Robbie Williams Biographie
Robbie Williams
Toller Typ, toller Entertainer, toller Act: Robbie Williams ist eine Klasse für sich - der unschlagbare Klassenclown des Pop. Williams ist so aufreizend cool, dass ihm ein ganzes Fußballstadium bereitwillig aus der einen Hand frisst, während er sich mit der anderen lässig im Schritt kratzt. Robbie Williams ist der talentierteste Künstler, den das sonst mit Glamour nicht gerade gesegnete Stoke-on-Trent je hervorgebracht hat - und er ist unbestritten der derzeit begabteste und gefeiertste Star Englands. Williams hat alles, was man für einen Platz als Fixstern am Pophimmel braucht: astronomische Plattenumsätze, glänzende Bühnenshows, eine internationale Presse, die allein bei Nennung seines Namens schon auf Wolke Sieben schwebt - aber wie viele wirkliche Künstler, ist auch Robbie Williams ein komplizierter, ein zwiespältiger Charakter und in den Anfangstagen seiner Solokarriere sah es fast so aus, als werde der seinerzeit keinem Exzess ausweichende Sänger, dieser frisch geborene junge Stern in einem schwarzen Loch aus Ziel- und Orientierungslosigkeit ausglühen und verschwinden.
Robbie Williams hat damals gerade noch das Ruder herumgerissen. Seitdem hat er die Dinge fest im Griff und - was vielleicht noch wichtiger ist - er hat nichts mehr zu verbergen. "Früher konnte ich vor lauter Angst, mich lächerlich zu machen, nur dann über Dinge reden, die mir wirklich was bedeuten, wenn ich alles sofort wieder ironisch brechen konnte. Inzwischen bin ich, glaube ich, an dem Punkt angelegt, wo ich es mir leisten kann, auch mal ernst zu bleiben."
Ziemlich genau vor einem Jahr hat Robbie Williams eines jener unvergesslichen Konzerte gegeben, das deutlich machte, warum seine anstehende UK-Tournee binnen sechs Stunden restlos ausverkauft war. Diese letzjährige Sternstunde seiner Bühnenkarriere fand am 28. August in Slane Castle, Dublin statt. Die Karten für dieses bis dato größte Konzert seiner Laufbahn waren schon Wochen vorher ausverkauft und der Erwartungsdruck war ins Unermessliche gewachsen. Aber Robbie Williams wäre nicht Robbie Williams, wenn er diese Erwartungen nicht erfüllt, ja sogar noch übertroffen hätte. An diesem Abend in Dublin war Williams Gott und Slane Castle das Zentrum des Pop-Universums. Keiner der 80.000 Zuschauer vor Ort oder der anderen 50.000 Leute, die die Live-Übertragung der Show im Netz verfolgt haben, wird dieses Konzert je vergessen - ganz im Gegensatz zu Robbie Williams selbst - der kann sich nämlich an nichts mehr erinnern: "Die ganze Show ist ein einziger, riesiger Filmriss für mich. Ich weiß bloß noch, dass ich mich auf dem Weg zur Bühne vor Lampenfieber kaum auf den Beinen halten konnte, aber ab dem Moment, als ich dann tatsächlich vor Publikum gestanden habe, ist alles weg. Soll aber wohl 'nen ganz guter Gig gewesen sein." Letzteres ist natürlich typisch englisches Understatement: Das Bild von 80.000 Leuten, die im selben Rhythmus pogen, während oben auf der Bühne ein völlig außer Rand und Band geratener Robbie Williams das Tempo vorgibt, hat sich wohl jedem, der es gesehen hat, unauslöschlich eingebrannt.
Seitdem ist kaum ein Tag vergangen, an dem Robbie Williams nicht in den Medien präsent war, oder weitere Preise verliehen bekommen hat: Preise für seine überragend guten Songs, Preise für seine unglaublichen Performance-Qualitäten oder einfach nur Preise dafür, dass Robbie Williams der ist, der er ist. Trotz dieses Medienzirkus' und des Stress des vergangenen Jahres, hat Williams die nötige Ruhe gefunden, um sein drittes Soloalbum, "Sing When You're Winning" aufzunehmen - und damit wieder einen ganz großen Coup zu landen.
