Snow Patrol Biographie
Snow Patrol
“Whenever we go anywhere new, we’re like kids in a huge empty house. We want explore all these big spaces, climb into the attic and rake among boxes and get down into the basement and find the stuff that has been stashed away. For us the world could never be too big…..” Gary Lightbody
Endlich ist es da - "Final Straw", das dritte Album der aus Glasgow stammenden Formation Snow Patrol. Ein herausragendes Werk, das einmal mehr von der Spontaneität, Experimentierfreude und musikalischen Abenteuerlust der vier Musiker lebt und daraus seine schier unbändige Energie bezieht. Und das sind nur ein paar wenige der charakteristischen Attribute von Snow Patrol, die ihre Musik und eben den Longplayer "Final Straw" ausmachen.
In ihrer Heimat schon längst als Band etabliert, die auf grandiose Art und Weise eine mitreißende Mixtur aus verzerrtem, schnellem britischem Rock und US-Alternative Gitarren-Pop zelebriert, präsentiert das Album die Boys erwachsener, gereifter und selbstbewusster denn je. So ist ihnen mit "Final Straw" ein Wurf gelungen, der ohne Übertreibung schon jetzt als eine der besten britischen Platten bezeichnet werden kann, die man dieses Jahr zu hören bekommt.
Doch der Erfolg kam keineswegs über Nacht. Die Snow Patrol-Geschichte begann bereits 1994, als Gary Lightbody (Spitzname: Gimpy - "Because I'm a gimp") an der "Dundee University" den Gitarristen Mark McClelland (Spitzname: Maps - "Because he can find his way around any city") kennen lernte. "Unsere Blicke trafen sich eines Abends in einer Diskothek", erinnert sich Lightbody. "Wir waren uns sofort sympathisch und von Anfang an war klar, dass wir uns gut verstehen werden. Als es später dann auch noch musikalisch klappte und wir feststellten, dass wir die gleichen Bands liebten, dachten wir uns: 'Warum sollen wir nicht unsere eigene machen?' Das war die Geburtsstunde von Snow Patrol."
Na ja, nicht ganz. Denn zunächst nannte sich das Duo Polar Bear. Ein Name, der aber auch von dem Ex-Jane's Addiction-Bassisten Eric Avery benutzt wurde. Als dann schließlich ein Rechtsstreit drohte, setzten sich Lightbody und McClelland erneut zusammen, überlegten und entschlossen, ihre Band ebenso winterlich angehaucht Snow Patrol zu nennen. Wie heißt es so schön? Wer zuletzt lacht... Denn die beiden Freunde und der mittlerweile dazu gestoßene Drummer Johnny Quinn (Spitzname: Thunderclap - "Because he drums so bloody hard") unterschrieben einen Vertrag bei den schottischen Jeepster Records (u.a. Belle And Sebastian), und 1998 veröffentlichten sie ihr Debüt-Album - das sie sinnigerweise und verschmitzt "Songs For Polar Bears" betitelten...
Das Album, das sich als Schmelztiegel der vielfältigen und vielschichtigen Einflüsse der einzelnen Mitglieder zeigte, wurde von der Kritik in höchsten Tönen gelobt und als faszinierendes, dynamisches und lautes Pop-Punk-Spektakel bejubelt. "Irgendwie flossen da natürlich auch die Einflüsse ein, die unsere damaligen Lieblingsbands auf uns ausübten. Das waren beispielsweise amerikanische Rockbands wie die Pixies, Dinosaur Jr, Soundgarden, aber auch My Bloody Valentine und das erste, großartige Album der Super Furry Animals."
"When It's All Over We Still Have To Clear Up", das nächste Album von Snow Patrol, erschien 2001, doch mittlerweile hatte sich das Verhältnis zu Jeepster Records reichlich gelockert und verschlechtert, eine kommende Trennung war bereits abzusehen. "Es war eine seltsame Zeit", erinnert sich Lightbody. "Alle fuhren gerade auf Garage-Rock ab, und irgendwelche Leute meinten, dass wir unseren Namen in 'The...", nun ja, 'irgendwas' ändern sollten."
