Sheryl Crow Biographie
Sheryl Crow
Sie kämpft gegen alles und jeden: Die Musikindustrie, den Terror, den Krebs und die Waffenlobby – am meisten aber gegen sich selbst. Denn bei allem Engagement ist Sheryl Crow eine 40jährge Frau, die immer noch den richtigen Partner fürs Leben und den passenden Sound für ihre Platten sucht. Letzterem kommt sie mit ihrem vierten Album “C´mon C´mon” schon verdammt nahe.
Du hattest eine Platte ”voller Hits, Profanitäten, Schwulenhass und sexistischen Statements wie bei Eminem” angekündigt. Das Ergebnis hält nicht wirklich Wort, oder?
Nein, und dazu wäre es auch nie gekommen. Das war einfach nur ein bißchen Humor, ein wenig Ironie.
Wovon sich auf ”C´mon, C´mon” nicht gerade wenig findet.
(lacht) Ich wurde von einem Journalisten gefragt, was denn von meinem nächsten Album zu erwarten sei, und da habe ich das einfach so gesagt. Das war bei den 2000er Grammies und entsprach in etwa dem, was gerade angesagt war. Es war ein Witz.
Wobei es noch immer den Nerv der Zeit trifft...
Stimmt. Aber seit dem 11. September sind die Leute doch sehr sensibel geworden. Die meisten neuen Songs haben sehr feinfühlige Texte, und das bedeutet zugleich auch das Ende dieser extremen, radikalen Sachen. Die Leute wollen das einfach nicht mehr hören. Und ich muß sagen, das ist gut so. Eminem und Co. sind doch das Allerletzte. Die haben nur eine große Klappe und legen es aufs blanke Provozieren an. Aber wenn es um wichtige Statements und um Verantwortung gegenüber den Fans geht, ziehen sie den Schwanz ein und verstecken sich hinter ihren Bodyguards.
Dann hat das WTC-Attentat einen bleibenden Einfluß auf die Subkultur?
Ja, und zwar in dem Sinne, daß wir erst dadurch erkannt haben, wie wichtig die kleinen Dinge des Lebens sind – und das man nie den Blick für das Wesentliche verlieren darf. Man darf das Leben nicht vernachlässigen, und die essentiellen, schönen Dinge nie wegen irgendwelcher Nichtigkeiten aus den Augen lassen. Genau darum geht es in ”Soak Up The Sun”. Der Song reflektiert die Veränderung in allen Dingen, diese schlagartige Rückbesinnung auf das Essentielle.
Wie hat sich dein eigenes Leben verändert?
Wahrscheinlich in demselben Maß, wie bei den meisten Leuten. Plötzlich war in diesem Land jedes Gefühl von Sicherheit verloren. Wir konnten uns nicht mehr so frei bewegen, wie zuvor, geschweige denn, einfach so ein Flugzeug betreten. Es war ein wahnsinniger Verlust an Unschuld und an Freiheit. Plötzlich dominierte eine wahnsinnige Angst.
Dann verstehst du Songs wie ”Soak Up The Sun” als ein Mittel, um die Nation aufzumuntern?
Absolut. Es ist eine Art Weckruf, der die Leute auf die wirklich wichtigen Dinge einschwören soll - sie sollen ihr Leben so leben, als wäre es ihr letzter Tag auf Erden.
Also genau so, wie es auch Steve McQueen getan hätte, den du auf dem Album als rebellischen Helden verehrst?
Ja, er repräsentiert den Geist des freien Amerika. Eben diesen heldenhaften, rebellischen, mystischen und überlebensgroßen Charakter.
Dann mangelt es diesem Land an Männern wie ihm?
(lacht) Irgendwie schon. Wobei es mir eigentlich eher um den wahnsinnigen Informations-Overkill geht. Heutzutage gibt es einfach nichts Mysteriöses mehr. Alles, was in der Welt passiert, wird sofort und augenblicklich über den Bildschirm gejagt und einem Millionenpublikum zugänglich gemacht. Deshalb gibt es auch nichts mehr, was die Leute nicht über ihre Promis wüssten. Und das verkörpert für mich ganz klar das Ende einer Ära. Früher konnten die Stars noch tun und lassen, was sie wollten und ein abgeschottetes Privatleben führen. Ganz einfach deshalb, weil die Presse noch nicht so omnipräsent war.
Dann wäre James Dean nie so eine Kultfigur geworden, wenn wir mehr über ihn gewusst hätten?
Ganz genau. Ich denke, das ist auch der Grund, warum Künstler, Schauspieler oder berühmte Persönlichkeiten nicht mehr denselben Status in der Gesellschaft einnehmen, wie früher. Eben, weil sie so vertraut, so menschlich und angreifbar sind, weil die Leute so viel über ihre Macken und Makel wissen. Und das zerstört einfach alles.
Wie steht es mit dir?
Oh, ich habe eigentlich das Gefühl, als würde ich eine Menge Anonymität genießen. Und ich denke, man kann das auch selbst regulieren. Wenn man nicht wirklich viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, kann man geradezu unsichtbar sein.
Da gibt es diese Zeile: ”we have rock-stars in the White House and all our pop-stars look like porn, all our heroes hit the highway ´cause they don´t live here anymore.” Steht die Entertainment-Branche vor dem Exitus oder wie meinst du das?
Das bezieht sich eher darauf, daß wir unsere Popstars so gläsern und transparent gemacht haben, daß wir sie in- und auswendig kennen – wie ein Familienmitglied. Und das war nicht immer so. Früher waren sie noch auf einem Podest – sie standen weit über allem und waren ein leuchtendes Vorbild. Etwas, das dich inspiriert und angespornt hat.
