OFX Biographie
OFX
Wenn ihn nur dieser Unfall nicht aus unserer Mitte gerissen hätte ... KLR, das siebte Mitglied der Saïan Supa Crew, widmete sein Leben dem HipHop. Anno 1996 tat er sich mit Feniksi und OFX zusammen, einer Crew aus Noisy-le-Sec, zu der im darauf folgenden Jahr auch Vicelow stoßen sollte. Wenig später wurde die Saïan Supa Crew gegründet, zu deren Line-Up neben den drei bereits genannten Freunden auch Leeroy, Samuel, Sly und Specta zählten. Ihr Livedebüt fand im Februar 1998 im New Morning in Paris statt. Schon bald zählten Saïan, die Rap mit Human-Beatbox-Sounds mixten, zu den innovativsten Vertretern der Szene. Bereits zwei Jahre später trat die Crew im ausverkauften Pariser Zenith auf und feilte während einer schier endlosen Serie von Touren unermüdlich weiter an ihren Skills. 1999 erschien ihr erstes Album KLR (Source), das prompt mit Platin veredelt wurde. Weitere zwei Jahre gingen ins Land, bis das nächste Saïan-Album X RAISONS (Source) auf den Markt kam, vergoldet und in einer zusätzlichen Version mit amerikanischen und britischen Künstlern für den breiten europäischen Markt produziert wurde. Die Saïan-Saga entwickelte eine unaufhaltsame Eigendynamik.
2003 tauchten Feniksi und Vicelow im Studio ab, um an den ersten Tracks für ROOTS zu arbeiten. Aus Loyalität zu ihrem verstorbenen Freund behielten sie den ursprünglichen Namen bei (OFX ist übrigens ein Pseudo-Akronym für l'Originalité Fait Nos LyriX [Originalität macht unsere Texte aus]). Feniksi: "Wenn wir einen anderen Namen verwendet hätten, wäre das so, als ob wir KLR töten würden. Undenkbar - KLR war ein aktives Mitglied von OFX. Er wird immer ein Teil von uns sein." In letzter Zeit haben bekanntlich verschiedene HipHop-Gruppen einzelnen Mitgliedern genügend Freiraum für ein komplettes Album eines Nebenprojekts eingeräumt, und so konnten sich auch Feniksi und Vicelow auf ein Projekt konzentrieren, das direkt mit einem wichtigen Kapitel ihrer persönlichen Geschichte verbunden war: OFX.
Das OFX-Album hatte noch nicht das Licht der Welt erblickt, als auch schon Gerüchte kursierten, dass die Saïan Supa Crew der Vergangenheit angehörte. Gleichzeitig begab sich die Posse im Oktober 2003 auf eine zweiwöchige Tour durchs UK, die ihren internationalen Erfolg weiter untermauerte. Unter den gegebenen Umständen traf Herbie (Rock It, Watermelon Man) Hancocks Motto den Nagel mehr denn je direkt auf den Kopf: "Mach die Probleme anderer nie zu deinen eigenen; bleib auf dem Weg, den du gewählt hast." Diese Weisheit nahmen sich OFX zu Herzen. Auf ROOTS beschäftigen sie sich mit einer breiten Auswahl von Themen (so zum Beispiel Black Culture, Frauen, Tod, Drogen etc.), musikalischen Stilrichtungen und Flows, und ihre technische Leistung liefert fruchtbaren Boden für neue Experimente. Humor - auch Selbstironie - spielt eine große Rolle, und ein Gefühl von Zelebration bleibt stets gegenwärtig. Mit einem Fuß im Land ihrer Wahl - wenn nicht gar im Land ihrer Bestimmung - und mit dem anderen fest auf dem Boden von Mutter Afrika, blicken OFX ihrem Schicksal und ihrer Verantwortung gelassen ins Auge: Das ist es wohl, was man gemeinhin Reife nennt.
