Marilyn Manson Biographie
Marilyn Manson
Groteske (ital. Verzerrtes, Wunderliches): laut Wörterbuch ursprünglich eine Bezeichnung für Wandmalereien in den antiken Thermen und Palästen in der Form von Ornamenten aus zusammengesetzten Pflanzen-, Tier- und Menschenteilen. Seit der Renaissance Sammelbegriff für die Darstellung des Monströs-Grausigen, aber auch Komischen in Kunst und Literatur. Allgemein Bezeichnung für die Verbindung von scheinbar Unvereinbarem, mit dem in der Moderne häufig Phänomene des Formverlustes und der Entfremdung gestaltet werden. Manche Gegenwartsautoren halten die Groteske für die einzig zutreffende Darstellungsform in einer grotesk, d. h. undurchschaubar und sinnlos gewordenen Welt.
Das Jahr 2003. Die Lage ist klar: Auf der einen Seite gibt es "die Guten“. Sie gehen jeden Sonntag in die Kirche, kleiden sich der Norm gemäß, nennen Shopping als ihre liebste Freizeitbeschäftigung und singen gern Hymnen über Frieden und Freiheit. Die auf der anderen Seite sind widerspenstig und unbequem und hören Rockmusik über Hass, Rebellion und Sex. Viele von ihnen werden Marilyn Mansons fünftes Album "The Golden Age Of Grotesque“ so sehr lieben, wie das konservative Amerika davor Angst haben wird.
Und dann gibt es diese Momente, die alles durcheinander bringen. Die, in denen jemand feststellt, dass die Guten nach außen lächeln, Babys streicheln und Fairplay predigen, aber hinter den Kulissen lügen und betrügen, dass sich die Balken biegen. Und die, in denen "der böse Marilyn Manson“ sachlich und ruhig darüber spricht, dass die Kriege und Bomben der US-Regierung und die von der Gesellschaft geschürten Ängste eventuell die wahre Bedrohung für das Seelenheil der Bürger sein könnten.
Seitdem der US-Filmemacher Michael Moore Marilyn Manson für seinen oscarprämierten Dokumentarfilm "Bowling For Columbine“ interviewte, sehen viele Menschen den Musiker in einem neuen Licht. Sie merken: Nie war die Lage so unklar wie im Jahr 2003, nie war schwerer zu beurteilen, wer "gut³ und wer "böse“ ist.
Auch deswegen markiert "The Golden Age Of Grotesque“ einen Wendepunkt im Schaffen Mansons: "Nach all den Dingen, die ich in Sachen Religion und Politik auf den letzten drei Alben gesagt habe, verfolge ich auf diesem Album einen neuen Ansatz. Es geht um das einfachste und wichtigste Thema überhaupt: Beziehungen. Um die zwischen Menschen so wie die zwischen Ideen.“
Die größte Inspiration für das neue Werk fand der gerne als Schock-Rocker titulierte US-Musiker, Autor, Regisseur und Maler im "alten Europa³: Das Berlin der 30er Jahre mit seiner überbordenden Fülle kultureller und künstlerischer Ergüsse nennt er als wichtigsten Einfluss. Kabaret, Expressionismus, die Dada-Bewegung, die mit Lärmmusik, Zufallsgedichten, Collagen und Ironie den etablierten Kunstformen den Kampf angesagt hatte, haben es ihm genau wie die Swing-Szene des Berlins der 30er angetan: "Damals lag eine unglaubliche kreative Energie in der Luft. Es war kurz vor dem Krieg - die Menschen lebten damals, als gäbe es kein Morgen.“
Den totalitären Kräften, die sich Berlin nach und nach einverleibten, machten diesem kreativen Freigeist ein Ende. "Verbitterte konservative Kräfte hatten Angst davor und zerstörten die Szene.“ Und mit Kritik aus konservativen Kreisen kennt sich schließlich auch Manson recht gut aus ...
Dass sie ihn nicht bremst, beweisen die 15 Stücke von "The Golden Age Of Grotesque“. Das Album ist weniger ausufernd als seine Vorgänger, klingt hart und auf den Punkt gebracht. Vielleicht Resultat der neuen Mitstreiter an der Seite des Hauptakteurs. Nachdem Twiggy Ramirez, Mansons langjähriger Bassist, Freund und Weggefährte, die Band im Mai vergangenen Jahres verlassen hat (Manson: "Es war für uns beide so das Beste“), ist jetzt Tim Skold der neue Mann an seiner Seite.
