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Mötley Crüe Biographie

Mötley Crüe

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Sei auf der Hut! Denn die Geschichte der verrufensten Band der Welt ist nicht gerade leicht verdaulich. Außer vielleicht mit der Ausnahme von Ozzy Osbourne hat wohl kaum eine Band dermaßen viele Drogen konsumiert, so viel Alk gesoffen, wie das aus Los Angeles stammende Quartett Mötley Crüe. Und jetzt ist sie zurück, dieses Monster von Band, von der man dachte, man könne sie nie wieder live erleben. Sie sind wahrhaftig zurück, und wie.

Die Geschichte ihrer Karriere, die von der Band höchst detailliert in ihrer 2001er Biografie The Dirt (erschienen via NY Times, bald ein Kinohit, aber dazu später mehr) beschrieben wurde, setzt sich aus dreckigen Nadeln, kaputten Geistern, Kämpfen innerhalb der Musikindustrie-Kampfzone und Sex (verdammt viel Sex!) zusammen. Das seltsame daran ist nicht, dass die Crüe all das durchlebt hat, um es später erzählen zu können, nein, man hört die ganze unkontrollierte Rauheit, mit der sie gelebt haben, auch in ihrer Musik. Man muss sich bloß ihre Alben anhören, von denen inzwischen über 40 Millionen über die Ladentische der Welt gegangen sind. Wenn man nur genau genug hinhört, kann man hören, wie das Kokain von den Tischen abhebt, wie die Bettfedern quietschen, man hört schlichtweg den Rotz des kalifornischen Rocks der vergangenen zwei Dekaden.

Im Jahr 1981 verließ der Bassist Nikki Sixx seine Glam-Rock-Band London und tat sich mit dem Schlagzeuger Tommy Lee zusammen. Beide waren gezeichnete, gestandene Männer, auf der suche nach jeder Menge Spaß und einem Plattenvertrag in der Tasche (man beachte die Reihenfolge!), und sie hatten eine Neigung zu Faust-in-die-Luft-Hymnen, zu Songs, die man laut spielen muss. Als sie dann eine Anzeige in einem Blatt aus Los Angeles sahen, in der ein „lauter, rauer und aggressiver Gitarrist“ eine Band suchte, die Mick Mars und der Sänger Vince Neil (den Mars im ersten Treffen seltsamerweise als „blond bitch“ abtat) hatten abdrucken lassen, formierte sich die Band erstmals als Mötley Crüe. Die Umlaute sollten den Klang des Namens noch härter machen. (Vince Neil hingegen behauptet, dass es ursprünglich schlichtweg eine Löwenbräu-Flasche war, die das ausgelöst hat. Aber gut...) Prompt nahmen sie ein Album auf, Too Fast for Love, und es erschien schon im November `81 auf ihrem eigenen Leathür-Label. Wahnsinnig catchy und vor Riffs strotzend wie ihr Sound nun einmal war, schaffte es TFFL, die Erwartungen der Rockfans auf den Kopf zu stellen. So lösten sie letztlich eine ganze Glam-Bewegung in Los Angeles aus. Ohne Too Fast for Love hätte es nie einen Bon Jovi oder die Guns n’ Roses gegeben!

Von Elektra übernommen veröffentlichten The Crüe eine Reihe von Klassiker-Alben in den Achtzigern. Angefangen mit Shout at the Devil (1983), das eine Kontroverse aufgrund der Satans-Referenzen auslöste, ging’s dann weiter mit Theatre Of Pain (1985), einer etwas düsteren, introvertierteren Platte (was wohl zum Teil an Vince Neils Autounfall, in dem Razzle, Drummer von Hanoi Rocks, getötet wurde, gelegen hat). Girls, Girls, Girls (1987) war dann schließlich wieder genauso rockig wie alles, was sie zuvor gemacht hatten. Dieses Album katapultierte sie letztlich – gemeinsam mit der 1989er Platte Dr. Feelgood (jener Platte, die auch zum Entzug der Band führte, nachdem Sixx an einer Heroinüberdosis „gestorben“ war, mit Adrenalin allerdings noch einmal zurückgeholt wurde) – komplett in den Mainstream.

In den Neunzigern waren Mötley Crüe schließlich ein wahrhaftiger Stadion-Act, mit all den Freiheiten (große Budgets, schlangestehende Models und Pornostars) und Hindernissen (Zensur-Probleme, Stress innerhalb der Band und mit dem Management), die man sich vorstellen kann. Nachdem Neil die Band 1992 verließ war es schließlich der Scream-Sänger John Corabi, der die Vocals zum 1994er Album Mötley Crüe beisteuerte. Das Album sollte ein Versuch sein, an den Druck modernerer Metal-Bands anzuknüpfen. Beim im Jahr 1997 veröffentlichen Generation Swine war Vince schließlich wieder da, und das Glück kehrte zurück – was schließlich mit den Alben Greatest Hits (1998), Live: Entertainment Or Death (1999) und Supersonic and Demonic Relics (auch aus dem Jahr 1999) gefeiert wurde. All diese Alben gaben Einblicke in das Leben und die Arbeit von Mötley Crüe, man konnte Remixes, Live-Aufnahmen, Demo-Aufnahmen und bis dato unveröffentlichte Tracks hören. Zum Release von New Tattoo (2000) lief die Band schließlich wieder zu Höchstform auf, und das obwohl Tommy Lee sie inzwischen verlassen hatte – er war inzwischen zum Helden der Gazetten avanciert, woran ein gewisses Home-Video mit seiner damaligen Frau, Pamela Anderson, nicht ganz unschuldig war.

