Naturally 7 Biographie
Naturally 7
„Was ist das, was ihr da macht?“, wurden die sieben New Yorker oft gefragt. Statt einer Antwort schrieben sie ein anschau¬li¬ches Lied: „What is it?“ Was sollte die Grup¬pe auch erklären? Sie wurde selbst überrascht von ihren Talenten, und ihre Musik entwickelte sich anders als vorgesehen. Anfangs waren sie zu dritt. Die beiden Brüder Roger und Warren hatten mit Garfield eine Hobby-Band, nach und nach stießen die anderen dazu. Alle haben sie von klein auf in Kirchenchören gesungen. Die klassische Gospelschule. Sie beschlossen, eine Acapella-Band zu werden.
Eines Tages spielte Garfield Harmonika – ohne Harmonika. Es waren Geräusche, die aus seinem Mund kamen. „Hey, das ist gut, das können wir verwenden“, waren sich die anderen einig. Irgendwann machte auch Warren Geräusche. Sie hörten sich wie ein Schlagzeug an. „Hey, das ist gut, das können wir verwenden!“ – „Moment, das halte ich keinen Song lang durch!“ … Warren sollte sich täuschen.
Mit der Zeit entdeckten die chorreichen Sieben immer mehr überstimmliche Fähigkeiten, sie können heute die meisten Instrumente durch ihren Mund ersetzen. Doch ihr Talent reicht weiter. Man höre (und sehe) sich nur einmal an, wie Rod den DJ mimt: Er legt ein Vinyl auf, lässt die Nadel sinken, und es beginnt zu knistern. Ohne Vinyl, ohne Nadel, ohne Tricks! Mit einer Acapella-Band hat das Septett nur noch wenig gemein. Es ist eine vollwertige Pop-Band, die sich von Apparaten emanzipiert hat. Was immer Sie von Naturally Seven hören, kommt ohne Musikinstrumente aus! Auch wenn es unglaublich klingt. Schon beim nächsten vertrackten R&B-Rhythmus werden Sie wieder zweifeln … doch es ist wahr: ALLES MUNDGEMACHT. Von sieben Vokalvirtuosen von Gottes Gnaden. Sie sind die natürlichen Feinde des internationalen Instrumentenbaukartells. Sie sind Naturally Seven.
Ihr erster Auftritt als Stimmwunder neuer Art war ein Heimspiel. Die sieben sangen auf Garfields Hochzeit und hatten dafür den Song „Bless This House“ einstudiert. „Es hat uns Monate gekostet, dieses Lied hinzukriegen“, erinnert sich Roger Thomas, der Arrangeur, musikalische Leiter und Primus inter pares der Band. Ihre Musik ist eine knifflige Angelegenheit zum Üben, die Methoden des herkömmlichen Harmoniegesangs greifen zu kurz. „Wir fühlen uns nicht als Einheit, sondern arbeiten sehr hart, um einheitlich zu klingen“, untertreibt Roger und verschweigt, dass dieser Prozess Jahre dauert und faktisch ein Zusammenleben zu siebt erfordert. Naturally Seven sind inzwischen 220 Tage im Jahre on the road und geben Konzerte.
1999 überschritten Naturally Seven die magische Grenze von 100 Bühnenauftritten im Jahr. Und als sie wieder ihren halbjährlichen Gruppengipfel abhielten (auf dem sie sich kritisch bewerten und Ziele fürs kommende halbe Jahr festlegen), entschieden sie, ihre Jobs aufzugeben und von Freizeit- zu Profi-Musikern zu werden.
Sie haben zwar eine neue Weise des Musizierens entwickelt, aber die Musik mussten sie nicht neu erfinden. Alle sieben haben ihre Vorlieben, Stile, Lieblingslieder – und sie können sie alle interpretieren. In friedlicher Balance zaubern Naturally Seven Soul, Rap, Rock oder Folk aus ihren Kehlen, ihr Repertoire besteht zur Hälfte aus Eigenkompositionen, zur Hälfte aus Cover-Versionen. Da ertönen Disco-Klassiker (Don’t Stop The Music, Yarbrough & Peoples), Simon-and-Garfunkel-Hits (Bridge Over Troubled Water) und Rockballaden (More Than Words, Extreme), während ihre eigenen R&B-Kunst¬stücke locker mit jeder Neptunes-Produk¬tion Schritt halten. (Zur Erinnerung: Naturally Seven benutzen für all das weder Instrumente noch Sampler!)
