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Sarah McLachlan Biographie

Sarah McLachlan

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Als Sarah McLachlan im Herbst 1999, zur Veröffentlichung ihres Live-Albums „Mirror Ball“, ihren Abschied vom Musikgeschäft erklärte, schien das nicht mehr als eine Laune zu sein. Eben die Kurzschlussreaktion einer ausgepowerten und müden Künstlerin, die sich eine Dekade lang so richtig ausgetobt hatte.

Die mit 25 Millionen CDs und fünf Gold- bzw. Platin-Alben zu den erfolgreichsten weiblichen Rock-Musikerinnen aller Zeiten zählt, deren Songs wie „Building A Mystery“, „Angel“ oder „Adia“ den Soundtrack der 90er bildeten und die mit Lilith Fair eines der unkonventionellsten Festivals aller Zeiten initiierte: Ein reiner Frauen-Event, der zwischen 1997-99 über zwei Millionen (nicht nur weibliche) Fans lockte.

Doch gemäß der Prämisse genau dann aufzuhören, wenn es am Schönsten ist, zog Sarah den berühmten Stecker. Sie zog sich auf ihre Ranch in der Nähe von Vancouver zurück und nahm eine mehrjährige kreative Auszeit. „Nach zehn Jahren Promotion, Tourneen und Albumproduktionen brauchte ich einfach eine Pause, und zwar ganz alleine für mich und meine Familie. Ich wollte endlich ein halbwegs normales Leben führen und ein Baby bekommen.“

Was die Kanadierin denn auch konsequent umsetzte. Mit einer Phase des bewussten Müßiggangs, mit viel Yoga und Sport sowie vorsichtigen ersten Songs für ihr sechstes Studio-Album. Ein ruhiges, gemütliches und entspanntes Dasein. Doch dann geriet die Idylle aus den Fugen: Kurz nach den Terroranschlägen des 11. September erkrankte Sarahs Mutter an Krebs und starb im Sommer 2002. Nur wenige Monate später folgten die Geburt ihrer Tochter India sowie der Ausbruch der SARS-Epidemie, die ganz Kanada in Angst und Schrecken versetzte.

„Die letzten Jahre waren sehr turbulent und sehr extrem – ich habe noch nie zuvor so viel Glück und so viel Schmerz auf einmal gespürt.“ Was sie nach eigenen Angaben regelrecht paralysierte. Das gesamte Jahr 2002 brachte sie nicht einen Song zu Papier. „Ich war völlig fertig vom Tod meiner Mutter und dem ständigen Geschrei meiner Tochter, die anfangs unglaublich anstrengend war. Da blieb kaum Zeit für die Musik. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und jedes Mal, wenn ich mich ans Klavier setzte, kam nichts dabei heraus.“

Das änderte sich erst Anfang 2003. Da gelang es ihr plötzlich, den Song „Fallen“ zu komplettierten, der sich zuvor als unbändige Bestie erwiesen hatte. „Das schwierigste Stück, das ich je geschrieben habe“, so Sarah. „Es war eine Art Katharsis und Selbstfindung, ein Kampf gegen meine inneren Dämonen und Zweifel. Eben: Habe ich es noch drauf? Oder habe ich die Fähigkeiten, Songs zu schreiben jetzt ganz verloren? Und wenn ja: Warum? Bin ich in Ungnade gefallen?“

Doch kaum war das Stück beendet, sprudelte es nur so aus ihr hervor. Binnen weniger Wochen schrieb sie ein gutes Dutzend Songs, arbeitete mit ihrer Stammband um Gitarrist/Produzent Pierre Marchand sowie Drummer Ashwin Sood, und holte sich mit Tony Levin (Peter Gabriel) und Daryl Johnson zwei Bass-Ikonen ins Studio. Mit Erfolg: „Afterglow“ (VÖ. in Deutschland: 1. März 2003) ist ein wunderbares Stück zeitloser, handgemachter Popmusik.

Mit großen Melodien, sphärischen Klangmalereien, süffisanten Streichern und spirituellen Texten, in denen sie die Erlebnisse der schwierigen letzten Jahre aufarbeitet. „Für mich ist Musik die reine Selbsttherapie. Die einzige Möglichkeit, die ich kenne, um meine Probleme, Sorgen und Gefühle zu verarbeiten und eine Art innere Balance zu finden. Wenn ich die nicht hätte, wäre ich aufgeschmissen.“

Und so finden sich unter den zehn Songs nicht nur einfühlsame, intime Liebeslieder wie „Push“ oder „Forever“, die sie ihrem verständnisvollen Gatten widmet, sondern auch ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit den Terroranschlägen von New York („World On Fire“) oder mit den Kriegsgelüsten der Bush-Administration („Time“), die sie nachdrücklich verurteilt. „Ich bin wirklich froh, dass ich in einem liberalen Land wie Kanada lebe“, lacht sie.

Wobei die USA nach wie vor ihr wichtigster und größter Markt sind. Denn ähnlich wie in ihrer Heimat, gilt Sarah hier als Superstar, dessen Alben bis zu achtfaches Platin einspielen, der sich seitenlanger Berichterstattung in allen erdenklichen Medien erfreut und selbst die größten Footballstadien füllt.

Das setzt sich auch mit „Afterglow“ fort. Seit seiner US-Veröffentlichung Ende November steht das Werk ganz oben in den Billboard-Charts, erhält euphorische Kritiken und gilt als willkommene Abwechslung zum durchgestylten Plastikpop der Teen-Queens. „Natürlich habe ich mir einen Kopf darüber gemacht, wie ich in die aktuelle Musikszene passe“, gesteht Sarah angesichts ihrer vierjährigen Abwesenheit. „Aber dann bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mich mit niemandem messen muss. Schon gar nicht mit irgendwelchen Girlies, die sich in ihrer Unterwäsche ablichten lassen. Das ist schon traurig genug. Ein krasser Rückschritt in die 80er, fast so als hätte es Lilith Fair nie gegeben.“

Was jedoch kein Grund für Sarah ist, den dreijährigen Festivalmarathon, der u.a. erste Auftritte von Dido oder Erykah Badu enthielt, noch einmal wiederzubeleben. Denn obwohl die Popwelt große, starke Frauen mehr braucht denn je, fehlt es Sarah schlichtweg an der nötigen Energie für ein derartiges Unterfangen. „Ich habe mir die Hörner abgestoßen“, sagt sie. „Jetzt habe ich ein Baby, eine Familie und ein neues Album, mit dem ich um die ganze Welt touren will. Da kann ich mich nicht auch noch um Frauenfragen kümmern, die scheinbar eh keinen mehr interessieren. Sonst hätte ja irgendjemand meine Idee übernommen und auf die eine oder andere Weise fortgesetzt.“

So geht es Sarah 2004 vor allem um eins: Sich mit „Afterglow“ nachhaltig ins Bewusstsein der Menschheit zu spielen. Eben mit zahlreichen Radio- und TV-Auftritten und noch mehr Konzerten, die sie diesmal auch nach Europa führen sollen. „Ein Markt, den ich sträflich vernachlässigt habe“, gibt sie unumwunden zu. „Aber dahinter steckt keine böse Absicht. Ich war nur so erfolgreich in Nordamerika, dass es nie geklappt hat. Das hole ich jetzt nach.“ Und was Sarah verspricht, das hält sie auch. Nicht nur in Sachen Babys.
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