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Lucinda Williams Biographie

Lucinda Williams

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"Ich bin wirklich ganz aufgeregt, weil diese Platte anders ist als alles, was ich bisher gemacht habe", sagt Lucinda Williams über "World Without Tears", ihr sehnsüchtig erwartetes neues Album. OK, das behaupten viele, wenn sie gerade aus dem Studio kommen. Aber in diesem Fall stimmt es sogar, wie auch die folgende Ausführung der mehrfachen Grammy-Gewinnerin: "Ich denke, das Album offenbart eine natürliche Weiterentwicklung. Und es sind einige Up-Tempo-Songs drauf, ich denke, es war an der Zeit für mich, so etwas aufzunehmen."


Ob man nun schon über Jahre ein Fan von Lucinda Williams ist oder ihre Musik gerade erst entdeckt: "World Without Tears" fordert allein schon deshalb Aufmerksamkeit, weil das Album jegliche Kategorisierung links liegen lässt. Blues, Folk, Country und Rock finden hier zusammen auf der Basis tief poetischer Texte, die durchs volle Spektrum der menschlichen Erfahrung schneiden und der Gefühle, die damit einhergehen. Verlust, Verrat, Wut, der Schmerz gebrochener Herzen, aber auch Begehren, Heiterkeit, Erlösung.


Unverstellte Emotionen haben die Karriere des ältesten Kindes des bekannten Dichters Miller Williams vom Start weg charakterisiert. Lucinda Williams nahm zwei Platten für Smithsonian/Folkways auf, bevor sie 1988 mit ihrem selbstbetitelten Debüt auf Rough Trade endgültig das Interesse vieler Kollegen und der Musikindustrie wecken konnte. Zumal als Songschreiberin: Es sollte nicht lange dauern, da waren Patty Loveless und Mary-Chapin Carpenter mit ihren Versionen der Williams-Songs "The Night’s Too Long" bzw. "Passionate Kisses" in die Spitze der Country-Charts marschiert. Das Carpenter-Cover bescherte Williams 1992 zudem ihren ersten Grammy.


Noch im selben Jahr veröffentlichte Lucinda Williams das Album "Sweet Old World", dessen Titelsong später auch von Emmylou Harris auf "Wrecking Ball" interpretiert wurde. Der aufkeimenden Americana-Szene gab Williams so einen wichtigen Impuls, doch um sich als verlässliche Größe zu etablieren, fehlte vorerst die Kontinuität. Erst sechs Jahre später konnte sie in eine neue und diesmal anhaltende Phase der Produktivität eintauchen. Das imposante Comeback "Car Wheels On A Gravel Road" brachte 1998 einhelliges Kritikerlob, einen Platz auf vielen Jahres-"Best Of"-Listen und den zweiten Grammy. Bereits zwei Jahre später folgte "Essence", eine ganz zurückgelehnte, sinnliche Song-Affäre, welche das US-Magazin "Time" dazu brachte, Lucinda Williams als "America’s Best Songwriter" auf den Schild zu heben. Und mit dem Song "Get Right With God" erneut einen Grammy gewann.


Und nun also "World Without Tears", ein Album, das keine Grenzen zu kennen scheint. "Jeder Song hat einen anderen Geschmack und reflektiert einige meiner Einflüsse", sagt Lucinda Williams. Das Resultat ist ein cooler, aber nie bloß abgebrühter Stilmix. Das R’n’B-geprägte "Righteously" etwa kommt rauh und sexy daher, mit einem gleißenden Gitarren-Lick, das ein bisschen an Jimi Hendrix und sein "Third Stone From The Sun" erinnert. "Atonement" ist ZZ Top-meets-Howlin‘ Wolf, ein bedrohlich brütender Swamp-Blues gegen selbstgerechte Bibelschwinger. "Sweet Side" verrät, dass auch Lucinda Williams den einen oder anderen Dylan-Song intus hat, und der scharfe Aufreißer "Real Live Bleeding Fingers And Broken Guitar Strings" wäre problemlos auch auf dem Stones-Klassiker "Exile On Main Street" untergekommen. Daneben stehen gewohnt grazile Balladen wie "Ventura" und "Over Time". Einer der aufschlussreichsten Songs auf "World Without Tears" ist allerdings das mürrische, Doors-beeinflusste "American Dream", eine frösteln machende Erzählung aus der Ich-Perspektive. "Auch wenn wir in einem großartigen Land leben und viele Vorteile genießen, gibt es doch auch Probleme. Und über die können wir nicht einfach hinweggehen", erklärt Lucinda Williams diesen Song.


Als Produzenten für "World Without Tears" engagierte die 50-jährige Künstlerin Mark Howard, der auch schon mit u.a. Bob Dylan ("Time Out Of Mind") und U2 ("All That You Can’t Leave Behind") im Studio war. Wie andere Künstler auch konnte er Lucinda Williams davon überzeugen, dass ein Live-Ansatz den Songs noch mehr Wärme und Intimität geben kann. "Alles war so spontan und emotional", rekapituliert Williams die Sessions in Silverlake, Kalifornien. "Es war großartig. Wir nahmen das Album in dieser riesigen Villa aus den 1920er-Jahren mitten in Los Angeles auf, und zwar so, wie eine Live-Band aufnehmen würde." Zu dieser aktuellen, eingespielten Williams-Band zählen Doug Pettibone (Gitarren), Jim Christie (Schlagzeug, Percussion, Keyboards) und Taras Prodaniuk (Bass).


Einer dieser spontanen Momente, die Lucinda Williams besonders in Erinnerung geblieben sind, bezieht sich auf den weltmüde reflektierenden Titelsong des Albums. "Ich zeigte ihn der Band nur einmal, und bevor wir groß darüber nachdenken konnten, saßen wir auch schon zusammen und spielten", erinnert sie sich. "Es war wirklich magisch. Diese Songs sind wirklich "The Fruits Of My Labor", wie einer der Songs heißt. Das Album zeigt einfach all‘ die verschiedenen musikalischen Einflüsse, die in mein Leben getreten sind. Aber nichts davon geschah bewusst, es passierte einfach so."

Aber genau das ist es ja, was "World Without Tears" auszeichnet und eine echte Künstlerin ausmacht: Aus verschiedenen Quellen zu schöpfen und dann etwas komplett Eigenständiges daraus zu machen. Lucinda Williams hat dieses Ethos, diesen Geist definitiv eingefangen – wieder mal.
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