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Pink Grease Biographie

Pink Grease

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Mit schöner Regelmäßigkeit produziert die Stahlstadt Sheffield abenteuerliche Popmusik, die sich - wenn auch gewöhnlich ausgesprochen androgyn - erfrischend unbeeindruckt zeigt von der Konkurrenz aus der Metropole London. Durch sieben Hügel quasi von der Außenwelt abgeschirmt, diente die Kleinstadt bereits als wenig glamouröses Sprungbrett für Künstler wie Joe Cocker, die Cabs, The Human League, ABC, Pulp und nicht zuletzt Def Leppard. Gelegentlich drängt sich die Vermutung auf, dass diese Künstler so erfolgreich wurden eben weil sie von Sheffields eigenwilliger Isolation profitieren konnten.

Wenden wir uns dem Beginn des neuen Jahrtausends zu. Ein neues Kapitel in der illustren Geschichte der Stadt nimmt seinen Anfang: Sechs schamlose junge Männer mit einer gehörigen Ladung selbstzerstörerischer Energie und einer Unmenge von Ideen, die sie an den Rand des Wahnsinns treiben, erkennen auf einmal, dass sie ihre emotionale Unausgeglichenheit nur ins Lot bringen können, wenn sie sich zu den abgefahrensten Performern unserer Zeit entwickeln! Der ungleiche Trupp entstand aus einer gemeinsamen Vorliebe für dreckige Partys, dem dringenden Bedürfnis nach Rockmusik sowie dem Wunsch, eine deftige Ladung Sex in den Pop-Mainstream zu injizieren. Sie greifen sich eine mörderische Partyplatte, eine Fifties-Doo-Wop-Compilation mit dem viel versprechenden Titel ‚PINK GREASE', und eine Woge von Teenbreaks ergießt sich über ihre wunden Körper - auf einmal kommt ihnen eine elektrisierende Idee: "Diese kreischenden Wahnsinnigen, die jede Party in Chaos verwandeln, dieser halbnackte Irre, der mich neulich zu Boden warf, sich über mir aufbaute und Gene Vincent-Texte kreischte - die gehören alle in eine Band! Ich gehöre in eine Band!" Aus schierer Frustration angesichts einer toten Szene und der unaussprechlichen Apathie geisttötender Livemusik fühlen sich Pink Grease wie von einem riesigen, unberechenbaren Magneten zu einander hingezogen. Aus den deprimierenden Nachkriegs-Sozialbauten, die die Skyline von Sheffield bestimmen, rekrutieren sie einen desillusionierten Drummer sowie einen genialen Elekronik-Tüftler. Ihre Mission besteht darin, energiegeladenen, disco-lastigen Punk (F)rock zu schaffen.

Die ersten Proben fallen chaotisch bis reichlich krachig aus, und die erste Version der in Heimarbeit selbst konstruierten Maschine des Tüftlers wird in Betrieb genommen. Sie ist etwa so groß wie ein Einkaufswagen und gibt mit einem Kreischen, wie man es seit dem Schließen des letzten Sheffielder Stahlwerks nicht mehr gehört hat, prompt ihren Geist auf. Vom Regen des Proberaums geht es gleich weiter in die Traufe diverser Livegigs, getrieben von dem Wunsch zu explodieren.

Das lokale Publikum reagiert angemessen schockiert auf die Anarchie und den Geschlechter übergreifenen Kleidungsstil, die sich auf der Bühne präsentieren. Jeder Vorwand wird genutzt, um alle möglichen Varianten von schäbigem Glamour auszutesten. Girls stehen bereit, um sich um das Make-up zu kümmern, und werden prompt auf die Bühne gezerrt, um posen-beladene Backing Vocals beizusteuern. Die Greasettes erblicken das Licht der Welt.

Weitere Liveshows mit geballter musikalischer Konfusion prägen Look und Sound. Dann taucht Supreme Vagabond Craftsman auf und stellt ihnen zwecks Demoaufnahme kostenlos sein selbst gebasteltes Studio zur Verfügung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Maschine bereits zu einem tragbaren Case geschrumpft und feuert aus sämtlichen Zylindern. Der Gitarrist arbeitet sich wie ein Besessener durch klassische Riffs, außerdem hat sich ein Saxophon eingeschlichen und wirkt sich denkbar positiv auf die einzigartige Mischung aus, die auf dem leidgeprüften 8-Spur-Gerät festgehalten wird. Ans Mikro tritt Rory, und wie ein richtiger Star singt er in einem Durchgang aufgenommene Nummern ein, die von Sex, Tod und verlorener Liebe handeln; Teen-Angst-Balladen mit der Bedrohlichkeit einer durchgeschnittenen Kehle. Verehrte Damen und Herren: Rory - Gesang, Steve - Gitarre, Nick - Maschine, John - Saxophon, Gitarre und Synthesizer, Stuart - Bass und Marc - Drums. Pink Grease sind geboren ... und sofort überall präsent!