Mit "Sing When You're Winning" geht Williams den bereits auf seinen vorhergehenden Soloalben eingeschlagenen Weg als superber Songwriter, Sänger und Künstler konsequent weiter. Auch diesmal hat Williams mit dem musikalischen Mastermind Guy Chambers zusammengearbeitet, der knapp zehn Jahre älter ist und mit dem er sich glänzend versteht. Herausgekommen sind zwölf Songs, die unmittelbar ins Herz treffen, ohne platt zu sein; Songs, die zugleich schamlos populistisch und aufreizend intelligent sind.
Wie bei den beiden anderen, mehrfach mit Platin prämierten Soloalben "Life Thru a Lens" und "I've Been Expecting You" hat sich Williams auch mit "Sing When You're Winning" leichtfüßig über stilistische Hürden hinweggesetzt und sämtliche musikalischen Lehrsätze in den Wind geschlagen. Gitarrenlastige Rockhymnen stehen auf diesem Album ganz unverblümt neben pittoreskem Country und Folk; Funk vom Feinsten schmiegt sich gnadenlos sexy an jene klassischen Balladen, die man inzwischen fast automatisch mit dem Namen Robbie Williams verbindet.
"Better Man" ist, ähnlich wie die Jahrhundertballade "Angels", ein denkbar einfacher und unverstellt gefühlvoller Song, dass er einem das Herz zuerst bricht und einem dann hilft, die Scherben wieder zu kitten. "Als ich 'Better Man' geschrieben habe, war ich gerade in Südfrankreich", erinnert sich Robbie, "und auf einmal war ich tieftraurig. Das hatte gar nichts mit einer Beziehung zu tun, mir ist nur plötzlich durch den Kopf gegangen: 'He, du hast es geschafft. Du hast acht Millionen Alben verkauft; du hast 'ne Menge Geld gemacht; du bist berühmter, als du es je sein wolltest. Aber so richtig glücklich bist du deshalb auch nicht, oder?" Also bin ich mit meiner Gitarre nach draußen gegangen und habe mir gedacht, 'ich werd' jetzt einfach mal ein Gebet zu John Lennon schicken und wenn er mich erhört, dann schenkt er mir vielleicht was' Ok, man kann jetzt vielleicht sagen, dass das maßlos arrogant oder total durchgeknallt war, aber ich habe einfach die Saiten angeschlagen und plötzlich hatte ich die Grundmelodie; eine Stunde später stand der Rest des Songs. Und es ist mir ernst mit diesem Song. Ich bin da zum ersten Mal richtig ehrlich; ich versuche nicht ironisch zu sein oder sonstwie superschlau, sondern ganz einfach nur so, wie ich wirklich bin."
"Better Man" handelt von dem Versuch, sich selbst zu finden und von der Hoffnung auf Erlösung - und es ist in der Tat, eines der besten Stücke, die Williams bis jetzt geschrieben hat. Und das will etwas heißen, angesichts der anderen Songs auf dem Album: Der Opener "Let Love Be Your Energy" ist eine unbedingt laut zu hörende Liebesfanfare, die klingt wie Oasis und Lenny Kravitz auf einen Streich. Ein richtiger Pusher. Auch "Forever Texas" rockt wie die Hölle und erinnert sicherlich nicht von ungefähr an feiste Glamrocker aus den Siebzigern. Mit solchen Granaten könnte Robbie Williams womöglich Amerika spielend erobern. Wahrlich nicht von schlechten Eltern ist auch Robbies Duett mit Kylie Minogue: "Kids" ist eine schwindelerregend prickelnde Achterbahnfahrt, deren Aufforderung 'jump on board' man unwidersprochen folgen möchte - sicherlich nicht nur das bis dato fulminanteste Duett des Jahres, sondern vor allem eine Lehrstunde, wie erotisch Popmusik sein kann. Absolut bemerkenswert auch, wie Robbie Williams in "Supreme Amour" aus der Essenz von Gloria Gaynors Discoklassiker "I Will Survive" ein erquicklich frisches Pop-Juwel zaubert. "Knutsford City Limits" wiederum ist inhaltlich das lokalpatriotisch stolze Gegenstück zu "Nutbush City Limits", musikalisch jedoch eher in Downtown Britpop anzusiedeln, während sich das beatleske "By All Means Necessary" stolz vor den Toren Liverpools postieren kann. Wer kehrt schon seine Einflüsse so offen und unverblümt nach außen - und dazu noch so gekonnt?
