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Sigur Ros Biographie

Sigur Ros

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Für die durch und durch atmosphärische Musik von Sigur Rós lassen sich reihenweise schöne Adjektive finden: ätherisch und himmlisch, geheimnisvoll und impressionistisch, entrückt und orgiastisch. Die isländische Band ist berühmt für ihre bizarr geschichteten Klanglandschaften, auf die man sich einlassen können muss, um mit einem emotionalen Reichtum beschenkt zu werden, der dem berühmten Musenkuss gleichkommt. Daran hat sich auch beim vierten Album des Quartetts nichts wesentlich geändert, gleichwohl steckt bei "Takk..." der Teufel, besser gesagt, stecken die Engel im Detail. Sigur Rós haben das Kaleidoskop ihrer klanglichen Möglichkeiten spürbar erweitert. An allen elf neuen Aufnahmen wirkten sowohl ein komplettes Orchester aus befreundeten Musikern mit als auch das ebenfalls mit der Band befreundete Streichquartett amina: Die vier wie Elfen wirkenden jungen Musikerinnen schaffen mit ihren Streichinstrumenten inklusive einer singenden Säge sowie mit einer Palette vom Glockenspiel bis zum Laptop einen nicht minder eigenwilligen musikalischen Liebreiz, den sie auch als Opening Act auf der jüngsten Europatournee mit Sigur Rós verbreiteten. "Takk..." bekräftigt nicht nur den Ruf von Sigur Rós, mit nichts und niemanden auf dieser Welt vergleichbar zu sein, es zeigt auch eine Band, die ihre improvisatorischen Kräfte und ihre innovative Kreativität kompakter gebündelt hat denn je.

"Takk..." bedeutet Danke: Damit möchten Jón Thór Birgisson (Gesang, Gitarre), Kjartan Sveinsson (Keyboards), Georg Holm (Bass) und Orri Pall Dyrason (Schlagzeug) ihr Gefühl von Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, dass sie mit ihrer wie nicht von dieser Welt stammenden Musik rund um den Globus reisen können und ihren musikalischen Freigeistereien auch auf ihrem Major-Debüt keine Grenzen gesetzt sind. Im Gegenteil: Die 1994 gegründete Formation aus Reykjavik hat im elften Jahr ihres Bestehens ihre Kunst mit atemberaubenden Ergebnissen perfektioniert und ihre magisch kraftvollen Bühnenauftritte noch intensiviert. Mit den herkömmlichen Vorstellungen von Popmusik kommt man bei ihnen ebenso wenig weiter wie bei Björk, die eine nicht minder solitäre Erscheinung am Firmament ist wie ihre männlichen Landsleute von Sigur Rós. Dabei pflegen die sympathischen, gleichwohl wortkargen Isländer eine Form des Understatements, die einen schmunzeln lässt. "Es ist nichts besonders Cleveres an Sigur Rós und der Art und Weise, wie wir Songs schreiben. Wir machen wirklich nur so herum. Das ist alles sehr spontan", sagt etwa ihr Keyboarder. Andere Bands könnten wohl jahrelang frickeln und fummeln, ohne annähernd die Erhabenheit zu erreichen, die "Takk..." ausstrahlt.

Das 65-minütige Album, das Sigur Rós in dem für ihre Verhältnisse kurzen Zeitraum von einem knappen halben Jahr in ihrem Studio in Álafoss aufgenommen haben, wirkt wie aus einem Guss. Unterstützt von Ken Thomas als Co-Produzenten haben sie in dem ehemaligen Schwimmbad Song für Song wie Gezeiten entwickelt, in denen aus der Stille und Beschaulichkeit heraus sich Welle um Welle zu einer mitreißenden Flut harmonietrunkener Klänge aufbauen. Die berauschende Wirkung, die aus diesem Spannungsfeld entsteht, in dem die epischen Songs leise, zart, fast unmerklich beginnen und zumeist in einem "ocean of sound" von ungemeiner Kraft münden, hat sich weltweit herumgesprochen und den Horizont der Popmusik fürs 21. Jahrhundert entscheidend erweitert. Zu den Eigenarten von Sigur Rós gehören die einzigartige Kopfstimme von Jón Thór Birgisson und sein manischer Bogenstrich, mit der er seine E-Gitarre traktiert, aber auch die Gewichtung auf die lautmalerische Kraft von Sprache, die sowohl in dem reiner Phantasie entspringenden Hopeländisch als auch im Isländischen ihre befremdlich märchenhafte Wirkung nicht verfehlt. Sigur Rós erzählen Geschichten über die emotionale Wirkung: Kino im Kopf. Ein gern benutztes Etikett, das mit dem orchestralen Unterbau von "Takk..." an sinnfälliger Bedeutung gewinnen dürfte.

