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Nelly Furtado Biographie

Nelly Furtado

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Ländliche Sagen und finstere Redensarten ebenso wie antike Vasen, die sicher unter Glas verschlossen sind, sind alles nette Reliquien vergangener Zeit. Allerdings scheinen die gelebte Geschichte und alte Bräuche aus verschiedenen Kulturen und Zeiten für Singer-Songwriter Nelly Furtado so inspirierend und rockig zu sein wie Monster-Beats aus einer Camaro-Stereoanlage.

Die Zeitlosigkeit gepaart mit einer gewissen Kantigkeit sind wichtige Komponenten für diese energiereiche Mélange, die Furtado in die vorderste Reihe der Popmusik katapultiert hat. Diese Mischung aus explosiver neuartiger Schlichtheit und großer Bandbreite erfahren wir auf "Folklore". Dieses Album ist Furtado's Nachfolger zu ihrem Mehrfach-Platin-Debut "Whoa, Nelly!" Es zeigt wie mannigfaltig und heftig Folklore – wie Nelly Furtado es sieht – kicken kann.

"Das hier ist die Folklore in meinem Kopf" sagt Furtado. "Das Wort wird meistens mit etwas altertümlichen in Verbindung gebracht, aber ich verdrehe dieses landläufige Verständnis ein wenig. Folklore ist etwas Magisches und Mystisches. Das gefällt mir. Aber darüber hinaus denke ich, dass es den Glauben an den Ursprung beinhaltet. Es geht im Grunde genommen um die Geschichten der Menschen. Jeder hat irgendwo seine eigene Folklore. Sie kann hell oder dunkel sein. Und sie muss nicht zwingend aus der Vergangenheit stammen. Der historische Aspekt ist nicht der, um den es geht. Was ist mit Promi-Klatsch? Das ist moderne Folklore! Die Ozzy-Story mit dem abgebissenen Fledermauskopf? Das ist ebenfalls Folklore!"

Furtado betrat erstmals die Szene im Herbst 2000, 20 Jahre alt, mit der hochgelobten Debüt-Veröffentlichung "Whoa, Nelly!" Radio-Tracks wie "I'm Like A Bird" und "Turn Off The Light", beides Top-10 Hits in den Billboard-Charts, machten den Zuhörer mit einer jungen Kanadierin bekannt, die in British Columbia geboren war und portugiesische Wurzeln hatte, und die einen eigenen Stil kreiert hatte, indem sie verschiedene Musikrichtungen miteinander kombinierte: HipHop, Portugiesischer Fado, Pop, Soul, Klassik, Brasil, Dance, Folklore, Latin und sonst noch alles, was ihr ausdrucksvoll und lebhaft erschien.

Durch die Arbeit mit dem Produzenten Team von Track & Field (Gerald Eaton und Brian West) in Toronto, wo sie seit ihrem Teeny-Alter lebt, wurden Fans und Musiker mit einem Ruck auf Furtado als außergewöhnliche, durch und durch glaubwürdige und talentierte Person aufmerksam. Die Songs, die sie mit ihrer auffallenden Stimme sang, handelten von alten, neuen und futuristischen Gefühlen; sie hatten lokalen und internationalen Bezug; sie waren ernsthaft und verschleiert; historisch und chic; und ihre Musik war wunderbar rhythmisch wie auch melodisch. All das gab Furtado und "Woah, Nelly!" eine Menge Anerkennung. Neben vieler anderer Auszeichnungen und Nominierungen bekam Nelly Furtado den Canadian Juno Award als "Best New Solo Artist" und "Best Songwriter" in 2001, und 2002 erhielt sie den Grammy für "I'm Like A Bird" als Best Female Pop Vocal Performance.

