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Jackie Allen Biographie

Jackie Allen

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Als Jackie Allen 1994 ihr Debütalbum "Never Let Me Go" veröffentlichte, war es für eine Sängerin, deren Wurzeln im Jazz liegen, ziemlich ungewöhnlich, sich in einem anderen Genre zu versuchen. Sie ließ sich jedoch nicht davon abhalten, den Gemeinsamkeiten zwischen der Welt des Pop und jener des Jazz nachzuspüren. Zwölf Jahre später legt Jackie Allen mit "Tangled" ihr Blue-Note-Debüt und insgesamt achtes Album vor. Noch immer erkundet sie Klanglandschaften, die sowohl der Improvisation als auch zeitgenössischen Klassikern Tribut zollen und setzt ihnen kongeniale Eigenkompositionen daneben. Bei Blue Note reiht Allen sich in eine Phalanx von wegweisenden Gesangskünstlerinnen wie Cassandra Wilson, Norah Jones, Patricia Barber und Dianne Reeves ein, die sowohl Freunde des Jazz als auch des Erwachsenenpop ansprechen.

"Mein Musikgeschmack ist heute eigentlich noch so wie damals, als ich anfing, Platten zu machen", erinnert sich Allen, die in Indiana lebt, aber einen engen Bezug zu Chicago hat. "Allerdings war ich damals nicht ganz so abenteuerlustig wie heute."

Christopher Loudon bemerkte in JazzTimes über ihre letzten beiden Alben "The Men In My Life" (2003) und "Love Is Blue" (2004), beide bei dem nicht länger existierenden Label A440 erschienen, das inzwischen von Blue Note übernommen wurde: "Was Hybride anbetrifft, so ist Allen eine Rarität. Ihre Wurzeln sind eindeutig im Folk-Rock ... aber sie sind mit einem scharfen Gespür für den Jazz versehen." "Love Is Blue", das von Frank-Sinatra-Stücken bis zu einer Annie-Lennox-Nummer reicht, findet er schlichtweg "blendend".

Auch auf den zwölf Stücken von "Tangled" präsentiert Allen expressive Kraft und anrührende Verlockung, haucht den Songs mit ihrer Stimme Seele ein. "Ich habe mich nicht sehr weit von meinen früheren Alben entfernt, aber ich entwickele mich, komme voran. Meine Musik bewegt sich in viele verschiedene Richtungen, vom jazzigen hin zu subtileren Stücken, die sich der dunkleren Seite der Liebe annehmen", erklärt Allen. Was das Thema der neuen CD anbetrifft, so ist der Titel "Tangled", verwickelt, wörtlich zu nehmen. "Ich singe gern über die Vielschichtigkeit einer Beziehung, die Verwicklungen. Das ist der Klebstoff, der diese Songsammlung zusammenhält, der Schirm, der über alle Stücke gespannt ist."

Produziert von dem in Chicago ansässigen Bandleader, Bassisten und Komponisten Eric Hochberg, der auch schon für "The Men In My Life" verantwortlich zeichnete, spielte Allen das Album mit ihrer Kernband ein: den Keyboardern Laurence Hobgood und Ben Lewis, dem Gitarristen John Moulder (dessen vielstimmige sechs-saitige Parts die Arrangements hervorheben), dem Bassisten Hans Sturm (mit dem Allen verheiratet ist) sowie dem Drummer Dane Richeson. Die Band hat zwei Eigenkompositionen beigesteuert: das leidenschaftliche, rockige "Coal Grey Eyes" (Moulder/Sturm) und das zu Herzen gehende "Hot Stone Soup" (Sturm). Allen selbst hat, in Zusammenarbeit mit der Dichterin Oryna Schiffman, drei Songs eingebracht: das Titelstück, "If I Had" und "Slip".

Zu den Old-School-Standards zählen zwei Songs von Rodgers und Hart ("You're Nearer" sowie "Everything I Got Belongs To You"), "Solitary Moon" von Johnny Mandel, und "You'll Never Learn" von Michael Dees. Diese werden durch eher pop-orientierte Nummern wie Van Morrisons "When Will I Ever Learn", Donald Fagens "Do Wrong Shoes" und Randy Newmans "Living Without You" aufgewogen.

