Du bist hier: Musik-Base » Bands » Interpreten mit M » Madrugada » Biographie

Madrugada Biographie

Madrugada

Madrugada_medium
Fragt man die Mitglieder von Madrugada, warum ihr Album den Titel 'The Deep End' trägt, hat jeder der Musiker eine andere Antwort parat. "Es geht um das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, dieses sinkende Gefühl, das tiefe Ende des Swimmingpools", erklärt der enigmatische Sänger Sivert Høyem. "Klingt irgendwie klassisch", findet Gitarrist Robert Buraas. "Wenn man den Titel hört, gehen einem die unterschiedlichsten Assoziationen durch den Kopf. Er funktioniert auf vielen verschiedenen Ebenen", meint Bassist Frode Jacobsen. "Im Leben gelangt man irgendwann an den Punkt, an dem man schwimmen lernen muss."

Madrugada sind schon weiter als die meisten anderen Acts geschwommen, und zwar sowohl im wörtlichen wie im metaphorischen Sinn. Gegründet im Jahr 1995, ist das Trio seither auf internationaler Ebene mit Siebenmeilenschritten voranmarschiert, hat weltweit über 400.000 Exemplare von seinen ersten drei Alben verkauft, Europa, England und die USA bereist und mit seiner unwiderstehlichen Single Majesty einen Hit gelandet. Jetzt erscheint The Deep End, ein ambitionierter Longplayer, der in Los Angeles über zwei Monate in Zusammenarbeit mit dem bekannten Produzenten George Drakoulias (Tom Petty, The Black Crowes, The Jayhawks, Ride, Primal Scream) und Mixer/Engineer Dave Bianco (U2, Throwing Muses, Johnny Cash, Mick Jagger) aufgenommen wurde.

Jacobsen für seinen Teil fühlte sich wie ein kleiner Junge im Spielzeugladen. "Wir arbeiteten in den Sound City-Studios, wo schon viele brillante Alben wie Nirvanas Nevermind entstanden sind. Es ist Dave Grohls Lieblingsstudio für Drumaufnahmen. George brachte zwanzig E-Gitarren, acht verschiedene Bässe und riesige alte Verstärker aus den Fifties mit", begeistert er sich. "Wir hatten die Möglichkeit, all diese verschiedenen Sounds auszuprobieren. Er ist ein sehr gründlicher Produzent, zumal er selbst Musik macht. Er und David sind ein wirklich gutes Team, das bereits auf Primal Screams Give Out But Don't Give Up kollaboriert hat." Tatsächlich wandert Subterranean, einer der bahnbrechendsten Tracks auf Madrugadas neuem Album, plötzlich von Burås' klimpernder Gitarre in Bereiche, die Høyem als "Soul Swagger" bezeichnet. "Subterranean gehört zu den Songs, die George und Dave am deutlichsten beeinflusst haben." Die drei sind sich einig: "Subterranean weist eindeutige Anklänge an den Manchester-Groove auf. Stones Roses, Happy Mondays. Eine coole Story über eine schlechte Party in Oslo."

Obwohl das provinziell-theatralische Hard To Come Back von Drogen- und Alkoholmissbrauch erzählt, haben Madrugada längst ein hedonistisches Album vorgelegt - namentlich Grit aus dem Jahr 2002. "Ich liebe Grit, es klingt ziemlich schmutzig", meint Burås, der jeden einzelnen Keith Richards-Lick verinnerlicht hat, Bo Diddley liebt und in letzter Zeit viel Max Romeo gehört hat. "Aber das Beste, was Madrugada je passiert ist, war die Zusammenarbeit mit einem richtigen Produzenten. Musikalisch spielt sich so viel zwischen uns dreien ab, dass wir wirklich einen Produzenten brauchen, der das Wesentliche in den Vordergrund stellt. Es ist ziemlich unglaublich, dass wir in einer Band spielen, obwohl wir so unterschiedliche Vorlieben haben."

