Schiller Biographie
Schiller
Bildungsnotstand? Pisa-Panik? Wissens-Waisen? Kann gar nicht sein in einem Land, dessen Jugend Schiller liebt. So sehr liebt, dass sie weit über eine Drittelmillion Tonträger von ihm kauft. „Ihm“, das ist der Produzent, Komponist und Möglichmacher Christopher von Deylen, der nach den Chart-Alben ZEITGEIST und WELTREISE, mehr als einem halben Dutzend Hit-Singles und der Trennung von seinem Ex-Kollegen Mirko von Schlieffen nun alleinverantwortlich für das Musikprojekt Schiller zeichnet. Von Deylen blickt gerade auf ein ganzes Jahr Arbeit an dem neuen Album LEBEN zurück, das Jahr, in dem er gleichzeitig dabei zusehen konnte, wie sich der Vorgänger WELTREISE ganz genüsslich über die 200.000er-Verkaufsmarke schraubte.
Vorher hatten viele gedacht, Schiller setzte sich zwischen alle Stühle und werde hinten runter fallen. Jetzt sind sie schlauer: Zwischen Trance und Pop, Club und Car-Stereo, Track und Song war schon immer ein solider Sitz – nur hatte ihn vor Schiller keiner gesehen. Klar, es hat sich für von Deylen „die Frage, wie ich die Verkäufe von WELTREISE toppen könnte, während der Phase, in denen die Musik von LEBEN entstand, nie gestellt.“ Klar, denn zu diesem Zeitpunkt war das plötzliche Aufglühen des Schiller-Sterns von einer wohlbeachteten Trance-Club-Formation zu dem Überraschungssieger im Pop-Sommer 2001 (WELTREISE von null auf eins in den Media-Control-Charts, den Platz vier Wochen gehalten plus ein paar wackere Single-Hits) schon weitgehend verdaut.
Verdaut, aber nicht verdrängt, denn auch auf LEBEN dominieren die drei großen Schiller-Erfolgs-Essentials. Da ist zuerst (trotz aller Ehrfurcht vor seinen Vorbildern in der elektronischen Musik) von Deylens unkaputtbarer Wille zum Pop. Nicht zum Mainstream, das würde von Deylen zurecht als Beleidigung empfinden. Nein, Schiller steht für die konsequente Weiterentwicklung moderner Popmusik mit allen verfügbaren Mitteln. Schiller steht nach wie vor für das Feingeschnitzte und nicht für das Brett: „Das können andere besser“, weiß von Deylen. „So vielfältig der „Living Room Schiller“ ist – er kann und soll nicht alles lückenlos abdecken.“ Denn genau darum geht es beim Pop – es muss nicht allen gefallen, darf aber sehr vielen gefallen. Damit das erreicht werden kann, kooperiert von Deylen – und schon sind wir beim zweiten Schiller-Paradigma – auch auf LEBEN wieder mit einer Reihe illustrer Gesangs-Gäste. Von Alexander Veljanov („Desire“), Mila Mar („die erste Single „Liebe“ und der laszive Bond-Song „More“), Maya Saban („I’ve Seen It All“, „I Miss You“), Kim Sanders („Delicately Yours“), Peter Heppner („Leben“) bis Sarah Brightman („The Smile“) spannt sich ein Stilbogen, über den wir später noch ein paar Worte verlieren müssen. Doch soll zunächst der Künstler selbst die Entwicklung erklären: „Menschen ändern sich mit den Jahren. Zumindest sollten sie das. Dabei entwickeln sie sich weiter. Auf WELTREISE stand der Aspekt, unterhalten zu wollen im Vordergrund. Jeder Song sollte zur Single taugen. Bei LEBEN dagegen standen wesentlich emotionalere Aspekte im Mittelpunkt.“ Emotion – neben den Standbeinen Pop und Coop das eigentliche Spielbein bei Schiller. Und zugleich von Deylens Achillesferse: „Am schlimmsten würde es mich treffen, wenn jemand sagt: ‚Deine Musik berührt mich nicht’.“
Dazu wird es nicht kommen. Im Vergleich zu WELTREISE ist LEBEN kompromissloser: Die Titel, die Single-Potenzial haben sollen, sind eindeutig als solche erkennbar. Die Titel, die dies nicht brauchen, weil ihre Funktion darin besteht, das Album als Gesamtwerk strahlen zu lassen, diese Titel versuchen erst gar nicht, Singles sein zu wollen. Deshalb kann es auch nie passieren, dass auf einen eigentlich perfekten Instrumental-Track (Anspiel-Tipps: „Einklang“ die tiefe Verbeugung vor den frühen Tangerine Dream und die keltisch angehauchte Hobbit-Hymne „Mittelerde“) noch Gesang um des Gesanges Willen aufgeschraubt wird. „Da hat hat keiner was davon. Mensch und Maschine müssen im Einklang schwingen. Auf LEBEN heißt es auch nicht „Schiller featuring Mila Mar“ sondern „Schiller mit Mila Mar“. Musik und Gesang sollen ein echtes Miteinander sein und nicht eine bloße Unterfütterung der Stimmen.“
