Ian Broudie Biographie
Ian Broudie
Das war ein großes Lagerhaus, wo diese Typen, die O’Hallagan Brüder, ein großes Schild angebracht hatten und eine Kühltruhe voller Eis-Skulpturen lagerten.“ Es war ein sehr exzentrischer Ort, aber sehr typisch für Liverpool zu jener Zeit. Im Café des „LSMDAP“ saß Ian eines Tages und klimperte auf seiner Telecaster vor sich hin, als ein groß gewachsener Schotte an ihn heran trat und fragte, ob er es auch einmal versuchen dürfe. Bei dem Bittsteller handelte es sich um den etwa gleichaltrigen Bill Drummond (später KLF), der sogleich begann „ziemlich derb ’My Generation’ zu spielen und dabei zwei Saiten kaputt machte. Ich kann mich gut daran erinnern, dass er ziemlich zerknirscht deswegen war“, erzählt Ian. Kaum zwei Monate später spielten Ian und Bill bereits in einer Band (Big In Japan), zusammen mit Budgie am Schlagzeug (später Drummer der Banshees und der Slits) und Holly Johnson (ja, genau der) am Bass. „Wir supporteten die Buzzcocks im Rafters in Manchester, X-Ray-Spex, Wire. Diese ganzen Bands. Bill war der einzige, der fahren konnte, also war unser Einzugsgebiet auf den Nordwesten Englands beschränkt.“ Ein ganz besonderes Souvenir aus dieser Zeit ist ihre Nennung auf dem legendären FAC 1 Poster, das Peter Saville 1978 für den ersten Factory Abend im Russell Club in Manchester entworfen hatte. Neben Big In Japan zierte das Plakat vom Mai/Juni 1978 u.a. die Bandnamen The Durutti Column, Voltaire'>Cabaret Voltaire und Joy Division.
In Roger Eagles Club „Eric’s“ in Liverpool traten alle wichtigen Bands auf. „Er hatte einen sehr großen Einfluss“, erinnert sich Broudie, „ich jobbte dort ein paar Mal als DJ und half, PAs für die Bands auszuladen, die dort spielten. Roger hatte eine riesige Plattensammlung, Reggae, 60s Scheiben, einfach alles. Es war ziemlich cool, denn ich war ja nur irgend so ein Typ in der Stadt, aber Roger sagte zu mir: ‚Komm her, hier hast du ein paar Alben. Nimm sie mit, hör sie dir an, komm wieder, und ich gebe dir noch mal vier. Dadurch bin ich auf Reggae aufmerksam geworden und viele andere Sachen, wie z.B. die Stooges und die New York Dolls, die ich mir sonst niemals angehört hätte.“ Es war eine ereignisreiche Zeit in Liverpool, Bands wie Echo & The Bunnymen und Teardrop Explodes spielten im ‚Eric’s’ oder hingen dort rum. Die Buzzcocks veröffentlichten ihre „Spiral Scratch EP“ in Eigenregie und Factory Records und Rough Trade fingen gerade an. Die logische Konsequenz war also, ein eigenes Label zu gründen. „Man hatte das Gefühl, dass um uns herum unheimlich viel passiert und so riefen wir das Label ‚Zoo Records’ ins Leben und veröffentlichten die Big-In-Japan-EP ‚From Y To Z’“, erinnert sich Broudie.