Die sieben Stimmriesen haben eine wundervolle Art gefunden, mit der Vielfalt ihrer Stile umzugehen: Sie inszenieren ihre gegensätzlichen musikalischen Interessen gerne selbstironisch als Comedy. Wenn der mächtige Bassist Marcus sich in die Tiefen von Barry Whites fettem Brummgesang steigert, tritt irgendwann Dwight, der Kleinste der Band, neben ihn, stoppt sein Raunen, beginnt selbst zu singen – und unterbietet ihn noch um eine knappe Oktave. Woraufhin Marcus sich demütig in Fistelgesang übt … Es gibt viele solcher kleinen und großen Momente, die Naturally Seven auf der Bühne zelebrieren und ihren Auftritten Spannung, Witz und artistische Wunderlichkeit verleihen. Keine CD, kein Video kann dieses sagenhafte Entertainment annähernd vermitteln wie ein Live-Auftritt. Dennoch wird im Herbst ein neues Album erscheinen, ihr zweites. War das erste („Non-Fiction“) noch sehr jazzful und musikologisch komponiert, wird das zweite eine neue Qualität von Popmusik bieten, die schon beim bloßen Hören zündet, und dessen organische Anmutung Naturally Seven spürbar von glatt produzierten R&B-Bands unterscheidet.
Naturally Seven sind weltweit beim Schweizer Label Festplatte unter Vertrag. Die Artist-Development-Zelle in Oberägeri hatte von der Musik des Septetts bereits eine Vision, bevor sie es überhaupt kannte. Nur dem Rat eines US-Kollegen folgend flogen die beiden Festplattenchefs extra nach Nashville, um die Band zu sehen, und da funkte es sofort. „Wir sind sehr froh, mit Festplatte einen Vertrag gemacht zu haben. Es kam bis dahin nicht vor, dass eine Plattenfirma unsere musikalischen Gefühle teilte sowie unsere Vision, vocal music auf eine neue Ebene zu heben; eine, die niemals zuvor zu hören war“, sagt Roger zufrieden. Das Nachsehen hatte Blue Note Records – sie gingen zu spät auf die Band zu.
Mit freundlicher Erlaubnis von
Quelle & Copyright : BMG
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Wahrscheinlich war ich erst der dritte Deutsche, der diese sieben Künstler traf. Helmut Fest und Jörg Beuttner nahmen Naturally 7 im Jahr 2002 auf ihrem Label Festplatte unter Vertrag, nachdem sie in Nashville einen ihrer Atem raubenden Auftritte erlebt hatten. Und dann schickten sie mich nach New York, um das Phänomen in Worte zu fassen. Der Auftrag: Schreib ein kurzes Künstlerpoträt, das Naturtally 7 sinnlich begreiflich macht. Deutschland sollte allen Anlass haben, sich auf etwas ganz Besonderes zu freuen.
Kein Ding, sagte ich.
Dass es leichter werden würde, eine glaubhafte Episode von Sex And The City zu schreiben, davon ahnte ich noch nichts, als ich im März 2003 in dem Studio in der West 52nd Street erschien, um Naturally 7 live zu sehen. Denn nach einer gut halbstündigen Show standen die Münder der zehn geladenen Gäste (darunter Blue-Note-Präsident Bruce Lundvall) weit offen. Und ich hatte ein Problem: Das nimmt mir doch kein Mensch ab, dachte ich. Da stehen sieben schwarze Jungs, die machen mehr Alarm als Nelly, R. Kelly, Dru Hill, Jaheim (und wie die ganzen Crooner und R&B-Hunde heißen), aber haben KEIN EINZIGES INSTRUMENT! Ihre ganze Musik, die Rhythms & Beats, der Bass, die Keyboardflächen und obenauf Soul-Stimmen von so ergreifender Klasse, wie ich sie in den vergangenen 15 Jahren kaum gehört hatte - sie schafften das alles mit nichts als ihrem ausgesprochen vielseitigen Mundwerk. Hat jemand „Acapella“ gesagt? Oh, come on! Das ist so wenig Acapella wie Stevie Wonder Schlager singt und Eminem Büttenreden hält. Aber wer sollte mir glauben?