Dass LEBEN ein SCHILLERndes Pop-Gesamtkunstwerk geworden ist, liegt natürlich auch an der Auswahl der musikalischen Gesangs-Gäste: Auf WELTREISE waren es nur Peter Heppner und Kim Sanders, bei LEBEN sorgt die größere Zahl von Sängern allein durch die Tatsache, dass sie singen schon dafür, dass sich viele Titel eher wie Songs denn wie Elektronik-Tracks anhören. Die Mischung macht’s: „Ein Titel mit Sänger muss nicht automatisch wie eine Radio-Nummer arrangiert sein – oftmals benutze ich Stimmen auch eher wie Sounds, wie Instrumente.“ Die jeweiligen musikalischen Plattformen, auf denen sich die Sänger tummeln, sind noch eine Ecke gefestigter und konkreter geworden. Das trifft auf etliche LEBEN-Titel zu: wenn von Deylen im Studio testweise mal die Gesangsspuren stumm schaltet, bleibt in all diesen Fällen noch immer ein spannendes Instrumental übrig – ein weiteres Indiz dafür, wie hier jenseits der bröckeligen Kompositionspfade am Rande des Kitsch-Abgrundes ein wohltrainierter musikalischer Free Climber neue Stiege in den Fels der Popgeschichte meißelt.
Und davon lässt er sich durch nichts abbringen: „Ich mache noch immer aus dem gleichen Grund Musik wie ganz zu Anfang: Weil es genau die Musik, die ich hören will, sonst nicht zu kaufen gibt.“ Schiller-Musik kann nicht aus der Absicht entstehen, so zu klingen wie etwas anderes, so zu scheinen wie etwas scheinbar gerade Angesagtes. „Das liegt mir nicht, das würde mir keinen Spaß machen. Und Spaß ist eine der wichtigsten Antriebsmotoren für mich. Ich hatte einfach Glück, dass sich offenbar auch viele andere Menschen von der Schiller-Klangwelt angesprochen fühlen. Ich nehme auf nichts Rücksicht. Natürlich ist es bei der Single schön, wenn sie sich innerhalb von vier Minuten mitgeteilt hat. Aber sonst gibt es nichts, worauf ich achten muss. Schiller ist ja keine Bluesrock-Band.“
Ein klassischer Songwriter ist Christopher von Deylen ebenfalls nicht geworden – man wird ihn nie wie Joel'>Billy Joel am Klavier sitzen, schwere Moll-Akkorde pflügen und bedeutungsbefrachtete Auseinandersetzungen über seine schwere Jugend aufschreiben sehen. Was weder an der Jugend (sehr gut) noch an seinem Klavierspiel (fast noch besser) liegt, sondern an seiner Sozialisation als elektronischer Musiker. Egal, ob Instrumental- oder Vocal-Track, das alles verbindende LEBENselixier ist dieses spezielle Deutsch-Sein des Klanges – sonst eine unverschämte Beleidigung, in den internationalen Arenen der elektronischen Musik jedoch ein qualitätsversprechendes Markenzeichen. Das immer wieder in diesem Zusammenhang bemühte Quadrantenmuster (Kraftwerk, Pink Floyd, Tangerine Dream, Enigma) weist denn auch nicht zufällig nur einen nicht der deutschen Elektronik-Szene zuzurechnenden Act auf. Eine Familie, in der sich Christopher von Deylen jedenfalls eher heimisch fühlen kann als – sagen wir mal – bei den Technoschlümpfen: „Diese Gruppen sind die Kerne meiner musikalischen Sozialisation. Das ist alles Musik, die ich selber sehr oft gehört habe und die immer noch sehr gerne höre.“
Von Deylen kann alles, was man als Komponist und Producer heute können muss. Bis auf eines – singen. Das hat aber auch Vorteile. Zum Beispiel den, weitaus mehr Abwechslung in die Stimm-Farben zu bringen, als dies einem Projekt mit fest integriertem Sänger möglich ist. Aber von Deylen sucht nicht Deutschlands SUPERSTARS, denn das sind immer doch nur professionelle, gut ausgebildete Musical-Stimmen. Viel zu langweilig für von Deylens Klangwelten. Bei dem Wettbewerb „Schiller sucht die Superstimme“ gibt es nur Gewinner: „Es ist eher Alexander Veljanow als Alexander DSDS“, lacht von Deylen. Ob Veljanov oder Mila Mar – Schiller fischt gern und erfolgreich in Wave&Goth-Gewässern. „Dieser Bereich bringt aus meiner Sicht die mit Abstand emotionalsten Stimmen hervor. Außerdem reizt es mich, solche Stimmen in einen anderen Kontext zu stellen.“
