Du bist hier: Musik-Base » Bands » Interpreten mit M » Megadeth » Biographie

Megadeth Biographie

Megadeth

Megadeth_medium
In einer Ära, in der etablierte Hardrock- und Heavy-Metal-Acts entweder von den mächtig auftrumpfenden jungen Wilden des Crossover-Noise-Industrial-Hardcore-Zirkels (Korn, Limp Bizkit, Rage Against The Machine) beiseite geräumt werden oder sich flugs dem hippen Sound anzubiedern versuchen, demonstrieren Megadeth Originalität auf höchstem Niveau. Sie schreiben packende Songs und sind unübertrefflich, wenn es um sarkastische Lyrics mit ausgeprägtem politischen Bewußtsein geht. Seit sich die erfolgsverwöhnten Schwermetaller aus San Francisco 1992 mit "Countdown To Extinction" von ihrer Trash- und Speedmetal-Vergangenheit lossagten und die Kunst des epischen Heavy-Rocks erforschten, wagten sie keinen derart großen Schritt mehr. Einen treffenderen Titel als "Risk" hätten sich Megadeth für ihr neues Album folgerichtig kaum ausdenken können.

Megadeths achtes Studioalbum ist aufregend, aggressiv und packend. Es präsentiert eine Band, die sich kopfüber in eine ganze Reihe bislang unerforschter Stile und Soundstrukturen stürzt und ganz selbstverständlich Einflüsse aus Blues, Psychedelic, World Music, Elektro, Punk, Pop, Crossover und Heavy-Rock zu einer zwingenden Melange vereint, die keine Sekunde Langweile aufkommen lässt. Metal mit Köpfchen, Fingerspitzengefühl und Ideen. Gleich der Opener "Insomnia" verblüfft mit einem majestätischen Feedbackintro, das nahtlos in herzzerreißende Celloklänge mündet und den Boden bereitet für eine futuristisch anmutende Metal-Hymne mit opulenten Streichern, orientalischer Melodik und pulsierenden Elektrobeats.

"Ich glaube, ein Song wie 'Insomnia' wird jeden Fan überraschen", sagt Dave Mustaine, Sänger, Texter und Gitarrist von Megadeth, nicht ohne Stolz. "Der Song ist inspiriert von britischen Rave-Bands wie Prodigy und Republica. Nur klingt unser Elektronik-Experiment ungleich härter." "Insomnia" reflektiert Mustaines harten Kampf, den er in den 80er Jahren gegen seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit führte. Heute nutzt Mustaine seine Energie, um reaktionäre Meinungen zu bekämpfen oder Songs zu schreiben, die die positiven und lockeren Seiten des Lebens widerspiegeln. Wie die erste Singleauskopplung "Crush 'Em" - ein furioses Hardrock-Epos, das für den Soundtrack zu "Universal Soldier: The Return" (mit Jean-Claude van Damme) ausgewählt wurde, aber ursprünglich als Sport-Hymne gedacht war. "Ich bin ein großer Hockey-Fan", so Mustaine. "Ich gehe oft zu den Spielen der Phoenix Coyotes. Immer, wenn sie ein Tor erzielen, wird 'Rock'n'Roll Part II' von Gary Glitter eingespielt. Ich kann das Stück einfach nicht mehr hören. Deshalb dachte ich mir, ich schreibe einen Song, der besser die Freude über den Torerfolg ausdrückt. Ein Song, der gleichzeitig feierlich und euphorisch ist und zu jeder Sportart passt."

Bei aller Experimentierfreudigkeit kommt aber auch noch der konservativste Fan auf seine Kosten. Songs wie "Prince Of Darkness", "Seven" und "The Doctor`s Calling" stehen mit höllischen Gitarren-Riffs, peitschenden Drums und provokantem Shouting für Kontinuität. Es spricht für den Anspruch der Band, dass sie nicht einfach den Autopiloten eingeschaltet und ein Dutzend dynamischer Nummern im bewährten Stil ihres letzten Albums eingespielt hat. Immerhin war "Cryptic Writings" aus dem Jahr 1997 ihr viertes Werk in Folge nach "Rust In Peace" (1990), "Countdown To Extinction" (1992) und "Youthanasia" (1994), das mit Platin ausgezeichnet wurde. Aber trotz ausverkaufter Auditorien rund um den Erdball, 20 Millionen verkaufter Tonträger und sieben Grammy-Nominierungen stand kommerzieller Erfolg um jeden Preis für das Quartett noch nie im Vordergrund.