Drei Jahre später:
Ich muss schon wieder fragen. „Keine Tricks?“ Gerade habe ich das neue Album von Naturally 7 gehört, zweimal hintereinander, und obwohl ich Roger, Warren, Dwight, Marcus, Rod, Jamal und Garfield längst kenne und schon fünf Mal live sah, kann ich es schon wieder nicht glauben. „Keine Tricks!“, erwidert Gruppenchef Roger. Ich schäme mich ein wenig, dass ich es erneut anzweifle, dass sie das ALLES nur mit dem Mund und etwas Körpereinsatz eingespielt haben. Und soviel sei vorweggenommen: „Ready To Fly“ steht musikalisch so gut im Saft, dass es sogar für eine Gruppe mit ganz gewöhnlichem Instrumenten-fuhrpark – Drums, Bass, Sequencer, Keyboards – eine Auszeichnung wäre. Dass es ohne all dem entstand, macht es zur Sensation. Wenn diese Platte keinen Grammy gewinnt, schnitz ich einen mit eigenen Händen.
Lost in Europe:
Seit ihrem Nummer-Eins-Hit „Music Is The Key“ mit Sarah Connor haben Naturally 7 in Europa eine neue Heimat gefunden. Von Deutschland aus zogen ihre Auftritte immer größere Kreise, nach Österreich, Schweiz, Frankreich, Skandinavien, Slowenien, Ungarn, sogar bis nach Japan und Singapur. Nur in ihrer Heimat, den USA, machen sie sich rar, kehren hauptsächlich zurück, um ihre Familien zu sehen.
Auf dieser Seite des großen Teichs ist die Band die Familie. Und glauben Sie nicht, dass das eine ähnlich harmonische Angelegenheit wäre wie ihr famoses Zusammenspiel! Da halten sieben starke Persönlichkeiten zusammen, alle mit ihren eigenen Spleens und Ansprüchen, mit einer Disziplin zwischen Energieüberschuss und innerem Schweinehund. Sich über Wochen hinweg 24 Stunden am Tag zu synchronisieren, ist eine Kunst für sich.
Und trotzdem bleibt Zeit, neue Stücke zu schreiben. In Hotelzimmern und -Lounges, zwischen Soundchecks und den Auftritten entstanden seit 2004 eine Fülle neuer Songs, die Naturally 7 auf die nächste Stufe ihres Schaffens hieven. 20 Stücke umfasst die CD, und nichts davon ist business as usual. Für dieses zweite reguläre, in Europa erscheinende Album hat sich das Septett hohe Ziele gesetzt: den Instrumentenklang ihrer Stimmen perfektionieren, gleichzeitig aber den Vokal-Charakter ihrer Musik in den Vordergrund stellen – weniger Effekte, dafür einen vollendeten Gesamteindruck. Außerdem wollten sie ihren pop value erhöhen. Ihre Lieder sollten einladender, mitreißender werden, weniger darauf angelegt, als Schaustücke für ihre Stimmakrobatik zu dienen. Und sie sollten spiritueller werden. Pop und Spiritualität? „Es ist schwer, einen geistlichen Anspruch zu verfolgen und den Leuten trotzdem einen leichten Einstieg in die Musik zu bieten“, gibt Roger zu. Diesen Grat haben sie sonderbar leicht überwunden. Denn „Ready To Fly“ ist keine 70-minütige Lobpreisung des Herrn, sondern eine ermutigende Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. „Jedes unserer Lieder hat eine Botschaft und, ja, die ist meist vertikal. Aber sie pulsiert im Rhythmus eines lebensfrohen Herzens. Wir mussten dafür nicht unsere künstlerische Alleinstellung opfern“, stellt Dwight klar.
Nur zwei halbe Coverversionen:
Auf dem Album „Ready II Fly“ hört sich das dann so an: „In The Air Tonight“, Phil Collins' einzige Nummer, die keine Glaubenskriege auslöst, erhält von Naturally 7 ein elegantes Sound-Kostüm voller Soul, geschmei-diger Rap-Passagen und einen Text, der die ursprüngliche Geschichte vom Zeugnis eines Mordes zu einem Zeugnis der Himmelfahrt wandelt. Das mag ironisch wirken, ist aber ein gottgefällig cleverer Zug. Die zweite halbe Coverversion, „What I'm Lookin’ 4“, ist Rogers sehr persönliche Adaption von Diana Ross' „Ain't No Mountain High Enough“, ein Hohelied auf mütterliche Weisheit und die Kraft, die sie freizusetzen vermag. (Das Diana-Ross-Sample ist übrigens nicht von Naturally 7 mündlich imitiert – es ist ein knisternder Nachbau mit der Stimme von Dwights Ehefrau, Seon Scott.)
