Pina Biographie
Pina
Die Sängerin, Gitarristin und Komponistin Pina Kollars stammt aus Wien, lebt jedoch seit mehreren Jahren in Irland. Mit ihrem vor drei Jahren auf Peter Gabriels Weltmusik-Label Realworld veröffentlichten Debütalbum "Quick Look" empfahl sie sich mit ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihren autobiographischen Songs von fragiler Schönheit bereits als ganz großes Talent. Viele Kritiker prophezeiten ihr daraufhin eine große Karriere. Doch erst jetzt, mit ihrem brillanten zweiten Album "Guess You Got It", ist die zierliche Künstlerin bereit, die in sie gesetzten Hoffnungen in die Tat umzusetzen.
Während das Debüt noch den Einfluss großer Songschmiede wie Joni Mitchell, Leonard Cohen und Nick Drake erahnen ließ, sucht man auf dem Nachfolger vergebens nach solchen Spuren. Was Pina hier aus Rock-, Blues- und Folk-Ingredienzien kreiert, ist so eigenständig, dass man fast schon von einem eigenen Genre sprechen möchte. Wenn man sie überhaupt mit jemandem vergleichen kann, dann liegt das ausschließlich an ihrer ungewöhnlichen Stimme, die dem rauchigen Vibrato der legendären Folksängerin Melanie erstaunlich nahe kommt.
Mit dieser Stimme, die sie wie ein zusätzliches Instrument einzusetzen weiß, begeisterte Pina bereits als 16-jährige einheimische Konzertbesucher. Zuvor hatte sie klassische Gitarre am Wiener Konservatorium gelernt. Die klassische Musikausbildung spielte indes keine Rolle, als sie ihre ersten Songs komponierte. Vielmehr ließ sie sich von den Doors, U2, Edie Brickell und den Rolling Stones inspirieren, wobei Pina, wie sie selbst einräumt, immer mehr an bestimmten Songs als an den Künstlern interessiert war. "Ich sehe jeden Song, den ich schreibe, nur als eine Stufe zum nächsten."
In Österreich blieb sie selbst nach zahlreichen gewonnenen Nachwuchswettbewerben und Auftritten im Vorprogramm von Randy Crawford, June Tabor und der Oyster Band nur ein Insidertipp. Mit ihrem Ehemann, dem Kinderbuch-Illustrator Helmut Kollars, und der gemeinsamen Tochter Luise zog sie von Wien nach Ardgroom an die Südwestküste Irlands. In der Abgeschiedenheit von West Cork fand Pina die Ruhe zum Songschreiben. Sie machte sich einen Namen in irischen Folkzirkeln und spielte auf diversen Festivals. Beim Heineken Green Festival fiel sie dem Manager der Cranberries auf. Durch seine Initiative lernte sie ihren Manager Steve Baker kennen und schon kurze Zeit später fand sie sich als Support von Ani DiFranco auf Bühnen in Glasgow, Manchester und London wieder.
Der entscheidende Schritt nach vorn gelang Pina im Oktober 2001, als sie von der bei Realworld unter Vertrag stehenden Formation Afro Celt Sound System eingeladen wurde, auf dem Album "Volume 3: Further In Time" mitzuwirken. Labelchef Peter Gabriel war so hingerissen von der Stimme der jungen Österreicherin, dass er ihr sofort einen Plattenvertrag anbot. Unter der Regie des Produzenten Ben Findlay (Massive Attack, Primal Scream) entstand Pinas Debütalbum "Quick Look", auf dem sie den Tod ihres Großvaters und das Scheitern ihrer Ehe verarbeitete. Dass bei diesen Themen vornehmlich melancholische Songs entstanden, versteht sich von selbst.
"Quick Look" erntete in Großbritannien glänzende Kritiken. Seitdem hat ihre Karriere als Musikerin beträchtlich an Fahrt gewonnen. Pina gab zahlreiche Solokonzerte in Europa, gastierte auf Festivals und tourte mit den Indigo Girls und erneut mit Ani DiFranco. Hierzulande gab sie ihr Konzertdebüt im Juni 2002 in Köln im Vorprogramm des US-Songwriters Dan Bern.