Nächste Station: Die ersten Aufnahmen landen bei Horseglue Records, und die Band wird nach New York eingeladen, um vor 75 Leuten und drei Pole-Dancers im Don Hill's aufzuspielen. Die Musiker landen im Zuschauerraum, und das Publikum auf der Bühne ... Chaos breitet sich aus. Hektische Aufnahmen in Russel ‚Blues Explosion' Simins' Studio mit Jason Buckle im Regiestuhl folgen. Vier Tage lang werden Tracks eingespielt, aus denen schließlich das Minialbum ‚All Over You' entsteht. New York beeinflusst die Musik von Pink Grease, strafft sie, lässt sich gefährlich klingen. Den Sex steuern heftige nächtliche Partys im Studio bei, umgeben von der stets präsenten Skyline, ein Balanceakt direkt am Abgrund. Selbst ein einfacher Spaziergang zum Studio entwickelt sich zu einer Fotosession mit Fotograf Phil Knott. Nick, der die Maschine spielt, zieht sich auf der Bowery aus - noch mehr Fotos ... ein Passant ruft: "Zieh deine Klamotten wieder an, du dünner, knochiger white trash motherfucker!"

Rückkehr ins UK. Im Dezember 2002 bringen Horseglue Records die Debütsingle ‚Manhattan On Fire'/'Working All Day' heraus. Das Ergebnis der Demos mit Supreme Vagabond Craftsman stößt bei den Rezensenten auf einhellige Begeisterung. Die Band begibt sich mit Add N To (X) auf eine Tour durchs UK, spielt als Support für Suicide & Liars sowie auf den renommierten Partys des The Face-Magazins und der Rough Trade Shops (auf deren ‚Best Of 2002'-Album die Single vertreten ist). Zum ersten Mal treten Pink Grease in London auf und schocken die Szene mit ihrem Glam-Aufschrei, der von einem anderen Planeten zu kommen scheint. Ihre Liveshow ist härter und extrovertierter geworden, endlich finden die Newcomer bei Kritikern und Publikum im gesamten Vereinigten Königreich Gehör. Die zweite Single ‚Soul Paco', deren Erscheinen mit ihrer UK-Tour als Gäste von Ladytron zusammenfällt, wird vom X-Ray-Magazin zur Single des Monats gewählt ("Um Längen besser als jede andere 7" diesseits von 2003").

Im Mai 2003 bringen Pink Grease ihr Minialbum ‚All Over You' heraus, das von begeisterten Kritiken begrüßt wird. Sechs Teen-Angst-Balladen über Sex, Tod und verlorene Liebe - die dem Stiletto-Absatz seinen Platz im Rock'n'Roll zurückerobern. ‚Shake', nur eins der zahlreichen Highlights, ist auf Sonic Mooks ‚Hot Shit'-Compilation zu hören. Grease is the word ... Gegen Ende des Sommers unterschreiben Pink Grease bei Mute ... Jetzt wird es ernst. Sie touren mit Eighties Matchbox B-Line Disaster durchs UK, geben sich als Special Guests von Franz Ferdinand anlässlich der Feierlichkeiten zum 10. Geburtstag von Domino Records die Ehre und beenden das Jahr mit einer ausverkauften Show in der Londoner Islington Academy. ‚The Nasty Show', eine selbst gedrehte DVD mit unvergesslichen Momenten aus über fünfzig Shows, ist ein weiterer, wenn auch inzwischen völlig überflüssiger Beweis dafür, dass Pink Grease ohne Frage zu den aufregendsten Livebands der Szene zählen.

Das Jahr 2004 beginnen Pink Grease mit Auftritten in London als Gäste von The Fall sowie beim 5. Geburtstag von John Kennedys XFM X-Posure-Show im Februar. Einen Monat später erscheint ‚Fever', ihre atemberaubende erste Mute-Single - ein Vorgeschmack auf das im Juni erwartete Debütalbum ‚This Is For Real'. Produziert von Maestro Stephen Lironi, besteht die Platte aus zwölf brillanten Songs, die Disco, Gitarrenwahn, Glam und echte Melodien mit einer Originalität kombinieren, die man bisher nur erahnen konnte - zweifellos der bis dato eindrucksvollste Moment in ihrer Karriere.

‚This Is For Real' liefert zu viele Sternstunden, um jede einzeln anzuführen, und nicht zuletzt ‚Superfool', ‚The Pink G.R.EASE', ‚Into My Heart' und ‚Peaches' sind perfekte Mischungen aus manischem Rock'n'Roll und eingängigem und zugleich abgedrehtem Pop. Pink Grease haben schlicht und ergreifend eins der besten britischen Albumdebüts der letzten Jahre eingespielt und werden ihrem Ruf als eine der spannendsten neuen Bands, die in letzter Zeit aus diesem Land hervorgegangen sind, mehr als gerecht.
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