Die Band löste sich aus einigen recht ungewöhnlichen Gründen auf, einer davon war, dass Ian klar wurde, dass das Leben auf der Ladefläche eines Kleintransporters nicht das Richtige für ihn sein könne. „Wenn man in einer Band ist, macht man pro Tag gerade mal eine Stunde Musik, während man im Studio oder als Produzent die ganze Zeit Musik machen kann.“
In Liverpool gab es ein Studio namens „Open Eye“, das lediglich über ein Basic Set-Up mit zwei Vierspur-Bandmaschinen verfügte. Es war ein Ort, an dem sich Arbeitslose neue Fähigkeiten aneignen konnten - eine geradezu perfekte Umgebung für Ian. „Ich war derjenige bei Big In Japan, der lernte, das Vierspur zu bedienen und letzten Endes war ich dann auch derjenige, der wusste, wie man Songs aufnimmt.“
„Rescue“ war das erste Stück, dass Broudie für Echo & The Bunnymen produzierte. „Ich stand im Regen an der Bushaltestelle - sie hatten sich gerade einen Kleinbus gekauft und Pete (de Freitas) hatte soeben als Schlagzeuger bei ihnen angefangen. Sie hielten an und fragten, ob sie mich zur Penny Lane mitnehmen sollten. Ich stieg also ein und sie spielten mir einige Sachen vor und ich sagte ‚das ist fantastisch’.“ Schließlich produzierte Ian die beiden Bunnymen-Alben „Crocodiles“ und „Porcupine“. Fragt man ihn heute nach seinem Produktionsstil jener Tage, antwortet er bescheiden wie immer: „Ich hatte nie irgendeinen Plan. Die Bunnymen waren Kumpel, also gab es die Unterscheidung zwischen ‚dem Produzenten’ und ‚der Band’ nicht wirklich. Wir lernten ganz einfach voneinander.“
In den folgenden Jahren produzierte Broudie Alben von unterschiedlichsten Künstlern wie Terry Hall (u.a. das sträflich unterschätzte „Home“-Album), The Bodines (ihr Song “Therese” wurde einer der ersten Songs auf Alan McGees aufkommenden Creation Label, dass auf Platz Eins der Indie-Charts kam), The Fall, Dodgy, The Pale Fountains (das großartige „Across The Kitchen Table“-Album, das u.a. den Klassiker „Jean’s Not Happening“ enthielt).
Und irgendwann gründete Ian die The Lightning Seeds, deren Platten auf dem von Rough Trade finanzierten Ghetto-Label erschienen(u.a. die Heimat von Shack). Der atemberaubenden Wimp-Pop-Hymne „Pure“, die im Sommer 1989 völlig überraschend Platz sechzehn der britischen Single-Charts erreichte, folgte ein Jahr später das Album „Cloudcuckooland“, das – laut Broudie – „spät in der Nacht irgendwo mitten in Kirkby“ aufgenommen wurde. 1992 folgte das Album „Sense“, das u.a. den Airplay-Hit „The Life Of Riley“ enthielt. Der Durchbruch kam schließlich 1994 mit dem dritten Longplayer „Jollification“, das mit „Lucky You“ (mit Terry Hall), „Change“, „Marvellous“ und „Perfect“ nicht nur vier blitzsaubere UK-Top-30 Hits hervorbrachte, sondern auch für einen „Brit Award“ nominiert wurde - in einer Kategorie mit den Britpop-Heavyweights Supergrass, Oasis und Blur. Und dann kam „Three Lions“. Die zusammen mit den „Fantasy Football“-Hosts David Baddiel und Frank Skinner anlässlich der in England stattfindenden Fußball-EM 1996 entstandene Single wurde zum ultimativen Pop/Fußball-Crossover-Hit, der nicht nur (mehrfach) den Weg an die Spitze der internationalen Charts fand, sondern als Fangesang „Football’s coming home“ auch Einzug auf den Stadiontribünen Europas hielt. Es folgten letztlich die beiden Lightning-Seeds-Alben „Dizzy Heights“ (1996) und „Tilt“ (1999).
…und damit wären wir auch schon im Hier und Heute angelangt. In den vergangenen Jahren widmete sich Ian Broudie vorzugsweise jungen, unbekannten Bands aus seiner Heimatstadt, half mit, sie weiter voran zu bringen und produzierte ihre Songs. Dabei kamen u.a. die Alben von The Coral und kürzlich das Debütalbum von The Zutons heraus, das für den „Mercury Award“ nominiert wurde. Es ist also keine große Überraschung, dass Musiker beider Bands an den Aufnahmen zu Ians neuem Studioalbum mit dem Titel „Tales Told“ mitwirkten. Broudie: „Es gab keinen Plan. Ich hatte diese Songs und wann immer die Leute gerade da waren, stießen sie dazu und spielten. Es war, als wenn man eine Platte mit Freunden macht.“
Und „Tales Told” ist genau das: Songs über das Leben und wie man es am besten leben sollte. „Es ist nicht so einfach, die Themen der Lieder präzise zu benennen, denn sie handeln in der Regel nicht nur von einer einzigen Sache. Es gibt viele Elemente, die sich überlappen und irgendwann zufällig zu einer Idee zusammen fließen.“ Wie die meisten von uns ist auch Broudie ein großer Bewunderer rechtschaffenen Songwritings und in jüngster Zeit hörte er viel Johnny Cash und Nick Drake. „Einige Songschreiber haben einfach den Dreh raus, Sachen ganz direkt auszudrücken. Musik ist manchmal übervorsichtig und zynisch und darum wollte ich etwas machen, das sonst keiner macht“, erklärt er.