Auch in ihrem Privatleben sind die dunklen Wolken weitergezogen. Heute ist Pina mit sich selbst und der Welt im Reinen. Entsprechend optimistischer und dazu noch um einiges kraftvoller sind die Songs auf dem neuen Album "Guess You Got It" ausgefallen. Pina bedient sich diverser Stilrichtungen, die sie so fantasievoll zusammensetzt, dass es ausgesprochen schwierig ist, ihre Musik konkret einzuordnen. "I Was Walking" spielt genial mit Blues- und Gospeleinflüssen; das beschwörende "You Can't Be My Love" und das anschließende "Sweet Love" unterstreichen ihre Stärke als Balladeninterpretin. "Darkblue And Gold" klingt wie eine opulente Replik auf "Nights In White Satin" und "On Such A Lovely Day" bietet mit Wah-Wah-Effekten und einem Orgelsound, der "House Of The Rising Sun" von den Animals zitiert, prächtiges Sixties-Feeling. Überdies zeigt Pina auf vielen Songs ungeahnte Rock-Qualitäten und mit der euphorischen Hymne "Bucket Of Love", dem märchenhaften "Butterfly" und der charmanten Hommage an ihre Tochter, "Luise Luise", sind ihr auch drei erstklassige Popsongs geglückt, die ihren Weg ins Radio finden werden.
"Guess You Got It" besticht durch abwechslungsreiche und detailfreudige Instrumentierung inklusive kleiner Gimmicks wie Vogelgezwitscher, Gurgellaute und verfremdete Stimmen im Hintergrund. Für die perfekte Abmischung des Albums, das auf Peter Gabriels neuem, speziell für Nicht-Weltmusik konzipierten Label Pre-Records erscheint, sorgt der legendäre Produzent und Grammy-Preisträger Tchad Blake (Crowded House, Travis, Ron Sexsmith, Los Lobos). Seine einfühlsame Arbeit ist das Sahnehäubchen auf einem Album, das zweifellos zu den großen Entdeckungen dieses Jahres zählt und Pinas Popularität erheblich steigern dürfte.
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Die Songs, beschreiben Pina's Weg bis zu ihrem Debüt "Quick Look" so unerschrocken, so lebendig, so voller persönlicher und emotionaler Details, daß man sich dem Eindruck einer universellen Gültigkeit nicht entziehen kann. Da ist der Kampf darum, in der Sprache zu singen, die einem nah ist. Da ist die Flucht quer durch Europa, weg von den rigiden Begrenzungen und Vorschriften ihrer österreichischen Heimat, hin an den Ort, der für sie ein Hafen zu sein scheint, nach West Cork in Irland. Eine zerbrochene Ehe, der Tod des Großvaters, die Geburt der Tochter. Pinas Gesang - flehend und überschwenglich, strahlend und rein - ist so beeindruckend wie die phantasievollen Arrangements und reich variierten musikalischen Stilrichtungen, von denen ihre Songs so voll sind.
Hört man "Quick Look", denkt man unwillkürlich an andere großartige, unsterbliche Musik und Musiker - wie an Dolly Partons frühe Berg & Todes Balladen, Led Zeppelins folkigen Metal Blues, Leonard Cohens Tief-ins-Herz-Songs, Nick Drakes mystische Betrachtungen, Kate Bushs innere Landschaften. Nicht daß Pina loszogen ist, um zu kopieren und zu plündern; weit gefehlt - sie hat sich absichtlich von äußeren Einflüssen ferngehalten. Aber was sie mit jenen Künstlern gemein hat, ist die Fähigkeit, den Punkt zu treffen, in ihrer eigenen frischen Art - eine Qualität, die auf jeden Aspekt ihrer Songs und ihrer Performance zutrifft, und die direkt aus ihrem stillen aber entschlossenen Kampf stammt, eine Form zu finden und diese auszudrücken, auf ihre eigene Weise.
Pinas Stimme ist bekannt aus der Zusammenarbeit mit den unverkennbaren Stimmen Robert Plants und Peter Gabriels auf dem letzten Album des Afro Celt Sound System, "Volume 3: Further In Time". Ihr Duett mit Iarla O'Lionáird, das fast schmerzlich schöne "Go On Through", ist eines der Highlights des Albums.
Ein kurze Zeit lang versucht sie im Wiener Dialekt zu schreiben und zu performen, findet dann aber, daß Englisch für sie die natürlichere Ausdrucksform ist. "Keiner in meiner Familie hat wirklich Englisch gelernt. Ich habe Englisch gelernt, in dem ich als Kind Boney M im Radio gehört habe und solche Musik. Jetzt ist es komisch, wenn ich nach Österreich zurückkomme - ich bin durcheinander, weil ich in Deutsch nicht mehr gut denken kann."
