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Salif Keita Biographie

Salif Keita

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Diese Stimme - manchmal gleitet sie wie im weitausholenden Flug dahin, dann scheint sie sanft in der Ferne zu verklingen, um dann urplötzlich anzuheben zu einem Schrei, der durch Mark und Bein geht.

Salif Keita, "die goldene Stimme Afrikas", gilt heute als bedeutendster musikalischer Botschafter des westafrikanischen Staates Mali. Auch außerhalb seiner Heimat ist er mit seinen aufwühlenden Liedern längst ein internationaler Star. Jede seiner Veröffentlichungen belegt die vordersten Plätze der Weltmusikcharts. Sein Solodebüt von 1987 "Soro" gehört bis heute zu den bestverkauften afrikanischen Platten und somit größten World Music Erfolgen überhaupt. Das 1991 in Paris und Los Angeles zusammen mit Joe Zawinul, Carlos Santana, Wayne Shorter und Bill Summners eingespielte Album "Amen" wurde für den Grammy nominiert. "Folon...The Past" - produziert von Wally Badarou - zählte laut Rolling Stone zu den zehn besten Platten des Jahres 1995. Angetrieben von dem Wunsch seine musikalischen Visionen mit den Menschen zu teilen, reist der afrikanische Barde ruhelos um die Welt und spielt vor ausverkauften Auditorien in USA, Brasilien, Australien, Japan, Afrika und Europa. Nachdem Salif Keita zuletzt mit "Sosie" seinen europäischen Einflüssen Tribut zollte und Chansons von Serge Gainsbourg, Michel Berger und Jaques Higelin in einen Sound der zwei Kontinente bettete, erklimmt der Weltstar des Afro-Pop nun mit seinem Blue-Note-Debüt "Papa" ein noch höheres Level weltmusikalischer Offenheit.

Salif Keita nutzt die Metapher eines Baumes und seiner Wurzeln als Ursprung aller Musik. Entsprechend vielseitig präsentiert sich der Sound seines sechsten Albums als vollendete Mischung aus Alt und Neu. Eingespielt im Triangel zwischen seinem eigenen Studio in Bamako sowie New York und Paris mit Musikern von drei Kontinenten, darunter Jones'>Grace Jones, Orgel-Magier John Medeski (Medeski, Martin & Wood) und Vernon Reid (Living Colour) als Co-Produzent, fusioniert Keita auf "Papa" westliche Klangelemente und moderne Studio-Technik mit der traditionellen Musik der Griots seiner malischen Heimat. Westafrikanische Einflüsse aus Guinea, der Elfenbeinküste, Senegal und sogar Ingredenzien aus Kuba, Spanien und Portugal fließen ebenfalls ein. Außerdem nicht zu überhören: die unterschwellige Präsenz islamischer Musik.

Keita spielt seine Gitarre im perkussiven Stil der traditionellen afrikanischen Saiteninstrumente. Unter seine gefühlvoll-zwingende Stimme legt sich ein dichter Klangteppich aus fesselnden Rhythmen, Bass, Keyboards, Orgel, Cello und afrikanischen Instrumenten wie Kora, Talking Drum, die dreisaitige M'simby und Balaphon, das afrikanische Pendant zum Xylophon.

Fast alle Stücke singt Salif Keita in der heimatlichen Bambara-Sprache mit Ausschweifungen ins Englische und Französische. "Ananamin", ein Song den er seiner Tochter gewidmet hat, handelt von einer zärtlichen Romanze am Ufer des Niger. "Ich saß am Niger und spielte Gitarre", erzählt der Caruso der Sahel-Zone. "Der Wind blies sanft. Kanus glitten vorüber. Ich stellte mir einen Mann vor, der auf seine Liebste wartet." Im schimmernd polyrhythmischen "Tolon Willie" erinnert sich Keita, wie sie als Kinder im Mondlicht tanzten und sangen. "Tomorrow" und "Abédé" sind ergreifende Balladen und Klagelieder für verlorene Freunde und Angehörige. Und im Titelsong stimmt der Sänger ein feierliches Requiem für seinen 1995 verstorbenen Vater an, der ihn einst in die Geheimnisse des Buschs einweihte. Das Album schließt mit "Gnokon Fei", das Salif Keitas Botschaft noch einmal in einem weltumfassenden, verschwenderischen Stil-Mix auf den Punkt bringt: "Lasst uns einander helfen!"