Der OFX-eigene Stil, die Dinge anzugehen, spiegelt sich perfekt in dem Track Ovni 2, einer Art Hymne an die Freiheit mit einem Schwindel erregenden Saitenpart, der einen Schlussstrich unter die drohende Revolution zieht. Jeder Track ist sorgfältig überlegt und aufgebaut und dient in allererster Linie den hehren Zielen des HipHop, der Kunst schlechthin und der kollektiven Kreativität.
Das Album beginnt mit Viens, einer Nummer bestehend aus eigenwilligen Synthesized-Bass-Lines und rasiermesserscharfen Kombinationen von Reimen und Ideen. Nächster Halt Lagos, genau wie Black Rock (featuring Sänger M) eine Hommage an das afrikanische Erbe der Musiker. Der Text kommt auf französisch, in nigerianisch angehauchtem gebrochenem Englisch und in Yoruba daher, einer Sprache, deren Grundbegriffe Feniksi von seinen Eltern lernte. "Wir feiern die Tatsache, dass es so vielen Afrikanern gelingt, sich ihr musikalisches Erbe - und die Fähigkeit zu lächeln - zu bewahren, obwohl sie so viel Leid kennen gelernt haben", lautet Vicelows Kommentar. Als Komponist der meisten dieser Stücke spielt Feniksi mit Riffs, die er sich vom Afro-Beat oder Reggae geborgt hat. Das ganze Album trägt seinen Stempel: Es gibt jede Menge Highjinks mit Samples sowie echten Instrumenten, stets bemüht, ein organisches Feel zu erhalten. Bis zu einem Punkt, an dem man sich am Ende gar nicht mehr so sicher ist, ob man Samples oder Instrumente hört - seine Spuren zu verwischen zählt bekanntlich zu Feniksis Spezialitäten. Auf Lagos wirken jazz-gefärbte Flöten und scharfkantige Gitarren mit Percussions zusammen, die ausschließlich von Mutter Afrika erzählen.
Ein paar Songs weiter signalisiert Yellow Mo'mo eine Rückkehr zu den sinnlichen Yoruba-Klängen in Rhythmus und Song. "Ich baute das Stück um etwas herum, das mir meine Mutter vorsang, wenn ich mich als Kind weigerte, scharf gewürzte Speisen zu essen", erinnert sich Feniksi. Ein eindringliches Gitarrensample, eine sprachgewaltige Trommel und ein Ruf-und-Antwort-Chor wirken zusammen und geben dem Hörer das Gefühl fortzuschweben - oder vielleicht auch fortzurocken, bewegt vom Geist King Sunny Adés, dem berühmten und ausgesprochen innovativen nigerianischen Juju-Star. Dieser Track - der wohl am offensichtlichsten afrikanisch inspirierte des Albums - integriert Rap auf brillante Weise. "Wir zielen auf weit verbreitete Klischees über Schwarze ab", erklärt Vicelow. "Heute sind unsere Ketten unsichtbar." Dank eines Vaters aus Togo und einer Mutter aus Guadeloupe fühlt er sich eng mit
"Die Auswirkungen der weltweiten Zerstreuung der afrikanischen Bevölkerung leben fort. In Mon Histoire erzählt jeder Vers von der Sklaverei. Wir sprechen über eine schwarze Nation in der ersten Person", sagt Vicelow. Die Verwendung der ersten Person verleiht dem Stück zusätzliche Dramatik, bis die Spannung in der dreimaligen Wiederholung des letzten Satzes eines jeden Verspaares eskaliert:der Geschichte der afrikanischen Diaspora verbunden.
"I am torn between fear and rage."
"I am torn between fear and rage."
"I am torn between fear and rage."
Während der stotternde Beat einem Gospelgesang weicht, ertönt ein Schrei voller Leid und gleichzeitig voll tröstlicher Hoffnung.