"Woah, Nelly!" blieb 2 Jahre auf dem Markt präsent – ein ganzes Leben, wenn man in Popmusik-Abschnitten denkt. Doch wie "Folklore" demonstriert war dies erst der Anfang. Die neuen Songs – von Track & Field und Furtado – entwickeln die Ideen und Gefühle weiter, die Furtado schon lange beschäftigen. Und wieder einmal schafft sie es, sämtliche Stil-Grenzen zu überwinden, die Popmusik gerne etwas schal wirken lassen können. Allen der Blick auf den ersten Radio-Track "Powerless (Say What You Want)" ist Beweis genug.

Furtado begann mit "Folklore" indem sie Demos von den Songs aufnahm, die sie ihrer Burn-In-The-Spotlight-Tour 2002 geschrieben hatte. Zuerst arbeitete sie nur allein. "Aber ich kam irgendwann an den Punkt an dem ich dachte 'hmm, irgendwie vermisse ich die Arbeit mit Track & Field" sagt Furtado. "Denn ich finde, dass, wenn ich mit ihnen arbeite, fügt sich meine Musik recht zügig und sehr mühelos zusammen. Und Spaß macht es auch – und darum sollte es beim Musik-Machen ja letztlich auch gehen; Wenn Du keinen Spaß hast, wozu dann das Ganze?. Also trafen wir uns im letzten Frühjahr in Santa Monica/Californien und begannen die Zusammenarbeit."

Furtado stellte fest, dass ihr neues Songmaterial um einiges anders war als das vom letzten Album. "Ich glaube, ich bin einfach reifer geworden" sagt sie. "Bei vielen Songs von der letzten Platte war ich noch ein Teenager. Ich hab damals einfach geschrieben und drauflosgekritzelt und hatte überhaupt keine Lebenserfahrung. Beim Debüt war ich mir sehr sicher, dass ich keinesfalls ein trauriges Album machen wollte. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, stark genug zu sein, um mich auf die Bühne zu stellen und glaubwürdig melancholische Songs vorzutragen. Also habe ich mich absichtlich für fröhliche und energiegeladene Tracks entschieden. Ich wollte Frohsinn und Happiness und bunte Farben mit der Welt teilen. Jetzt blicke ich zurück und finde, dass ich durchaus beides kann – positiv sein und trotzdem rau und real zugleich. In der Vergangenheit habe ich mich oft hinter Metaphern versteckt. Es gab immer irgendwie eine Art Schleier im Vordergrund. So etwas gibt es jetzt gar nicht mehr bei mir. Ich bin sehr direkt geworden. Fühle mich aber auch viel entspannter in meiner Haut, schätze ich."

Musikalisch kommt Furtado so abenteuerlustig wie immer daher, mit der Freiheit des HipHop, dem Faible für glitzernden U.S.-Pop sowie mit dem gnarzenden Gitarren-Rock, mit dem sie aufwuchs. Und trotzdem behält sie ihre Leidenschaft auch für Folk und den Flair internationaler Formen. Der erste Song, der sie total in ihren Bann genommen hatte war der einer frühen fusion-afinen Seele: Prince. Der Song: "Power Fantastic", den Furtado zum ersten Mal auf einem Mix-Tape ihrer Freundin hörte. "So etwas hatte ich vorher noch nie gehört" erinnert sie sich. "Ich glaube, er hat mich so fasziniert, weil er rein stimmlich so wundervoll war. Und gleichzeitig so irre emotional." Letztendlich begann Furtado die Arbeit verschiedenster Musiker zu lieben, wie die der Smashing Pumpkins und Jeff Buckley, Nusrat Fateh, Ali Khan und Caetano Veloso (Veloso taucht mit Banjo-Spieler Béla Fleck und dem Kronos Quartet auch auf "Folklore" auf).