Das Gespür für den großen Pop-Moment, den die Lightning Seeds verinnerlichten wie kaum eine zweite Band, ist natürlich immer noch vorhanden, aber die Herangehensweise ist weitaus entspannter als früher. Ironischerweise klingt Ian Broudie auf „Tales Told“ nun ‚purer’ als je zuvor…
In Roger Eagles Club „Eric’s“ in Liverpool traten alle wichtigen Bands auf. „Er hatte einen sehr großen Einfluss“, erinnert sich Broudie, „ich jobbte dort ein paar Mal als DJ und half, PAs für die Bands auszuladen, die dort spielten. Roger hatte eine riesige Plattensammlung, Reggae, 60s Scheiben, einfach alles. Es war ziemlich cool, denn ich war ja nur irgend so ein Typ in der Stadt, aber Roger sagte zu mir: ‚Komm her, hier hast du ein paar Alben. Nimm sie mit, hör sie dir an, komm wieder, und ich gebe dir noch mal vier. Dadurch bin ich auf Reggae aufmerksam geworden und viele andere Sachen, wie z.B. die Stooges und die New York Dolls, die ich mir sonst niemals angehört hätte.“ Es war eine ereignisreiche Zeit in Liverpool, Bands wie Echo & The Bunnymen und Teardrop Explodes spielten im ‚Eric’s’ oder hingen dort rum. Die Buzzcocks veröffentlichten ihre „Spiral Scratch EP“ in Eigenregie und Factory Records und Rough Trade fingen gerade an. Die logische Konsequenz war also, ein eigenes Label zu gründen. „Man hatte das Gefühl, dass um uns herum unheimlich viel passiert und so riefen wir das Label ‚Zoo Records’ ins Leben und veröffentlichten die Big-In-Japan-EP ‚From Y To Z’“, erinnert sich Broudie.
Die Band löste sich aus einigen recht ungewöhnlichen Gründen auf, einer davon war, dass Ian klar wurde, dass das Leben auf der Ladefläche eines Kleintransporters nicht das Richtige für ihn sein könne. „Wenn man in einer Band ist, macht man pro Tag gerade mal eine Stunde Musik, während man im Studio oder als Produzent die ganze Zeit Musik machen kann.“
In Liverpool gab es ein Studio namens „Open Eye“, das lediglich über ein Basic Set-Up mit zwei Vierspur-Bandmaschinen verfügte. Es war ein Ort, an dem sich Arbeitslose neue Fähigkeiten aneignen konnten - eine geradezu perfekte Umgebung für Ian. „Ich war derjenige bei Big In Japan, der lernte, das Vierspur zu bedienen und letzten Endes war ich dann auch derjenige, der wusste, wie man Songs aufnimmt.“
„Rescue“ war das erste Stück, dass Broudie für Echo & The Bunnymen produzierte. „Ich stand im Regen an der Bushaltestelle - sie hatten sich gerade einen Kleinbus gekauft und Pete (de Freitas) hatte soeben als Schlagzeuger bei ihnen angefangen. Sie hielten an und fragten, ob sie mich zur Penny Lane mitnehmen sollten. Ich stieg also ein und sie spielten mir einige Sachen vor und ich sagte ‚das ist fantastisch’.“ Schließlich produzierte Ian die beiden Bunnymen-Alben „Crocodiles“ und „Porcupine“. Fragt man ihn heute nach seinem Produktionsstil jener Tage, antwortet er bescheiden wie immer: „Ich hatte nie irgendeinen Plan. Die Bunnymen waren Kumpel, also gab es die Unterscheidung zwischen ‚dem Produzenten’ und ‚der Band’ nicht wirklich. Wir lernten ganz einfach voneinander.“
In den folgenden Jahren produzierte Broudie Alben von unterschiedlichsten Künstlern wie Terry Hall (u.a. das sträflich unterschätzte „Home“-Album), The Bodines (ihr Song “Therese” wurde einer der ersten Songs auf Alan McGees aufkommenden Creation Label, dass auf Platz Eins der Indie-Charts kam), The Fall, Dodgy, The Pale Fountains (das großartige „Across The Kitchen Table“-Album, das u.a. den Klassiker „Jean’s Not Happening“ enthielt).
