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Marillion Biographie

Marillion

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Marillion und ihre Fans - das ist eine ganz besondere Beziehung. 1997, als der Band am Tiefpunkt ihrer fast zwanzigjährigen Karriere das Geld für eine Amerika-Tour fehlte, starteten Fans spontan im Internet einen Spenden-Aufruf, bei dem rund 60.000 $ zusammenkamen. Die Tournee konnte stattfinden und Marillion bedankten sich mit einer speziellen CD-Edition, die auf den Konzerten verteilt wurde.

Auch bei der Produktion des neuen Marillion-Albums "Anoraknophobia" spielten die Fans eine entscheidende Rolle. Um uneingeschränkt die künstlerische und rechtliche Kontrolle über ihre Musik behalten zu können, beschritt die Band neue Wege der Produktionsfinanzierung. Auf der Homepage, www.Marillion.com, bot das Quintett seinen Anhängern die Möglichkeit, das neue Album bereits zwölf Monate vor Erscheinen zu kaufen. Ohne einen einzigen Ton gehört zu haben, machten mehr als 12.000 Fans von der ungewohnten Offerte Gebrauch.

Jetzt, ein Jahr später, halten die Vorbesteller das neue Marillion Opus mit persönlicher Danksagung als erste in den Händen. Und auch der Rest der Welt kann nun problemlos die Band aus dem englischen Aylesbury wieder entdecken. Denn EMI hat "Anoraknophobia" lizenziert und die Vermarktung und den Vertrieb übernommen. Dank Internet und Fan-Support schlagen Marillion nun dort ein neues Kapitel ihrer Karriere auf, wo sie Anfang der 80er Jahre ihre ersten Platten veröffentlichten und 1985 mit dem Konzeptalbum "Misplaced Childhood" und den Hitsingles "Kayleigh" und "Lavender" ihre bis dato größten Erfolge feierten.

1982 hatte EMI das Quintett, das seinen Namen von Tolkiens "Silmarillion" ableitete, unter Vertrag genommen. Vorausgegangen waren vier Jahre, in denen die Band nach diversen Umbesetzungen einen eigenwilligen Progressive-Rock etabliert hatte, der vom Publikum begeistert goutiert wurde. Von der Urformation ist heute nur noch Gitarrist Steve Rothery dabei. Die anderen Mitglieder kamen später hinzu: Keyboarder Mark Kelly 1981, Bassist Peter Trewavas 1982 und Schlagzeuger Ian Moseley 1983. Im Mittelpunkt der komplex orchestrierten Songs mit nicht minder komplizierten, wortreichen Texten stand zunächst der charismatische Frontmann Derek William Dick, genannt Fish, dessen Stimme acht Jahre und vier Alben lang den Marillion-Sound prägte. Auf dem Höhepunkt des Erfolges verließ er die Gruppe, um eine Solokarriere zu starten. Anders als von der internationalen Presse prophezeit, lösten sich Marillion nicht auf, sondern verpflichteten 1989 mit Steve Hogarth (Ex-Europeans) einen neuen, nicht weniger talentierten Sänger und veröffentlichten "Season's End".

"Wenn man bedenkt, dass uns viele Leute nach dem Ausstieg von Fish abgeschrieben hatten, war das Album ein überzeugendes Statement für unser Stehvermögen," erinnert sich Steve Rothery. "Es zeigte, dass wir musikalisch weiterhin viel zu sagen hatten und dass Steve Hogarth ebenso außergewöhnlich wie Fish klang. Es ist ein Werk, auf das ich immer noch sehr stolz bin und das einige echte Klassiker enthält."

Klassiker entstanden auch in den folgenden Jahren. Etwa das Konzeptalbum "Brave" (1994), das Marillions mäandernde instrumentale Brillanz zwischen Ambient, Rock, Jazz und Folk auf ihrem Höhepunkt zeigte. Kommerziell jedoch waren die 90er die Dekade der Bescheidenheit. Aber die Beharrlichkeit, mit der Marillion unberührt von allen modischen Trends ihren eigenen Sound weiterentwickelten und immer neue Albumprojekte auf die Beine stellten, verdient uneingeschränkten Respekt.

"Eigentlich haben Marillion den grünen Klee erst gepflanzt, über den Radiohead seit 'Ok Computer' gelobt werden. Spätestens ab dem Ausstieg von Fish nämlich produziert das britische Quintett Qualität quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit", urteilte der ME/SOUNDS 1998. "Viele Leute glauben sogar, wir hätten uns schon vor Jahren aufgelöst", klagt Steve Hogarth. "Nur aufmerksame Leser der Musikpresse müßten mittlerweile herausgefunden haben, dass es uns noch gibt. Der Rest hat nicht die leiseste Ahnung."

Gegen Ignoranz anzukämpfen, sind Marillion gewohnt. Mit was für falschen Etiketten wurden sie nicht schon bedacht: Schottische (!) Heavy Metal Band, Genesis-Klon, antiquierte Prog-Rocker, Hippies, die Lieder über Kobolde und Hobbits schreiben... Doch all das zählt jetzt nicht mehr. Mit seinem 12. Album "Anoraknophobia" zeigt das Quintett Freund und Feind, dass der viel geschmähte Bombast passé ist. Statt dessen dominieren kunstvoll verpackte Songs. Trotz oft epischer Länge - die psychedelische Ambient-Phantasie "This Is The 21st Century" schafft sogar die 11 Minutenmarke - sind diese keinesfalls überdimensioniert. Im Gegenteil: Die verschachtelten Rhythmen und breit angelegten Songs, die seit Jahren Markenzeichen der Band sind, werden so geschickt mit frischen Einflüssen kombiniert, dass nie Langeweile aufkommt. Der Opener "Between You And Me" besticht durch hüpfende Manchester-Rave-Beats. Das schwül-funkige "Quartz" groovt hypnotisch zu Wah-Wah-satten Blues-Riffs. Der Uptempo-Rocker "Separated Out" kreiert mit Samples aus Tod Brownings Horrorfilm-Klassiker "Freaks" eine bizarre Rummelplatz-Atmosphäre. Und die elegische Ballade "When I Meet God" öffnet ein Füllhorn wunderbarer Melodien, die nicht nur wegen Steve Hogarths gefühlvollem Gesang an Neil Finn und Crowded House erinnern. Paradebeispiel für die Vielseitigkeit der Band ist jedoch "The Fruit Of The Wild Rose", das mit Jazz-Gitarre und Hammondorgel im Easy-Listening-Stil der Swinging Sixties beginnt und sich dann über lyrische Klangbilder á la Pink Floyd zu einem funkigen Rhythm`n´Blues steigert.

"'Anoraknophobia' wird auch den größten Zweiflern zeigen, dass wir in der Lage sind, ein Album aufzunehmen, das für die aktuelle Musikszene von Bedeutung ist", erklärt Steve Rothery nicht ohne Stolz. "Zweifellos ist es das modernste und groove-orientierteste Album, das Marillion je aufgenommen haben."

Nachdem effektvoll inszenierte Song-Dramen und getragene Passionsmelodien erneut gefragt sind und zuletzt sogar Radiohead, Toploader und Paul Oakenfold Interesse an Marillions Kompositionen geäußert haben, wird mit Sicherheit auch eine breite Öffentlichkeit Marillion wieder entdecken. Hört man dann das neue Album "Anoraknophobia", dann sieht man die Headline schon ganz deutlich: "Marillion feiern ein grandioses Comeback".
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