Ein wahres Disco-Inferno entfachte Robbie Williams bereits mit dem vorab ausgekoppelten "Rock DJ", einer UK-No.1 mit Ansage. So stürmte die Single mit 200.000 verkauften Exemplaren in einer Woche unerreichbar an die Spitze der britischen Charts. Was beginnt wie ein harmloses Kinderlied, entpuppt sich schon kurze Zeit später als wahre Klangorgie, gerade so, als dirigiere George Clinton das Love Unlimited Orchestra. Auch die visuelle Umsetzung von "Rock DJ" sorgte für helle Aufregung. Robbie reißt sich hier im wahrsten Sinne des Wortes für seine Fans das Herz heraus. Auf ganz besondere Videoclips scheint Robbie Williams abonniert zu sein und demonstrierte in diesem Metier ein ums andere Mal seine erstaunliche schauspielerischen Fähigkeiten. Wer erinnert sich nicht an den mit einem Brit-Award ausgezeichneten Clip zu "Millennium", wo Robbie das Minenspiel von Sean Connery alias James Bond so gut imitierte, dass man in ihm schon den kommenden 007 sah. Die grotesken Grimassen in "Let Me Entertain You", die anrührende Darstellung eines Eiskunstläufers in "She's The One", ebenfalls brit-award-prämiert, sowie die ergreifende Sinnlichkeit, die für "Angels" in Szene gesetzt wurde, all das hat natürlich zu dem jungen Pop-Mythos eines Robbie Williams entscheidend beigetragen.
Natürlich zeigt sich Robbie Williams auf dem neuen Album auch neuerlich als Meister der sensibleren Popkunst. So birgt das Album einige sanftere Momente, wie etwa das feinnervig-poetische "Love Calling Earth", das verspielt-verträumte "Singing For The Lonely", das burlesk-heitere "Road To Mandalay" und insbesonders das zart-bittere Lamento "If It's Hurting You", das mit Banjotupfern und sanften Pedal-Steel-Schnörkeln aufwartet. Robbie Williams, künstlerisch auf Neil Youngs Pfad Richtung Sugar Mountain, arbeitet hier diskret und einfühlsam die Trennung von seiner Verlobten Nicole Appleton auf. Auf die Trennung angesprochen, erzählt Williams: "Nicky und ich sind uns ein Jahr lang immer nur zufällig über den Weg gelaufen und dann war es dann immer so 'Ich bin total glücklich und mir geht's prima ohne dich. Schau mal! Ich mache Witze und ich lache, ich bin total relaxt und jeder gesellschaftlichen Situation gewachsen! Und ich bewege mich wie John Travolta in ‚Grease''. Vor kurzem haben wir uns dann zum ersten Mal bewusst getroffen und das war wirklich gut. Es hat gut getan, sich anzuschauen und einfach zu fragen ‚Wie geht's?' ‚Nicht so gut. Und dir?' ‚Auch nicht besonders'. Es war so eine Erleichterung endlich nicht mehr so tun zu müssen, als würde es einem gut gehen ohne den anderen. Es war richtig gut."