Also das berühmte Poster an der Wand?
Ja, wobei ich nicht sage, daß das gut oder schlecht war. Es war nur alles ganz anders.
Wann ist das aus den Fugen geraten? Wo war der Wendepunkt?
Als MTV und VH-1 auftauchten – oder Entertainment Tonight und all diese Promi-geilen Medien. Davor gab es nur ein oder zwei Magazine, in denen man über seine Stars lesen konnte. Und denen konnte man auch glauben. Eben, weil sie nicht alle Macken zeigten – und das machte die Stars erst so attraktiv. Sie waren unantastbar – fast wie Götter. Insofern ist es letztlich eine Frage der Technologie. Weißt du, wir werden täglich mit so vielen Informationen und Images bombadiert, daß sie irgendwann austauschbar und beliebig, vielleicht sogar nervig werden. Und wir werden immun und glauben an nichts und niemanden mehr. Warum auch? Wir wissen ja schon alles über unsere Lieblinge...
Dann ist die austauschbare Popmusik unserer Zeit eine Reaktion auf unsere Mentalität?
Ganz bestimmt. Denn als Songwriter wird dein Kunst durch dein Leben bestimmt. Oder anders gesagt: Was immer gerade sozial passiert, dominiert auch die Kunst.
Dann ist Britney das Produkt des Bösen?
(lacht) Sie ist definitiv das Produkt unserer Zeit.
Und: sieht sie aus wie ein Pornostar?
(lacht) Ich sehe da schon gewisse Ähnlichkeiten. Eben das billige Make-up, das sie auch noch viel zu dick aufträgt, dann diese geschmacklosen Klamotten und nicht zuletzt diese Kieksstimme. Das ist wirklich ein blödes Blondchen... Mehr nicht. Aber das ist meine rein persönliche Meinung...
Wie können wir diese Pop-Misere überwinden?
Keine Ahnung. Ich habe mich dazu entschieden, einfach abzuwarten, was passiert. Denn die entscheidende Frage ist doch: Welche Auswirkungen hat das auf die Generation, die damit aufwächst. Halt die 12jährigen Mädchen, die so unzufrieden mit ihren Körpern sind, weil sie nicht wie Britney aussehen. Oder all die Jungs, die lieber Mädchen sein möchten. Eben, weil sie meinen, das wäre das einzig wahre Schönheitsideal. Sie denken wirklich, daß Britney sexy wäre – die armen Kinder.
Kein Wunder, daß sich so viele den Nu-Metal-Bands um Korn und Linkin Park anschließen....
Stimmt. Das ist dann das genaue Gegenteil – der Anti-Rockstar, ohne jeden Glitzer und Glamour. Eben auch kein wahres Idol. Weißt du, es herrscht einfach ein Mangel an richtigen Idolen. An Künstlern, die bereit sind, sich von allen anderen abzusetzen und nicht einfach nur andere zu duplizieren. Du mußt die Konkurrenz auf Distanz halten, dein eigenes kleines Ding machen und dich in deiner Nische bewegen. Nur ist das kaum noch möglich. Es geht nur noch ums Kopieren und Nachahmen. Sobald du im Fernsehen auftrittst und einigermaßen Eindruck hinterläßt, gibt es schon ein paar Hunderte, die deinen Fußstapfen folgen und nur darauf warten, daß sie dich ablösen können. Es gibt einfach keine Loyalität mehr – und keine vernünftige Auffassungsgabe.
Was du auf deinem neuen Album allein dadurch bekämpfst, daß du eine möglichst große stilistische Vielfalt auffährst...
Stimmt. Ich versuche, für jeden etwas zu machen. Vielleicht ist das ja ein großer Fehler, weil ich den Leuten zu viel abverlange, aber ich finde das so viel spannender.
Und was assoziierst du mit dem Titel ”C´mon C´mon”?
Nun, er korrespondiert hervorragend mit der Musik, die ja so etwas wie eine Rückkehr zum klassischen Rock darstellt. ”C´mon C´mon” trifft den Spirit der Musik. Es lädt dich dazu ein, die einzelnen Songs zu umarmen - eben wie den Soundtrack zu deinem täglichen Leben. Oder auch zu deiner Jugend, so wie es mir dabei geht. Wenn ich die Platte höre, erinnere ich mich daran, wie ich mit 16 durch die Straßen meiner Heimatstadt gecruist bin und ”Baker Street” von Gerry Rafferty oder ”Dreams” von Stevie Nicks gehört habe. Diese Songs haben mir einfach wahnsinnig viel bedeutet. Und ”C´mon C´mon” hat denselben Charme. Es evoziert etwas unglaublich Positives und Einladendes.
Dabei war klassischer Rock lange Zeit ziemlich verpönt, oder?
Irgendwie schon. Aber weißt du was? Er kommt zurück! Ehrlich. Ich kenne etliche Kids, die sich wieder damit beschäftigen und etwa Led Zeppelin hören. Aber du hast schon recht: Das Thema war wirklich lange Zeit tabu. Keine Ahnung, warum – ich habe die Musik immer geliebt. Und das gebe ich auch offen zu. Ich liebe richtigen Rock!
Hast du deswegen ein derart inniges Verhältnis zu Stevie Nicks, die dich auch auf dem Album begleitet?
Ja, wir sind richtig enge Freunde, und natürlich bin ich auch ein großer Fan von ihr. Sie hat meine absolute Lieblingsstimme und hat mich auch dabei unterstützt, dieses Album aufzunehmen. Sie war so eine Art Mentorin, hat mich immer wieder zur Arbeit zurückgebracht und dafür gesorgt, daß ich wirklich das mache, was ich mir vorgenommen habe. Eine tolle Frau.