Frankreich ist in France ebenfalls als Mutter präsent, allerdings als eine Mutter, die sich entrüstet aufrichtet, während sie manche ihrer Kinder aufgibt oder misshandelt:
"I mind, even though it could be worse
I mind, because she has become frightened
Of her own children."
Cello und Gitarre weben zarte Muster, seufzen vor heruntergeschlucktem Kummer. "Wir drücken uns immer noch in Begriffen der Liebe aus", bemerkt Vicelow. "Es ist kein Zufall, dass wir in Frankreich sind. Frankreich ist unsere Mutter, trotz aller Probleme. Wir bemühen uns, unsere afrikanischen Einflüsse auszuleben, aber wir sind in Frankreich geboren, zur Schule gegangen, und wir leben hier."
Die Mitglieder von OFX sind große Freunde der Metapher: In Là oú wettern sie zu einer Dancehall-Melodie ihres Special Guest Sir Samuel (ebenfalls Saïan) gegen die "White Lady" (Drogen), jene Fleisch gewordene, erbarmungslose Verführerin.
Ein weiterer Saïan-Gast ist Sly, der in Je Rap sowie in zwei der Interludes des Albums zu hören ist. Mit seiner kratzigen Stimme legt er los wie ein Besessener, während Vicelow singt:
"I rap like I was tagging
Thumbing my lyrical nose at the State. (...)
I rap like I was tattooing
Sticking my words, my life, to my skin."
Der Fela-inspirierte Beat wird unterstützt durch fließende Ballaphon-Percussions von Griot-Künstler Lansana Kouyaté - dem breiten Publikum vielleicht besser bekannt durch seine Auftritte mit Maestro Cheick Tidiane Seck aus Mali - und untermalt von einem seidigen Afro-Jazz-Doublebass. Gelobt seien die fruchtbaren musikalischen Felder Afrikas!
Toi wiederum ist reine, unverfälschte Saïan Supa Crew. Unter Brüdern bleibt nichts ungesagt: Kritik, Spott und Liebe werden in gleichen Maßen ausgeteilt. Feniksi erklärt: "Wir sprechen über unsere Bruderschaft innerhalb der Saïan Supa Crew und sagen, dass wir hart miteinander zu Gericht gehen können, ohne die Gruppe deshalb gleich auflösen zu müssen." Die Saïan Supa Crew hat sich inzwischen von sieben auf fünf Mitglieder reduziert; erschütternde, halb gesungene, halb gerappte, intensive Texte werden zu KLR gewidmeten Versen - hier findet die geballte emotionale Ladung ihren Höhepunkt.
Der Tod wird lebendig mit Trop Tard, Trop Vite, ausgedrückt in Ekel und Bedauern vor einem nüchternen Beat.
Dann ist da noch der Sarkasmus von Soeurs J, wo das geschickte Zusammenspiel zwischen den MCs getragen wird durch Klänge, die an unter Wasser gespielte Ballaphons erinnern (tatsächlich handelt es sich um Feniksis Xylophon).
Von einer alten Aufnahme geborgt, wurde der Jean-Claude-Annoux-Song Jeunes Loups sorgfältig überarbeitet und in seine Einzelteile zerlegt; seine Phrasen bauen ihn zu einem neuen Klanggefüge von großer Komplexität auf.
Das zurückhaltende Berceuse, eine Ballade ohne Bass und Drums, ist eine Reflexion über ein Leben ohne Vater, mit sanfter Stimme vorgetragen von der jungen germano-nigerianischen Sängerin Ayo.
Lady wurde inspiriert von einer Geschichte, die ganz Frankreich aufrüttelte: Es geht um den tragischen Tod eines jungen Mädchens, das bei lebendigem Leibe von einem jungen Mann aus seinem Dorf verbrannt wurde -
"You toasted that slut
Cos she had more guts than you guys
Looks you in the eye
Doesn't tremble when you yell."
Die beiden unerbittlichen Rapper halten sich nicht zurück:
"But that slut is your daughter,
That slut is your sister,
That slut is your mother."