So geschehen auch bei Sarah Brightman: „Bei ihr ist es wichtig, die Stimme von diesem „Time To Say Goodbye“-Image, das sie seltsamerweise ja nur in Deutschland hat, zu abstrahieren. Sie hat etwas ihrer Stimme, das für mich ganz hervorragend zu diesem Schiller-Teilaspekt „Klassik“ passt, der sich auf WELTREISE mit dem Streicherstück „Aufbruch“ und Isgaard als Quasi-Sopranistin schon andeutete. Von daher ist es also artgerecht und auch sehr reizvoll, diese Künstlerin mit auf die Platte zu nehmen. Als Interpretin hat ihre sehr klare Stimme auch weniger die Funktion der Emotion-Source, sondern dient als zentraler Soundgeber innerhalb des Titels “
Vielfalt ist also wieder mal der Küchenmeister: Kim Sanders als roter Faden von WELTREISE weiter gesponnen, Mila Mar (von Deylen hatte sich bei Mila Mars Album ELFENSEX in ihre Stimme verliebt) und Veljanow als die Wave-Neuzugänge, Maya Saban (aus dem Setlur/Pelham-Stall, zurzeit mit Anete Humpe am Solodebüt arbeitend) als Frischling, Sarah Brightman als Abrundung zur Klassik. Und mit Ausnahme von Brightman stellten sich alle vor das Mikro, das Christopher in seinem „Living Room“ aufgebaut hatte – das Studio in seiner Berliner Wohnung.
„Wohnung“ – Noch ein wichtiges Stichwort. Raus aus dem Club und rein in die Wohnzimmer (gerne auch nicht mehr ganz so blutjunger Hörer): „Die Bedeutung des Groß-Clubs ist ja schon auf WELTREISE vorsätzlich zurückgedrängt worden. Wenn wir überhaupt über Trance-DJs sprechen wollen: Schiller macht eher Musik, die der Trance-DJ nicht auflegt, aber gerne selbst zu Hause hört.“
Und weil der, wie alle Schiller-Fans, nicht die ganze Zeit nur Gesangs-Nummern hören will, halten sich auf LEBEN Songs mit Sängern und klassische Schiller-Instrumentals in etwa die Waage. Diese LEBEN-Tracks sind wieder mal ein Meisterwerk der Neuro-Cineastik geworden: Von Deylen implantiert in die Ohren seiner Hörer kleine Projektoren, die kunterbunte Bilder auf die Innenseite der Schädeldecke werfen. Nur zu logisch, dass mit “Zukunft“ auch ein waschechter Mini-Score auf dem Album zu finden ist – Kinofilm-Musik für „Gate to Heaven“, dem Streifen des Wenders-Schüler Veit Helmer. Höchste Zeit also, dass endlich mal ein Regisseur einen echten Full-Length-Score bei Schiller in Auftrag gibt.
Bis das so weit ist, kann man sich schon mal ein paar zusätzliche Lautsprecher kaufen, denn Schiller gibt es endlich auch im echten Ringsrum-Sound – auf SACD. Hierfür hat von Deylen ein paar neue, nicht gerade preiswerte High-Tech-Kisten in sein „Living Room“-Studio gestellt: „LEBEN wird gleich drei Mal komplett gemischt: die Singles in normaler Stereo-Mischung, das Album in Pro Logic – dem momentan einzigen Stereo-kompatiblen Dolby-Surround-Format – und schließlich 5.1. für SACD und eventuell DVD. Das ist dann echtes 5.1. mit fünf unterschiedlichen Signalen – und nicht dieses pseudomäßig aufgeblasene Stereo, bei dem aus den hinteren Lautsprechern ein bisschen Gewäsch kommt.“
Bleibt nach dem Hinweis auf die für das Frühjahr 2004 geplante Tournee („ein audiovisuelles, multisensuelles Happening“) zum Ende nur noch die Frage, die man auch gleich zu Beginn hätte stellen können: Warum heißt das Album LEBEN? Von Deylen: „Ich suchte einen möglichst allumfassenden Titel, der die Assoziationen etwas offener hält als zum Beispiel WELTREISE. „Leben“ ist wahrscheinlich das menschlichste Substantiv, das es gibt.“ Doch das ist nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte unterschlägt Christopher in der ihm eigenen bodenhaftenden Selbstbescheidenheit: Das neue Schiller-Album ist natürlich auch eine der wenigen plausiblen Antworten auf die Frage, die uns alle bewegt: Gibt es ein LEBEN vor dem Tod?
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Nach „Zeitgeist“, „Weltreise“ und „Leben“ liegt jetzt das vierte Album vor: „Tag und Nacht“. 18 Tracks Schiller pur. Christopher von Deylen, Komponist und Produzent, hat sich musikalisch weiter entwickelt. „Tag und Nacht“ ist atmosphärisch dichter und inhaltlich tiefer als die Vorgänger-Alben. Phantastische Klangwelten mit überraschend neuen Stimmen.