Als Tochter Portugiesischer Eltern, die nach Kanada immigriert waren, hatte Furtado immer schon viele verschiedene Musikrichtungen gehört, von Portugiesischem Folklore bis Religiöser Musiken. "Ich betrachte Musik mit einer großen Offenheit und mit Weitwinkel" sagt sie. "Wenn du dich nicht verschließt, gibt es keinerlei Grenzen. Du kannst tun und lassen was du willst und das völlig vorbehaltlos. Es gibt einen großen Unterschied zwischen vorbehaltlos sein und keinen eigenen Geschmack haben. Du kannst deinen Weg durch viele Genres navigieren, und das tu ich nun mal." Furtados Karriere und ihre Musik demonstrieren dies auf eindrucksvolle Weise.

In 2001 sang sie einen Remix von Missy Elliott's "Get Ur Feak On", während sie 2002 "Fotografia" aufnahm, ein Duett mit dem kolumbianischen Sänger und Gitarristen und Grammy-Gewinner Juanes, der Nummer 1 in Südamerika. Doch trotz des breitgefächerten Interesses, bleibt Furtado bei "Folklore" oft bei ihren portugiesischen Wurzeln und ihren beeindruckenden Erinnerungen und Gedanken bezüglich ihrer Herkunft. Als da wäre beispielsweise die Kirchenmusik, mit der sie aufwuchs. "Ich könnte zum Beispiel bei meiner Tante zum Grillen sein" erklärt sie "in ihrem Haus, ihrer Küche, beim Kochen, Zubereiten von Hühnchen und beim Portwein-Trinken. Jemand könnte sich ein Kirchenbuch schnappen, ein Gesangbuch und zu singen beginnen. Und ich würde sogleich mitmachen. Auf einmal hat es mit Kirche nichts mehr zu tun, sondern vielmehr mit dem Verbunden-Sein von Menschen in ihrer Heimat. Ich bin ganz sicher, dass mein Gespür für Melodien daher kommt, dass ich mit all diesen portugiesischen Kirchenliedern aufgewachsen bin. Es ist komisch – es ist nur eine Melodie und ein Text, aber es kommt dir vor als wärest du ganz wo anders, wenn du es hörst."

Ihr Wunsch, Folklore wieder modern zu machen beeinflusste Furtado beim schreiben ihres Albums. "Ich wollte so gerne eine Platte machen, die mit Folklore-Themen spielt, aber gleichzeitig modern ist" sagt sie. "Folk ist universal. In jedem Land, jeder Nation, jeder Sprache kann jemand die Gitarre in die Hand nehmen und musikalisch von seiner Herkunft erzählen. Es ist spontan, real, down-to-earth und familiär. Mit diesen Themen spielen wir indem wir aus allen möglichen Ländern bestimmte Folk-Instrumente einsetzen. Darum haben wir auch Dinge wie Banjo und Akkordeon mit dabei, um die Mischung hinzukriegen."

Die Zielrichtung für dieses Album kristallisierte sich heraus während eines Urlaubs auf den Azoren im Atlantik, wo Furtados Familie ursprünglich herkommt. "Ich besuchte die Großmutter einer Freundin von mir und sie hatte all ihre wunderschönen ur-alten und antiken Fotos auf einer zementierten Terrasse ausgebreitet. All diese Bilder lagen da auf diesem zementigen Tisch, all ihre Dinge standen draußen und sie hatte all ihre Wäsche auf der Leine als es begann ein wenig zu regnen. Von hier oben vom Hügel konnte ich auf den Ozean blicken und die anderen Hügel. Und aus der Ferne hörte ich wie jemand mit seinem Wagen vorbeifuhr und aus der Anlage Techno-Musik dröhnte."

Für Nelly Furtado macht alles einen glücklichen/traurigen, folkisch/hiphoppigen, fremden/lokalen, hoffnunsvollen Sinn. "Ich würde liebend gerne beschrieben werden als singende das Mädchen, das auf der Veranda sitzt, in einem Schaukelstuhl. Ich möchte so gerne die Weisheiten meiner Vorfahren, von meinen Großeltern und meiner Herkunft festhalten. Ich würde gerne gesehen werden wie eine Frau, wie ein Mädchen, das an der Welt knibbelt, aber auch gleichzeitig für diese betet."
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