Später gibt es ein weiteres Ballaphon-Thema, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Lansana Kouyaté und von Feniksi behutsam harmonisiert, sowie eine von Ayo sanft gesummte Litanei, ein Ausgleich zu den überwältigenden Texten, die erbarmungslos auf das Gewissen einhämmern.
Vergesst niemals die Schrecken der Vergangenheit, aber seid kreativ im Hier und Jetzt und erweitert euren Geist und euren Horizont: Dies sind nur einige der erklärten Ziele von OFX. Es ist für jeden Menschen wie für jede Blume auf diesem Planeten gleichermaßen wichtig, aufzustehen und der Zukunft ins Auge zu blicken.
2003 tauchten Feniksi und Vicelow im Studio ab, um an den ersten Tracks für ROOTS zu arbeiten. Aus Loyalität zu ihrem verstorbenen Freund behielten sie den ursprünglichen Namen bei (OFX ist übrigens ein Pseudo-Akronym für l'Originalité Fait Nos LyriX [Originalität macht unsere Texte aus]). Feniksi: "Wenn wir einen anderen Namen verwendet hätten, wäre das so, als ob wir KLR töten würden. Undenkbar - KLR war ein aktives Mitglied von OFX. Er wird immer ein Teil von uns sein." In letzter Zeit haben bekanntlich verschiedene HipHop-Gruppen einzelnen Mitgliedern genügend Freiraum für ein komplettes Album eines Nebenprojekts eingeräumt, und so konnten sich auch Feniksi und Vicelow auf ein Projekt konzentrieren, das direkt mit einem wichtigen Kapitel ihrer persönlichen Geschichte verbunden war: OFX.
Das OFX-Album hatte noch nicht das Licht der Welt erblickt, als auch schon Gerüchte kursierten, dass die Saïan Supa Crew der Vergangenheit angehörte. Gleichzeitig begab sich die Posse im Oktober 2003 auf eine zweiwöchige Tour durchs UK, die ihren internationalen Erfolg weiter untermauerte. Unter den gegebenen Umständen traf Herbie (Rock It, Watermelon Man) Hancocks Motto den Nagel mehr denn je direkt auf den Kopf: "Mach die Probleme anderer nie zu deinen eigenen; bleib auf dem Weg, den du gewählt hast." Diese Weisheit nahmen sich OFX zu Herzen. Auf ROOTS beschäftigen sie sich mit einer breiten Auswahl von Themen (so zum Beispiel Black Culture, Frauen, Tod, Drogen etc.), musikalischen Stilrichtungen und Flows, und ihre technische Leistung liefert fruchtbaren Boden für neue Experimente. Humor - auch Selbstironie - spielt eine große Rolle, und ein Gefühl von Zelebration bleibt stets gegenwärtig. Mit einem Fuß im Land ihrer Wahl - wenn nicht gar im Land ihrer Bestimmung - und mit dem anderen fest auf dem Boden von Mutter Afrika, blicken OFX ihrem Schicksal und ihrer Verantwortung gelassen ins Auge: Das ist es wohl, was man gemeinhin Reife nennt.
Der OFX-eigene Stil, die Dinge anzugehen, spiegelt sich perfekt in dem Track Ovni 2, einer Art Hymne an die Freiheit mit einem Schwindel erregenden Saitenpart, der einen Schlussstrich unter die drohende Revolution zieht. Jeder Track ist sorgfältig überlegt und aufgebaut und dient in allererster Linie den hehren Zielen des HipHop, der Kunst schlechthin und der kollektiven Kreativität.