„Die Musik darf nie Worte mahlen und sich mit kleinlichen Spielereien abgeben, sondern muss dem Geist der Poesie im Ganzen folgen“, schrieb der Dichter Friedrich Schiller 1805 in einem Brief. Christopher von Deylen, der sich 1998 von Schiller seinen Bandnamen entlieh, folgt auf dem neuen Album dem Geist der Zeit. Das heißt eigentlich folgt er ihm nicht, er hat ihn aufgespürt, hat einen Sound entwickelt, der die Stimmungen unserer Zeit spiegelt und die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen Musik werden lässt. Musik, die aufbegehrt gegen das vermeintlich subversive Elektronik-Geknackse der Techno-Welle und den auf Hochglanz polierten Weichspüler-Pop in den Charts.
Dabei hat der Sound-Visionär nicht zurückgeblickt, sondern Neues gewagt. Von Deylen ist einer, der Stille sucht, aber Stillstand hasst. Er hat sich eingelassen auf neue Klang-Experimente, neue Kooperationen, neue Stimmen.
Thomas D von den „Fantastischen Vier“ interpretiert auf dem neuen Album die „Nacht“. Die junge Bremer Sängerin Jette von Roth den „Tag“. Moya Brennan von der irischen Erfolgsband „Clannad“ schenkt dem Album ihre mythisch-leuchtende Stimme.
Altmeister Mike Oldfield, der den Schiller-Mastermind in seinem Studio empfing, erinnert an die Wurzeln der elektronischen Musik. Gemeinsam spielten sie den Song „Morgentau“ ein. Der Gitarren-Virtuose über den jungen Klang-Rebellen: „Christophers Musik hat eine Kraft, die einen tief im Innersten berührt. Ich spürte sofort, dass wir eine Sprache sprechen.“ Die Zusammenarbeit gefiel Oldfield so gut, dass er den jungen Klang-Rebellen von Deylen einlud, auch auf seinem neuen Album bei einem Song mitzuwirken.
Auf „Tag und Nacht“ auch wieder dabei: die Amerikanerin Kim Sanders mit ihrer ergreifenden Soul-Stimme, Pink Floyd-Drummer Garry Wallis und die Hamburger Musiklegenden Thissy Thiers (Bass), Micky Meinert (Gitarre) und Christoph Papendieck (Keyboards).
Den einzigartigen Schiller-Charakter, den von Deylen bereits vor Jahren erfand, garantiert der Sound-Visionär auch diesmal wieder durch die subtile Mischung aus Musik und kurzen Wortblitzen. Auf „Tag und Nacht“ sprechen Jürgen Kluckert und Ernst Meincke, bekannt als Erzähler und Bakerman der Hörspielserie „Gabriel Burns“.
Das Schiller-Prinzip – keine feste Band, keinen Frontman, den alle anhimmeln können, stattdessen wechselnde Gastmusiker – scheint das Erfolggeheimnis des Christopher von Deylen zu sein. Zwei goldene Schallplatten, einen Echo, DVD-Champion-Award für die beste Live-DVD 2004, 40000 jubelnde Fans bei der ersten Schiller-Live-Tour und 6 Millionen verkaufte Tonträger weltweit beweisen, dass man manchmal ruhig gegen die gängigen Regeln des Musikbusiness verstoßen darf, nicht Zielgruppen orientiert auf Markttauglichkeit schielen und sich schon gar nicht musikalisch verbiegen muss, wenn man hunderttausende von Fans in aller Welt glücklich machen will. Und die Fans – die sind ihm wichtig. Christopher von Deylen beantwortet lieber stundenlang ihre E-Mails, als Interviews zu geben; trifft sich mit ihnen lieber nach dem Konzert, als den unnahbaren Star zu spielen.
Deswegen erfindet er sich mit seiner Musik vielleicht auch immer wieder neu. Will nicht bloß eine Kopie des letzten Nr.1-Hits abgeben, um Kasse zu machen; nicht langweilen, lieber überraschen. „Ich suche immer noch nach dem perfekten Song. Hab’ ich einen komponiert, würde ich ihn am liebsten gar nicht erst veröffentlichen, weil ich weiß, dass ich es eigentlich noch besser kann.“ Diese latente Unzufriedenheit treibt ihn an und lässt ihn schon früh morgens ins Studio eilen. Computer anstellen, Geräte checken, Emails abrufen, Nachrichten überfliegen– erst danach wird der erste Kaffee gekocht. Von Deylen arbeitet konzentriert und diszipliniert. Er ist einer, der sich nur kurze Pausen gönnt. Pausen, in denen er die Stille sucht. Wo findet er sie? „Nirgends, das ist ja das Tragische. Vielleicht ist meine Musik deswegen manchmal so melancholisch.“ Einmal hat er in Zentralasien einen Berg bestiegen. 4000 Meter hoch. „Da war es so still, dass man Geräusche machen musste, um nicht verrückt zu werden.“ Er sucht doch die Stille? „Ja, aber vielleicht finde ich sie eines Tages ganz plötzlich auf einer Straßenkreuzung mitten in New York.“ Bis dahin bleibt er ein Suchender, der uns teilhaben lässt und uns manchmal ein kleines Stückchen innere Stille in seinen Liedern schenkt.