Robbie Williams geht es im Moment jedenfalls sehr gut. Er sieht klasse aus, und bei der höchst sportiven Figur, die sich Robbie antrainiert hat, war es für Nike die beste Werbung, Williams für eine halbe Million Pfund ein Studio in seinem Londoner Haus einzurichten. Den Promotion-Deal mit Pepsi, den er jüngst abschloss, nutzt Robbie Williams indes nicht für private, sondern für wohltätige Zwecke. Und sein Engagement als Unicef-Botschafter spricht ebenfalls für sich. Kein Wunder, dass Robbie in England inzwischen fast schon ein Nationalheiliger ist. Laut jüngsten Umfragen ist er bei der englischen Jugend bekannter als Jesus und wurde Anfang des Jahres von der britischen Bevölkerung als jüngster Künstler in die Top Ten der besten Musiker des 20. Jahrhunderts gewählt. Williams ist innerlich ausreichend gefestigt, um mit diesen Bergen von Lorbeeren umgehen zu können. "Ich würde jetzt nicht plötzlich wieder unbekannt sein wollen", sagt Robbie dazu, "Ich würde um nichts in der Welt tauschen wollen - das hier ist mein Job und ich habe eine verdammt gutes Los gezogen. Ich muss nur lernen, richtig damit klar zu kommen - und das bringt dir keiner bei. Es gibt keine Volkshochschulkurse für Berühmtsein und es gibt auch keine Berühmten-Selbsthilfegruppen. Halt, stimmt nicht, gibt's doch, die nennen sich dann Award Ceremonies." Grinst und kann sich gewiss sein, dass man ihm dank "Sing When You're Winning" dort garantiert wieder begegnen wird. Ein Klassenclown auf dem unbeirrbaren Weg zu neuen Heldentaten. August 2000
Robbie Williams hat damals gerade noch das Ruder herumgerissen. Seitdem hat er die Dinge fest im Griff und - was vielleicht noch wichtiger ist - er hat nichts mehr zu verbergen. "Früher konnte ich vor lauter Angst, mich lächerlich zu machen, nur dann über Dinge reden, die mir wirklich was bedeuten, wenn ich alles sofort wieder ironisch brechen konnte. Inzwischen bin ich, glaube ich, an dem Punkt angelegt, wo ich es mir leisten kann, auch mal ernst zu bleiben."
Ziemlich genau vor einem Jahr hat Robbie Williams eines jener unvergesslichen Konzerte gegeben, das deutlich machte, warum seine anstehende UK-Tournee binnen sechs Stunden restlos ausverkauft war. Diese letzjährige Sternstunde seiner Bühnenkarriere fand am 28. August in Slane Castle, Dublin statt. Die Karten für dieses bis dato größte Konzert seiner Laufbahn waren schon Wochen vorher ausverkauft und der Erwartungsdruck war ins Unermessliche gewachsen. Aber Robbie Williams wäre nicht Robbie Williams, wenn er diese Erwartungen nicht erfüllt, ja sogar noch übertroffen hätte. An diesem Abend in Dublin war Williams Gott und Slane Castle das Zentrum des Pop-Universums. Keiner der 80.000 Zuschauer vor Ort oder der anderen 50.000 Leute, die die Live-Übertragung der Show im Netz verfolgt haben, wird dieses Konzert je vergessen - ganz im Gegensatz zu Robbie Williams selbst - der kann sich nämlich an nichts mehr erinnern: "Die ganze Show ist ein einziger, riesiger Filmriss für mich. Ich weiß bloß noch, dass ich mich auf dem Weg zur Bühne vor Lampenfieber kaum auf den Beinen halten konnte, aber ab dem Moment, als ich dann tatsächlich vor Publikum gestanden habe, ist alles weg. Soll aber wohl 'nen ganz guter Gig gewesen sein." Letzteres ist natürlich typisch englisches Understatement: Das Bild von 80.000 Leuten, die im selben Rhythmus pogen, während oben auf der Bühne ein völlig außer Rand und Band geratener Robbie Williams das Tempo vorgibt, hat sich wohl jedem, der es gesehen hat, unauslöschlich eingebrannt.
Seitdem ist kaum ein Tag vergangen, an dem Robbie Williams nicht in den Medien präsent war, oder weitere Preise verliehen bekommen hat: Preise für seine überragend guten Songs, Preise für seine unglaublichen Performance-Qualitäten oder einfach nur Preise dafür, dass Robbie Williams der ist, der er ist. Trotz dieses Medienzirkus' und des Stress des vergangenen Jahres, hat Williams die nötige Ruhe gefunden, um sein drittes Soloalbum, "Sing When You're Winning" aufzunehmen - und damit wieder einen ganz großen Coup zu landen.
Mit "Sing When You're Winning" geht Williams den bereits auf seinen vorhergehenden Soloalben eingeschlagenen Weg als superber Songwriter, Sänger und Künstler konsequent weiter. Auch diesmal hat Williams mit dem musikalischen Mastermind Guy Chambers zusammengearbeitet, der knapp zehn Jahre älter ist und mit dem er sich glänzend versteht. Herausgekommen sind zwölf Songs, die unmittelbar ins Herz treffen, ohne platt zu sein; Songs, die zugleich schamlos populistisch und aufreizend intelligent sind.