Das Album beginnt mit Viens, einer Nummer bestehend aus eigenwilligen Synthesized-Bass-Lines und rasiermesserscharfen Kombinationen von Reimen und Ideen. Nächster Halt Lagos, genau wie Black Rock (featuring Sänger M) eine Hommage an das afrikanische Erbe der Musiker. Der Text kommt auf französisch, in nigerianisch angehauchtem gebrochenem Englisch und in Yoruba daher, einer Sprache, deren Grundbegriffe Feniksi von seinen Eltern lernte. "Wir feiern die Tatsache, dass es so vielen Afrikanern gelingt, sich ihr musikalisches Erbe - und die Fähigkeit zu lächeln - zu bewahren, obwohl sie so viel Leid kennen gelernt haben", lautet Vicelows Kommentar. Als Komponist der meisten dieser Stücke spielt Feniksi mit Riffs, die er sich vom Afro-Beat oder Reggae geborgt hat. Das ganze Album trägt seinen Stempel: Es gibt jede Menge Highjinks mit Samples sowie echten Instrumenten, stets bemüht, ein organisches Feel zu erhalten. Bis zu einem Punkt, an dem man sich am Ende gar nicht mehr so sicher ist, ob man Samples oder Instrumente hört - seine Spuren zu verwischen zählt bekanntlich zu Feniksis Spezialitäten. Auf Lagos wirken jazz-gefärbte Flöten und scharfkantige Gitarren mit Percussions zusammen, die ausschließlich von Mutter Afrika erzählen.
Ein paar Songs weiter signalisiert Yellow Mo'mo eine Rückkehr zu den sinnlichen Yoruba-Klängen in Rhythmus und Song. "Ich baute das Stück um etwas herum, das mir meine Mutter vorsang, wenn ich mich als Kind weigerte, scharf gewürzte Speisen zu essen", erinnert sich Feniksi. Ein eindringliches Gitarrensample, eine sprachgewaltige Trommel und ein Ruf-und-Antwort-Chor wirken zusammen und geben dem Hörer das Gefühl fortzuschweben - oder vielleicht auch fortzurocken, bewegt vom Geist King Sunny Adés, dem berühmten und ausgesprochen innovativen nigerianischen Juju-Star. Dieser Track - der wohl am offensichtlichsten afrikanisch inspirierte des Albums - integriert Rap auf brillante Weise. "Wir zielen auf weit verbreitete Klischees über Schwarze ab", erklärt Vicelow. "Heute sind unsere Ketten unsichtbar." Dank eines Vaters aus Togo und einer Mutter aus Guadeloupe fühlt er sich eng mit
"Die Auswirkungen der weltweiten Zerstreuung der afrikanischen Bevölkerung leben fort. In Mon Histoire erzählt jeder Vers von der Sklaverei. Wir sprechen über eine schwarze Nation in der ersten Person", sagt Vicelow. Die Verwendung der ersten Person verleiht dem Stück zusätzliche Dramatik, bis die Spannung in der dreimaligen Wiederholung des letzten Satzes eines jeden Verspaares eskaliert:der Geschichte der afrikanischen Diaspora verbunden.
"I am torn between fear and rage."
"I am torn between fear and rage."
"I am torn between fear and rage."
Während der stotternde Beat einem Gospelgesang weicht, ertönt ein Schrei voller Leid und gleichzeitig voll tröstlicher Hoffnung.
Frankreich ist in France ebenfalls als Mutter präsent, allerdings als eine Mutter, die sich entrüstet aufrichtet, während sie manche ihrer Kinder aufgibt oder misshandelt:
"I mind, even though it could be worse
I mind, because she has become frightened
Of her own children."
Cello und Gitarre weben zarte Muster, seufzen vor heruntergeschlucktem Kummer. "Wir drücken uns immer noch in Begriffen der Liebe aus", bemerkt Vicelow. "Es ist kein Zufall, dass wir in Frankreich sind. Frankreich ist unsere Mutter, trotz aller Probleme. Wir bemühen uns, unsere afrikanischen Einflüsse auszuleben, aber wir sind in Frankreich geboren, zur Schule gegangen, und wir leben hier."