Vorher hatten viele gedacht, Schiller setzte sich zwischen alle Stühle und werde hinten runter fallen. Jetzt sind sie schlauer: Zwischen Trance und Pop, Club und Car-Stereo, Track und Song war schon immer ein solider Sitz – nur hatte ihn vor Schiller keiner gesehen. Klar, es hat sich für von Deylen „die Frage, wie ich die Verkäufe von WELTREISE toppen könnte, während der Phase, in denen die Musik von LEBEN entstand, nie gestellt.“ Klar, denn zu diesem Zeitpunkt war das plötzliche Aufglühen des Schiller-Sterns von einer wohlbeachteten Trance-Club-Formation zu dem Überraschungssieger im Pop-Sommer 2001 (WELTREISE von null auf eins in den Media-Control-Charts, den Platz vier Wochen gehalten plus ein paar wackere Single-Hits) schon weitgehend verdaut.
Verdaut, aber nicht verdrängt, denn auch auf LEBEN dominieren die drei großen Schiller-Erfolgs-Essentials. Da ist zuerst (trotz aller Ehrfurcht vor seinen Vorbildern in der elektronischen Musik) von Deylens unkaputtbarer Wille zum Pop. Nicht zum Mainstream, das würde von Deylen zurecht als Beleidigung empfinden. Nein, Schiller steht für die konsequente Weiterentwicklung moderner Popmusik mit allen verfügbaren Mitteln. Schiller steht nach wie vor für das Feingeschnitzte und nicht für das Brett: „Das können andere besser“, weiß von Deylen. „So vielfältig der „Living Room Schiller“ ist – er kann und soll nicht alles lückenlos abdecken.“ Denn genau darum geht es beim Pop – es muss nicht allen gefallen, darf aber sehr vielen gefallen. Damit das erreicht werden kann, kooperiert von Deylen – und schon sind wir beim zweiten Schiller-Paradigma – auch auf LEBEN wieder mit einer Reihe illustrer Gesangs-Gäste. Von Alexander Veljanov („Desire“), Mila Mar („die erste Single „Liebe“ und der laszive Bond-Song „More“), Maya Saban („I’ve Seen It All“, „I Miss You“), Kim Sanders („Delicately Yours“), Peter Heppner („Leben“) bis Sarah Brightman („The Smile“) spannt sich ein Stilbogen, über den wir später noch ein paar Worte verlieren müssen. Doch soll zunächst der Künstler selbst die Entwicklung erklären: „Menschen ändern sich mit den Jahren. Zumindest sollten sie das. Dabei entwickeln sie sich weiter. Auf WELTREISE stand der Aspekt, unterhalten zu wollen im Vordergrund. Jeder Song sollte zur Single taugen. Bei LEBEN dagegen standen wesentlich emotionalere Aspekte im Mittelpunkt.“ Emotion – neben den Standbeinen Pop und Coop das eigentliche Spielbein bei Schiller. Und zugleich von Deylens Achillesferse: „Am schlimmsten würde es mich treffen, wenn jemand sagt: ‚Deine Musik berührt mich nicht’.“
Dazu wird es nicht kommen. Im Vergleich zu WELTREISE ist LEBEN kompromissloser: Die Titel, die Single-Potenzial haben sollen, sind eindeutig als solche erkennbar. Die Titel, die dies nicht brauchen, weil ihre Funktion darin besteht, das Album als Gesamtwerk strahlen zu lassen, diese Titel versuchen erst gar nicht, Singles sein zu wollen. Deshalb kann es auch nie passieren, dass auf einen eigentlich perfekten Instrumental-Track (Anspiel-Tipps: „Einklang“ die tiefe Verbeugung vor den frühen Tangerine Dream und die keltisch angehauchte Hobbit-Hymne „Mittelerde“) noch Gesang um des Gesanges Willen aufgeschraubt wird. „Da hat hat keiner was davon. Mensch und Maschine müssen im Einklang schwingen. Auf LEBEN heißt es auch nicht „Schiller featuring Mila Mar“ sondern „Schiller mit Mila Mar“. Musik und Gesang sollen ein echtes Miteinander sein und nicht eine bloße Unterfütterung der Stimmen.“
Dass LEBEN ein SCHILLERndes Pop-Gesamtkunstwerk geworden ist, liegt natürlich auch an der Auswahl der musikalischen Gesangs-Gäste: Auf WELTREISE waren es nur Peter Heppner und Kim Sanders, bei LEBEN sorgt die größere Zahl von Sängern allein durch die Tatsache, dass sie singen schon dafür, dass sich viele Titel eher wie Songs denn wie Elektronik-Tracks anhören. Die Mischung macht’s: „Ein Titel mit Sänger muss nicht automatisch wie eine Radio-Nummer arrangiert sein – oftmals benutze ich Stimmen auch eher wie Sounds, wie Instrumente.“ Die jeweiligen musikalischen Plattformen, auf denen sich die Sänger tummeln, sind noch eine Ecke gefestigter und konkreter geworden. Das trifft auf etliche LEBEN-Titel zu: wenn von Deylen im Studio testweise mal die Gesangsspuren stumm schaltet, bleibt in all diesen Fällen noch immer ein spannendes Instrumental übrig – ein weiteres Indiz dafür, wie hier jenseits der bröckeligen Kompositionspfade am Rande des Kitsch-Abgrundes ein wohltrainierter musikalischer Free Climber neue Stiege in den Fels der Popgeschichte meißelt.