Der Bassist und Produzent hatte zuletzt durch seine Arbeit mit der deutschen Industrial-Band KMFDM von sich reden gemacht. Manson: "Tim hat mich dazu gebracht, sehr direkt zu arbeiten, die Reinheit der ersten Aufnahme zu bewahren und nicht alles tausendfach einzuspielen." Auch die Handschrift des für den Mix verantwortlichen Ben Grosse (Filter) lässt sich angesichts der perfekten Symbiose aus schroffen Gitarren und elektronischen Elementen nicht überhören.
Auch sein Gesangsstil hat sich maßgeblich verändert: rhythmischer ist er geworden, bei "Doll-Dagga Buzz-Buzz Ziggerty-Zag" und anderen Songs mutet er geradezu HipHop-esk an.
Doch bei Marilyn Manson ging es schon immer mehr als nur Musik. Es ist das Zusammenspiel aus Artwork, Song, Live-Show und der Selbstinszenierung Mansons, die ihn zu einer der wichtigsten Figuren der US-Rock-Szene gemacht hat. Die Angewohnheit, sich mit jedem Album auch visuell ein Stück neu zu erfinden, behält der 34-Jährige auch diesmal bei.
Ein Teil dessen, was hinter dem Album steckt und es geprägt hatte, ließ sich bereits im September vergangenen Jahres beobachten: Manson stellte in Los Angeles erstmals Bilder von sich aus. 50 seiner Aquarelle waren in einer "The Golden Age of Grotesque“ betitelten Show zu sehen, die meisten von ihnen Aquarelle. Darunter befand sich auch das wohl bekannteste, das Manson einst für den Rolling Stone gefertigt hatte: Eine Hand, Ring- und Mittelfinger zum Peacezeichen geformt, auf den Fingerkuppen die Gesichter der beiden Columbine-Attentäter Eric Harris und Dylan Klebold. Die Bilder wurden zu Preisen von bis zu 35.000 Dollar verkauft.
Hinzu kam die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Künstler Gottfried Helnwein. Der Maler und Fotograf hatte bereits 1982 in der Musikszene für Aufsehen gesorgt, als er das legendäre Cover für das Scorpions-Album "Blackout“ lieferte. Ebenso bekannt wurde seine Rammstein-Foto-Session und das Cover für das aktuelle Westernhagen-Album. Für "The Golden Age Of Grotesque“ schuf er das Artwork, darunter auch sinistre Porträtaufnahmen Mansons mit Mickey-Mouse-Ohren.
Helnwein sagte einst, er habe von Walt Disney mehr gelernt als von Leonardo da Vinci, die Bilder sind aber wohl eher eine Verarbeitung des neuen Selbstverständnisses Mansons: "Früher war ein Entertainer für mich etwas völlig anderes als ein Künstler. An diesem Punkt meines Lebens meine ich aber beides zu sein. Leute zu unterhalten, ist Teil meiner Kunst und meines Lebensstils."
Entsprechend soll auch die Liveshow für die anstehende Tour aussehen (Manson wird ab Juni das Ozzfest in den USA headlinen und zuvor auch einige Dates in Deutschland spielen): "The Grotesque Bourlesque“ wird Mansons Äußerungen nach eine Menge Kontroversen auslösen. Die Rede ist von "Tieren und seltsamen Frauen“, die die die Bühnenshow des Meisters unterstützen sollen. Kein Zirkus, sondern ein "Tornado mit Entertainment und Inhalt.“
Was die Frauen angeht, so ist Manson ja für seinen außergewöhnlichen Geschmack bekannt. Nach seiner Liaison mit der Actress Rose McGowan ist er zurzeit mit Dita von Teese, einer Schauspielerin der etwas anderen Art zusammen. "Sie sieht aus, als wäre sie gerade einem Foto aus den 50er Jahren entstiegen. Genau das ist es ja auch, was sie ist: Ein Pin-Up-Girl“, schwärmt er. Dass man in einer gewissen Vorliebe fürs Bizarre geeint ist, verraten auch Fetisch-Filme wie "Ditas Mischevious Maid“, in denen die Schöne sich in Korsett und Strapsen räkelt und sich zum Start in den Tag erstmal die Pumps von ihrem Zimmermädchen ablecken lässt.