Courtney Love nennt sie ”ihr verrücktes Tantchen”...
Tut sie das? Ich wette, Stevie nennt sie ”ihre durchgeknallte Nichte”.
Was ist dran an dem Gerücht, daß du Fleetwood Mac beitreten würdest?
Keine Ahnung, wie das zustande kam. Aber ich würde sofort zusagen – egal, was sie von mir verlangen. Ich würde sogar den Busfahrer spielen, wenn sie das wollten. Eben, weil ich ein richtig großer Fan bin und diese Jungs liebe – ehrlich! Leider wird es schon deshalb nie dazu kommen, weil ich ständig unterwegs bin. Ich habe zum Beispiel eine ziemlich extensive Welttournee vor der Brust, während sie immer noch an ihrem Album basteln. Und ich glaube auch nicht, daß sie mich dazu brauchen. Sie kommen auch ganz gut alleine klar. Ich würde mir auch nie anmaßen, Christine McView ersetzen zu wollen. Das geht gar nicht.
Dabei schreibst du ähnlich epische Balladen. Etwa ´It´s so Easy´. Ist Sheryl Crow wirklich derart verliebt oder spielt sie nur damit herum?
Es ist nur ein Song (grinst). Ich stelle mir vor, wie es wäre, sich in jemanden zu verlieben, in den man sich besser nicht verlieben sollte. Und deswegen habe ich Don Henley von den Eagles gebeten, daran teilzunehmen. Der ist ein absoluter Experte für verkorkste Liebesgeschichten. Das Ganze ist ein Duett zwischen zwei Leuten, die einen fürchterlichen emotionalen Konflikt durchmachen.
Dann bist du also nicht unglücklich verliebt?
Ich? Gott bewahre! Bis vor kurzem war ich in einer tollen Beziehung. Da kann ich mich wirklich nicht beschweren.
Stimmt es, daß du laut über eine Familie nachdenkst?
Oh, das ist mein größter Traum. Ich möchte eine richtig große Familie mit drei oder vier Kindern. Nur brauche ich dazu erst mal den richtigen Partner. Das ist das Problem...
Wieso, bist du zu anspruchsvoll?
Nein, nein, ich suche niemanden, der absolut perfekt wäre. Den gibt es ohnehin nicht – und so ein Partner wäre bestimmt auch fürchterlich langweilig. Abgesehen davon, daß ich der Meinung bin, daß es ihn eh nicht gibt, würde ich mich auch nie mit Mr. Perfect einlassen. Da könnte ich ja gar nicht mithalten (lacht). Aber im Ernst: Momentan gleite ich einfach nur so durchs Leben, warte darauf, den richtigen Mann kennenzulernen. Und dabei fühle ich mich eigentlich ganz wohl. Ich bin rundum glücklich.
Wie steht es mit den angeblichen Affären mit Eric Clapton oder Kid Rock? Ist das die Art von Mann, die dir vorschwebt?
Ach, das sind alles nur Gerüchte. Nur, weil ich mal mit Kid Rock aufnehme oder ihn zu einem Baskettballspiel begleite, steige ich doch nicht mit ihm ins Bett. Wir sind Freunde und Kollegen, die sich sehr gut verstehen, mehr nicht. Außerdem hat er eine feste Partnerin, mit der ich weder konkurrieren möchte noch kann (lacht). Und was Eric betrifft, ist er mir einfach zu melancholisch und ruhig. Mit so einem Typen könnte ich es nicht aushalten.
Du bist gerade 40 geworden. Eine beängstigende Vorstellung?
Ganz und gar nicht. Ich bin ziemlich zufrieden mit mir, meinem Körper und meinem Leben. Da habe ich überhaupt kein Problem. Und ich fühle mich auch gar nicht so alt. Schau mich an: Sehe ich aus, wie 40? Kein Stück! Und so lange es vorkommt, daß sich irgendwelche jungen Burschen nach mir umdrehen, brauche ich mir da auch keine Sorgen zu machen. (lacht)
Wie sieht der perfekte Augenblick im Leben von Sheryl Crow aus?
(lacht) Der perfekte Augenblick ist unmittelbar vor dem Aufstehen. Du wachst auf und hast noch nichts anderes im Kopf, als eine zarte Vorahnung dessen, was der Tag bringen könnte. Sehr philosophisch, oder?
Was war dein größtes Mode-Verbrechen?
Definitiv das Artwork meines zweiten Albums! Der Grund, warum ich das als Modeverbrechen bezeichne, ist der, daß es ein richtiges Drama ausgelöst hat. Viele Leute behaupteten, ich hätte wie ein Junkie ausgesehen, eben völlig abgemagert und irreal. Dabei wollte ich nur sexy sein – und vielleicht auch ein bißchen provozieren. Weißt du, es war eine Trotzreaktion auf dieses nervige Image des ”sauberen, netten Mädchens vom Lande”. Das war das, was mir die Presse aufzwingen wollte, und dagegen habe ich rebelliert. Aber du kannst dir nicht vorstellen, was ich dafür einstecken mußte. Junge, die haben mich richtig fertig gemacht – selbst meine Mutter rief an, und meinte, ich sollte mich was schämen. Sie fragte, ob ich Drogen nehme. Und das mich: den gesündesten Menschen auf Erden! Ich esse nicht mal Fastfood.
Wie steht es mit Lieblingsklamotten?
