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Slayer Biographie

Slayer

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"We definitely made our own road and there's not too many people driving down our road. Nobody's doing it."

Würde das von irgendeinem anderen gesagt werden, klänge es wohl wie Aufschneiderei und dumpfe Prahlerei. Wenn aber Kerry King, seines Zeichens Gitarrist der Mega-Band Slayer dies sagt, ist es schlicht eine Feststellung augenscheinlicher Tatsachen. Beinah 20 Jahre nachdem Slayer damit angefangen hatten, ihre aufregende Mixtur aus "heavy riffs" des Metal-Genres und dem Zorn des Punks zu kreieren, wird jetzt, mit dem brandneuen Album "God Hates Us All", das nächste Slayer-Kapitel aufgeschlagen.

Drei Jahre sind bereits vergangen, seitdem Slayer ihr letztes Album "Diabolus In Musica" (1998) veröffentlichten. Dabei ist es aber sicher nicht so, als hätten diese "tough guys" seitdem nichts anderes gemacht, als nur an irgendwelchen Pools rumzulungern, Mai-Tais zu trinken und auf die Tantiemen-Schecks zu warten. "Wir begannen mit den Aufnahmen zu dem neuen Album, nachdem wir eine lange Tourzeit hinter uns gebracht hatten - das war noch vor dem Ozzfest '99" sagt Gitarrist Jeff Hanneman. "Aber so alle drei, vier Monate passierte irgendetwas, dass uns ablenkte und uns so daran hinderte, es fertigzustellen. Beispielsweise mussten wir eine Pause einlegen, um unser Programm fürs Ozzfest zu proben; dann arbeiteten wir wieder ein paar Monate am neuen Material; dann arbeiteten wir zwischendurch an dem WCW-Song 'Here Comes The Pain'; dann gingen wir auf die 'Tattoo The Earth'-Tour im letzten Sommer... Danach arbeiteten wir wieder an dem neuen Longplayer, mussten dann wieder unterbrechen, um den Song 'Bloodline' für den 'Dracula 2000'-Soundtrack einzuspielen. Aber das war dann auch die letzte Unterbrechung. Danach packten wir unseren Kram zusammen, fuhren nach Vancouver und machten das Album."

Aufgenommen wurde im "The Warehouse", einem Studio in Vancouver, das Bryan Adams gehört. Zunächst mussten allerdings einige "leichte" Änderungen im Studio vorgenommen werden - um aus einem Studio, das einem kanadischen Pop/Rock-Sänger gehört, einen Aufnahmeort zu machen, der zu einer Vier-Mann-Kombo passt, die ein Album mit dem Titel "God Hates Us All" einspielen will. Leichte Veränderungen eben - wie beispielsweise den kreidegezeichneten Umriss eines Körpers auf dem Fußboden, wie es bei Verbrechen so üblich ist. Dazu Kerzen, gedämpftes Licht, Weihrauch, Pornobilder an der Wand. Eben all diese kleinen Verschönerungen, die erst aus einem Haus ein Heim machen...

"Wenn man durch die erste Tür ging, lief man direkt auf einen Totenkopf zu", sagt Sänger/Bassist Tom Araya. "Hinter der nächsten kam dann eine weiße Flagge mit einem Stinkefinger, der dir direkt ins Gesicht sprang. Wenn du die Tür zum Kontrollraum aufgemacht hast, gab's einmal mehr den Mittelfinger. Das war die Slayer-Atmosphäre, die wir im Studio brauchten. Auf einen Lautsprecher hatten wir dann noch einen roten Teufelskopf gestellt, auf einen anderen einen Totenkopf. So wollten wir es haben. So unheimliche Sachen eben, die man haben muss, um sich wohlzufühlen."

Slayer wählten Matt Hyde als Produzenten für "God Hates Us All", nachdem er bei dem Track "Bloodline" für den "Dracula 2000"-Soundtrack so herausragende Arbeit abgeliefert hatte. "Er wusste zu jeder Zeit, was das Album braucht, denn er mag die Band, er mag die Musik", sagt King. "Er wusste, was wir erreichen wollten, ohne dass wir es ihm sagen mussten. Er spürte, was abging. Ich sage allen immer wieder, dass er Gott ist - he's the fucking best."