In jedem anderen Land der Welt wären Høyem, Burås und Jacobsen - seines Zeichens erklärter Suicide- und Velvet Underground-Fan - in verschiedenen Gruppen gelandet, doch Norwegens geographischen Gegebenheiten haben sie zusammengeführt. Vor über zehn Jahren begannen sie, in Stokmarknes im Norden des Landes Rolling Stones- und Iggy Pop-Cover zu spielen. Während nach wie vor die stelzende, zähnefletschende Attitüde ihrer frühen Einflüsse durchscheint, haben Madrugada sich schnell zu einer Liveband entwickelt, die es problemlos mit klassischen Künstlern wie Joy Division oder Birthday Party aufnehmen kann (man höre nur das konvulsivische Ramona auf The Deep End). 1999 unterschrieb das Trio bei Virgin Records, wo sein von durchweg positiven Kritiken begrüßtes Debüt Industrial Science europaweit veröffentlicht wurde. "Damals schafften es kaum Bands aus Norwegen außerhalb des Landes, wir hatten also großes Glück", erinnert sich Høyem. "Wir waren sehr ehrgeizig. Bevor wir irgendetwas über die Musikindustrie wussten, waren wir felsenfest davon überzeugt, dass wir Millionen von Alben verkaufen würden. Gut genug waren wir, daran bestand für uns kein Zweifel."

Madrugada ebneten den Weg für die elektronische Musik von Röyksopp und das Akustikduo Kings of Convenience. Sie selbst klingen deutlich rockiger, obwohl sie gewisse melancholische Tendenzen, wie sie die meisten norwegischen Acts aufweisen, nicht verleugnen können. "Das hat wohl damit zu tun, dass wir aus Skandinavien kommen. Die meisten Menschen hier sind sehr steif und introvertiert. In Norwegen ist es im Winter sehr dunkel, deshalb erscheint mir das nur logisch. Diese Finsternis und Düsterkeit spiegelt sich auch in den Bildern von Munch. Es muss etwas mit der Musik zu tun haben, die wir spielen. Das ist keine Effekthascherei. Wir genießen diese düsteren, atmosphärischen, unruhigen Stimmungen", verkündet der Sänger. "Deshalb war es sehr ungewohnt für uns, in Los Angeles zu sein, obwohl die Stadt für mich letztendlich sowohl der düsterste wie der hellste Ort der Welt ist. Dort gibt es so viel Talent und Ehrgeiz, so viele Träume. Ein sehr mystischer Ort. Und vieles, was wir lieben, kommt von dort: Die Doors, die Byrds, Charles Bukowski. Eine tolle Stadt für alle möglichen Arten von Kunst; nicht zu vergessen die Filme von David Lynch."

Passenderweise haben Madrugada, deren brütende Musik den Soundtrack zu einem noch nicht gedrehten Lynch-Film abgeben könnte, gemeinsam mit Angelo Badalamenti, dem bevorzugten Komponisten des Regisseurs, an dem atemberaubend schönen Hold On To You gearbeitet. "Das war fantastisch, weil er für uns so etwas wie der Heilige Gral der Filmmusik ist. Der Twin Peaks-Soundtrack ist unglaublich, und als wir in LA aufnahmen, fuhren wir den Mulholland Drive entlang. Alles passte perfekt zusammen", schwärmt Høyem, dessen croonender Gesang eines Scott Walker würdig wäre, während Buraas bei den Aufnahmen von Hold On To You das Griffbrett wie The Edge von U2 entlang glitt.

Das kapriziöse The Lost Gospel ist eine weitere stimmungsvolle, sehnsüchtige Ballade - "ein Liebesgedicht, als Gospel- und Countrysong getarnt", findet Høyem -, die unverkennbar von Drakoulias' Fähigkeiten profitiert. Tatsächlich könnte das Stück leicht dem Erfolg von Majesty das Wasser reichen - oder ihn gar noch übertreffen. Jacobsen wundert sich immer noch, dass dieser Track in den letzten zwei Jahren so häufig im Radio gespielt wurde. "Wir waren überrascht. Majesty war die zweite Singleauskoppelung von Grit, und wir hielten den Song ursprünglich für alternativer als er eigentlich ist. Majesty hat es als erstes unserer Stücke in den Mainstream geschafft, speziell in Norwegen. Dort war es ein riesiger Hit", freut sich der Bassist. Dank des beständigen Airplays auf Xfm und den BBC-Sendern Radio One und 6 Music bescherte Majesty Madrugada obendrein einen verspäteten Durchbruch im Vereinigten Königreich, und auch bei den letztjährigen Festivals in Reading und Leeds wurde die Band überschwänglich gefeiert.