Das sind Cowboystiefel! Ehrlich. Ich weiß gar nicht, wie viele ich inzwischen habe, aber es müßten schon ein paar Hundert sein. Ich liebe die Dinger. Sie sind einfach wahnsinnig bequem.
Gehst du mit der aktuellen Mode oder hast du ein Problem damit?
Nein, ich habe kein Problem damit. Im Gegenteil: Ich würde sogar sagen, daß sich die Mode in meine Richtung entwickelt hat. Nimm nur diesen Retro-Kram, der gerade so angesagt ist. Den trage ich schon seit Jahren, was eigentlich nie besonders trendy war. Man hat mich deswegen sogar oft belächelt, was ich nicht verstehe. Denn die Sachen sehen wirklich cool aus, eben dieser ganze Hippie-Kram aus den 60ern. Ich trage sie wahnsinnig gerne. Was hingegen richtig lächerlich ist, sind Klamotten aus den 80ern. Mein Gott, die sehen schrecklich aus. Eben dieser schrille Disco-Look. Grausam.
Themenwechsel: Wie kommt es, daß du dich so stark für soziale Projekte engagierst – etwa gegen Landminen oder Brustkrebs? Gehört das zu den sozialen Verpflichtungen eines Entertainers?
Nein, dieses soziale Bewußtsein liegt entweder in deinem Charakter, oder er ist dir völlig fremd. Aber ich wurde eben von Eltern erzogen, die sehr aktiv in ihrer Kommune involviert waren, und immer älteren und kranken Leuten geholfen haben. Darin haben sie mich natürlich schon sehr früh mit einbezogen, wogegen ich auch nie etwas hatte. Insofern habe ich mich schon in diesem Bereich engagiert, als ich noch völlig unbekannt war.
Wobei du auch ein starkes geschäftliches Bewußtsein hast. Etwa, wenn es darum geht, dein künstlerisches Eigentum gegen Internet-Anbieter wie Napster oder die Musikindustrie zu schützen...
Stimmt, da bin ich wirklich sehr aktiv. Worüber ich aber nicht wirklich glücklich bin, weil das zu viel Zeit in Anspruch nimmt, die ich eigentlich gern für andere Dinge verwenden würde. Zumal du oft eine Menge Arbeit investierst und nur sehr geringe Erfolge erzielst. Aber irgendwer muß das ja tun. Ich setze mich wirklich stark für die Rechte von Künstlern ein. Denn wenn ich das nicht täte, würden wir viel von unserer Freiheit verlieren – und von unseren Einnahmen. Ich möchte die Rechte an meinen Songs auch im digitalen Zeitalter bewahren und für Downloads bezahlt werden.
Und worum geht es bei deinem Kampf um den ”Sieben Jahre-Status”, den du momentan vor dem kalifornischen Bundesgericht austrägst?
Da geht es um die bestehenden Urhebergesetze. Wenn du im Staat Kalifornien einen Arbeitsvertrag bei einer Firma unterschreibst, die dich für deine Dienstleistung engagiert, kannst du ihn nach sieben Jahren aufkündigen, auch wenn du nicht alle vereinbarten Leistungen erbracht hast. Nur gilt das leider nicht für Künstler oder Musiker. Die müssen auch nach Ablauf der Frist alle Vereinbarungen erfüllen und werden somit zu modernen Sklaven. Sie werden gegen ihren Willen in einem Vertrag gehalten, der vielleicht gar nicht ihrem Status oder ihrem Erfolg entspricht. Und das wird von der Industrie ganz bewußt so gehandhabt. Sie wissen von vornherein, daß ihre Verträge nicht zu erfüllen sind und kein Künstler fünf Alben in sieben Jahren abliefert, wenn man ihn nach jeder Platte erst einmal zwei Jahre auf Tour schickt. Auf diese Weise können sie dich an der langen Leine halten, bis du alle Vertragspunkte erfüllst. Und das ist nicht OK. Mehr noch: Es ist extrem unfair, weil es nur für diesen einen Dienstleistungsbereich gilt. Das zeigt dir, welchen Einfluß die Musikindustrie auf die Politik hat. Die haben sich da alles schön zurecht geschmiert.
Ist das der Grund, warum du fast vier Jahre für das neue Album gebraucht hast – weil bei all diesen Aktivitäten keine Zeit für die Musik blieb?
Ja, das Engagement hat mir definitiv nicht geholfen! Zwischenzeitlich hatte ich wirklich das Gefühl, als würde ich meine Zeit gleichermaßen zwischen den Künstlerrechten und den Aufnahmen zum neuen Album aufteilen.
Ganz zu schweigen von unzähligen Clubkonzerten und Gastauftritten. Schließlich hast du nebenbei noch mit Stevie Nicks, Willie Nelson oder Kid Rock gearbeitet...
Ja, das war wirklich so viel, daß ich mich kaum noch an die einzelnen Sachen erinnern kann. Aber weißt du was: Das sind so wunderbare Angebote, daß du sie gar nicht ablehnen kannst. Du bist so euphorisch und begeistert, daß du sofort zusagst: ”Kein Problem, ich schaufle mir dafür irgendwie zwei Tage frei.” Und das heißt natürlich auch, daß du deinen Kram erst mal auf Eis legst. Denn solche Gelegenheiten darf man sich nicht entgehen lassen. Letztlich bist du es ja, der davon profitiert. Du triffst tolle Leute, hast eine Menge Spaß und lernst schrecklich viel.
Und was ist das für ein Gefühl, bei den Olympischen Winterspielen aufzutreten? Hast du da noch Bühnenangst, oder bist du mittlerweile so routiniert, daß dir das nichts mehr ausmacht?