Dafür sind Dave Mustaine, Bassist Dave Ellefson, Gitarrist Marty Friedman und Drummer Jimmy DeGrasso zu ambitioniert und eigenwillig im Streben nach kreativer Erfüllung. Außerdem wissen Megadeth, was sie ihren unzähligen Fans schuldig sind, die von jedem neuen Album neue Herausforderungen, klangliche Evolutionen und die Eroberung neuer musikalischer Territorien erwarten, ohne dass sich die Band dabei völlig von ihrem charakteristischen Sound entfernt. Manchen Kritikern scheint die Veränderung jedoch nicht konsequent genug zu sein.

"Nachdem unser letztes Album erschienen war", erzählt Dave Mustaine, "wunderte sich Lars Ulrich von Metallica in einem Presseinterview, warum wir nicht risikofreudiger seien. Zuerst habe ich mich geärgert und sarkastisch bei der nächstbesten Gelegenheit erwidert, wenn er damit meine, ich solle jetzt meinen Gitarristen küssen, dann müsste ich ihn enttäuschen. Später erschien mir der Einwand nicht mehr so verkehrt. Als die neuen Songs Gestalt annahmen und sich eine melodischere Ausrichtung andeutete, fand ich 'Risk' als Albumtitel absolut treffend. Wir spielen schon so lange Heavy Metal auf Höchstgeschwindigkeit. Wenn wir uns nicht selber in eine Ecke stellen wollen, müssen wir uns ständig verändern. Wir können nicht bis in alle Ewigkeit 'Rust In Peace' aufnehmen. Die Band heißt Megadeth und das verpflichtet. Wir scheuen kein Risiko. "

Wie der Vorgänger entstand auch "Risk" im Teamwork mit Produzent Dan Huff, der sich seit "Cryptic Writings" als wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung von Megadeth erwiesen hat. Der ehemalige Gitarrist von Giant hat der Band gezeigt, dass Spontanität und Improvisation ebenso wichtig sind wie festgefügte Songstrukturen. Zudem förderte er Mustaines Bestrebungen, stimmlich bis zum Äußersten zu gehen und alle Facetten seines dynamischen Gesangstils auszuschöpfen. "Um meiner Stimme einen anderen Sound zu geben, genügte es manchmal schon, wenn Huff den Standort des Mikrophons im Studio veränderte", erzählt Mustaine. "Außerdem habe ich Gesangsstunden genommen, um meine Technik zu verbessern." Eine weitere einschneidende Kurskorrektur geht auf das Konto von Neuzugang Jimmy DeGrasso, der vor Megadeth für Alice Cooper und Suicidal Tendencies trommelte und bereits vor vier Jahren an Dave Mustaines Bandprojekt MD 45 beteiligt war. Mit frischem Elan feuert er voluminöse Rhythmuskanonaden ab, die jedem Rock- und Metalfan gehörig Bein- und Bauchmuskulatur massieren.

Es gibt das alte Sprichwort: "Wer nichts wagt, der nichts gewinnt". Seit Dave Mustaine und Dave Ellefson Megadeth 1983 ins Leben riefen, folgen sie kompromisslos ihrem ureigenen Pfad, der sie von einer der aggressivsten und härtesten Heavy Metal Acts der 80er zu einer Institution im hart rockenden Genre der 90er Jahre führte. Mit "Risk" haben Megadeth sich nun bis an den Rand des Hardrock-Universums herangewagt und ihr bislang ambitioniertestes Album produziert, das faszinierend vielschichtig und zugleich unerhört eingängig ausgefallen ist. Ob sie mit dem Drum-Computer arbeiten, mit schwerelosen Hooklines experimentieren, heftige Gitarrengewitter entladen oder machtvolle Klangkaskaden errichten, immer spürt man den schier unstillbaren Hunger der Band nach kreativer Weiterentwicklung des Heavy Metal Genres und das sichere Gespür für stimulierende Songs. "'Risk' ist eine jener Platten, die man gleich beim ersten Hördurchlauf in ihrer Gesamtheit erfasst zu haben scheint", erklärt Mustaine. "Aber das ist ein Irrtum. Man muss schon ziemlich oft und genau hinhören, wenn man alle Feinheiten erkennen will. Was man jedoch sofort und jedesmal aufs Neue merkt, wenn man die Platte auflegt, ist, dass wir bei keinem anderen Album soviel Spaß im Studio hatten wie diesmal."
Diese Seite speichern bei:   Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  

Mehr Informationen zu Megadeth



0 Kommentare zu Megadeth Biographie

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. :(