Zum Glück hatte die Band mittlerweile ausreichend Selbstbewusstsein. Die Jungs entschlossen sich also, ihren Namen zu behalten (Lightbody: "Wir waren auf keinen Fall bereit, unseren Namen zu ändern und trotzdem weiter Snow Patrol-Songs zu spielen!") und begannen dann, "Final Straw" zu schreiben. So ganz "nebenbei" nahm sich Lightbody noch die Zeit für sein Solo-Projekt The Reindeer Section - eine Art Indie-Supergroup, in der weitere schottische Stars wie u.a. Idlewild, Arab Strap und Norman Blake vom Teenage Fanclub mit von der Partie sind.
Das Selbstbewusstsein des Trios sollte sich alsbald auszahlen, denn da bereits Demo-Aufnahmen für "Final Straw" die Runde machten, schnappte sich Fiction (Polydor) die Formation, die daraufhin schnell mit der Techno-Größe Garret Lee a.k.a. Jacknife Lee im Studio stand. Zu der Zeit hatten sie sich einen zusätzlichen Gitarristen geangelt - Nathan Connolly (Spitzname: Handsome - "A passing tramp called him it one day and it's stuck"). Nachdem er die Band kennen gelernt hatte, kam Connolly zunächst nur ab und zu ins Studio, bis er sich dann der Gruppe anschloss. "Meine Ma hatte damals die Befürchtung, ich sei von Rock-Stars gekidnappt", erinnert er sich grinsend.
Das Resultat, das neueste Snow Patrol-Album, zeigt sich als das Großartigste, was die Band bisher abgeliefert hat: Eine heftige, bissige Attacke verzerrter Gitarren, treibender und krachender Drum-Beats und mitreißender Pop-Hymnen. Angefüllt mit genug Herzschmerz, um Ozeane überlaufen zu lassen und getragen von den typischen Lightbody-Texten und Thematiken über verlorene Liebe. Aber auch über den sehr realen Horror im Irak-Konflikt - "Final Straw" ist rauhe, ungefilterte und fleischgewordene Emotion.
"Es ist das erste Mal, dass ich über etwas anderes geschrieben habe als meine persönlichen Probleme", sagt Lightbody. "Es war wirklich eine sehr angsteinflößende Zeit, der Irak-Krieg hatte definitiv Einfluss auf das Album. Und ja, es gibt auch immer noch Songs über Beziehungen, die gab es schon immer auf den Alben von Snow Patrol. Aber ich schrieb nicht darüber, wie schön und toll es ist, wenn sie beginnen. Sondern über den gemeinen Schmerz, den du spürst, wenn sie enden."
"Final Straw" ist echter Gänsehaut erzeugender Stoff. In ihrer Heimat bereits im letzten Jahr erschienen und begleitet von dem entsprechenden, tosendem Applaus der Kritik und der Medien. Und die ersten Erfolge waren sofort sicht- und spürbar. Beide Single-Auskopplungen - "Spitting Games" und "Run" - entwickelten sich umgehend zu Abräumern bei Radio One im UK. Die Band und ihre Musik fand weitere, neue Freunde und Bewunderer in allen Kreisen. Auch unter den Kollegen aus der Musik-Branche - wie z.B. den bärtigen Prog-Rockern von Grandaddy, die Snow Patrol aus genau diesem Grund mit auf eine ausverkaufte UK-Tour nahmen.
Jetzt hat ein neues Jahr begonnen, und mit dem neuen Jahr kommen auch neue Herausforderungen. Im Januar wurde eine NME-Show ausgestrahlt, noch vor der Veröffentlichung der "Run"-Single am 26. Januar - ein Tune, der umgehend zum "Klassiker" avancierte, der allgegenwärtig zu sein scheint. Und jetzt haben Snow Patrol die Koffer gepackt, um ihre erste US-Tour in Angriff zu nehmen - wo ihr Album von Interscope veröffentlicht wurde. Große Dinge werden passieren. "Es ist schon sehr schmeichelhaft für uns, dass die Leute von uns so viel erwarten und uns so viel Aufmerksamkeit schenken", sagt Lightbody. "Wir hatten noch gar nicht wirklich darüber nachgedacht, wie es wäre, diesen Level an Erfolg zu erlangen. Was aber nicht bedeutet, dass wir nicht bereit dafür wären. Denn das sind wir! Ich hoffe nur, dass ich auch in Zukunft noch locker und unbehelligt im Supermarkt meine Milch kaufen kann. Ich habe keine Lust auf zu viel Stress..."