Außerdem sind Mötley Crüe eine der wenigen Bands, die es geschafft haben, wirklich im Besitz ihrer Aufnahmen zu sein. Im Jahr 2003 wurde der Back-Catalog des sich gänzlich in Band-Besitz befindlichen Label Motley Records an Universal Musik lizenziert, was zu Neuauflagen sämtlicher Alben führte und eine erste CD-Box hervorbrachte: Music To Crash Your Car To – Vol. 1, ein 4-CD-Set, das als erster Teil einer Trilogie fungieren sollte. Die Volumes 2 und 3 erschienen im Frühjahr bzw. Herbst 2004. Außerdem gab’s schon im Jahr 2003 die erste Greatest-Hits-DVD der Band: Mötley Crüe: Greatest Video Hits.

Derzeit bereitet sich die Band gerade auf die erste Reunion-Tour der vergangenen sechs Jahre vor – VH1 und VH1 Classic präsentieren “Mötley Crüe: Red, White & Crüe Tour 2005...Better Live Than Dead” –, und dieser Einschnitt passiert in einer Phase, die für jedes der Bandmitglieder von persönlichem Wachstum gezeichnet ist.

- Vince Neil hat sich seit der Trennung von Mötley Crüe aktiv um seine Solokarriere bemüht. Er hat jedes Jahr getourt, hauptsächlich allerdings in den USA und in Japan, hat alles von großen Stadien bis zu kleinen Clubs mitgenommen. Neben seiner neuen Solo-Single („Promise Me“), die bereits veröffentlicht wurde, hat sich Neil auch aufs Fernsehen gestürzt. Er ist in einer Reihe von Sitcoms aufgetreten: CBS’ „Still Standing”, WB’s „Greetings from Tucson“, und erst kürzlich hat er ein wenig Rockstar-Flair in der Reality-Show „The Surreal Life“ versprüht. Privat plant Neil derzeit, in den kommenden Monaten endlich seine Langzeitverlobte Leah zu heiraten.

- Nikki Sixx war weltweit mit seiner Band Destruction'>Brides of Destruction zu sehen. Er war auf europäischen Metal-Veranstaltungen, war in Japan als Headliner zu bewundern und hat außerdem das Album Here Come the Brides aufgenommen. Mit den Brides war er nicht nur bei MTVs „Headbanger’s Ball“ zu sehen, sondern steuerte auch eine Reihe von Songs zum The Dr. Jekyll & Mr. Hyde Rock ‘n Roll Musical bei und schrieb Hits für Künstler wie Meatloaf und Saliva. Im Januar wird VH1 The Heroin Diaries („Die Herion-Tagebücher“) veröffentlichen, die Sixx zwischen 1986 und 1987 führte, als er die härteste Phase seiner Abhängigkeit durchlebte. Als Vater von fünf Kindern ist Sixx seit acht Jahren glücklich mit der Schauspielerin/dem Model Donna D’Errico verheiratet.

- Tommy Lee hat sich mit seiner Band Methods of Mayhem einen Namen gemacht, im Süden Kaliforniens die Szene als DJ aufgemischt und ist vergangenen Oktober gänzlich ins Rampenlicht gekommen, als er seine Biographie Tommyland vorlegte. Die sofort in den Bestsellerlisten vertretene Bio erzählt Dinge, die man nicht einmal geahnt hätte. Neben seiner Arbeit am Debüt-Album (für dieses Jahr geplant) ist er ebenfalls in einer Reality-Show zu sehen, bei der er die Universität von Nebraska besucht.

- Mick Mars erholt sich gerade von einer Hüftoperation, bei der ihm eine künstliche Hüfte eingesetzt werden musste. Grund dafür ist eine rheumatische Krankheit, die ihn schon sein Leben lang zeichnet. Seit die Krankheit, eine Art von Arthritis, die zu chronischen Schmerzen führt und die Knochen von der Blutzufuhr abschneidet, in seiner Jugend ausbrach, hat Mars mit den Folgen gekämpft. Obwohl auch seine Schulter von der Krankheit betroffen war, hat Mars stets seinen kreativen Kopf behalten, sich nie unterkriegen lassen. Er hat zwischendurch immer wieder an Filmmusik oder Musik für Fernsehproduktionen gearbeitet.

Die vier Mitglieder von Mötley Crüe haben sich kürzlich getroffen, um drei neue Songs aufzunehmen. Sie sind auf der neuen Album-Anthologie Red White & Crüe vertreten – das Album wird von Universal Music am 23.05.05 veröffentlicht. Die Autobiographie der Band, The Dirt: Confessions of the World’s Most Notorious Rock Band, wird in einen Spielfilm umgeschrieben. Der von MTV Films/Paramount produzierte Streifen wird voraussichtlich nächstes Jahr fertiggestellt. Da auch die erste Mötley Crüe Konzert-DVD, bei der alle der ursprünglichen Mitglieder vertreten sind, geplant ist, wird die Band zunächst jedoch sämtliche Energien auf die 2005er Welt-Tournee konzentrieren, die schon im Februar in den USA (in 30 Stadien) begann. Nach weiteren Terminen in Südamerika und einer Reihe von Festivals bzw. Arenen in Europa, werden sie im August in die Staaten zurückkehren, um dort mit 43 Städten (sie werden diesen Teil der Tour nur in Amphitheatern spielen) weiterzumachen. Danach stehen dann noch Asien, Australien und Neuseeland auf dem Programm.

Wie wichtig Mötley Crüe sind? Sagen wir mal so: Sie haben Rock’n’Roll zu dem gemacht, was er heute ist. Ohne The Crüe hätte Stadionrock in den Neunzigern bedeutet, dass man sich mit Journey, Foreigner, Kansas und REO Speedwagon begnügen muss. Und stellt euch das bitte mal vor, OK?
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