Die intensiven biographischen Songs, die Pina für "Quicklook" aufnimmt, werden bis ins kleinste von ihr überarbeitet, bevor sie andere Musiker hinzuzieht. Ihre sorgfältig gestalteten, wortlosen Gesangsharmonien treiben und färben im Wechsel die Aufnahmen von "Cold Storm", "On A Day Like Today" und "I Loved The Way". "Das war das interessanteste, herauszufinden, daß ich die Stimme wie ein Instrument verwenden kann. Weil das Budget klein war, nahm ich in einem kleinen Raum, so groß wie ein kleiner Schuppen, auf und mußte das meiste selber machen. Aber das war gut, weil da niemand war, der mir reinreden konnte; es war irgendwie wie ein riesiger Experimentier-Spielplatz."
Einfachheit, Ehrlichkeit und Direktheit sind zentrale Eigenschaften von Pinas Musik - besonders deutlich in "Bring Me A Biscuit", das auch im Zentrum des Albums plaziert ist. Allegorisch und geheimnisvoll, geht es hier um die Geburt ihrer Tochter Luise Magdalena vor vier Jahren - Pinas rauhe, erschöpfte Stimme, irgendwo zwischen Mutterliebe und Geburtsschmerz. "Es war eine Hausgeburt; es war toll, aber eine extrem überwältigende Erfahrung. Ich hatte so lange darauf gewartet, habe jeden Tag auf dem Kalender abgestrichen. Die Geburt passierte dann gleichzeitig mit dem Tod meiner Schwiegermutter, da war dann eine riesige Traurigkeit zur gleichen Zeit. Ich war nicht gern aus Österreich und von meiner Familie weggegangen."
Dieser Konflikt ist auch das Thema in dem Song "The Tower", in dem sie ihre Heimat dafür anklagt, daß sie als Künstlerin fliehen mußte. Pina zog vor vier Jahren an die Südwestküste Irlands, als ihr klar wurde, daß sie mit Musik die nicht althergebracht, klassisch oder fokloristisch ist, nicht würde überleben können und also Österreich verlassen mußte. Dieser Umzug befreit sie auch von rigiden Steuer- und Versicherungsvorschriften der neuen österreichischen Regierung, die für Künstler gelten. Die wütenden Worte und der beschwörende Blues geben dem Song jedoch eine größere Dimension, geben den unzähligen, aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlingen aus aller Welt Stimme und Ausdruck.
"Josephine" ist ein Song über den Tod des Großvaters, eine charismatische und herausragende Figur in Pinas Jugend, den sie beschreibt als "den Mann mit dem dicken Bauch, und den gegelten Haaren wie Elvis". "Er war schon lange krank; ich war froh, daß ich bei ihm im Krankenhaus sein konnte, als er starb. Ich war so glücklich da bei ihm zu sein, es hat meine Einstellung zum Tod ein bißchen verändert. Ich nenne ihn Josephine in dem Song, weil ich einfach nicht Großvater sagen wollte - ich wollte, daß es mehr nach einem Freund klingt, der er für mich ja auch war. Die wichtigste Stelle für mich ist "she's taken the horse and I saw her ride"; als er starb, sagte er immer wieder "ich sehe ein weißes Pferd".
Pinas Songs sind über persönliche Erfahrungen - "ich kann nicht einfach irgendwas erfinden, ich muß es erleben" - aber es ist ihre Gabe, ihre persönlichen Erlebnisse in archetypische und universelle Themen zu verwandeln. Dies ist besonders deutlich in den Songs, die um die Trennung von Ehemann Helmut kreisen - vom kämpferischen Sich-der-Trauer-stellen von "I Loved The Way" (die alte Frau im Song, die die Ratschläge gibt, basiert auf einem Gespräch mit Pinas Großmutter), zu den offenen Wunden, die sie zeigt auf dem feurigen, melodischen "Cold Storm".
Bittet man Pina, ihre Musik zu beschreiben, scheut sie sich verständlicherweise vor jeder Kategorisierung: "... schwer zu sagen - es ist kein Folk, kein Hard Rock, vielleicht ist es Alternative Music."
Tatsächlich ist "Quicklook" geprägt von einer selbstbewußten Agilität, sich zwischen den Genres hin und her zu bewegen - eine Offenheit, ein Hunger, der eine Musikerin ausmacht, von der noch lang zu hören sein wird, nicht nur für einen kurzen, aufflackernden Moment.