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Es gibt Bands, die prahlen gerne, Bands, die sich einem aufzwingen. Und dann gibt es Bands, die einen auf eine ganz andere Art erreichen. Ich glaube, dass es etwas mit dem Wesen der Musiker zu tun hat. Dass es ein Intimitäts-Ding ist. Es fühlt sich dann fast schon so an, als ob man mit ihnen befreundet wäre. Ich glaube, dass wir so eine Band sind.“
So denkt Gary Lightbody, seines Zeichens Sänger und Chef-Songwriter von Snow Patrol. Der Beweis für seine These ist das neue Album seiner Band, „Eyes Open“ – denn es ist eine Ansammlung von Songs geworden, die sämtliche Versprechen des Vorgängers („Final Straw“, 2004) einlöst und sogar übertrifft.
Das Album wurde in einem überaus stürmischen Jahr 2005 aufgenommen. Die Band war nicht nur mit U2 auf deren Europatour unterwegs, sondern trat auch im Rahmen der Live-8-Shows sowohl im Hyde Park als auch in Schottland auf. Und doch haben sie es geschafft, für „Eyes Open“ ihren Kern als Band zu bewahren: schöne und druckvolle Songs, die mit den wohl prägnantesten Texten im Rockbusiness auftrumpfen.
„Die letzten Jahre waren fantastisch. Aber als es dann darum ging, die neue Platte aufzunehmen, mussten wir mal ruhiger werden. Eine Art Klosterleben war angesagt. Schließlich hatten wir unseren Spaß gehabt, unterwegs. Alles, was bis dahin geschehen war, mussten wir verdrängen, denn was bringt es einem, sich auf seinen alten Lorbeeren auszuruhen? Alles ist doch verloren, wenn man nicht nach vorne schaut. Sich darum kümmert, dass der nächste Schritt der richtige ist.“
Also versammelten sich Snow Patrol im Februar 2005 in Dingle an der Westküste Irlands. Ihr Schlagzeuger Jonny Quinn kannte die Gegend, und so überzeugte er den Rest der Band, dass jener Ort, an dem früher schon Kate Bush aufgenommen hatte, ideal sei, um den Geist von Snow Patrol in Albumform zu bringen. Lightbody und ihr Produzent Garret „Jacknife“ Lee kamen an und hatten drei Songs im Gepäck. Alles weitere wurde vor Ort geschrieben, am Rande eines Abgrunds. Lightbody berichtet: „Für mich waren das alles Zeichen. Alles war irgendwie wichtig in den Momenten. Und ja, es stimmt: wir haben auf einer Steilküste gearbeitet. Unter uns klatschte das Wasser gegen die Felsen.“
Snow Patrol haben bereits einmal bewiesen, was in ihnen steckt. Vor ziemlich genau zwei Jahren wurde ihre unvergessene Hymne über Liebe und Verlangen, „Run“, veröffentlicht. Der Song kletterte auf den fünften Platz der britischen Charts und katapultierte auch „Final Straw“ auf Platz drei der Albumcharts. Nachdem sie zu jenem Zeitpunkt bereits zehn Jahre als Band existiert hatten, war es die Kombination von Selbstbewusstsein und harter Arbeit, die sie an die Spitze brachte. „Die Band möchte ich kennen lernen, die in so einer Situation nicht auch zunächst schockiert wäre“, berichtet der Gitarrist Nathan Connolly. „Plötzlich entscheidet die Welt, dass sie dich und deine Band von nun an mag, und auf einmal stehen deine eigenen Helden im Publikum. Michael Stipe war sehr nett zu uns, beim Isle-of-Wight-Festival. Aber wir checken uns konstant selbst durch, ob auch noch alles mit der Band stimmt. Wir wissen ganz genau, wann wir besonders gut sind.