Neben diesen zwei Referenzen brillieren Naturally 7 mit ihren Eigenkompositionen, auf einem Niveau, das jeden Freund von R&B-inspirierter Popmusik begeistern muss. Und jeden Soul-Fan! Sechs der sieben Unglaublichen – Warren ist als Rhythmus und Herzschlag der Gruppe gesanglich ausgebremst – agieren als so überragende Sänger, dass es mir Tränen in die Augen treibt. Jeder einzelne könnte es als Solokünstler ganz nach oben in den Soul-Himmel schaffen, und doch ordnen sie ihre Talente ganz und gar der Idee von Naturally 7 unter. Der Gruppenverbund mag manchmal verschleiern, dass hier eine Supergroup von unfassbaren Talenten musiziert! Mir fällt in ganz Deutschland kein Pop-Sänger ein, der auch nur einem von ihnen das Wasser reichen könnte.
„Ready II Fly“ breitet stattliche Flügel aus. Sie überspannen Block-Party-Knüller („Can You Feel It“), Harmoniegesang in Vollendung („How Could It Be“), trostreiche Balladen („Forever For You“, „Comfort U“), provokante Auseinandersetzungen mit dem Erwachsenwerden („Tradition“), steviewonderish Glitter-Soul („New York“), bläserblechpolierter Shuffle-Funk („Cool“), herzerweichende Kinderchöre („4 Life“) und eine der tanzbarsten Gänsehautballaden, die ich seit langem von der anderen Seite des Soul gehört habe („Close 2 Me“).
Pyramidenbau:
Was sich in 70 Minuten so leicht und innig entspinnt, ist das Ergebnis einer diffizilen Studioarbeit, die nach heutigen Maßstäben einem Pyramidenbau gleicht. „Es brauchte allein 5 Monate, bis alles für eine reibungslose Studioarbeit vorbereitet war. Die Studioarbeit selbst dauerte nochmals 5 Monate“, erklärt Roger mit einer Stimme, in der all die Anstrengung nachhallt. „Selbst Studioprofis, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind, konnten kaum fassen, welche Arbeit es erfordert, unsere besondere Art vokaler Musik einzufangen“, ergänzt Rod. „Es ist eine Riesenarbeit! Man versteht das erst, wenn man dabei und mittendrin ist.“ Heutige Rock- und Popalben werden, sobald die Songs geschrieben sind, im Schnitt binnen ein, zwei Wochen im Studio eingespielt. Und Studiozeit kostet exorbitant viel Geld. Naturally 7 wollten dennoch keine Kompromisse eingehen, und tatsächlich, „Ready II Fly“ klingt um Klassen ausgereifter als der Vorgänger „What Is It?“
Um dieses Niveau auch live auf der Bühne zu wahren, haben Naturally 7 inzwischen ein „achtes“ Mitglied: Andrew Lefkowits, seit anderthalb Jahrzehnten Sound Engineer im Acapella-Wesen, wird das Weltklasse-Niveau von „Ready II Fly“ auch auf der Bühne zum Fliegen bringen.
True Friends:
Wir dürfen uns wieder freuen. Alles was Naturally 7 so unverwechselbar und erstaunlich macht, bleibt einzigartig und erstaunlich. Und sie sind besser als je zuvor! Verdammt, diese Jungs haben Erfolg mehr verdient als die meisten, die ich im Laufe meiner Entdeckungen im globalen Popdorf kennen, schätzen und bewundern gelernt habe. Ich kenne vor allem keine zweiten, die so viel überschäumendes Talent besitzen UND arbeiten wie Ackergäule. Als ich sie das letzte Mal traf, um alles über ihr neues Album zu erfahren, sind drei der Jungs am Tisch eingeschlafen, und es tat mir fast leid, dass ich ihre Zeit in Anspruch nahm. „Wenn ich die Wahl habe, mit Roger zu einem Interview zu gehen oder ihn allein gehen zu lassen, um eine Stunde mehr Schlaf zu kriegen, dann nehme ich die Stunde Schlaf“, gesteht Warren. Aber glauben Sie das bloß nicht! Da lässt keiner den anderen hängen. Die sind nicht nur professionell, sondern wahre Freunde!
Aber dass Naturally 7 alles nur mit Mund und Körper machen, glauben Sie doch jetzt hoffentlich?! Das Tamburin, zum Beispiel, wird durch Kratzen auf der Haut simuliert ... Nun habe ich mir zum siebten Mal „Ready II Fly“ angehört ... Also, ich muss da nochmal nachhaken ... Gar keine Tricks? Kaum zu glauben.