"Ich würde gerne arbeiten bis ich sterbe, würde gerne mit der Musik alt werden, Erfahrungen sammeln und noch viele viele Songs schreiben. Ich möchte gern das Leben tief ausschöpfen." Schon jetzt, im Moment, in ihren Songs - tut sie genau das.
Während das Debüt noch den Einfluss großer Songschmiede wie Joni Mitchell, Leonard Cohen und Nick Drake erahnen ließ, sucht man auf dem Nachfolger vergebens nach solchen Spuren. Was Pina hier aus Rock-, Blues- und Folk-Ingredienzien kreiert, ist so eigenständig, dass man fast schon von einem eigenen Genre sprechen möchte. Wenn man sie überhaupt mit jemandem vergleichen kann, dann liegt das ausschließlich an ihrer ungewöhnlichen Stimme, die dem rauchigen Vibrato der legendären Folksängerin Melanie erstaunlich nahe kommt.
Mit dieser Stimme, die sie wie ein zusätzliches Instrument einzusetzen weiß, begeisterte Pina bereits als 16-jährige einheimische Konzertbesucher. Zuvor hatte sie klassische Gitarre am Wiener Konservatorium gelernt. Die klassische Musikausbildung spielte indes keine Rolle, als sie ihre ersten Songs komponierte. Vielmehr ließ sie sich von den Doors, U2, Edie Brickell und den Rolling Stones inspirieren, wobei Pina, wie sie selbst einräumt, immer mehr an bestimmten Songs als an den Künstlern interessiert war. "Ich sehe jeden Song, den ich schreibe, nur als eine Stufe zum nächsten."
In Österreich blieb sie selbst nach zahlreichen gewonnenen Nachwuchswettbewerben und Auftritten im Vorprogramm von Randy Crawford, June Tabor und der Oyster Band nur ein Insidertipp. Mit ihrem Ehemann, dem Kinderbuch-Illustrator Helmut Kollars, und der gemeinsamen Tochter Luise zog sie von Wien nach Ardgroom an die Südwestküste Irlands. In der Abgeschiedenheit von West Cork fand Pina die Ruhe zum Songschreiben. Sie machte sich einen Namen in irischen Folkzirkeln und spielte auf diversen Festivals. Beim Heineken Green Festival fiel sie dem Manager der Cranberries auf. Durch seine Initiative lernte sie ihren Manager Steve Baker kennen und schon kurze Zeit später fand sie sich als Support von Ani DiFranco auf Bühnen in Glasgow, Manchester und London wieder.
Der entscheidende Schritt nach vorn gelang Pina im Oktober 2001, als sie von der bei Realworld unter Vertrag stehenden Formation Afro Celt Sound System eingeladen wurde, auf dem Album "Volume 3: Further In Time" mitzuwirken. Labelchef Peter Gabriel war so hingerissen von der Stimme der jungen Österreicherin, dass er ihr sofort einen Plattenvertrag anbot. Unter der Regie des Produzenten Ben Findlay (Massive Attack, Primal Scream) entstand Pinas Debütalbum "Quick Look", auf dem sie den Tod ihres Großvaters und das Scheitern ihrer Ehe verarbeitete. Dass bei diesen Themen vornehmlich melancholische Songs entstanden, versteht sich von selbst.
"Quick Look" erntete in Großbritannien glänzende Kritiken. Seitdem hat ihre Karriere als Musikerin beträchtlich an Fahrt gewonnen. Pina gab zahlreiche Solokonzerte in Europa, gastierte auf Festivals und tourte mit den Indigo Girls und erneut mit Ani DiFranco. Hierzulande gab sie ihr Konzertdebüt im Juni 2002 in Köln im Vorprogramm des US-Songwriters Dan Bern.