“ „Wir kritisieren uns selbst sehr streng, gehen ganz schön hart ins Gericht“, ergänzt Lightbody. „Snow Patrol wäre heute nicht diejenige Band, die wir sind, wäre da nicht dieser kritische Kern, und eine – ohne jetzt wie ein Mönch zu klingen – Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, die wir an den Tag legen.“
Lightbody und der Schlagzeuger Jonny Quinn stammen ursprünglich aus Belfast und Umgebung; sie lernten sich 1994 an der Universität von Dundee kennen. Drei Jahre später veröffentlichten sie eine EP unter dem Namen Polar Bear auf dem Electric Honey-Label aus Glasgow. Danach wurden sie von Jeepster Records unter Vertrag genommen, nahmen den Namen Snow Patrol an und veröffentlichten zwei weitere Alben: „Music For Polar Bears“ (1998) und „When It’s All Over We Still Have To Clear Up“ aus dem Jahr 2001. Zwei Jahre darauf wechselten sie zu Polydor/Fiction-Records und begannen mit der Arbeit an „Final Straw“, wobei ihnen Garret „Jacknife“ Lee als Produzent zur Seite stand.
„Nachdem wir ihn für uns entdeckt hatten, gab es einfach gar keine andere Wahl mehr. Garret ist fast schon ein Bandmitglied. Er weiß genau, was wir können und er wird uns niemals ins Bett oder zum Bier entlassen, bis wir auch alles aus uns rausgeholt haben.“ Für die Aufnahmen, die zu „Eyes Open“ führten, kehrte Lee zurück. Zunächst setzte er sich mit Lightbody zusammen und ging durch die Demo-Aufnahmen, die sich in zwei Jahren angesammelt hatten. Er ging rigoros und überaus kritisch vor. Der qualitative Sprung im Songwriting der Band war allerdings von Beginn an nicht zu übersehen.
Der druckvolle erste Track des Albums, „Your’re All I Have“ strotzt nur so vor Kraft. Und dann gibt es da den beeindruckenden Auftritt von Vokalgast Martha Wainwright, die sie für den Song „Set The Fire To The Third Bar“ gewinnen konnten. Lightbody komponierte das Stück gegen Ende der Aufnahme-Sessions, und ihm war sofort klar, dass ihre Stimme perfekt für diesen Song passen würde. Zufälligerweise war sie zu jener Zeit gerade in Irland, auf Tour. „Ich glaube nicht wirklich an das Schicksal“, erzählt Lightbody. „Doch wenn dann ein Anruf kommt und einem erzählt wird, dass sie zufällig gerade im Land und bereit für Aufnahmen ist, dann kann man schon für einen Moment an so etwas denken.“
Beachten sollte man auch den Chor aus keltischen Indie-Größen (dabei sind u.a. Eugene Kelly, Charlie Clarke, Jenny Reeve und Iain Archer), der bei vier der Tracks auftaucht, wie auch die Keyboard-Parts von Ken Stringfellow, der zuvor als Tour-Keyboarder von den Posies/Big Star und REM weltweit auf großen Bühnen zu sehen war.
Die an eine Hymne erinnernde Electronica-Einlage des letzten Stücks „Finish Line“ wird sicher auch überraschen, doch den Kern dieses Album findet man im unfassbaren „Chasing Cars“: „Das ist der reinste und offenste Lovesong, den ich je geschrieben habe“, berichtet Lightbody.