Und irgendwann gründete Ian die The Lightning Seeds, deren Platten auf dem von Rough Trade finanzierten Ghetto-Label erschienen(u.a. die Heimat von Shack). Der atemberaubenden Wimp-Pop-Hymne „Pure“, die im Sommer 1989 völlig überraschend Platz sechzehn der britischen Single-Charts erreichte, folgte ein Jahr später das Album „Cloudcuckooland“, das – laut Broudie – „spät in der Nacht irgendwo mitten in Kirkby“ aufgenommen wurde. 1992 folgte das Album „Sense“, das u.a. den Airplay-Hit „The Life Of Riley“ enthielt. Der Durchbruch kam schließlich 1994 mit dem dritten Longplayer „Jollification“, das mit „Lucky You“ (mit Terry Hall), „Change“, „Marvellous“ und „Perfect“ nicht nur vier blitzsaubere UK-Top-30 Hits hervorbrachte, sondern auch für einen „Brit Award“ nominiert wurde - in einer Kategorie mit den Britpop-Heavyweights Supergrass, Oasis und Blur. Und dann kam „Three Lions“. Die zusammen mit den „Fantasy Football“-Hosts David Baddiel und Frank Skinner anlässlich der in England stattfindenden Fußball-EM 1996 entstandene Single wurde zum ultimativen Pop/Fußball-Crossover-Hit, der nicht nur (mehrfach) den Weg an die Spitze der internationalen Charts fand, sondern als Fangesang „Football’s coming home“ auch Einzug auf den Stadiontribünen Europas hielt. Es folgten letztlich die beiden Lightning-Seeds-Alben „Dizzy Heights“ (1996) und „Tilt“ (1999).
…und damit wären wir auch schon im Hier und Heute angelangt. In den vergangenen Jahren widmete sich Ian Broudie vorzugsweise jungen, unbekannten Bands aus seiner Heimatstadt, half mit, sie weiter voran zu bringen und produzierte ihre Songs. Dabei kamen u.a. die Alben von The Coral und kürzlich das Debütalbum von The Zutons heraus, das für den „Mercury Award“ nominiert wurde. Es ist also keine große Überraschung, dass Musiker beider Bands an den Aufnahmen zu Ians neuem Studioalbum mit dem Titel „Tales Told“ mitwirkten. Broudie: „Es gab keinen Plan. Ich hatte diese Songs und wann immer die Leute gerade da waren, stießen sie dazu und spielten. Es war, als wenn man eine Platte mit Freunden macht.“
Und „Tales Told” ist genau das: Songs über das Leben und wie man es am besten leben sollte. „Es ist nicht so einfach, die Themen der Lieder präzise zu benennen, denn sie handeln in der Regel nicht nur von einer einzigen Sache. Es gibt viele Elemente, die sich überlappen und irgendwann zufällig zu einer Idee zusammen fließen.“ Wie die meisten von uns ist auch Broudie ein großer Bewunderer rechtschaffenen Songwritings und in jüngster Zeit hörte er viel Johnny Cash und Nick Drake. „Einige Songschreiber haben einfach den Dreh raus, Sachen ganz direkt auszudrücken. Musik ist manchmal übervorsichtig und zynisch und darum wollte ich etwas machen, das sonst keiner macht“, erklärt er.
Das Gespür für den großen Pop-Moment, den die Lightning Seeds verinnerlichten wie kaum eine zweite Band, ist natürlich immer noch vorhanden, aber die Herangehensweise ist weitaus entspannter als früher. Ironischerweise klingt Ian Broudie auf „Tales Told“ nun ‚purer’ als je zuvor…
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