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Sergio Cammariere Biographie

Sergio Cammariere

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In Italien ist ein kleines Wunder geschehen. Diesmal nicht in Mailand, sondern in San Remo. Beim diesjährigen Songfestival in dem beschaulichen Kurstädtchen in Ligurien machte ein Mann von sich reden, der als Außenseiter angetreten war und als lachender Dritter am Ende doch zum strahlenden Sieger avancierte. Sergio Cammariere heißt der 42-jährige Sänger und Pianist, der mit seinem Lied "Tutto quello che un uomo" ("Alles, was ein Mann...") die italienische Nation im Sturm erobert hat. Nachdem der Song neben dem offiziellen dritten Platz in San Remo sowohl von den Journalisten als auch von der dortigen Jury zum besten Song des Festivals gekürt wurde, war schnell klar, dass dieser Titel auch auf Sergios Debütalbum "Dalla pace del mare lontano" ("Vom Frieden des fernen Meeres") gekoppelt werden muss. Gesagt, getan - die anschließend einsetzende Euphorie katapultierte den Longplayer auf Platz eins der italienischen Charts. Mittlerweile haben die Verkäufe dort die Platinmarke überschritten.

Höchste Zeit, Sergio Cammariere dem deutschen Publikum vorzustellen. Der äußerst begabte Musiker aus dem kleinen Städtchen Crotone im tiefen Süden Italiens hat seine Inspirationen über Jahre aus sehr verschiedenen Quellen gespeist. Neben klassischer Musik, besonders Beethoven und Debussy, und südamerikanischen Rhythmen, hier sind es so wohltemperierte Autoren wie Antonio Carlos Jobim und Vinces de Moraes, die er schätzt, ist es vor allem der Jazz, der sein Pianospiel geprägt hat. Zu seinen großen Idolen zählen Art Tatum, Bill Evans und Keith Jarrett. Dass der exzellente Pianist und warmherzige Interpret erst sehr spät von seinen Landsleuten entdeckt worden ist, liegt auch daran, dass er fast alle Songs, die er in den Achtzigern komponiert hat, lange Zeit überhaupt nicht veröffentlicht. Nach diversen Arbeiten an Soundtracks erscheinen 1993 auf dem Album "I ricordi e le persone", das er gemeinsam mit seinem Freund, dem Dichter und Songwriter Robert Kunstler, herausbringt, zumindest einige von Cammarieres frühen Kompositionen.

1997 nimmt Sergio Cammariere an dem renommierten Musikwettbewerb Premio Tenco teil, wo er das Publikum für sich gewinnen kann und ihm von der Jury der Preis als bester Performer und Interpret zugesprochen wird. Aus diesem Erfolg resultiert auch die ein Jahr später veröffentlichte EP "Tempo perduto", deren drei wunderbar ausbalancierte Titel bereits alle musikalischen Merkmale besitzen, die seine Songs kennzeichnen: lyrische Poesie und instrumentale Präzision, sanfte Nostalgie und beeindruckende Einfühlsamkeit. Dabei hat seine elegante Mischung aus traditioneller Autorenkunst und leichtfüßigem Jazz nicht selten zu Vergleichen mit Paolo Conte geführt. Auf seinem aktuellen Album "Dalla pace del mare lontano", das als sein offizielles Solodebüt gehandelt wird, hat er seine Musik so perfektioniert, dass ein wahrer Preisregen auf ihn niederprasselt. Mehrfach prämiert als bester Künstler des Jahres 2002, respektive für das beste Debüt, votieren auch die Leser von "Musica e Dischi" für Sergio Cammariere als besten neuen Künstler Italiens.

Ein offenes Geheimnis seines Erfolgs ist auch Cammarieres kongenial aufspielende Begleitband. Luca Bulgarelli (Bass), Amedeo Ariano (Schlagzeug), Olen Cesari (Violine), Fabrizio Bosso (Trompete) und Alex Britti (Gitarre) setzen Akzente, sorgen für atmosphärische Wendungen, beherrschen jedes Tempo und jeden Stil. Dabei bleibt in den live aufgenommenen Liedern dieses außergewöhnlichen Studioalbums viel Platz für Improvisation. Sei es ein federleichter Samba wie "Canto nel vento", ein koketter Swing wie "Paese di goal" (eine Hymne an alle fußballfanatischen Italiener), das mit verträumten Vignetten verzierte "Apri la porta", die Hommage an Charles Trenets "Il Mare", das jazzbetonte Titelstück des Albums oder schließlich mit "Tutto quello che un uomo" jenes Lied, mit dessen offenherzigem Sentiment Sergio Cammariere von San Remo aus ganz Italien erobert hat, dieser vielseitige Künstler hat den besten Beweis angetreten, dass es für eine erfolgreiche Karriere nie zu spät ist. Man muss ja nicht unbedingt so lange warten wie die von Cammariere verehrte brasilianische Musikerlegende Cartola. Der war 65 Jahre alt, als er sein erstes Album veröffentlichte.
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