Salif Keita, 1949 in Djoliba, einem kleinen Dorf westlich der Hauptstadt Malis Bamako geboren, durchlebte eine schwere Jugend. Als Albino (in Afrika ein Zeichen des Unheils), war er von Kind auf ein Außenseiter und nur aufgrund der sozialen Stellung seiner Eltern konnte er überhaupt eine Ausbildung als Lehrer beginnen. Aber der Berufsausübung stand eine Sehschwäche entgegen. So vollzog er 1967 einen radikalen Bruch mit den Familentraditionen und wurde Sänger. Als ein direkter Nachkomme von Sundiata Keita, dem Mandinke Herrscher, der das Königreich Mali im 13. Jahrhundert begründete, war es ihm eigentlich nicht gestattet, in der Öffentlichkeit zu singen. Das durften allein die Griots, die Musiker-Kaste, die mit ihren Liedern seit Jahrhunderten die Geschichten Westafrikas von Generation zu Generation weitertragen. "Meine Familie reagierte mit völliger Ablehnung und tat fortan so, als wenn ich nie existiert hätte", erinnert sich Salif Keita. "Aber war es nicht immer schon so, dass die Weiterentwicklung einer Gesellschaft von Revolutionen begleitet wird? Es war einfach notwendig zu zeigen, dass dieses Jahrhundert eben nicht das Jahrhundert der Vorfahren ist. Deshalb entschied ich mich gegen meine Familie und für die Karriere als Sänger."

Er ging in die Hauptstadt und sang für seinen Lebensunterhalt in Straßen und Bars. Nachts schlief er unter freiem Himmel auf öffentlichen Marktplätzen. Seine unglaubliche Stimme zwischen sinnlicher Verführung und tiefer Erschütterung blieb nicht lange im Verborgenen. 1970 bot man ihm die Stelle des Sängers der legendären "Rail Band du Mali" an, einer Musikertruppe, die finanziell von der Regierung unterstützt, zunächst nur im Buffet Hotel de la Gare des Bahnhofs von Bamako auftrat, später aber auch auf Tournee durch Westafrika und sogar Europa ging. Das 16köpfige Orchester spielte ganz im urbanen Stil traditionelle Mandinka-Musik auf modernen Instrumenten. Noch heute gilt die "Rail Band" als musikalische Talentschmiede, aus der neben Salif Keita auch der guineische Sänger und Kora-Spieler Mory Kanté und dessen Vetter, der Gitarrist Kanté Manfila hervorgingen.

1973 kehrten Keita und Manfila der "Rail-Band" den Rücken und schlossen sich der Gruppe "Les Ambassadeurs" an, die in kurzer Zeit von einer lokalen Attraktion zu einer der bekanntesten Formationen Westafrikas aufstieg. Während der Zeit wachsender politischer Unruhen Mitte der 70er Jahre verließ Keita Mali und lebte zwischen 1978 und 1983 in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Die anderen Bandmitglieder folgten, änderten den Namen der Gruppe in "Les Ambassadeurs Internationaux" und schrieben mit den legendären Songs "Mandjou" und "Primpin" ein essentielles Kapitel in der Geschichte der afrikanischen Popmusik.

Bei einem umjubelten Auftritt beim Angoulême Festival in Frankreich im Juni 1984 konnte sich dann auch endlich das europäische Publikum von der einzigartigen Kunst "des größten Mandingo Blues-Mannes" ("Liberation") überzeugen. Keita nutzte wie viele andere afrikanische Größen (Mory Kanté, Toure Kunda, Papa Wemba, Manu Dibango, Tabu Ley Rocherau) die Gunst der Stunde und zog nach Paris ins Cartier Montreuil, wo er unter 15.000 Landsleuten die Weichen für seine erfolgreiche Solokarriere stellte.

Seitdem ist viel Wasser den Niger hinabgeflossen. Über nunmehr sechs Alben ist Salif Keita seiner Vision von Gerechtigkeit, Liebe und Verständnis treu geblieben und engagiert sich unter anderem für die internationale Hilfsorganisation "SOS Albinos". Er ist aber vor allem ein musikalischer Pfadfinder, dessen Offenheit gegenüber Kulturen anderer afrikanischer Länder und anderer Kontinente beispielhaft ist. Wenn uns heute Klänge aus Afrika längst nicht mehr fremd erscheinen, dann ist das auch das Verdienst von Salif Keita.
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