Bei derartig vielen Inspirationen ist es kein Wunder, dass Marilyn Manson mit "The Golden Age Of Grotesque“ ein Volltreffer moderner Rockmusik gelungen ist. Das wird man in konservativen Zirkeln wohl nach wie vor nicht gutheißen können. Man kommt aber selbst da inzwischen wohl nicht mehr darum herum, anzuerkennen, dass der "Schock-Rocker“ schon lange Vergangenheit ist. Marilyn Manson ist heute einer der wenigen ernst zunehmenden und eigenständigen Künstler in einem Rock-Umfeld, das sonst nahezu ausschließlich aus Mitläufern und Epigonen besteht. Und solch feste Größen sind wichtig in einer so undurchschaubaren Welt ...
Das Jahr 2003. Die Lage ist klar: Auf der einen Seite gibt es "die Guten“. Sie gehen jeden Sonntag in die Kirche, kleiden sich der Norm gemäß, nennen Shopping als ihre liebste Freizeitbeschäftigung und singen gern Hymnen über Frieden und Freiheit. Die auf der anderen Seite sind widerspenstig und unbequem und hören Rockmusik über Hass, Rebellion und Sex. Viele von ihnen werden Marilyn Mansons fünftes Album "The Golden Age Of Grotesque“ so sehr lieben, wie das konservative Amerika davor Angst haben wird.
Und dann gibt es diese Momente, die alles durcheinander bringen. Die, in denen jemand feststellt, dass die Guten nach außen lächeln, Babys streicheln und Fairplay predigen, aber hinter den Kulissen lügen und betrügen, dass sich die Balken biegen. Und die, in denen "der böse Marilyn Manson“ sachlich und ruhig darüber spricht, dass die Kriege und Bomben der US-Regierung und die von der Gesellschaft geschürten Ängste eventuell die wahre Bedrohung für das Seelenheil der Bürger sein könnten.
Seitdem der US-Filmemacher Michael Moore Marilyn Manson für seinen oscarprämierten Dokumentarfilm "Bowling For Columbine“ interviewte, sehen viele Menschen den Musiker in einem neuen Licht. Sie merken: Nie war die Lage so unklar wie im Jahr 2003, nie war schwerer zu beurteilen, wer "gut³ und wer "böse“ ist.
Auch deswegen markiert "The Golden Age Of Grotesque“ einen Wendepunkt im Schaffen Mansons: "Nach all den Dingen, die ich in Sachen Religion und Politik auf den letzten drei Alben gesagt habe, verfolge ich auf diesem Album einen neuen Ansatz. Es geht um das einfachste und wichtigste Thema überhaupt: Beziehungen. Um die zwischen Menschen so wie die zwischen Ideen.“
Die größte Inspiration für das neue Werk fand der gerne als Schock-Rocker titulierte US-Musiker, Autor, Regisseur und Maler im "alten Europa³: Das Berlin der 30er Jahre mit seiner überbordenden Fülle kultureller und künstlerischer Ergüsse nennt er als wichtigsten Einfluss. Kabaret, Expressionismus, die Dada-Bewegung, die mit Lärmmusik, Zufallsgedichten, Collagen und Ironie den etablierten Kunstformen den Kampf angesagt hatte, haben es ihm genau wie die Swing-Szene des Berlins der 30er angetan: "Damals lag eine unglaubliche kreative Energie in der Luft. Es war kurz vor dem Krieg - die Menschen lebten damals, als gäbe es kein Morgen.“
Den totalitären Kräften, die sich Berlin nach und nach einverleibten, machten diesem kreativen Freigeist ein Ende. "Verbitterte konservative Kräfte hatten Angst davor und zerstörten die Szene.“ Und mit Kritik aus konservativen Kreisen kennt sich schließlich auch Manson recht gut aus ...
Dass sie ihn nicht bremst, beweisen die 15 Stücke von "The Golden Age Of Grotesque“. Das Album ist weniger ausufernd als seine Vorgänger, klingt hart und auf den Punkt gebracht. Vielleicht Resultat der neuen Mitstreiter an der Seite des Hauptakteurs. Nachdem Twiggy Ramirez, Mansons langjähriger Bassist, Freund und Weggefährte, die Band im Mai vergangenen Jahres verlassen hat (Manson: "Es war für uns beide so das Beste“), ist jetzt Tim Skold der neue Mann an seiner Seite.
Der Bassist und Produzent hatte zuletzt durch seine Arbeit mit der deutschen Industrial-Band KMFDM von sich reden gemacht. Manson: "Tim hat mich dazu gebracht, sehr direkt zu arbeiten, die Reinheit der ersten Aufnahme zu bewahren und nicht alles tausendfach einzuspielen." Auch die Handschrift des für den Mix verantwortlichen Ben Grosse (Filter) lässt sich angesichts der perfekten Symbiose aus schroffen Gitarren und elektronischen Elementen nicht überhören.
