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Interpol Biographie

Interpol

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1998: Interpol wird ins Leben gerufen. Nach diversen Änderungen nimmt das endgültige Line-up konkrete Formen an: Paul Banks singt und spielt Gitarre, Daniel Kessler spielt ebenfalls Gitarre, Carlos D. übernimmt den Bass und Sam Fogarino die Drums.

2002: Veröffentlichung des Debütalbums TURN ON THE BRIGHT LIGHTS, von Presse und Öffentlichkeit gleichermaßen begeistert aufgenommen. Die Band tourt weltweit und lässt ihre bittersüßen Noten hier und dort erklingen. Unterwegs treffen die Musiker in den Vereinigten Staaten auf Jay Leno und David Letterman und treten in diversen Fernsehshows auf. In England kreuzen sich ihre Pfade mit John Peel und in Frankreich mit Bernard Lenoir. Zwischendurch finden sie sogar Zeit, ein paar EPs herauszubringen. Titel von TURN ON THE BRIGHT LIGHTS sind in diversen kultigen Fernsehserien zu hören, darunter Friends, Six Feet Under - Gestorben wird immer und The O.C. Die Zahlen sprechen für sich: Bis heute haben Interpol über 400.000 Exemplare ihres Erstlings verkauft - ein deutlicher Hinweis auf die Dinge, die noch kommen sollten, eine erste Ahnung, die zur Realität wurde.

2004: Die Jahre ziehen ins Land, und Interpol zeigen sich weiterhin in brillanter Form. Die Gitarrenmusik tritt aus ihrem Schattendasein hervor, Rock ist wieder einmal angesagt. Neu entdeckt und überarbeitet, singt die aktuelle Rockmusik vom täglichen Leben und sentimentalen Gedankengängen, kleidet sich trendgemäß und infiltriert Bereiche, in denen ihre Stimme nie zuvor vernommen worden ist. Wie bei allen "New Wave"-Bewegungen schwimmen auch hier zahlreiche Interpreten auf einer Erfolg versprechenden Welle mit - Anhänger einer Notstalgie, die manchmal nicht unbedingt angemessen erscheint.

Was Interpol angeht, so könnte ihnen der Medienrummel kaum gleichgültiger sein. Die einzigartigen und ambitionierten Melodien dieser Musiker machen sich nicht vom explosiven Blitzlichtgewitter abhängig und haben mehr verdient als die fünfzehn Minuten Ruhm, die Andy Warhol einst jedem von uns prophezeite. Interpol schreiben und komponieren ihre Songs fern ab von realitätsbelasteten Kalkulationen, arbeiten mit tief empfundenen Emotionen und wechseln zwischen einleitenden Frequenzen und erleuchtenden Inspirationen, reisen auf geheimnisvollen Pfaden ins Herz der Megalopolis.
Gekleidet in Anzügen aus einer anderen Ära, unterstreicht der persönliche Stil dieser Band ihren Zusammenhalt und ihre Einigkeit. Interpols Outfits spiegeln ihre Musik, eine Kombination aus Nüchternheit und Eleganz, Klasse und Anspruch. Ihr Look verbirgt keinerlei Makel, er unterstreicht ganz einfach die Distanz zur breiten Masse.

Bleiben wir im Jahr 2004: ANTICS, Interpols zweites Studioprodukt, besteht aus zehn Titeln und bestätigt, dass diese Combo beileibe kein Strohfeuer ist. Au contraire. Die Temperatur hat sich eher noch um ein paar Grad gesteigert, und ihre Musik ist brandheiß. ANTICS beginnt mit einem beinahe religiös anmutenden Intro, einschließlich nachdenklich stimmender Keyboards, nimmt den geneigten Hörer bei der Hand, um ihn noch höhere Höhen erklimmen zu lassen.
Dieses Album ist ein ernstes und viel versprechendes Werk. Atemberaubend schön das erste Stück "Next Exit", das Geschenk eines Engels - eines gefallenen vielleicht. Getragen von traurigen, majestätischen Instrumenten, durchwandern die Vocals auf eingängige und zugleich bemerkenswerte Weise die Korridore des Zweifels. Atemberaubend schön, wie gesagt, doch Tränen der Ergriffenheit sollte man sich sparen. Es folgt "Evil", ein düsterer Hit, zum Leben erweckt durch einen Post-Punk-Bass, einen berauschenden Refrain, eine Metronom gesteuerte Gitarre und schwere Rhythmen; ein intelligentes, erschreckendes, über jeden Zweifel erhabenes - und vor allem tröstliches - Stück. Interpol lassen die simplizistische Gimmicks-und-leere-Phrasen-Attitüde gewisser Kollegen außen vor, bevorzugen stattdessen einen intimeren Stil, der meilenweit von sämtlichen Klischees entfernt ist. Und an diesem Stil wollen wir uns erfreuen.

Die Musik der vier New Yorker beschwört vor allem Bilder herauf - das Markenzeichen einer jeden großen Band. Interpols cinematographische Herangehensweise an ihre Musik birgt das Versprechen tief greifender Gedankengänge. Als Fans sowohl von Jean Pierre Melville wie von Hal Hartley waren sich Interpol immer der Bedeutung der freien Interpretation bewusst. Und so spricht ihre Musik jeden an. Sie kann benutzt werden, um frische Wunden zu heilen oder alte zu öffnen, um die Ewigkeit für einen flüchtigen Augenblick festzuhalten. Schließt die Augen, lasst das Album sich entfalten und sucht euch aus, welcher Song am besten als Soundtrack zur eigenen Existenz passt.

Interpol kombinieren diverse musikalische Referenzen - niemals mit dem Ziel, wie diese Vorbilder zu klingen, sondern vielmehr, um neue Welten aufzubauen und diese Referenzen als Bausteine zu nutzen. Interpol kennen sich aus in der Musik - daran kann kein Zweifel bestehen - und erinnern sich an jene, die vor ihnen kamen. Tribut zu zollen ist jedoch nicht ihr Ding. Ihr Ziel ist ganz eindeutig, ihr eigene, einzigartige VISION umzusetzen. Denn Interpol haben offensichtlich und unüberhörbar eine Vision. Der Wille zu "sein" steht über dem Willen zu "haben". Sie wollen fühlen, bevor sie Gefühle mitteilen; Gefühle ausdrücken, bevor sie ihre Waffen strecken. Interpol bemühen sich, Songs zu schreiben, die vorsichtig mit dem Leben anderer Menschen interagieren, und nehmen so die Vergangenheit an.

Aufgenommen und abgemischt in Connecticut in Kollaboration mit Peter Katis, der auch am ersten Interpol-Release beteiligt war, ist ANTICS eine Art Übergangsalbum - ein schwieriger Schritt für jede Band. Weitaus mehr als ein Rock- oder Pop-Opus, überzeugt ANTICS als eine wichtige Leistung, als Album, das es wagt, ehrlich, großzügig und ernsthaft zugleich zu sein. Nichts bleibt verborgen, und Millionen neuer Türen werden aufgestoßen -hinter denen sich Millionen von Geheimnissen offenbaren ... Hört Interpol und bildet euch eure eigene Meinung!
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