Naturally 7 sind:
Roger Thomas (Bariton, Rap, Arrangements), Warren Thomas („Percussion“, „Gitarre“, Tenor), Dwight Stewart (Bariton), Rod Eldridge (Tenor, „Trompete“), Garfield Buckley (Tenor, „Harmonika“), Jamal Reed (Tenor, Bariton, „Keyboards“, „Geigen“), Marcus Davis (Bass)
Eines Tages spielte Garfield Harmonika – ohne Harmonika. Es waren Geräusche, die aus seinem Mund kamen. „Hey, das ist gut, das können wir verwenden“, waren sich die anderen einig. Irgendwann machte auch Warren Geräusche. Sie hörten sich wie ein Schlagzeug an. „Hey, das ist gut, das können wir verwenden!“ – „Moment, das halte ich keinen Song lang durch!“ … Warren sollte sich täuschen.
Mit der Zeit entdeckten die chorreichen Sieben immer mehr überstimmliche Fähigkeiten, sie können heute die meisten Instrumente durch ihren Mund ersetzen. Doch ihr Talent reicht weiter. Man höre (und sehe) sich nur einmal an, wie Rod den DJ mimt: Er legt ein Vinyl auf, lässt die Nadel sinken, und es beginnt zu knistern. Ohne Vinyl, ohne Nadel, ohne Tricks! Mit einer Acapella-Band hat das Septett nur noch wenig gemein. Es ist eine vollwertige Pop-Band, die sich von Apparaten emanzipiert hat. Was immer Sie von Naturally Seven hören, kommt ohne Musikinstrumente aus! Auch wenn es unglaublich klingt. Schon beim nächsten vertrackten R&B-Rhythmus werden Sie wieder zweifeln … doch es ist wahr: ALLES MUNDGEMACHT. Von sieben Vokalvirtuosen von Gottes Gnaden. Sie sind die natürlichen Feinde des internationalen Instrumentenbaukartells. Sie sind Naturally Seven.
Ihr erster Auftritt als Stimmwunder neuer Art war ein Heimspiel. Die sieben sangen auf Garfields Hochzeit und hatten dafür den Song „Bless This House“ einstudiert. „Es hat uns Monate gekostet, dieses Lied hinzukriegen“, erinnert sich Roger Thomas, der Arrangeur, musikalische Leiter und Primus inter pares der Band. Ihre Musik ist eine knifflige Angelegenheit zum Üben, die Methoden des herkömmlichen Harmoniegesangs greifen zu kurz. „Wir fühlen uns nicht als Einheit, sondern arbeiten sehr hart, um einheitlich zu klingen“, untertreibt Roger und verschweigt, dass dieser Prozess Jahre dauert und faktisch ein Zusammenleben zu siebt erfordert. Naturally Seven sind inzwischen 220 Tage im Jahre on the road und geben Konzerte.
1999 überschritten Naturally Seven die magische Grenze von 100 Bühnenauftritten im Jahr. Und als sie wieder ihren halbjährlichen Gruppengipfel abhielten (auf dem sie sich kritisch bewerten und Ziele fürs kommende halbe Jahr festlegen), entschieden sie, ihre Jobs aufzugeben und von Freizeit- zu Profi-Musikern zu werden.
Sie haben zwar eine neue Weise des Musizierens entwickelt, aber die Musik mussten sie nicht neu erfinden. Alle sieben haben ihre Vorlieben, Stile, Lieblingslieder – und sie können sie alle interpretieren. In friedlicher Balance zaubern Naturally Seven Soul, Rap, Rock oder Folk aus ihren Kehlen, ihr Repertoire besteht zur Hälfte aus Eigenkompositionen, zur Hälfte aus Cover-Versionen. Da ertönen Disco-Klassiker (Don’t Stop The Music, Yarbrough & Peoples), Simon-and-Garfunkel-Hits (Bridge Over Troubled Water) und Rockballaden (More Than Words, Extreme), während ihre eigenen R&B-Kunst¬stücke locker mit jeder Neptunes-Produk¬tion Schritt halten. (Zur Erinnerung: Naturally Seven benutzen für all das weder Instrumente noch Sampler!)