Ihr erstes Album, "Von", hatten Sigur Rós 1997 noch als Trio veröffentlicht. Ein Jahr später nutzten sie ihr viel versprechendes Debüt als Blaupause für das Remix-Album "Recycle Bin". Erst als sich Keyboarder Kjartan Sveinsson der Band anschloss und man 1999 mit "Ágætis Byrjun" das zweite reguläre Studioalbum veröffentlichte, konnten Sigur Rós ihre Kreise weit über Island hinaus ziehen und weitgreifende internationale Erfolge feierten. Angefangen vom Albumopener "Svefn-G-Englar", vom NME zur "Single der Woche" gekürt, über die Europatournee als kongenialer Support von Radiohead im Jahr 2000 bis zur Auszeichnung von "Ágætis Byrjun" mit dem Shortlist Prize for Artistic Achievement in Music, war der Stern von Sigur Rós dank "the last great record of the 20th century" (Q Magazine) aufgegangen und strahlte bis in die USA und nach Japan. An dem Material zu ihrem dritten Album, schlicht "()" bezeichnet und konsequent auch auf Songtitel verzichtend, hatten Sigur Rós bereits auf ihren Tourneen immer wieder gearbeitet. Der mystische und dunkel wirkende Klangmonolith, der dann im bereits erwähnten eigenen Studio entstand, war das beste Beispiel, dass auch solche künstlerischen Herausforderungen kommerziell fruchten: 600.000 Exemplare von "()" sprechen für sich. Noch heute bildet der ebenso monumentale wie orgiastische letzte Track dieses Albums das krönende Finale vieler Shows, zu denen mittlerweile auch denkwürdige Auftritte bei Glastonbury und in Roskilde gehören.

Seit der Veröffentlichung von "()" haben Sigur Rós als Band oder individuelle Musiker an nicht weniger als 13 verschiedenen Projekten mitgewirkt: Ballettmusik für die Merce Cunningham Dance Company und fürs Danish Royal Ballet; das 70-minütige Orchesterwerk "Odin's Raven Magic", das sie komponierten und aufführten; diverse Soundtracks für Independentfilme sowie Arbeiten mit und für andere isländische Musiker. Die Musikszene von Reykjavik ist angesichts einer Gesamtbevölkerung Islands von knapp 250.000 sehr überschaubar und Sigur Rós machen aus dem Superstar-Status in ihrer Heimat das Beste und unterstützen befreundete Musiker, wo sie können. Gleichwohl klingt "Takk..." wie ein Album, das die Band mit höchster Konzentration angegangen ist. Nicht selten eröffnet ein entspanntes Pianomotiv einen Song, begleiten Spieluhren und anderes Kleinod den Entwicklungsprozess eines jeden Songs, der wie etwa bei "Se Lest" unvermittelt in einen lichten Walzer driften kann. Wenn das letzte Album bisweilen lange melancholische Nachtschatten warf, fühlt man sich bei "Takk..." viel häufiger vom Sonnenlicht übermannt. Dabei gibt es auch dank der mitwirkenden weiblichen Geschöpfe etliche intime Momente, aus denen heraus Sigur Rós ihre Klangekstasen ein ums andere Mal entwickeln. Dass sie "Takk..." sogar als ihr Rock'n'Roll-Album bezeichnen, verwundert letztendlich nicht. So rockt es halt im Land der Gletscher und Geysire, wenn die Elfen und Magier richtig loslegen. Um so viel innovative Coolness sind die Isländer wirklich zu beneiden.
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