Wie bei den beiden anderen, mehrfach mit Platin prämierten Soloalben "Life Thru a Lens" und "I've Been Expecting You" hat sich Williams auch mit "Sing When You're Winning" leichtfüßig über stilistische Hürden hinweggesetzt und sämtliche musikalischen Lehrsätze in den Wind geschlagen. Gitarrenlastige Rockhymnen stehen auf diesem Album ganz unverblümt neben pittoreskem Country und Folk; Funk vom Feinsten schmiegt sich gnadenlos sexy an jene klassischen Balladen, die man inzwischen fast automatisch mit dem Namen Robbie Williams verbindet.
"Better Man" ist, ähnlich wie die Jahrhundertballade "Angels", ein denkbar einfacher und unverstellt gefühlvoller Song, dass er einem das Herz zuerst bricht und einem dann hilft, die Scherben wieder zu kitten. "Als ich 'Better Man' geschrieben habe, war ich gerade in Südfrankreich", erinnert sich Robbie, "und auf einmal war ich tieftraurig. Das hatte gar nichts mit einer Beziehung zu tun, mir ist nur plötzlich durch den Kopf gegangen: 'He, du hast es geschafft. Du hast acht Millionen Alben verkauft; du hast 'ne Menge Geld gemacht; du bist berühmter, als du es je sein wolltest. Aber so richtig glücklich bist du deshalb auch nicht, oder?" Also bin ich mit meiner Gitarre nach draußen gegangen und habe mir gedacht, 'ich werd' jetzt einfach mal ein Gebet zu John Lennon schicken und wenn er mich erhört, dann schenkt er mir vielleicht was' Ok, man kann jetzt vielleicht sagen, dass das maßlos arrogant oder total durchgeknallt war, aber ich habe einfach die Saiten angeschlagen und plötzlich hatte ich die Grundmelodie; eine Stunde später stand der Rest des Songs. Und es ist mir ernst mit diesem Song. Ich bin da zum ersten Mal richtig ehrlich; ich versuche nicht ironisch zu sein oder sonstwie superschlau, sondern ganz einfach nur so, wie ich wirklich bin."
"Better Man" handelt von dem Versuch, sich selbst zu finden und von der Hoffnung auf Erlösung - und es ist in der Tat, eines der besten Stücke, die Williams bis jetzt geschrieben hat. Und das will etwas heißen, angesichts der anderen Songs auf dem Album: Der Opener "Let Love Be Your Energy" ist eine unbedingt laut zu hörende Liebesfanfare, die klingt wie Oasis und Lenny Kravitz auf einen Streich. Ein richtiger Pusher. Auch "Forever Texas" rockt wie die Hölle und erinnert sicherlich nicht von ungefähr an feiste Glamrocker aus den Siebzigern. Mit solchen Granaten könnte Robbie Williams womöglich Amerika spielend erobern. Wahrlich nicht von schlechten Eltern ist auch Robbies Duett mit Kylie Minogue: "Kids" ist eine schwindelerregend prickelnde Achterbahnfahrt, deren Aufforderung 'jump on board' man unwidersprochen folgen möchte - sicherlich nicht nur das bis dato fulminanteste Duett des Jahres, sondern vor allem eine Lehrstunde, wie erotisch Popmusik sein kann. Absolut bemerkenswert auch, wie Robbie Williams in "Supreme Amour" aus der Essenz von Gloria Gaynors Discoklassiker "I Will Survive" ein erquicklich frisches Pop-Juwel zaubert. "Knutsford City Limits" wiederum ist inhaltlich das lokalpatriotisch stolze Gegenstück zu "Nutbush City Limits", musikalisch jedoch eher in Downtown Britpop anzusiedeln, während sich das beatleske "By All Means Necessary" stolz vor den Toren Liverpools postieren kann. Wer kehrt schon seine Einflüsse so offen und unverblümt nach außen - und dazu noch so gekonnt?