Oh, ich war total nervös. Unbedingt. Denn Live-Fernsehen ist eine komische Sache. Sobald, dieses rote Lämpchen aufleuchtet, gibt es kein Zurück. Da läßt sich nichts verbessern, reparieren oder ausbügeln. Eine schreckliche Vorstellung.
Du hattest eine Platte ”voller Hits, Profanitäten, Schwulenhass und sexistischen Statements wie bei Eminem” angekündigt. Das Ergebnis hält nicht wirklich Wort, oder?
Nein, und dazu wäre es auch nie gekommen. Das war einfach nur ein bißchen Humor, ein wenig Ironie.
Wovon sich auf ”C´mon, C´mon” nicht gerade wenig findet.
(lacht) Ich wurde von einem Journalisten gefragt, was denn von meinem nächsten Album zu erwarten sei, und da habe ich das einfach so gesagt. Das war bei den 2000er Grammies und entsprach in etwa dem, was gerade angesagt war. Es war ein Witz.
Wobei es noch immer den Nerv der Zeit trifft...
Stimmt. Aber seit dem 11. September sind die Leute doch sehr sensibel geworden. Die meisten neuen Songs haben sehr feinfühlige Texte, und das bedeutet zugleich auch das Ende dieser extremen, radikalen Sachen. Die Leute wollen das einfach nicht mehr hören. Und ich muß sagen, das ist gut so. Eminem und Co. sind doch das Allerletzte. Die haben nur eine große Klappe und legen es aufs blanke Provozieren an. Aber wenn es um wichtige Statements und um Verantwortung gegenüber den Fans geht, ziehen sie den Schwanz ein und verstecken sich hinter ihren Bodyguards.
Dann hat das WTC-Attentat einen bleibenden Einfluß auf die Subkultur?
Ja, und zwar in dem Sinne, daß wir erst dadurch erkannt haben, wie wichtig die kleinen Dinge des Lebens sind – und das man nie den Blick für das Wesentliche verlieren darf. Man darf das Leben nicht vernachlässigen, und die essentiellen, schönen Dinge nie wegen irgendwelcher Nichtigkeiten aus den Augen lassen. Genau darum geht es in ”Soak Up The Sun”. Der Song reflektiert die Veränderung in allen Dingen, diese schlagartige Rückbesinnung auf das Essentielle.
Wie hat sich dein eigenes Leben verändert?
Wahrscheinlich in demselben Maß, wie bei den meisten Leuten. Plötzlich war in diesem Land jedes Gefühl von Sicherheit verloren. Wir konnten uns nicht mehr so frei bewegen, wie zuvor, geschweige denn, einfach so ein Flugzeug betreten. Es war ein wahnsinniger Verlust an Unschuld und an Freiheit. Plötzlich dominierte eine wahnsinnige Angst.
Dann verstehst du Songs wie ”Soak Up The Sun” als ein Mittel, um die Nation aufzumuntern?
Absolut. Es ist eine Art Weckruf, der die Leute auf die wirklich wichtigen Dinge einschwören soll - sie sollen ihr Leben so leben, als wäre es ihr letzter Tag auf Erden.
Also genau so, wie es auch Steve McQueen getan hätte, den du auf dem Album als rebellischen Helden verehrst?
Ja, er repräsentiert den Geist des freien Amerika. Eben diesen heldenhaften, rebellischen, mystischen und überlebensgroßen Charakter.
Dann mangelt es diesem Land an Männern wie ihm?
(lacht) Irgendwie schon. Wobei es mir eigentlich eher um den wahnsinnigen Informations-Overkill geht. Heutzutage gibt es einfach nichts Mysteriöses mehr. Alles, was in der Welt passiert, wird sofort und augenblicklich über den Bildschirm gejagt und einem Millionenpublikum zugänglich gemacht. Deshalb gibt es auch nichts mehr, was die Leute nicht über ihre Promis wüssten. Und das verkörpert für mich ganz klar das Ende einer Ära. Früher konnten die Stars noch tun und lassen, was sie wollten und ein abgeschottetes Privatleben führen. Ganz einfach deshalb, weil die Presse noch nicht so omnipräsent war.
Dann wäre James Dean nie so eine Kultfigur geworden, wenn wir mehr über ihn gewusst hätten?
Ganz genau. Ich denke, das ist auch der Grund, warum Künstler, Schauspieler oder berühmte Persönlichkeiten nicht mehr denselben Status in der Gesellschaft einnehmen, wie früher. Eben, weil sie so vertraut, so menschlich und angreifbar sind, weil die Leute so viel über ihre Macken und Makel wissen. Und das zerstört einfach alles.
Wie steht es mit dir?
Oh, ich habe eigentlich das Gefühl, als würde ich eine Menge Anonymität genießen. Und ich denke, man kann das auch selbst regulieren. Wenn man nicht wirklich viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, kann man geradezu unsichtbar sein.
Da gibt es diese Zeile: ”we have rock-stars in the White House and all our pop-stars look like porn, all our heroes hit the highway ´cause they don´t live here anymore.” Steht die Entertainment-Branche vor dem Exitus oder wie meinst du das?
Das bezieht sich eher darauf, daß wir unsere Popstars so gläsern und transparent gemacht haben, daß wir sie in- und auswendig kennen – wie ein Familienmitglied. Und das war nicht immer so. Früher waren sie noch auf einem Podest – sie standen weit über allem und waren ein leuchtendes Vorbild. Etwas, das dich inspiriert und angespornt hat.
Also das berühmte Poster an der Wand?
Ja, wobei ich nicht sage, daß das gut oder schlecht war. Es war nur alles ganz anders.