Die Auswahl der Songs, berichtet Allen, wurde von ihr, der Band und Blue Note gemeinsam getroffent, die Arrangements schrieben größtenteils sie und ihre Band. "Tangled" eröffnet mit dem bewegenden Morrison-Stück, das durch ein chorales Vokalarrangement einen Hauch von Gospel verliehen bekommt. "Dieses Stück hat, harmonisch gesehen, mehr Tiefe als einige andere Stücke von Van, die wir in Betracht gezogen hatten", so Allen. Den Abschluss bildet eine besinnliche Version des Newman-Stücks, von Allen in eine wunderschöne Ballade verwandelt. Allen erinnert sich: "Es wurde ganz anders, als wir erwartet hatten. Durch das Arrangement hat es nun einen leichten Country-Touch." Das Stück von Fagen, bislang unveröffentlicht, wurde übermütig mit frechen Bläsersätzen frisiert: "Wir hörten ein Demo, wo Donald es am Klavier spielt, und beschlossen, dem ganzen etwas Swing zu verpassen. Unsere Version gefällt ihm", strahlt Allen und Fagen fügt hinzu: "Im Vergleich zu allen anderen Sängerinnen von heute schätze ich Jackie Allen sehr hoch ein. Sie fängt die Harmonien der Stücke perfekt ein und sie hat das richtige Gefühl für das Timing. Ihre Phrasierung ist sicher, mit einer einzigartigen Zärtlichkeit. Es ist ganz außergewöhnlich, wie sie es versteht, Gefühle zu transportieren."

Die zwei Songs von Rodgers und Hart wurden aus zwei unterschiedlichen Gründen ausgewählt. "You're Nearer", von Allen zauberhaft wiedergegeben und von Hobgood arrangiert, kannte sie von einem frühen Tony-Bennett-Album, wohingegen das schnellere "Everything I Got Belongs To You", das die ehemalige Blue-Note-Künstlerin Holly Cole bereits gecovert hatte, mit seinem schwarzen Humor ein feuriger Abstecher in die Welt des Funk ist. "Solitary Moon" von Mandel hingegen, dessen zärtlich ruhige Stimmung perfekt durch Hobgoods Solo und Allens verträumten, wortlosen Gesang betont wird, war schon einmal von Shirley Horn veröffentlicht worden, die Allen heiß verehrt.

"You'll Never Learn", eindeutig das üppigste der zwölf Stücke, hatte Allen in einer berauschenden Swingversion gehört, in der Art, wie Sinatra gegen Ende seiner Karriere sang. "Als ich das ins Studio brachte, haben alle mich geneckt und für verrückt erklärt", lacht Allen. "Aber ich wusste, dieser Song hat irgend etwas. Also habe ich die Phrasierung geändert und eine dunklere Latin-Atmosphäre heraufbeschworen, und gegen Ende der Aufnahmen haben wir uns dann dieses Stück vorgenommen. Blue Note war begeistert."

Die drei bemerkenswerten Eigenkompositionen von Allen entstanden in Zusammenarbeit mit Schiffmann, während die beiden gleichaltrigen Söhne bei den Aufnahmen miteinander spielten. "Oryna gab mir einen ganzen Schwung ihrer Textideen und sagte, ich könne sie auseinander pflücken, wie ich wolle. Mit meinem Jazzhintergrund kann ich gut Melodien improvisieren, also arbeiteten wir dann daran, ihre Texte und meine Musik zusammenzufügen." Das Ergebnis sind die Songs "If I Had", mit brasilianischem Groove, der ergreifende Blues "Tangled" ("Es geht darum, den Missgeschicken mit Humor zu trotzen", so Allen) sowie die aufregende und quirlige Uptempo-Nummer "Slip".

Das musikalisch breit gefächerte Album "Tangled" ist in Jazz getränkt und mit Pop aufgeladen und gerade darum ganz im Einklang mit Allens musikalischem Lebensstil. Als Kind hörte sie die Rockmusik ihrer älteren Geschwister (alles von den Beatles bis zu Emerson, Lake and Palmer), fand Gefallen an der Popmusik eines Elton John oder Joel'>Billy Joel und war durch ihren Vater, einen Dixieland-Musiker, mit Jazz vetraut. Allen trat mit der Keyboard-Größe Mel Rhyne auf und studierte bei dem renommierten Jazz-Bassisten Richard Davis, von dem sie sowohl die Standards lernte, als auch in die Kunst der Improvisation eingeführt wurde. Sie selbst bemüht sich darum, ihr Wissen weiterzugeben und unterrichtet den Nachwuchs an der Roosevelt University in Chicago; zuvor hatte sie bereits am Wisconsin Conservatory in Milwaukee, am Elmhurst College und der Old Town School von Chicago gelehrt.

"In meinem Leben haben sich die Elemente des Jazz und des Pop stets vermischt", sagt Allen. "Sie wirbeln alle in meinem Kopf herum." 1994, als Allen ihre Reise in die Welt der Albumaufnahmen begann, war die Aussicht auf einen mit Pop verzierten Jazz eher bewölkt. Heute jedoch hat das Klima sich geändert. "Tangled" ist purer, strahlender Sonnenschein.
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