Und davon lässt er sich durch nichts abbringen: „Ich mache noch immer aus dem gleichen Grund Musik wie ganz zu Anfang: Weil es genau die Musik, die ich hören will, sonst nicht zu kaufen gibt.“ Schiller-Musik kann nicht aus der Absicht entstehen, so zu klingen wie etwas anderes, so zu scheinen wie etwas scheinbar gerade Angesagtes. „Das liegt mir nicht, das würde mir keinen Spaß machen. Und Spaß ist eine der wichtigsten Antriebsmotoren für mich. Ich hatte einfach Glück, dass sich offenbar auch viele andere Menschen von der Schiller-Klangwelt angesprochen fühlen. Ich nehme auf nichts Rücksicht. Natürlich ist es bei der Single schön, wenn sie sich innerhalb von vier Minuten mitgeteilt hat. Aber sonst gibt es nichts, worauf ich achten muss. Schiller ist ja keine Bluesrock-Band.“
Ein klassischer Songwriter ist Christopher von Deylen ebenfalls nicht geworden – man wird ihn nie wie Joel'>Billy Joel am Klavier sitzen, schwere Moll-Akkorde pflügen und bedeutungsbefrachtete Auseinandersetzungen über seine schwere Jugend aufschreiben sehen. Was weder an der Jugend (sehr gut) noch an seinem Klavierspiel (fast noch besser) liegt, sondern an seiner Sozialisation als elektronischer Musiker. Egal, ob Instrumental- oder Vocal-Track, das alles verbindende LEBENselixier ist dieses spezielle Deutsch-Sein des Klanges – sonst eine unverschämte Beleidigung, in den internationalen Arenen der elektronischen Musik jedoch ein qualitätsversprechendes Markenzeichen. Das immer wieder in diesem Zusammenhang bemühte Quadrantenmuster (Kraftwerk, Pink Floyd, Tangerine Dream, Enigma) weist denn auch nicht zufällig nur einen nicht der deutschen Elektronik-Szene zuzurechnenden Act auf. Eine Familie, in der sich Christopher von Deylen jedenfalls eher heimisch fühlen kann als – sagen wir mal – bei den Technoschlümpfen: „Diese Gruppen sind die Kerne meiner musikalischen Sozialisation. Das ist alles Musik, die ich selber sehr oft gehört habe und die immer noch sehr gerne höre.“
Von Deylen kann alles, was man als Komponist und Producer heute können muss. Bis auf eines – singen. Das hat aber auch Vorteile. Zum Beispiel den, weitaus mehr Abwechslung in die Stimm-Farben zu bringen, als dies einem Projekt mit fest integriertem Sänger möglich ist. Aber von Deylen sucht nicht Deutschlands SUPERSTARS, denn das sind immer doch nur professionelle, gut ausgebildete Musical-Stimmen. Viel zu langweilig für von Deylens Klangwelten. Bei dem Wettbewerb „Schiller sucht die Superstimme“ gibt es nur Gewinner: „Es ist eher Alexander Veljanow als Alexander DSDS“, lacht von Deylen. Ob Veljanov oder Mila Mar – Schiller fischt gern und erfolgreich in Wave&Goth-Gewässern. „Dieser Bereich bringt aus meiner Sicht die mit Abstand emotionalsten Stimmen hervor. Außerdem reizt es mich, solche Stimmen in einen anderen Kontext zu stellen.“
So geschehen auch bei Sarah Brightman: „Bei ihr ist es wichtig, die Stimme von diesem „Time To Say Goodbye“-Image, das sie seltsamerweise ja nur in Deutschland hat, zu abstrahieren. Sie hat etwas ihrer Stimme, das für mich ganz hervorragend zu diesem Schiller-Teilaspekt „Klassik“ passt, der sich auf WELTREISE mit dem Streicherstück „Aufbruch“ und Isgaard als Quasi-Sopranistin schon andeutete. Von daher ist es also artgerecht und auch sehr reizvoll, diese Künstlerin mit auf die Platte zu nehmen. Als Interpretin hat ihre sehr klare Stimme auch weniger die Funktion der Emotion-Source, sondern dient als zentraler Soundgeber innerhalb des Titels “
Vielfalt ist also wieder mal der Küchenmeister: Kim Sanders als roter Faden von WELTREISE weiter gesponnen, Mila Mar (von Deylen hatte sich bei Mila Mars Album ELFENSEX in ihre Stimme verliebt) und Veljanow als die Wave-Neuzugänge, Maya Saban (aus dem Setlur/Pelham-Stall, zurzeit mit Anete Humpe am Solodebüt arbeitend) als Frischling, Sarah Brightman als Abrundung zur Klassik. Und mit Ausnahme von Brightman stellten sich alle vor das Mikro, das Christopher in seinem „Living Room“ aufgebaut hatte – das Studio in seiner Berliner Wohnung.
