Sie wissen genau, womit sie dich am besten auf die Palme bringen können, und sie tun es. Um dich dann, wenn du dich gerade an ihre Frechheit gewöhnt hast, wieder ganz sanft daherkommen.
Hot Chip sind aber auch eine Live-Band. In der Vergangenheit spielten sie u.a. als Support von LCD SOUNDSYSTEM, MYLO, STEREOLAB und - erst kürzlich - von GOLDFRAPP. Natürlich spielen sie auch eigene Konzerte/Tourneen.
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