Wann ist das aus den Fugen geraten? Wo war der Wendepunkt?
Als MTV und VH-1 auftauchten – oder Entertainment Tonight und all diese Promi-geilen Medien. Davor gab es nur ein oder zwei Magazine, in denen man über seine Stars lesen konnte. Und denen konnte man auch glauben. Eben, weil sie nicht alle Macken zeigten – und das machte die Stars erst so attraktiv. Sie waren unantastbar – fast wie Götter. Insofern ist es letztlich eine Frage der Technologie. Weißt du, wir werden täglich mit so vielen Informationen und Images bombadiert, daß sie irgendwann austauschbar und beliebig, vielleicht sogar nervig werden. Und wir werden immun und glauben an nichts und niemanden mehr. Warum auch? Wir wissen ja schon alles über unsere Lieblinge...
Dann ist die austauschbare Popmusik unserer Zeit eine Reaktion auf unsere Mentalität?
Ganz bestimmt. Denn als Songwriter wird dein Kunst durch dein Leben bestimmt. Oder anders gesagt: Was immer gerade sozial passiert, dominiert auch die Kunst.
Dann ist Britney das Produkt des Bösen?
(lacht) Sie ist definitiv das Produkt unserer Zeit.
Und: sieht sie aus wie ein Pornostar?
(lacht) Ich sehe da schon gewisse Ähnlichkeiten. Eben das billige Make-up, das sie auch noch viel zu dick aufträgt, dann diese geschmacklosen Klamotten und nicht zuletzt diese Kieksstimme. Das ist wirklich ein blödes Blondchen... Mehr nicht. Aber das ist meine rein persönliche Meinung...
Wie können wir diese Pop-Misere überwinden?
Keine Ahnung. Ich habe mich dazu entschieden, einfach abzuwarten, was passiert. Denn die entscheidende Frage ist doch: Welche Auswirkungen hat das auf die Generation, die damit aufwächst. Halt die 12jährigen Mädchen, die so unzufrieden mit ihren Körpern sind, weil sie nicht wie Britney aussehen. Oder all die Jungs, die lieber Mädchen sein möchten. Eben, weil sie meinen, das wäre das einzig wahre Schönheitsideal. Sie denken wirklich, daß Britney sexy wäre – die armen Kinder.
Kein Wunder, daß sich so viele den Nu-Metal-Bands um Korn und Linkin Park anschließen....
Stimmt. Das ist dann das genaue Gegenteil – der Anti-Rockstar, ohne jeden Glitzer und Glamour. Eben auch kein wahres Idol. Weißt du, es herrscht einfach ein Mangel an richtigen Idolen. An Künstlern, die bereit sind, sich von allen anderen abzusetzen und nicht einfach nur andere zu duplizieren. Du mußt die Konkurrenz auf Distanz halten, dein eigenes kleines Ding machen und dich in deiner Nische bewegen. Nur ist das kaum noch möglich. Es geht nur noch ums Kopieren und Nachahmen. Sobald du im Fernsehen auftrittst und einigermaßen Eindruck hinterläßt, gibt es schon ein paar Hunderte, die deinen Fußstapfen folgen und nur darauf warten, daß sie dich ablösen können. Es gibt einfach keine Loyalität mehr – und keine vernünftige Auffassungsgabe.
Was du auf deinem neuen Album allein dadurch bekämpfst, daß du eine möglichst große stilistische Vielfalt auffährst...
Stimmt. Ich versuche, für jeden etwas zu machen. Vielleicht ist das ja ein großer Fehler, weil ich den Leuten zu viel abverlange, aber ich finde das so viel spannender.
Und was assoziierst du mit dem Titel ”C´mon C´mon”?
Nun, er korrespondiert hervorragend mit der Musik, die ja so etwas wie eine Rückkehr zum klassischen Rock darstellt. ”C´mon C´mon” trifft den Spirit der Musik. Es lädt dich dazu ein, die einzelnen Songs zu umarmen - eben wie den Soundtrack zu deinem täglichen Leben. Oder auch zu deiner Jugend, so wie es mir dabei geht. Wenn ich die Platte höre, erinnere ich mich daran, wie ich mit 16 durch die Straßen meiner Heimatstadt gecruist bin und ”Baker Street” von Gerry Rafferty oder ”Dreams” von Stevie Nicks gehört habe. Diese Songs haben mir einfach wahnsinnig viel bedeutet. Und ”C´mon C´mon” hat denselben Charme. Es evoziert etwas unglaublich Positives und Einladendes.
Dabei war klassischer Rock lange Zeit ziemlich verpönt, oder?
Irgendwie schon. Aber weißt du was? Er kommt zurück! Ehrlich. Ich kenne etliche Kids, die sich wieder damit beschäftigen und etwa Led Zeppelin hören. Aber du hast schon recht: Das Thema war wirklich lange Zeit tabu. Keine Ahnung, warum – ich habe die Musik immer geliebt. Und das gebe ich auch offen zu. Ich liebe richtigen Rock!
Hast du deswegen ein derart inniges Verhältnis zu Stevie Nicks, die dich auch auf dem Album begleitet?
Ja, wir sind richtig enge Freunde, und natürlich bin ich auch ein großer Fan von ihr. Sie hat meine absolute Lieblingsstimme und hat mich auch dabei unterstützt, dieses Album aufzunehmen. Sie war so eine Art Mentorin, hat mich immer wieder zur Arbeit zurückgebracht und dafür gesorgt, daß ich wirklich das mache, was ich mir vorgenommen habe. Eine tolle Frau.
Courtney Love nennt sie ”ihr verrücktes Tantchen”...