Die sieben Stimmriesen haben eine wundervolle Art gefunden, mit der Vielfalt ihrer Stile umzugehen: Sie inszenieren ihre gegensätzlichen musikalischen Interessen gerne selbstironisch als Comedy. Wenn der mächtige Bassist Marcus sich in die Tiefen von Barry Whites fettem Brummgesang steigert, tritt irgendwann Dwight, der Kleinste der Band, neben ihn, stoppt sein Raunen, beginnt selbst zu singen – und unterbietet ihn noch um eine knappe Oktave. Woraufhin Marcus sich demütig in Fistelgesang übt … Es gibt viele solcher kleinen und großen Momente, die Naturally Seven auf der Bühne zelebrieren und ihren Auftritten Spannung, Witz und artistische Wunderlichkeit verleihen. Keine CD, kein Video kann dieses sagenhafte Entertainment annähernd vermitteln wie ein Live-Auftritt. Dennoch wird im Herbst ein neues Album erscheinen, ihr zweites. War das erste („Non-Fiction“) noch sehr jazzful und musikologisch komponiert, wird das zweite eine neue Qualität von Popmusik bieten, die schon beim bloßen Hören zündet, und dessen organische Anmutung Naturally Seven spürbar von glatt produzierten R&B-Bands unterscheidet.
Naturally Seven sind weltweit beim Schweizer Label Festplatte unter Vertrag. Die Artist-Development-Zelle in Oberägeri hatte von der Musik des Septetts bereits eine Vision, bevor sie es überhaupt kannte. Nur dem Rat eines US-Kollegen folgend flogen die beiden Festplattenchefs extra nach Nashville, um die Band zu sehen, und da funkte es sofort. „Wir sind sehr froh, mit Festplatte einen Vertrag gemacht zu haben. Es kam bis dahin nicht vor, dass eine Plattenfirma unsere musikalischen Gefühle teilte sowie unsere Vision, vocal music auf eine neue Ebene zu heben; eine, die niemals zuvor zu hören war“, sagt Roger zufrieden. Das Nachsehen hatte Blue Note Records – sie gingen zu spät auf die Band zu.
Mit freundlicher Erlaubnis von
Quelle & Copyright : BMG
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Wahrscheinlich war ich erst der dritte Deutsche, der diese sieben Künstler traf. Helmut Fest und Jörg Beuttner nahmen Naturally 7 im Jahr 2002 auf ihrem Label Festplatte unter Vertrag, nachdem sie in Nashville einen ihrer Atem raubenden Auftritte erlebt hatten. Und dann schickten sie mich nach New York, um das Phänomen in Worte zu fassen. Der Auftrag: Schreib ein kurzes Künstlerpoträt, das Naturtally 7 sinnlich begreiflich macht. Deutschland sollte allen Anlass haben, sich auf etwas ganz Besonderes zu freuen.
Kein Ding, sagte ich.
Dass es leichter werden würde, eine glaubhafte Episode von Sex And The City zu schreiben, davon ahnte ich noch nichts, als ich im März 2003 in dem Studio in der West 52nd Street erschien, um Naturally 7 live zu sehen. Denn nach einer gut halbstündigen Show standen die Münder der zehn geladenen Gäste (darunter Blue-Note-Präsident Bruce Lundvall) weit offen. Und ich hatte ein Problem: Das nimmt mir doch kein Mensch ab, dachte ich. Da stehen sieben schwarze Jungs, die machen mehr Alarm als Nelly, R. Kelly, Dru Hill, Jaheim (und wie die ganzen Crooner und R&B-Hunde heißen), aber haben KEIN EINZIGES INSTRUMENT! Ihre ganze Musik, die Rhythms & Beats, der Bass, die Keyboardflächen und obenauf Soul-Stimmen von so ergreifender Klasse, wie ich sie in den vergangenen 15 Jahren kaum gehört hatte - sie schafften das alles mit nichts als ihrem ausgesprochen vielseitigen Mundwerk. Hat jemand „Acapella“ gesagt? Oh, come on! Das ist so wenig Acapella wie Stevie Wonder Schlager singt und Eminem Büttenreden hält. Aber wer sollte mir glauben?
Drei Jahre später:
Ich muss schon wieder fragen. „Keine Tricks?“ Gerade habe ich das neue Album von Naturally 7 gehört, zweimal hintereinander, und obwohl ich Roger, Warren, Dwight, Marcus, Rod, Jamal und Garfield längst kenne und schon fünf Mal live sah, kann ich es schon wieder nicht glauben. „Keine Tricks!“, erwidert Gruppenchef Roger. Ich schäme mich ein wenig, dass ich es erneut anzweifle, dass sie das ALLES nur mit dem Mund und etwas Körpereinsatz eingespielt haben. Und soviel sei vorweggenommen: „Ready To Fly“ steht musikalisch so gut im Saft, dass es sogar für eine Gruppe mit ganz gewöhnlichem Instrumenten-fuhrpark – Drums, Bass, Sequencer, Keyboards – eine Auszeichnung wäre. Dass es ohne all dem entstand, macht es zur Sensation. Wenn diese Platte keinen Grammy gewinnt, schnitz ich einen mit eigenen Händen.