Was man auf „Eyes Open“ hören kann ist der Sound einer Band, die alles gibt. Alles aus sich rausholt. Was natürlich kaum überrascht, wo die Truppe doch einen Großteil der vergangenen 30 Monate auf Tour verbracht hat. Dazu kommt, dass sie mit zwei neuen Mitgliedern eine Handvoll neuer Akzente setzen kann. Im Februar 2005 verließ der einstige Bassist Mark McClelland die Band. Der Multiinstrumentalist Paul Wilson, ein langjähriger Freund und ein vorheriges Tour-Mitglied, übernahm seine Position. „Wenn es darum geht, einen Song zu schreiben, fühlt es sich bei Paul manchmal so an, als hätten wir ein zweites Gehirn“, erzählt Lightbody lachend. „Eben denkst du noch `Verdammt, warum schaffen wir das nicht?´, doch Paul schafft es dann. Er hat diesem Album eine besondere Note aufgedrückt.“ Als fünftes Mitglied ist Tom Simpson mit von der Partie. Sein Können am Keyboard und seine Skills als Programmierer hat die Band ebenfalls schon oft für Live-Auftritte bemüht; als festes Mitglied hat nun auch er neue Impulse geliefert, die „Eyes Open“ zu so einem herausragenden Album machen.
„Eyes Open“ ist eine Postkarte von Snow Patrol, die sie direkt am Abgrund geschrieben haben. Es wird schwer sein, im Jahr 2006 an diesen Songs vorbeizukommen.
Endlich ist es da - "Final Straw", das dritte Album der aus Glasgow stammenden Formation Snow Patrol. Ein herausragendes Werk, das einmal mehr von der Spontaneität, Experimentierfreude und musikalischen Abenteuerlust der vier Musiker lebt und daraus seine schier unbändige Energie bezieht. Und das sind nur ein paar wenige der charakteristischen Attribute von Snow Patrol, die ihre Musik und eben den Longplayer "Final Straw" ausmachen.
In ihrer Heimat schon längst als Band etabliert, die auf grandiose Art und Weise eine mitreißende Mixtur aus verzerrtem, schnellem britischem Rock und US-Alternative Gitarren-Pop zelebriert, präsentiert das Album die Boys erwachsener, gereifter und selbstbewusster denn je. So ist ihnen mit "Final Straw" ein Wurf gelungen, der ohne Übertreibung schon jetzt als eine der besten britischen Platten bezeichnet werden kann, die man dieses Jahr zu hören bekommt.
Doch der Erfolg kam keineswegs über Nacht. Die Snow Patrol-Geschichte begann bereits 1994, als Gary Lightbody (Spitzname: Gimpy - "Because I'm a gimp") an der "Dundee University" den Gitarristen Mark McClelland (Spitzname: Maps - "Because he can find his way around any city") kennen lernte. "Unsere Blicke trafen sich eines Abends in einer Diskothek", erinnert sich Lightbody. "Wir waren uns sofort sympathisch und von Anfang an war klar, dass wir uns gut verstehen werden. Als es später dann auch noch musikalisch klappte und wir feststellten, dass wir die gleichen Bands liebten, dachten wir uns: 'Warum sollen wir nicht unsere eigene machen?' Das war die Geburtsstunde von Snow Patrol."
Na ja, nicht ganz. Denn zunächst nannte sich das Duo Polar Bear. Ein Name, der aber auch von dem Ex-Jane's Addiction-Bassisten Eric Avery benutzt wurde. Als dann schließlich ein Rechtsstreit drohte, setzten sich Lightbody und McClelland erneut zusammen, überlegten und entschlossen, ihre Band ebenso winterlich angehaucht Snow Patrol zu nennen. Wie heißt es so schön? Wer zuletzt lacht... Denn die beiden Freunde und der mittlerweile dazu gestoßene Drummer Johnny Quinn (Spitzname: Thunderclap - "Because he drums so bloody hard") unterschrieben einen Vertrag bei den schottischen Jeepster Records (u.a. Belle And Sebastian), und 1998 veröffentlichten sie ihr Debüt-Album - das sie sinnigerweise und verschmitzt "Songs For Polar Bears" betitelten...