„Wohnung“ – Noch ein wichtiges Stichwort. Raus aus dem Club und rein in die Wohnzimmer (gerne auch nicht mehr ganz so blutjunger Hörer): „Die Bedeutung des Groß-Clubs ist ja schon auf WELTREISE vorsätzlich zurückgedrängt worden. Wenn wir überhaupt über Trance-DJs sprechen wollen: Schiller macht eher Musik, die der Trance-DJ nicht auflegt, aber gerne selbst zu Hause hört.“
Und weil der, wie alle Schiller-Fans, nicht die ganze Zeit nur Gesangs-Nummern hören will, halten sich auf LEBEN Songs mit Sängern und klassische Schiller-Instrumentals in etwa die Waage. Diese LEBEN-Tracks sind wieder mal ein Meisterwerk der Neuro-Cineastik geworden: Von Deylen implantiert in die Ohren seiner Hörer kleine Projektoren, die kunterbunte Bilder auf die Innenseite der Schädeldecke werfen. Nur zu logisch, dass mit “Zukunft“ auch ein waschechter Mini-Score auf dem Album zu finden ist – Kinofilm-Musik für „Gate to Heaven“, dem Streifen des Wenders-Schüler Veit Helmer. Höchste Zeit also, dass endlich mal ein Regisseur einen echten Full-Length-Score bei Schiller in Auftrag gibt.
Bis das so weit ist, kann man sich schon mal ein paar zusätzliche Lautsprecher kaufen, denn Schiller gibt es endlich auch im echten Ringsrum-Sound – auf SACD. Hierfür hat von Deylen ein paar neue, nicht gerade preiswerte High-Tech-Kisten in sein „Living Room“-Studio gestellt: „LEBEN wird gleich drei Mal komplett gemischt: die Singles in normaler Stereo-Mischung, das Album in Pro Logic – dem momentan einzigen Stereo-kompatiblen Dolby-Surround-Format – und schließlich 5.1. für SACD und eventuell DVD. Das ist dann echtes 5.1. mit fünf unterschiedlichen Signalen – und nicht dieses pseudomäßig aufgeblasene Stereo, bei dem aus den hinteren Lautsprechern ein bisschen Gewäsch kommt.“
Bleibt nach dem Hinweis auf die für das Frühjahr 2004 geplante Tournee („ein audiovisuelles, multisensuelles Happening“) zum Ende nur noch die Frage, die man auch gleich zu Beginn hätte stellen können: Warum heißt das Album LEBEN? Von Deylen: „Ich suchte einen möglichst allumfassenden Titel, der die Assoziationen etwas offener hält als zum Beispiel WELTREISE. „Leben“ ist wahrscheinlich das menschlichste Substantiv, das es gibt.“ Doch das ist nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte unterschlägt Christopher in der ihm eigenen bodenhaftenden Selbstbescheidenheit: Das neue Schiller-Album ist natürlich auch eine der wenigen plausiblen Antworten auf die Frage, die uns alle bewegt: Gibt es ein LEBEN vor dem Tod?
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Nach „Zeitgeist“, „Weltreise“ und „Leben“ liegt jetzt das vierte Album vor: „Tag und Nacht“. 18 Tracks Schiller pur. Christopher von Deylen, Komponist und Produzent, hat sich musikalisch weiter entwickelt. „Tag und Nacht“ ist atmosphärisch dichter und inhaltlich tiefer als die Vorgänger-Alben. Phantastische Klangwelten mit überraschend neuen Stimmen.