Tut sie das? Ich wette, Stevie nennt sie ”ihre durchgeknallte Nichte”.
Was ist dran an dem Gerücht, daß du Fleetwood Mac beitreten würdest?
Keine Ahnung, wie das zustande kam. Aber ich würde sofort zusagen – egal, was sie von mir verlangen. Ich würde sogar den Busfahrer spielen, wenn sie das wollten. Eben, weil ich ein richtig großer Fan bin und diese Jungs liebe – ehrlich! Leider wird es schon deshalb nie dazu kommen, weil ich ständig unterwegs bin. Ich habe zum Beispiel eine ziemlich extensive Welttournee vor der Brust, während sie immer noch an ihrem Album basteln. Und ich glaube auch nicht, daß sie mich dazu brauchen. Sie kommen auch ganz gut alleine klar. Ich würde mir auch nie anmaßen, Christine McView ersetzen zu wollen. Das geht gar nicht.
Dabei schreibst du ähnlich epische Balladen. Etwa ´It´s so Easy´. Ist Sheryl Crow wirklich derart verliebt oder spielt sie nur damit herum?
Es ist nur ein Song (grinst). Ich stelle mir vor, wie es wäre, sich in jemanden zu verlieben, in den man sich besser nicht verlieben sollte. Und deswegen habe ich Don Henley von den Eagles gebeten, daran teilzunehmen. Der ist ein absoluter Experte für verkorkste Liebesgeschichten. Das Ganze ist ein Duett zwischen zwei Leuten, die einen fürchterlichen emotionalen Konflikt durchmachen.
Dann bist du also nicht unglücklich verliebt?
Ich? Gott bewahre! Bis vor kurzem war ich in einer tollen Beziehung. Da kann ich mich wirklich nicht beschweren.
Stimmt es, daß du laut über eine Familie nachdenkst?
Oh, das ist mein größter Traum. Ich möchte eine richtig große Familie mit drei oder vier Kindern. Nur brauche ich dazu erst mal den richtigen Partner. Das ist das Problem...
Wieso, bist du zu anspruchsvoll?
Nein, nein, ich suche niemanden, der absolut perfekt wäre. Den gibt es ohnehin nicht – und so ein Partner wäre bestimmt auch fürchterlich langweilig. Abgesehen davon, daß ich der Meinung bin, daß es ihn eh nicht gibt, würde ich mich auch nie mit Mr. Perfect einlassen. Da könnte ich ja gar nicht mithalten (lacht). Aber im Ernst: Momentan gleite ich einfach nur so durchs Leben, warte darauf, den richtigen Mann kennenzulernen. Und dabei fühle ich mich eigentlich ganz wohl. Ich bin rundum glücklich.
Wie steht es mit den angeblichen Affären mit Eric Clapton oder Kid Rock? Ist das die Art von Mann, die dir vorschwebt?
Ach, das sind alles nur Gerüchte. Nur, weil ich mal mit Kid Rock aufnehme oder ihn zu einem Baskettballspiel begleite, steige ich doch nicht mit ihm ins Bett. Wir sind Freunde und Kollegen, die sich sehr gut verstehen, mehr nicht. Außerdem hat er eine feste Partnerin, mit der ich weder konkurrieren möchte noch kann (lacht). Und was Eric betrifft, ist er mir einfach zu melancholisch und ruhig. Mit so einem Typen könnte ich es nicht aushalten.
Du bist gerade 40 geworden. Eine beängstigende Vorstellung?
Ganz und gar nicht. Ich bin ziemlich zufrieden mit mir, meinem Körper und meinem Leben. Da habe ich überhaupt kein Problem. Und ich fühle mich auch gar nicht so alt. Schau mich an: Sehe ich aus, wie 40? Kein Stück! Und so lange es vorkommt, daß sich irgendwelche jungen Burschen nach mir umdrehen, brauche ich mir da auch keine Sorgen zu machen. (lacht)
Wie sieht der perfekte Augenblick im Leben von Sheryl Crow aus?
(lacht) Der perfekte Augenblick ist unmittelbar vor dem Aufstehen. Du wachst auf und hast noch nichts anderes im Kopf, als eine zarte Vorahnung dessen, was der Tag bringen könnte. Sehr philosophisch, oder?
Was war dein größtes Mode-Verbrechen?
Definitiv das Artwork meines zweiten Albums! Der Grund, warum ich das als Modeverbrechen bezeichne, ist der, daß es ein richtiges Drama ausgelöst hat. Viele Leute behaupteten, ich hätte wie ein Junkie ausgesehen, eben völlig abgemagert und irreal. Dabei wollte ich nur sexy sein – und vielleicht auch ein bißchen provozieren. Weißt du, es war eine Trotzreaktion auf dieses nervige Image des ”sauberen, netten Mädchens vom Lande”. Das war das, was mir die Presse aufzwingen wollte, und dagegen habe ich rebelliert. Aber du kannst dir nicht vorstellen, was ich dafür einstecken mußte. Junge, die haben mich richtig fertig gemacht – selbst meine Mutter rief an, und meinte, ich sollte mich was schämen. Sie fragte, ob ich Drogen nehme. Und das mich: den gesündesten Menschen auf Erden! Ich esse nicht mal Fastfood.
Wie steht es mit Lieblingsklamotten?
Das sind Cowboystiefel! Ehrlich. Ich weiß gar nicht, wie viele ich inzwischen habe, aber es müßten schon ein paar Hundert sein. Ich liebe die Dinger. Sie sind einfach wahnsinnig bequem.
Gehst du mit der aktuellen Mode oder hast du ein Problem damit?