Das Album, das sich als Schmelztiegel der vielfältigen und vielschichtigen Einflüsse der einzelnen Mitglieder zeigte, wurde von der Kritik in höchsten Tönen gelobt und als faszinierendes, dynamisches und lautes Pop-Punk-Spektakel bejubelt. "Irgendwie flossen da natürlich auch die Einflüsse ein, die unsere damaligen Lieblingsbands auf uns ausübten. Das waren beispielsweise amerikanische Rockbands wie die Pixies, Dinosaur Jr, Soundgarden, aber auch My Bloody Valentine und das erste, großartige Album der Super Furry Animals."
"When It's All Over We Still Have To Clear Up", das nächste Album von Snow Patrol, erschien 2001, doch mittlerweile hatte sich das Verhältnis zu Jeepster Records reichlich gelockert und verschlechtert, eine kommende Trennung war bereits abzusehen. "Es war eine seltsame Zeit", erinnert sich Lightbody. "Alle fuhren gerade auf Garage-Rock ab, und irgendwelche Leute meinten, dass wir unseren Namen in 'The...", nun ja, 'irgendwas' ändern sollten."
Zum Glück hatte die Band mittlerweile ausreichend Selbstbewusstsein. Die Jungs entschlossen sich also, ihren Namen zu behalten (Lightbody: "Wir waren auf keinen Fall bereit, unseren Namen zu ändern und trotzdem weiter Snow Patrol-Songs zu spielen!") und begannen dann, "Final Straw" zu schreiben. So ganz "nebenbei" nahm sich Lightbody noch die Zeit für sein Solo-Projekt The Reindeer Section - eine Art Indie-Supergroup, in der weitere schottische Stars wie u.a. Idlewild, Arab Strap und Norman Blake vom Teenage Fanclub mit von der Partie sind.
Das Selbstbewusstsein des Trios sollte sich alsbald auszahlen, denn da bereits Demo-Aufnahmen für "Final Straw" die Runde machten, schnappte sich Fiction (Polydor) die Formation, die daraufhin schnell mit der Techno-Größe Garret Lee a.k.a. Jacknife Lee im Studio stand. Zu der Zeit hatten sie sich einen zusätzlichen Gitarristen geangelt - Nathan Connolly (Spitzname: Handsome - "A passing tramp called him it one day and it's stuck"). Nachdem er die Band kennen gelernt hatte, kam Connolly zunächst nur ab und zu ins Studio, bis er sich dann der Gruppe anschloss. "Meine Ma hatte damals die Befürchtung, ich sei von Rock-Stars gekidnappt", erinnert er sich grinsend.
Das Resultat, das neueste Snow Patrol-Album, zeigt sich als das Großartigste, was die Band bisher abgeliefert hat: Eine heftige, bissige Attacke verzerrter Gitarren, treibender und krachender Drum-Beats und mitreißender Pop-Hymnen. Angefüllt mit genug Herzschmerz, um Ozeane überlaufen zu lassen und getragen von den typischen Lightbody-Texten und Thematiken über verlorene Liebe. Aber auch über den sehr realen Horror im Irak-Konflikt - "Final Straw" ist rauhe, ungefilterte und fleischgewordene Emotion.
"Es ist das erste Mal, dass ich über etwas anderes geschrieben habe als meine persönlichen Probleme", sagt Lightbody. "Es war wirklich eine sehr angsteinflößende Zeit, der Irak-Krieg hatte definitiv Einfluss auf das Album. Und ja, es gibt auch immer noch Songs über Beziehungen, die gab es schon immer auf den Alben von Snow Patrol. Aber ich schrieb nicht darüber, wie schön und toll es ist, wenn sie beginnen. Sondern über den gemeinen Schmerz, den du spürst, wenn sie enden."
"Final Straw" ist echter Gänsehaut erzeugender Stoff. In ihrer Heimat bereits im letzten Jahr erschienen und begleitet von dem entsprechenden, tosendem Applaus der Kritik und der Medien. Und die ersten Erfolge waren sofort sicht- und spürbar. Beide Single-Auskopplungen - "Spitting Games" und "Run" - entwickelten sich umgehend zu Abräumern bei Radio One im UK. Die Band und ihre Musik fand weitere, neue Freunde und Bewunderer in allen Kreisen. Auch unter den Kollegen aus der Musik-Branche - wie z.B. den bärtigen Prog-Rockern von Grandaddy, die Snow Patrol aus genau diesem Grund mit auf eine ausverkaufte UK-Tour nahmen.
