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Sandi Thom Biographie

Sandi Thom

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Was tun, wenn man zu pleite ist, um auf Tour zu gehen? Für die britische Sängerin und Songwriterin Sandi Thom noch lange kein Grund, frustriert die Flinte ins Korn zu werfen. Kurz entschlossen installierte die 24-jährige in ihrer Untergeschoss-Wohnung im Süden Londons eine Webcam und veranstaltete flugs in ihrem eigenen Keller eine dreiwöchige „Welttournee“. Ähnlich wie die Arctic Monkeys, Gnarls Barkley und Clap Your Hands And Say Yeah, die ihre Popularität und anschließenden Charterfolg dem Internet zu verdanken haben, streute Sandi die News bezüglich ihrer „21 Nights from Tooting“-Tour via Myspace.com und über ihre eigene Homepage. Sie lud Fans dazu ein, die „Konzertreise“ entweder im Web zu verfolgen oder doch ganz einfach in ihrer bescheidenen Behausung vorbei zu schauen und dort Zeuge der Live-Perfomances zu werden (Kapazität: ca. 10 Personen, Bier und Schlafsack bitte selbst mitbringen). Der Erfolg übertraf alle Erwartungen: Waren beim Tourstart gerade mal siebzig Musikfans dabei, so machte die Nachricht schnell die Runde, verbreitete sich weltweit wie ein Lauffeuer und Sandi konnte zum Abschlusskonzert bereits 70.000 Web-Zuschauer begrüßen, die die Show u.a. von den USA, Russland oder Neuseeland aus verfolgten.

Zur etwa gleichen Zeit gab ein A&R-Manager des Sony-Labels RCA einer Schülerzeitung ein Interview, in dessen Verlauf eines der Kinder Sandi Thoms „Webcast-Welttournee“ erwähnte. Weniger als fünf Tage später unterschrieb die Sängerin und Songwriterin einen Plattenvertrag über fünf Alben bei RCA – im Fokus eben jener Webcam im mittlerweile berühmten Keller im Londoner Stadtteil Tooting. Es war das erste Webcast-Signing in der Major-Label-Musikgeschichte.

Geboren in Banff, einem kleinen Fischerdorf an der Nordostküste von Schottland, spielte Sandi in ihrer Kindheit Klavier und Kirchenorgel. Mit vierzehn schloss sie sich einer Coverband namens The Residents (sic) an, wo sie neben den Keyboards auch den Gesangspart übernahm. Die folgenden drei Jahre trat die Gruppe jedes Wochenende irgendwo in Schottland auf. Als sie endlich volljährig war, verließ sie ihre Heimat, um ein halbes Jahr als Straßenmusikerin durch Europa zu tingeln. Im Anschluss nahm sie das Angebot des „Institute of Performing Arts“ in Liverpool wahr, das ihr einen Studienplatz anbot. Dort engagierte sich Thom sowohl im Gospelchor Love And Joy als auch bei einer siebenköpfigen Band, die bis ins Halbfinale der von BBC Radio 1 initiierten „Urban Music Awards“ kam.

Nach der Universität zog Sandi zurück nach Schottland, um einige Demo-Aufnahmen ihres Solo-Materials aufzunehmen. Die anfallenden Kosten dafür beglich sie mit Einnahmen aus Session-Jobs, u.a. war ihre Stimme in Werbespots des Deo-Sprays „Impulse“ und auf dem Dance-Hit „Better Days“ zu hören, der es immerhin auf eine Playboy-Compilation schaffte. Nachdem sie einige der fertig gestellten Songs an diverse Verlage geschickt hatte, unterschrieb Thom einen Songwriting-Deal bei „Windswept Pacific Music“, der ihr die Möglichkeit gab, mit anderen Songwritern und Musikern zu arbeiten und so ein komplettes Solo-Album auf die Beine zu stellen. Nebenbei gab sie ständig Konzerte, u.a. Solo-Shows in Schottland und Tourneen im Vorprogramm der Proclaimers und Nizlopi. Bei einem ihrer Auftritte in Glasgow fiel sie einem Fischer auf, der nebenbei das kleine Indielabel „Viking Legacy“ betrieb. Er nahm sie auf der Stelle unter Vertrag und finanzierte die Produktion ihres Debütalbums „Smile… It Confuses People“, das nun von RCA lizensiert wurde.

Sandi Thoms musikalische Spannweite erstreckt sich von Bob Dylan und Jeff Buckley über Carole King und Stevie Nicks bis hin zu Stevie Wonder und Aretha Franklin - und stellt damit die Verbindung zwischen schwarzer und weißer Musik her. Auf allen Songs des Albums „Smile… It Confuses People“, das in einer Scheune von ihren Bandkollegen Jake Field und Duncan Thompson produziert wurde, gelingt es Sandi, souverän Folk- und Soul-Einflüsse zu kombinieren. Eine ähnliche Herangehensweise wählte die Mittzwanzigerin auch bei ihren Texten, die eine Vielzahl an Themen behandeln: Von gebrochenen Herzen und neu geschlossenen Beziehungen über Musiker und Musikhandwerk bis hin zum Fortschrittswahn, der die Welt fest im Griff zu haben scheint.

Gleich mit der ersten Single-Auskopplung „I Wish I Was A Punk Rocker“ gelang Sandi Thom der Sprung auf Platz eins der UK Single Charts – ironischerweise ist der Song das Klagelied einer Technik-Skeptikerin, die sich die Tage zurückwünscht, „als Musik noch wirklich etwas bedeutete und das Radio König war… und Computer immer noch Angst einflößten und wir eigentlich nichts wussten.“ Zu den weiteren Highlights des Albums zählt u.a. „Little Remedy”, in dem Sandi einem zukünftigen Liebhaber den Fehdehandschuh entgegenschleudert. „Lonely Girl“ ist eine Ode an die Verlorenen, die Einsamen und die Zurückgelassenen. „Time“ ist Sandis Kommentar zum aktuellen Hase-und-Igel-Wettlauf zwischen der Menschlichkeit und der Uhr. Und „What If I’m Right“ thematisiert die Bittersüße einer neuen Beziehung, bei der die Freude über das, was es zu gewinnen gibt, von Verlustängsten überschattet wird.
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