„Die Musik darf nie Worte mahlen und sich mit kleinlichen Spielereien abgeben, sondern muss dem Geist der Poesie im Ganzen folgen“, schrieb der Dichter Friedrich Schiller 1805 in einem Brief. Christopher von Deylen, der sich 1998 von Schiller seinen Bandnamen entlieh, folgt auf dem neuen Album dem Geist der Zeit. Das heißt eigentlich folgt er ihm nicht, er hat ihn aufgespürt, hat einen Sound entwickelt, der die Stimmungen unserer Zeit spiegelt und die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen Musik werden lässt. Musik, die aufbegehrt gegen das vermeintlich subversive Elektronik-Geknackse der Techno-Welle und den auf Hochglanz polierten Weichspüler-Pop in den Charts.
Dabei hat der Sound-Visionär nicht zurückgeblickt, sondern Neues gewagt. Von Deylen ist einer, der Stille sucht, aber Stillstand hasst. Er hat sich eingelassen auf neue Klang-Experimente, neue Kooperationen, neue Stimmen.
Thomas D von den „Fantastischen Vier“ interpretiert auf dem neuen Album die „Nacht“. Die junge Bremer Sängerin Jette von Roth den „Tag“. Moya Brennan von der irischen Erfolgsband „Clannad“ schenkt dem Album ihre mythisch-leuchtende Stimme.
Altmeister Mike Oldfield, der den Schiller-Mastermind in seinem Studio empfing, erinnert an die Wurzeln der elektronischen Musik. Gemeinsam spielten sie den Song „Morgentau“ ein. Der Gitarren-Virtuose über den jungen Klang-Rebellen: „Christophers Musik hat eine Kraft, die einen tief im Innersten berührt. Ich spürte sofort, dass wir eine Sprache sprechen.“ Die Zusammenarbeit gefiel Oldfield so gut, dass er den jungen Klang-Rebellen von Deylen einlud, auch auf seinem neuen Album bei einem Song mitzuwirken.
Auf „Tag und Nacht“ auch wieder dabei: die Amerikanerin Kim Sanders mit ihrer ergreifenden Soul-Stimme, Pink Floyd-Drummer Garry Wallis und die Hamburger Musiklegenden Thissy Thiers (Bass), Micky Meinert (Gitarre) und Christoph Papendieck (Keyboards).
Den einzigartigen Schiller-Charakter, den von Deylen bereits vor Jahren erfand, garantiert der Sound-Visionär auch diesmal wieder durch die subtile Mischung aus Musik und kurzen Wortblitzen. Auf „Tag und Nacht“ sprechen Jürgen Kluckert und Ernst Meincke, bekannt als Erzähler und Bakerman der Hörspielserie „Gabriel Burns“.
Das Schiller-Prinzip – keine feste Band, keinen Frontman, den alle anhimmeln können, stattdessen wechselnde Gastmusiker – scheint das Erfolggeheimnis des Christopher von Deylen zu sein. Zwei goldene Schallplatten, einen Echo, DVD-Champion-Award für die beste Live-DVD 2004, 40000 jubelnde Fans bei der ersten Schiller-Live-Tour und 6 Millionen verkaufte Tonträger weltweit beweisen, dass man manchmal ruhig gegen die gängigen Regeln des Musikbusiness verstoßen darf, nicht Zielgruppen orientiert auf Markttauglichkeit schielen und sich schon gar nicht musikalisch verbiegen muss, wenn man hunderttausende von Fans in aller Welt glücklich machen will. Und die Fans – die sind ihm wichtig. Christopher von Deylen beantwortet lieber stundenlang ihre E-Mails, als Interviews zu geben; trifft sich mit ihnen lieber nach dem Konzert, als den unnahbaren Star zu spielen.
Deswegen erfindet er sich mit seiner Musik vielleicht auch immer wieder neu. Will nicht bloß eine Kopie des letzten Nr.1-Hits abgeben, um Kasse zu machen; nicht langweilen, lieber überraschen. „Ich suche immer noch nach dem perfekten Song. Hab’ ich einen komponiert, würde ich ihn am liebsten gar nicht erst veröffentlichen, weil ich weiß, dass ich es eigentlich noch besser kann.“ Diese latente Unzufriedenheit treibt ihn an und lässt ihn schon früh morgens ins Studio eilen. Computer anstellen, Geräte checken, Emails abrufen, Nachrichten überfliegen– erst danach wird der erste Kaffee gekocht. Von Deylen arbeitet konzentriert und diszipliniert. Er ist einer, der sich nur kurze Pausen gönnt. Pausen, in denen er die Stille sucht. Wo findet er sie? „Nirgends, das ist ja das Tragische. Vielleicht ist meine Musik deswegen manchmal so melancholisch.“ Einmal hat er in Zentralasien einen Berg bestiegen. 4000 Meter hoch. „Da war es so still, dass man Geräusche machen musste, um nicht verrückt zu werden.“ Er sucht doch die Stille? „Ja, aber vielleicht finde ich sie eines Tages ganz plötzlich auf einer Straßenkreuzung mitten in New York.“ Bis dahin bleibt er ein Suchender, der uns teilhaben lässt und uns manchmal ein kleines Stückchen innere Stille in seinen Liedern schenkt.
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