Jetzt hat ein neues Jahr begonnen, und mit dem neuen Jahr kommen auch neue Herausforderungen. Im Januar wurde eine NME-Show ausgestrahlt, noch vor der Veröffentlichung der "Run"-Single am 26. Januar - ein Tune, der umgehend zum "Klassiker" avancierte, der allgegenwärtig zu sein scheint. Und jetzt haben Snow Patrol die Koffer gepackt, um ihre erste US-Tour in Angriff zu nehmen - wo ihr Album von Interscope veröffentlicht wurde. Große Dinge werden passieren. "Es ist schon sehr schmeichelhaft für uns, dass die Leute von uns so viel erwarten und uns so viel Aufmerksamkeit schenken", sagt Lightbody. "Wir hatten noch gar nicht wirklich darüber nachgedacht, wie es wäre, diesen Level an Erfolg zu erlangen. Was aber nicht bedeutet, dass wir nicht bereit dafür wären. Denn das sind wir! Ich hoffe nur, dass ich auch in Zukunft noch locker und unbehelligt im Supermarkt meine Milch kaufen kann. Ich habe keine Lust auf zu viel Stress..."
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Es gibt Bands, die prahlen gerne, Bands, die sich einem aufzwingen. Und dann gibt es Bands, die einen auf eine ganz andere Art erreichen. Ich glaube, dass es etwas mit dem Wesen der Musiker zu tun hat. Dass es ein Intimitäts-Ding ist. Es fühlt sich dann fast schon so an, als ob man mit ihnen befreundet wäre. Ich glaube, dass wir so eine Band sind.“
So denkt Gary Lightbody, seines Zeichens Sänger und Chef-Songwriter von Snow Patrol. Der Beweis für seine These ist das neue Album seiner Band, „Eyes Open“ – denn es ist eine Ansammlung von Songs geworden, die sämtliche Versprechen des Vorgängers („Final Straw“, 2004) einlöst und sogar übertrifft.
Das Album wurde in einem überaus stürmischen Jahr 2005 aufgenommen. Die Band war nicht nur mit U2 auf deren Europatour unterwegs, sondern trat auch im Rahmen der Live-8-Shows sowohl im Hyde Park als auch in Schottland auf. Und doch haben sie es geschafft, für „Eyes Open“ ihren Kern als Band zu bewahren: schöne und druckvolle Songs, die mit den wohl prägnantesten Texten im Rockbusiness auftrumpfen.
„Die letzten Jahre waren fantastisch. Aber als es dann darum ging, die neue Platte aufzunehmen, mussten wir mal ruhiger werden. Eine Art Klosterleben war angesagt. Schließlich hatten wir unseren Spaß gehabt, unterwegs. Alles, was bis dahin geschehen war, mussten wir verdrängen, denn was bringt es einem, sich auf seinen alten Lorbeeren auszuruhen? Alles ist doch verloren, wenn man nicht nach vorne schaut. Sich darum kümmert, dass der nächste Schritt der richtige ist.“
Also versammelten sich Snow Patrol im Februar 2005 in Dingle an der Westküste Irlands. Ihr Schlagzeuger Jonny Quinn kannte die Gegend, und so überzeugte er den Rest der Band, dass jener Ort, an dem früher schon Kate Bush aufgenommen hatte, ideal sei, um den Geist von Snow Patrol in Albumform zu bringen. Lightbody und ihr Produzent Garret „Jacknife“ Lee kamen an und hatten drei Songs im Gepäck. Alles weitere wurde vor Ort geschrieben, am Rande eines Abgrunds. Lightbody berichtet: „Für mich waren das alles Zeichen. Alles war irgendwie wichtig in den Momenten. Und ja, es stimmt: wir haben auf einer Steilküste gearbeitet. Unter uns klatschte das Wasser gegen die Felsen.“