Die Mitglieder von OFX sind große Freunde der Metapher: In Là oú wettern sie zu einer Dancehall-Melodie ihres Special Guest Sir Samuel (ebenfalls Saïan) gegen die "White Lady" (Drogen), jene Fleisch gewordene, erbarmungslose Verführerin.
Ein weiterer Saïan-Gast ist Sly, der in Je Rap sowie in zwei der Interludes des Albums zu hören ist. Mit seiner kratzigen Stimme legt er los wie ein Besessener, während Vicelow singt:
"I rap like I was tagging
Thumbing my lyrical nose at the State. (...)
I rap like I was tattooing
Sticking my words, my life, to my skin."
Der Fela-inspirierte Beat wird unterstützt durch fließende Ballaphon-Percussions von Griot-Künstler Lansana Kouyaté - dem breiten Publikum vielleicht besser bekannt durch seine Auftritte mit Maestro Cheick Tidiane Seck aus Mali - und untermalt von einem seidigen Afro-Jazz-Doublebass. Gelobt seien die fruchtbaren musikalischen Felder Afrikas!
Toi wiederum ist reine, unverfälschte Saïan Supa Crew. Unter Brüdern bleibt nichts ungesagt: Kritik, Spott und Liebe werden in gleichen Maßen ausgeteilt. Feniksi erklärt: "Wir sprechen über unsere Bruderschaft innerhalb der Saïan Supa Crew und sagen, dass wir hart miteinander zu Gericht gehen können, ohne die Gruppe deshalb gleich auflösen zu müssen." Die Saïan Supa Crew hat sich inzwischen von sieben auf fünf Mitglieder reduziert; erschütternde, halb gesungene, halb gerappte, intensive Texte werden zu KLR gewidmeten Versen - hier findet die geballte emotionale Ladung ihren Höhepunkt.
Der Tod wird lebendig mit Trop Tard, Trop Vite, ausgedrückt in Ekel und Bedauern vor einem nüchternen Beat.
Dann ist da noch der Sarkasmus von Soeurs J, wo das geschickte Zusammenspiel zwischen den MCs getragen wird durch Klänge, die an unter Wasser gespielte Ballaphons erinnern (tatsächlich handelt es sich um Feniksis Xylophon).
Von einer alten Aufnahme geborgt, wurde der Jean-Claude-Annoux-Song Jeunes Loups sorgfältig überarbeitet und in seine Einzelteile zerlegt; seine Phrasen bauen ihn zu einem neuen Klanggefüge von großer Komplexität auf.
Das zurückhaltende Berceuse, eine Ballade ohne Bass und Drums, ist eine Reflexion über ein Leben ohne Vater, mit sanfter Stimme vorgetragen von der jungen germano-nigerianischen Sängerin Ayo.
Lady wurde inspiriert von einer Geschichte, die ganz Frankreich aufrüttelte: Es geht um den tragischen Tod eines jungen Mädchens, das bei lebendigem Leibe von einem jungen Mann aus seinem Dorf verbrannt wurde -
"You toasted that slut
Cos she had more guts than you guys
Looks you in the eye
Doesn't tremble when you yell."
Die beiden unerbittlichen Rapper halten sich nicht zurück:
"But that slut is your daughter,
That slut is your sister,
That slut is your mother."
Später gibt es ein weiteres Ballaphon-Thema, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Lansana Kouyaté und von Feniksi behutsam harmonisiert, sowie eine von Ayo sanft gesummte Litanei, ein Ausgleich zu den überwältigenden Texten, die erbarmungslos auf das Gewissen einhämmern.
Vergesst niemals die Schrecken der Vergangenheit, aber seid kreativ im Hier und Jetzt und erweitert euren Geist und euren Horizont: Dies sind nur einige der erklärten Ziele von OFX. Es ist für jeden Menschen wie für jede Blume auf diesem Planeten gleichermaßen wichtig, aufzustehen und der Zukunft ins Auge zu blicken.