Dass das Album "God Hates Us All" so energiegeladen, intensiv und fesselnd gelungen ist, lag aber auch an dem faszinierenden Songwriting, dass King und Hanneman abgeliefert haben. Sie ließen alles weg, was unnötigen Ballast darstellte, machten die Tracks schlank und geschmeidig, behielten dabei aber die Wildheit und die Wut, die ihr Material auszeichnet. "Ich habe nicht das übliche Dungeons & Dragons-Zeugs geschrieben und dabei im Synonym-Wörterbuch nach neuen Ausdrücken gesucht, von denen ich ohnehin nicht weiß, was sie bedeuten sollen", versucht King zu erklären. "Die neuen Songs spiegeln vielmehr wider, wie ich normal rede, im täglichen Leben, auf der Straße. Viele der Themen sind ganz normale Dinge, die die Leute verstehen und kennen und sie hören sie in der 'Street-Style'-Version - ich glaube, sie können so weitaus mehr mit den Texten anfangen."

Und tatsächlich, man muss schon taub, dumm oder tot sein, um die Messages von Songs wie beispielsweise "Threshold" oder "Exile" nicht zu verstehen - die diesen authentischen Zorn zeigen, auf den sich die Slayer-Fans verlassen. "'Threshold' handelt davon, in jeder Beziehung an sein Limit zu gehen - dargestellt am Beispiel eines Menschen, der kurz vor seinem Zusammenbruch steht. Oder kurz vor der Explosion", sagt King. "'Exile' erzählt von den Personen - und jeder kennt so einen Menschen - die man mit jeder Faser seines Körpers hasst. Der Titel 'Exile' beschreibt, wie sehr jeder wünscht, dass diese Person so weit wie möglich weg ist. Am liebsten würde man sich selbst umbringen, nur um mit solchen Leuten nichts mehr zu tun haben zu müssen."

King und Hanneman experimentierten dabei mit verschiedenen Gitarren-Stimmungen, stimmten die Gitarren tiefer und spielten zum ersten Mal in der Slayer-Geschichte mit einer siebensaitigen Gitarre. "Viele Leute in der Welt der Gitarristen sagen 'Ich bin nicht Steve Vai, ich habe keinen Grund eine siebensaitige Gitarre zu spielen'", sagt King. "Das ist, als ob man einem Drummer mit einer Bass-Drum erzählen will, dass eine Double-Bass unnütz sei. Das macht doch absolut keinen Sinn. Andere sagen, dass sie nicht gut genug sind, eine Siebensaitige zu spielen. Aber auch das ist Quatsch - man muss kein Ausnahme-Gitarrist sein, um einen siebensaitigen Akkord zu spielen."

Am Anfang der Slayer-Aufnahmen stehen immer die Drums, und Paul Bostaph, seines Zeichens seit der Hälfte der Slayer-Zeit "Timekeeper" der Band, erklärt, dass er nur einem einfachen Gesetz folgt, um seine heavy Beats zu legen: "Rick Rubin hat einmal gesagt, dass der perfekte Take der ist, der spontan und geradeaus kommt und von dem man eigentlich denkt, dass er die Kriterien im Endeffekt nicht bestehen wird - und es dann aber doch tut. Ich glaube, dass war einer der weisesten Sprüche, die ich je gehört habe - und ich versuche immer, danach zu handeln."

In der Freizeit zwischen den Aufnahme-Sessions zogen die Slayer-Mannen in die Stadt, trieben sich in den örtlichen Bars wie dem Shark Club und dem Cobalt Club rum und schauten sich fast jedes Hockey-Spiel an, dass der Heim-Club "Vancouver Canucks" spielte. Sänger Tom Araya verbrachte seine Zeit weiterhin damit, Kiminalgeschichten zu lesen (etwa "Happy Like Murderers"), um das Feeling zu behalten, sich in die Gedankengänge von mörderischen Priestern ("God Send Death") oder von drogensüchtigen "gefallenen Engeln" ("Cast Down") hineindenken zu können. "Ich benutze diese Bücher, um sozusagen meine Vorstellungskraft ins Laufen zu bekommen, mich in die Rolle besser hineinversetzen und den Sound überzeugend interpretieren zu können. Ich muss so singen und klingen, dass es sich so anhört, als würde ich wirklich die Dinge tun, über die ich singe."

Sollen doch andere Bands auseinandergehen oder versuchen, "ihren" Sound zu finden, oder aber Alben vollgestopft mit Streichern aufnehmen. In der wankelmütigen, sich ständig ändernden Welt der Musik bleibt Slayer ein Fels in der Brandung.

"Ich glaube, ich bin in erster Linie einfach ein Fan unserer Musik", sagt King. "Der einzige Unterschied zu den Leuten, die zu unseren Konzerten kommen, ist der, dass ich gelernt habe, Gitarre zu spielen. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen weiß ich einfach, wie man Riffs für Slayer spielen muss - und ich habe auch noch die Möglichkeit es zu tun. Ich bin sozusagen der Slayer-Superfan. Wenn ich heute eine neue Band gründen sollte - es würde die gleiche sein wie die, in der ich jetzt bin..."
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