Auch in ihrem Privatleben sind die dunklen Wolken weitergezogen. Heute ist Pina mit sich selbst und der Welt im Reinen. Entsprechend optimistischer und dazu noch um einiges kraftvoller sind die Songs auf dem neuen Album "Guess You Got It" ausgefallen. Pina bedient sich diverser Stilrichtungen, die sie so fantasievoll zusammensetzt, dass es ausgesprochen schwierig ist, ihre Musik konkret einzuordnen. "I Was Walking" spielt genial mit Blues- und Gospeleinflüssen; das beschwörende "You Can't Be My Love" und das anschließende "Sweet Love" unterstreichen ihre Stärke als Balladeninterpretin. "Darkblue And Gold" klingt wie eine opulente Replik auf "Nights In White Satin" und "On Such A Lovely Day" bietet mit Wah-Wah-Effekten und einem Orgelsound, der "House Of The Rising Sun" von den Animals zitiert, prächtiges Sixties-Feeling. Überdies zeigt Pina auf vielen Songs ungeahnte Rock-Qualitäten und mit der euphorischen Hymne "Bucket Of Love", dem märchenhaften "Butterfly" und der charmanten Hommage an ihre Tochter, "Luise Luise", sind ihr auch drei erstklassige Popsongs geglückt, die ihren Weg ins Radio finden werden.
"Guess You Got It" besticht durch abwechslungsreiche und detailfreudige Instrumentierung inklusive kleiner Gimmicks wie Vogelgezwitscher, Gurgellaute und verfremdete Stimmen im Hintergrund. Für die perfekte Abmischung des Albums, das auf Peter Gabriels neuem, speziell für Nicht-Weltmusik konzipierten Label Pre-Records erscheint, sorgt der legendäre Produzent und Grammy-Preisträger Tchad Blake (Crowded House, Travis, Ron Sexsmith, Los Lobos). Seine einfühlsame Arbeit ist das Sahnehäubchen auf einem Album, das zweifellos zu den großen Entdeckungen dieses Jahres zählt und Pinas Popularität erheblich steigern dürfte.
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Die Songs, beschreiben Pina's Weg bis zu ihrem Debüt "Quick Look" so unerschrocken, so lebendig, so voller persönlicher und emotionaler Details, daß man sich dem Eindruck einer universellen Gültigkeit nicht entziehen kann. Da ist der Kampf darum, in der Sprache zu singen, die einem nah ist. Da ist die Flucht quer durch Europa, weg von den rigiden Begrenzungen und Vorschriften ihrer österreichischen Heimat, hin an den Ort, der für sie ein Hafen zu sein scheint, nach West Cork in Irland. Eine zerbrochene Ehe, der Tod des Großvaters, die Geburt der Tochter. Pinas Gesang - flehend und überschwenglich, strahlend und rein - ist so beeindruckend wie die phantasievollen Arrangements und reich variierten musikalischen Stilrichtungen, von denen ihre Songs so voll sind.
Hört man "Quick Look", denkt man unwillkürlich an andere großartige, unsterbliche Musik und Musiker - wie an Dolly Partons frühe Berg & Todes Balladen, Led Zeppelins folkigen Metal Blues, Leonard Cohens Tief-ins-Herz-Songs, Nick Drakes mystische Betrachtungen, Kate Bushs innere Landschaften. Nicht daß Pina loszogen ist, um zu kopieren und zu plündern; weit gefehlt - sie hat sich absichtlich von äußeren Einflüssen ferngehalten. Aber was sie mit jenen Künstlern gemein hat, ist die Fähigkeit, den Punkt zu treffen, in ihrer eigenen frischen Art - eine Qualität, die auf jeden Aspekt ihrer Songs und ihrer Performance zutrifft, und die direkt aus ihrem stillen aber entschlossenen Kampf stammt, eine Form zu finden und diese auszudrücken, auf ihre eigene Weise.
Pinas Stimme ist bekannt aus der Zusammenarbeit mit den unverkennbaren Stimmen Robert Plants und Peter Gabriels auf dem letzten Album des Afro Celt Sound System, "Volume 3: Further In Time". Ihr Duett mit Iarla O'Lionáird, das fast schmerzlich schöne "Go On Through", ist eines der Highlights des Albums.
Ein kurze Zeit lang versucht sie im Wiener Dialekt zu schreiben und zu performen, findet dann aber, daß Englisch für sie die natürlichere Ausdrucksform ist. "Keiner in meiner Familie hat wirklich Englisch gelernt. Ich habe Englisch gelernt, in dem ich als Kind Boney M im Radio gehört habe und solche Musik. Jetzt ist es komisch, wenn ich nach Österreich zurückkomme - ich bin durcheinander, weil ich in Deutsch nicht mehr gut denken kann."