Ein wahres Disco-Inferno entfachte Robbie Williams bereits mit dem vorab ausgekoppelten "Rock DJ", einer UK-No.1 mit Ansage. So stürmte die Single mit 200.000 verkauften Exemplaren in einer Woche unerreichbar an die Spitze der britischen Charts. Was beginnt wie ein harmloses Kinderlied, entpuppt sich schon kurze Zeit später als wahre Klangorgie, gerade so, als dirigiere George Clinton das Love Unlimited Orchestra. Auch die visuelle Umsetzung von "Rock DJ" sorgte für helle Aufregung. Robbie reißt sich hier im wahrsten Sinne des Wortes für seine Fans das Herz heraus. Auf ganz besondere Videoclips scheint Robbie Williams abonniert zu sein und demonstrierte in diesem Metier ein ums andere Mal seine erstaunliche schauspielerischen Fähigkeiten. Wer erinnert sich nicht an den mit einem Brit-Award ausgezeichneten Clip zu "Millennium", wo Robbie das Minenspiel von Sean Connery alias James Bond so gut imitierte, dass man in ihm schon den kommenden 007 sah. Die grotesken Grimassen in "Let Me Entertain You", die anrührende Darstellung eines Eiskunstläufers in "She's The One", ebenfalls brit-award-prämiert, sowie die ergreifende Sinnlichkeit, die für "Angels" in Szene gesetzt wurde, all das hat natürlich zu dem jungen Pop-Mythos eines Robbie Williams entscheidend beigetragen.
Natürlich zeigt sich Robbie Williams auf dem neuen Album auch neuerlich als Meister der sensibleren Popkunst. So birgt das Album einige sanftere Momente, wie etwa das feinnervig-poetische "Love Calling Earth", das verspielt-verträumte "Singing For The Lonely", das burlesk-heitere "Road To Mandalay" und insbesonders das zart-bittere Lamento "If It's Hurting You", das mit Banjotupfern und sanften Pedal-Steel-Schnörkeln aufwartet. Robbie Williams, künstlerisch auf Neil Youngs Pfad Richtung Sugar Mountain, arbeitet hier diskret und einfühlsam die Trennung von seiner Verlobten Nicole Appleton auf. Auf die Trennung angesprochen, erzählt Williams: "Nicky und ich sind uns ein Jahr lang immer nur zufällig über den Weg gelaufen und dann war es dann immer so 'Ich bin total glücklich und mir geht's prima ohne dich. Schau mal! Ich mache Witze und ich lache, ich bin total relaxt und jeder gesellschaftlichen Situation gewachsen! Und ich bewege mich wie John Travolta in ‚Grease''. Vor kurzem haben wir uns dann zum ersten Mal bewusst getroffen und das war wirklich gut. Es hat gut getan, sich anzuschauen und einfach zu fragen ‚Wie geht's?' ‚Nicht so gut. Und dir?' ‚Auch nicht besonders'. Es war so eine Erleichterung endlich nicht mehr so tun zu müssen, als würde es einem gut gehen ohne den anderen. Es war richtig gut."
Robbie Williams geht es im Moment jedenfalls sehr gut. Er sieht klasse aus, und bei der höchst sportiven Figur, die sich Robbie antrainiert hat, war es für Nike die beste Werbung, Williams für eine halbe Million Pfund ein Studio in seinem Londoner Haus einzurichten. Den Promotion-Deal mit Pepsi, den er jüngst abschloss, nutzt Robbie Williams indes nicht für private, sondern für wohltätige Zwecke. Und sein Engagement als Unicef-Botschafter spricht ebenfalls für sich. Kein Wunder, dass Robbie in England inzwischen fast schon ein Nationalheiliger ist. Laut jüngsten Umfragen ist er bei der englischen Jugend bekannter als Jesus und wurde Anfang des Jahres von der britischen Bevölkerung als jüngster Künstler in die Top Ten der besten Musiker des 20. Jahrhunderts gewählt. Williams ist innerlich ausreichend gefestigt, um mit diesen Bergen von Lorbeeren umgehen zu können. "Ich würde jetzt nicht plötzlich wieder unbekannt sein wollen", sagt Robbie dazu, "Ich würde um nichts in der Welt tauschen wollen - das hier ist mein Job und ich habe eine verdammt gutes Los gezogen. Ich muss nur lernen, richtig damit klar zu kommen - und das bringt dir keiner bei. Es gibt keine Volkshochschulkurse für Berühmtsein und es gibt auch keine Berühmten-Selbsthilfegruppen. Halt, stimmt nicht, gibt's doch, die nennen sich dann Award Ceremonies." Grinst und kann sich gewiss sein, dass man ihm dank "Sing When You're Winning" dort garantiert wieder begegnen wird. Ein Klassenclown auf dem unbeirrbaren Weg zu neuen Heldentaten. August 2000
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