Was das eigenwillige Albumcover von The Deep End angeht, so wurden Madrugada bei der Agentin und Filmproduzentin/Fotografin Gay Ribisi fündig. "Sie ist die Mutter der Schauspieler Marissa und Giovanni Ribisi, und außerdem Becks Schwiegermutter", verrät Burås. "Im Dezember gingen wir in Beverly Hills zur Eröffnung ihrer Ausstellung Wet! A Series of Underwater Photographs, wo wir ein Bild mit dem richtigen Vibe fanden, der zu The Deep End passt."

Madrugada sind bereit, sich in die Fluten zu stürzen und es mit der ganzen Welt aufzunehmen; wobei sie übrigens keinen allzu großen Druck zu verspüren scheinen. "Wir sind sehr stolz auf dieses Album und nähern uns endlich dem Kern dessen, was wir schon immer machen wollten. Auf Grit haben wir viel experimentiert, The Nightly Disease war sehr düster, und dieses Album vereinigt die besten Elemente beider Welten. Es wäre wohl kaum sinnvoll, weiter Musik zu machen, wenn wir uns dabei nicht weiterentwickeln würden", meint Jacobsen. "Wir wollten eine sauberere Produktion und versuchten, die Overdubs auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei ging es uns in erster Linie um die Performance. An den Songs hatten wir schon lange vor den Aufnahmen gearbeitet und dem Songwriting viel Zeit gewidmet, also waren wir gut vorbereitet, als wir schließlich ins Studio gingen, und hatten die meisten Songs schon live ausprobiert. Was uns in dieser Band verbindet, ist unsere Liebe zum Blues. Slow Builder spielt mit dieser Struktur. Das ist ein Song, mit dem wir live viel Spaß haben."

Laut Høyem ist Slow Builder "eine psychedelische Ballade, durchdrungen vom Geist Janis Joplins. Slow Builder hat sich weit über diese kleine Jamsession, mit der es seinen Anfang nahm, hinausentwickelt und geht ein eine Art Robert Johnson-Blues über. Songs sollten von sich aus unvergesslich sein, ansonsten erzwingt man etwas, und damit tut man einem Stück letztendlich wahrscheinlich keinen Gefallen", räumt er ein. "Elektro Vakuum ist ein Bewusstseinsstrom, irgendwie zerrissen, durch den ich mich hindurchgearbeitet habe, bis ich endlich das Gefühl hatte, dass er mehr Aussagekraft hatte. Ich fand es sehr wichtig, dass der Text nicht zu komplex war, dass das Publikum ihn tatsächlich verstehen können. Man sollte versuchen, niemanden auszuschließen. Jeder Song sollte eine Aussage haben, mit der unsere Hörer etwas anfangen können."

In der Tat hat The Kids Are On High Street, Eröffnungstrack und Singleauskoppelung mit Anklängen an REM und Bruce Springsteen, bereits Kontakt zu Madrugadas Publikum aufgenommen und ist auf begeisterte Reaktionen gestoßen. "The Kids Are On High Street hat viel Wärme, handelt hauptsächlich von Freundschaften, Erwachsenwerden, davon, sein Leben zu finden. Es ist sehr wichtig, gut zu Menschen zu sein. Und anderen Menschen zu erlauben, gut zu dir zu sein. Running Out Of Time ist einer der Ecksteine des Albums; es ist uns gelungen, diese Art von monumentalem, finsteren Blues einzufangen, der uns so gut gefällt und live funktioniert. Wir lieben die Musik von Howlin' Wolf und Dr. John", sagt der Sänger und Texter, der sich enthusiastisch über jeden Song auf dem Album äußert. "Es ist eine sehr vielseitige Platte mit vielen verschiedenen Elementen. Stories From The Streets zum Beispiel hat Flamenco-Komponenten, erinnert an Zigeunermusik, und das passt. Wir haben einen spanischen Namen, folglich sollten wir uns auch bemühen, seiner würdig zu sein."

In diesem Punkt braucht er sich wohl keine Sorgen zu machen. Mit The Deep End haben Madrugada einmal mehr bewiesen, dass sie Licht und Schatten beherrschen wie keine andere Band. Die Stunde vor Sonnenaufgang ist ihnen für alle Zeiten sicher...
Diese Seite speichern bei:   Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  

Mehr Informationen zu Madrugada



0 Kommentare zu Madrugada Biographie

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. :(