Nein, ich habe kein Problem damit. Im Gegenteil: Ich würde sogar sagen, daß sich die Mode in meine Richtung entwickelt hat. Nimm nur diesen Retro-Kram, der gerade so angesagt ist. Den trage ich schon seit Jahren, was eigentlich nie besonders trendy war. Man hat mich deswegen sogar oft belächelt, was ich nicht verstehe. Denn die Sachen sehen wirklich cool aus, eben dieser ganze Hippie-Kram aus den 60ern. Ich trage sie wahnsinnig gerne. Was hingegen richtig lächerlich ist, sind Klamotten aus den 80ern. Mein Gott, die sehen schrecklich aus. Eben dieser schrille Disco-Look. Grausam.
Themenwechsel: Wie kommt es, daß du dich so stark für soziale Projekte engagierst – etwa gegen Landminen oder Brustkrebs? Gehört das zu den sozialen Verpflichtungen eines Entertainers?
Nein, dieses soziale Bewußtsein liegt entweder in deinem Charakter, oder er ist dir völlig fremd. Aber ich wurde eben von Eltern erzogen, die sehr aktiv in ihrer Kommune involviert waren, und immer älteren und kranken Leuten geholfen haben. Darin haben sie mich natürlich schon sehr früh mit einbezogen, wogegen ich auch nie etwas hatte. Insofern habe ich mich schon in diesem Bereich engagiert, als ich noch völlig unbekannt war.
Wobei du auch ein starkes geschäftliches Bewußtsein hast. Etwa, wenn es darum geht, dein künstlerisches Eigentum gegen Internet-Anbieter wie Napster oder die Musikindustrie zu schützen...
Stimmt, da bin ich wirklich sehr aktiv. Worüber ich aber nicht wirklich glücklich bin, weil das zu viel Zeit in Anspruch nimmt, die ich eigentlich gern für andere Dinge verwenden würde. Zumal du oft eine Menge Arbeit investierst und nur sehr geringe Erfolge erzielst. Aber irgendwer muß das ja tun. Ich setze mich wirklich stark für die Rechte von Künstlern ein. Denn wenn ich das nicht täte, würden wir viel von unserer Freiheit verlieren – und von unseren Einnahmen. Ich möchte die Rechte an meinen Songs auch im digitalen Zeitalter bewahren und für Downloads bezahlt werden.
Und worum geht es bei deinem Kampf um den ”Sieben Jahre-Status”, den du momentan vor dem kalifornischen Bundesgericht austrägst?
Da geht es um die bestehenden Urhebergesetze. Wenn du im Staat Kalifornien einen Arbeitsvertrag bei einer Firma unterschreibst, die dich für deine Dienstleistung engagiert, kannst du ihn nach sieben Jahren aufkündigen, auch wenn du nicht alle vereinbarten Leistungen erbracht hast. Nur gilt das leider nicht für Künstler oder Musiker. Die müssen auch nach Ablauf der Frist alle Vereinbarungen erfüllen und werden somit zu modernen Sklaven. Sie werden gegen ihren Willen in einem Vertrag gehalten, der vielleicht gar nicht ihrem Status oder ihrem Erfolg entspricht. Und das wird von der Industrie ganz bewußt so gehandhabt. Sie wissen von vornherein, daß ihre Verträge nicht zu erfüllen sind und kein Künstler fünf Alben in sieben Jahren abliefert, wenn man ihn nach jeder Platte erst einmal zwei Jahre auf Tour schickt. Auf diese Weise können sie dich an der langen Leine halten, bis du alle Vertragspunkte erfüllst. Und das ist nicht OK. Mehr noch: Es ist extrem unfair, weil es nur für diesen einen Dienstleistungsbereich gilt. Das zeigt dir, welchen Einfluß die Musikindustrie auf die Politik hat. Die haben sich da alles schön zurecht geschmiert.
Ist das der Grund, warum du fast vier Jahre für das neue Album gebraucht hast – weil bei all diesen Aktivitäten keine Zeit für die Musik blieb?
Ja, das Engagement hat mir definitiv nicht geholfen! Zwischenzeitlich hatte ich wirklich das Gefühl, als würde ich meine Zeit gleichermaßen zwischen den Künstlerrechten und den Aufnahmen zum neuen Album aufteilen.
Ganz zu schweigen von unzähligen Clubkonzerten und Gastauftritten. Schließlich hast du nebenbei noch mit Stevie Nicks, Willie Nelson oder Kid Rock gearbeitet...
Ja, das war wirklich so viel, daß ich mich kaum noch an die einzelnen Sachen erinnern kann. Aber weißt du was: Das sind so wunderbare Angebote, daß du sie gar nicht ablehnen kannst. Du bist so euphorisch und begeistert, daß du sofort zusagst: ”Kein Problem, ich schaufle mir dafür irgendwie zwei Tage frei.” Und das heißt natürlich auch, daß du deinen Kram erst mal auf Eis legst. Denn solche Gelegenheiten darf man sich nicht entgehen lassen. Letztlich bist du es ja, der davon profitiert. Du triffst tolle Leute, hast eine Menge Spaß und lernst schrecklich viel.
Und was ist das für ein Gefühl, bei den Olympischen Winterspielen aufzutreten? Hast du da noch Bühnenangst, oder bist du mittlerweile so routiniert, daß dir das nichts mehr ausmacht?
Oh, ich war total nervös. Unbedingt. Denn Live-Fernsehen ist eine komische Sache. Sobald, dieses rote Lämpchen aufleuchtet, gibt es kein Zurück. Da läßt sich nichts verbessern, reparieren oder ausbügeln. Eine schreckliche Vorstellung.
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