Die intensiven biographischen Songs, die Pina für "Quicklook" aufnimmt, werden bis ins kleinste von ihr überarbeitet, bevor sie andere Musiker hinzuzieht. Ihre sorgfältig gestalteten, wortlosen Gesangsharmonien treiben und färben im Wechsel die Aufnahmen von "Cold Storm", "On A Day Like Today" und "I Loved The Way". "Das war das interessanteste, herauszufinden, daß ich die Stimme wie ein Instrument verwenden kann. Weil das Budget klein war, nahm ich in einem kleinen Raum, so groß wie ein kleiner Schuppen, auf und mußte das meiste selber machen. Aber das war gut, weil da niemand war, der mir reinreden konnte; es war irgendwie wie ein riesiger Experimentier-Spielplatz."
Einfachheit, Ehrlichkeit und Direktheit sind zentrale Eigenschaften von Pinas Musik - besonders deutlich in "Bring Me A Biscuit", das auch im Zentrum des Albums plaziert ist. Allegorisch und geheimnisvoll, geht es hier um die Geburt ihrer Tochter Luise Magdalena vor vier Jahren - Pinas rauhe, erschöpfte Stimme, irgendwo zwischen Mutterliebe und Geburtsschmerz. "Es war eine Hausgeburt; es war toll, aber eine extrem überwältigende Erfahrung. Ich hatte so lange darauf gewartet, habe jeden Tag auf dem Kalender abgestrichen. Die Geburt passierte dann gleichzeitig mit dem Tod meiner Schwiegermutter, da war dann eine riesige Traurigkeit zur gleichen Zeit. Ich war nicht gern aus Österreich und von meiner Familie weggegangen."
Dieser Konflikt ist auch das Thema in dem Song "The Tower", in dem sie ihre Heimat dafür anklagt, daß sie als Künstlerin fliehen mußte. Pina zog vor vier Jahren an die Südwestküste Irlands, als ihr klar wurde, daß sie mit Musik die nicht althergebracht, klassisch oder fokloristisch ist, nicht würde überleben können und also Österreich verlassen mußte. Dieser Umzug befreit sie auch von rigiden Steuer- und Versicherungsvorschriften der neuen österreichischen Regierung, die für Künstler gelten. Die wütenden Worte und der beschwörende Blues geben dem Song jedoch eine größere Dimension, geben den unzähligen, aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlingen aus aller Welt Stimme und Ausdruck.
"Josephine" ist ein Song über den Tod des Großvaters, eine charismatische und herausragende Figur in Pinas Jugend, den sie beschreibt als "den Mann mit dem dicken Bauch, und den gegelten Haaren wie Elvis". "Er war schon lange krank; ich war froh, daß ich bei ihm im Krankenhaus sein konnte, als er starb. Ich war so glücklich da bei ihm zu sein, es hat meine Einstellung zum Tod ein bißchen verändert. Ich nenne ihn Josephine in dem Song, weil ich einfach nicht Großvater sagen wollte - ich wollte, daß es mehr nach einem Freund klingt, der er für mich ja auch war. Die wichtigste Stelle für mich ist "she's taken the horse and I saw her ride"; als er starb, sagte er immer wieder "ich sehe ein weißes Pferd".
Pinas Songs sind über persönliche Erfahrungen - "ich kann nicht einfach irgendwas erfinden, ich muß es erleben" - aber es ist ihre Gabe, ihre persönlichen Erlebnisse in archetypische und universelle Themen zu verwandeln. Dies ist besonders deutlich in den Songs, die um die Trennung von Ehemann Helmut kreisen - vom kämpferischen Sich-der-Trauer-stellen von "I Loved The Way" (die alte Frau im Song, die die Ratschläge gibt, basiert auf einem Gespräch mit Pinas Großmutter), zu den offenen Wunden, die sie zeigt auf dem feurigen, melodischen "Cold Storm".
Bittet man Pina, ihre Musik zu beschreiben, scheut sie sich verständlicherweise vor jeder Kategorisierung: "... schwer zu sagen - es ist kein Folk, kein Hard Rock, vielleicht ist es Alternative Music."
Tatsächlich ist "Quicklook" geprägt von einer selbstbewußten Agilität, sich zwischen den Genres hin und her zu bewegen - eine Offenheit, ein Hunger, der eine Musikerin ausmacht, von der noch lang zu hören sein wird, nicht nur für einen kurzen, aufflackernden Moment.
"Ich würde gerne arbeiten bis ich sterbe, würde gerne mit der Musik alt werden, Erfahrungen sammeln und noch viele viele Songs schreiben. Ich möchte gern das Leben tief ausschöpfen." Schon jetzt, im Moment, in ihren Songs - tut sie genau das.