Lost in Europe:
Seit ihrem Nummer-Eins-Hit „Music Is The Key“ mit Sarah Connor haben Naturally 7 in Europa eine neue Heimat gefunden. Von Deutschland aus zogen ihre Auftritte immer größere Kreise, nach Österreich, Schweiz, Frankreich, Skandinavien, Slowenien, Ungarn, sogar bis nach Japan und Singapur. Nur in ihrer Heimat, den USA, machen sie sich rar, kehren hauptsächlich zurück, um ihre Familien zu sehen.
Auf dieser Seite des großen Teichs ist die Band die Familie. Und glauben Sie nicht, dass das eine ähnlich harmonische Angelegenheit wäre wie ihr famoses Zusammenspiel! Da halten sieben starke Persönlichkeiten zusammen, alle mit ihren eigenen Spleens und Ansprüchen, mit einer Disziplin zwischen Energieüberschuss und innerem Schweinehund. Sich über Wochen hinweg 24 Stunden am Tag zu synchronisieren, ist eine Kunst für sich.
Und trotzdem bleibt Zeit, neue Stücke zu schreiben. In Hotelzimmern und -Lounges, zwischen Soundchecks und den Auftritten entstanden seit 2004 eine Fülle neuer Songs, die Naturally 7 auf die nächste Stufe ihres Schaffens hieven. 20 Stücke umfasst die CD, und nichts davon ist business as usual. Für dieses zweite reguläre, in Europa erscheinende Album hat sich das Septett hohe Ziele gesetzt: den Instrumentenklang ihrer Stimmen perfektionieren, gleichzeitig aber den Vokal-Charakter ihrer Musik in den Vordergrund stellen – weniger Effekte, dafür einen vollendeten Gesamteindruck. Außerdem wollten sie ihren pop value erhöhen. Ihre Lieder sollten einladender, mitreißender werden, weniger darauf angelegt, als Schaustücke für ihre Stimmakrobatik zu dienen. Und sie sollten spiritueller werden. Pop und Spiritualität? „Es ist schwer, einen geistlichen Anspruch zu verfolgen und den Leuten trotzdem einen leichten Einstieg in die Musik zu bieten“, gibt Roger zu. Diesen Grat haben sie sonderbar leicht überwunden. Denn „Ready To Fly“ ist keine 70-minütige Lobpreisung des Herrn, sondern eine ermutigende Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. „Jedes unserer Lieder hat eine Botschaft und, ja, die ist meist vertikal. Aber sie pulsiert im Rhythmus eines lebensfrohen Herzens. Wir mussten dafür nicht unsere künstlerische Alleinstellung opfern“, stellt Dwight klar.
Nur zwei halbe Coverversionen:
Auf dem Album „Ready II Fly“ hört sich das dann so an: „In The Air Tonight“, Phil Collins' einzige Nummer, die keine Glaubenskriege auslöst, erhält von Naturally 7 ein elegantes Sound-Kostüm voller Soul, geschmei-diger Rap-Passagen und einen Text, der die ursprüngliche Geschichte vom Zeugnis eines Mordes zu einem Zeugnis der Himmelfahrt wandelt. Das mag ironisch wirken, ist aber ein gottgefällig cleverer Zug. Die zweite halbe Coverversion, „What I'm Lookin’ 4“, ist Rogers sehr persönliche Adaption von Diana Ross' „Ain't No Mountain High Enough“, ein Hohelied auf mütterliche Weisheit und die Kraft, die sie freizusetzen vermag. (Das Diana-Ross-Sample ist übrigens nicht von Naturally 7 mündlich imitiert – es ist ein knisternder Nachbau mit der Stimme von Dwights Ehefrau, Seon Scott.)
Neben diesen zwei Referenzen brillieren Naturally 7 mit ihren Eigenkompositionen, auf einem Niveau, das jeden Freund von R&B-inspirierter Popmusik begeistern muss. Und jeden Soul-Fan! Sechs der sieben Unglaublichen – Warren ist als Rhythmus und Herzschlag der Gruppe gesanglich ausgebremst – agieren als so überragende Sänger, dass es mir Tränen in die Augen treibt. Jeder einzelne könnte es als Solokünstler ganz nach oben in den Soul-Himmel schaffen, und doch ordnen sie ihre Talente ganz und gar der Idee von Naturally 7 unter. Der Gruppenverbund mag manchmal verschleiern, dass hier eine Supergroup von unfassbaren Talenten musiziert! Mir fällt in ganz Deutschland kein Pop-Sänger ein, der auch nur einem von ihnen das Wasser reichen könnte.