Auch sein Gesangsstil hat sich maßgeblich verändert: rhythmischer ist er geworden, bei "Doll-Dagga Buzz-Buzz Ziggerty-Zag" und anderen Songs mutet er geradezu HipHop-esk an.
Doch bei Marilyn Manson ging es schon immer mehr als nur Musik. Es ist das Zusammenspiel aus Artwork, Song, Live-Show und der Selbstinszenierung Mansons, die ihn zu einer der wichtigsten Figuren der US-Rock-Szene gemacht hat. Die Angewohnheit, sich mit jedem Album auch visuell ein Stück neu zu erfinden, behält der 34-Jährige auch diesmal bei.
Ein Teil dessen, was hinter dem Album steckt und es geprägt hatte, ließ sich bereits im September vergangenen Jahres beobachten: Manson stellte in Los Angeles erstmals Bilder von sich aus. 50 seiner Aquarelle waren in einer "The Golden Age of Grotesque“ betitelten Show zu sehen, die meisten von ihnen Aquarelle. Darunter befand sich auch das wohl bekannteste, das Manson einst für den Rolling Stone gefertigt hatte: Eine Hand, Ring- und Mittelfinger zum Peacezeichen geformt, auf den Fingerkuppen die Gesichter der beiden Columbine-Attentäter Eric Harris und Dylan Klebold. Die Bilder wurden zu Preisen von bis zu 35.000 Dollar verkauft.
Hinzu kam die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Künstler Gottfried Helnwein. Der Maler und Fotograf hatte bereits 1982 in der Musikszene für Aufsehen gesorgt, als er das legendäre Cover für das Scorpions-Album "Blackout“ lieferte. Ebenso bekannt wurde seine Rammstein-Foto-Session und das Cover für das aktuelle Westernhagen-Album. Für "The Golden Age Of Grotesque“ schuf er das Artwork, darunter auch sinistre Porträtaufnahmen Mansons mit Mickey-Mouse-Ohren.
Helnwein sagte einst, er habe von Walt Disney mehr gelernt als von Leonardo da Vinci, die Bilder sind aber wohl eher eine Verarbeitung des neuen Selbstverständnisses Mansons: "Früher war ein Entertainer für mich etwas völlig anderes als ein Künstler. An diesem Punkt meines Lebens meine ich aber beides zu sein. Leute zu unterhalten, ist Teil meiner Kunst und meines Lebensstils."
Entsprechend soll auch die Liveshow für die anstehende Tour aussehen (Manson wird ab Juni das Ozzfest in den USA headlinen und zuvor auch einige Dates in Deutschland spielen): "The Grotesque Bourlesque“ wird Mansons Äußerungen nach eine Menge Kontroversen auslösen. Die Rede ist von "Tieren und seltsamen Frauen“, die die die Bühnenshow des Meisters unterstützen sollen. Kein Zirkus, sondern ein "Tornado mit Entertainment und Inhalt.“
Was die Frauen angeht, so ist Manson ja für seinen außergewöhnlichen Geschmack bekannt. Nach seiner Liaison mit der Actress Rose McGowan ist er zurzeit mit Dita von Teese, einer Schauspielerin der etwas anderen Art zusammen. "Sie sieht aus, als wäre sie gerade einem Foto aus den 50er Jahren entstiegen. Genau das ist es ja auch, was sie ist: Ein Pin-Up-Girl“, schwärmt er. Dass man in einer gewissen Vorliebe fürs Bizarre geeint ist, verraten auch Fetisch-Filme wie "Ditas Mischevious Maid“, in denen die Schöne sich in Korsett und Strapsen räkelt und sich zum Start in den Tag erstmal die Pumps von ihrem Zimmermädchen ablecken lässt.
Bei derartig vielen Inspirationen ist es kein Wunder, dass Marilyn Manson mit "The Golden Age Of Grotesque“ ein Volltreffer moderner Rockmusik gelungen ist. Das wird man in konservativen Zirkeln wohl nach wie vor nicht gutheißen können. Man kommt aber selbst da inzwischen wohl nicht mehr darum herum, anzuerkennen, dass der "Schock-Rocker“ schon lange Vergangenheit ist. Marilyn Manson ist heute einer der wenigen ernst zunehmenden und eigenständigen Künstler in einem Rock-Umfeld, das sonst nahezu ausschließlich aus Mitläufern und Epigonen besteht. Und solch feste Größen sind wichtig in einer so undurchschaubaren Welt ...
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