„Ready II Fly“ breitet stattliche Flügel aus. Sie überspannen Block-Party-Knüller („Can You Feel It“), Harmoniegesang in Vollendung („How Could It Be“), trostreiche Balladen („Forever For You“, „Comfort U“), provokante Auseinandersetzungen mit dem Erwachsenwerden („Tradition“), steviewonderish Glitter-Soul („New York“), bläserblechpolierter Shuffle-Funk („Cool“), herzerweichende Kinderchöre („4 Life“) und eine der tanzbarsten Gänsehautballaden, die ich seit langem von der anderen Seite des Soul gehört habe („Close 2 Me“).
Pyramidenbau:
Was sich in 70 Minuten so leicht und innig entspinnt, ist das Ergebnis einer diffizilen Studioarbeit, die nach heutigen Maßstäben einem Pyramidenbau gleicht. „Es brauchte allein 5 Monate, bis alles für eine reibungslose Studioarbeit vorbereitet war. Die Studioarbeit selbst dauerte nochmals 5 Monate“, erklärt Roger mit einer Stimme, in der all die Anstrengung nachhallt. „Selbst Studioprofis, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind, konnten kaum fassen, welche Arbeit es erfordert, unsere besondere Art vokaler Musik einzufangen“, ergänzt Rod. „Es ist eine Riesenarbeit! Man versteht das erst, wenn man dabei und mittendrin ist.“ Heutige Rock- und Popalben werden, sobald die Songs geschrieben sind, im Schnitt binnen ein, zwei Wochen im Studio eingespielt. Und Studiozeit kostet exorbitant viel Geld. Naturally 7 wollten dennoch keine Kompromisse eingehen, und tatsächlich, „Ready II Fly“ klingt um Klassen ausgereifter als der Vorgänger „What Is It?“
Um dieses Niveau auch live auf der Bühne zu wahren, haben Naturally 7 inzwischen ein „achtes“ Mitglied: Andrew Lefkowits, seit anderthalb Jahrzehnten Sound Engineer im Acapella-Wesen, wird das Weltklasse-Niveau von „Ready II Fly“ auch auf der Bühne zum Fliegen bringen.
True Friends:
Wir dürfen uns wieder freuen. Alles was Naturally 7 so unverwechselbar und erstaunlich macht, bleibt einzigartig und erstaunlich. Und sie sind besser als je zuvor! Verdammt, diese Jungs haben Erfolg mehr verdient als die meisten, die ich im Laufe meiner Entdeckungen im globalen Popdorf kennen, schätzen und bewundern gelernt habe. Ich kenne vor allem keine zweiten, die so viel überschäumendes Talent besitzen UND arbeiten wie Ackergäule. Als ich sie das letzte Mal traf, um alles über ihr neues Album zu erfahren, sind drei der Jungs am Tisch eingeschlafen, und es tat mir fast leid, dass ich ihre Zeit in Anspruch nahm. „Wenn ich die Wahl habe, mit Roger zu einem Interview zu gehen oder ihn allein gehen zu lassen, um eine Stunde mehr Schlaf zu kriegen, dann nehme ich die Stunde Schlaf“, gesteht Warren. Aber glauben Sie das bloß nicht! Da lässt keiner den anderen hängen. Die sind nicht nur professionell, sondern wahre Freunde!
Aber dass Naturally 7 alles nur mit Mund und Körper machen, glauben Sie doch jetzt hoffentlich?! Das Tamburin, zum Beispiel, wird durch Kratzen auf der Haut simuliert ... Nun habe ich mir zum siebten Mal „Ready II Fly“ angehört ... Also, ich muss da nochmal nachhaken ... Gar keine Tricks? Kaum zu glauben.
Naturally 7 sind:
Roger Thomas (Bariton, Rap, Arrangements), Warren Thomas („Percussion“, „Gitarre“, Tenor), Dwight Stewart (Bariton), Rod Eldridge (Tenor, „Trompete“), Garfield Buckley (Tenor, „Harmonika“), Jamal Reed (Tenor, Bariton, „Keyboards“, „Geigen“), Marcus Davis (Bass)
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