Snow Patrol haben bereits einmal bewiesen, was in ihnen steckt. Vor ziemlich genau zwei Jahren wurde ihre unvergessene Hymne über Liebe und Verlangen, „Run“, veröffentlicht. Der Song kletterte auf den fünften Platz der britischen Charts und katapultierte auch „Final Straw“ auf Platz drei der Albumcharts. Nachdem sie zu jenem Zeitpunkt bereits zehn Jahre als Band existiert hatten, war es die Kombination von Selbstbewusstsein und harter Arbeit, die sie an die Spitze brachte. „Die Band möchte ich kennen lernen, die in so einer Situation nicht auch zunächst schockiert wäre“, berichtet der Gitarrist Nathan Connolly. „Plötzlich entscheidet die Welt, dass sie dich und deine Band von nun an mag, und auf einmal stehen deine eigenen Helden im Publikum. Michael Stipe war sehr nett zu uns, beim Isle-of-Wight-Festival. Aber wir checken uns konstant selbst durch, ob auch noch alles mit der Band stimmt. Wir wissen ganz genau, wann wir besonders gut sind.“ „Wir kritisieren uns selbst sehr streng, gehen ganz schön hart ins Gericht“, ergänzt Lightbody. „Snow Patrol wäre heute nicht diejenige Band, die wir sind, wäre da nicht dieser kritische Kern, und eine – ohne jetzt wie ein Mönch zu klingen – Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, die wir an den Tag legen.“
Lightbody und der Schlagzeuger Jonny Quinn stammen ursprünglich aus Belfast und Umgebung; sie lernten sich 1994 an der Universität von Dundee kennen. Drei Jahre später veröffentlichten sie eine EP unter dem Namen Polar Bear auf dem Electric Honey-Label aus Glasgow. Danach wurden sie von Jeepster Records unter Vertrag genommen, nahmen den Namen Snow Patrol an und veröffentlichten zwei weitere Alben: „Music For Polar Bears“ (1998) und „When It’s All Over We Still Have To Clear Up“ aus dem Jahr 2001. Zwei Jahre darauf wechselten sie zu Polydor/Fiction-Records und begannen mit der Arbeit an „Final Straw“, wobei ihnen Garret „Jacknife“ Lee als Produzent zur Seite stand.
„Nachdem wir ihn für uns entdeckt hatten, gab es einfach gar keine andere Wahl mehr. Garret ist fast schon ein Bandmitglied. Er weiß genau, was wir können und er wird uns niemals ins Bett oder zum Bier entlassen, bis wir auch alles aus uns rausgeholt haben.“ Für die Aufnahmen, die zu „Eyes Open“ führten, kehrte Lee zurück. Zunächst setzte er sich mit Lightbody zusammen und ging durch die Demo-Aufnahmen, die sich in zwei Jahren angesammelt hatten. Er ging rigoros und überaus kritisch vor. Der qualitative Sprung im Songwriting der Band war allerdings von Beginn an nicht zu übersehen.
Der druckvolle erste Track des Albums, „Your’re All I Have“ strotzt nur so vor Kraft. Und dann gibt es da den beeindruckenden Auftritt von Vokalgast Martha Wainwright, die sie für den Song „Set The Fire To The Third Bar“ gewinnen konnten. Lightbody komponierte das Stück gegen Ende der Aufnahme-Sessions, und ihm war sofort klar, dass ihre Stimme perfekt für diesen Song passen würde. Zufälligerweise war sie zu jener Zeit gerade in Irland, auf Tour. „Ich glaube nicht wirklich an das Schicksal“, erzählt Lightbody. „Doch wenn dann ein Anruf kommt und einem erzählt wird, dass sie zufällig gerade im Land und bereit für Aufnahmen ist, dann kann man schon für einen Moment an so etwas denken.“
Beachten sollte man auch den Chor aus keltischen Indie-Größen (dabei sind u.a. Eugene Kelly, Charlie Clarke, Jenny Reeve und Iain Archer), der bei vier der Tracks auftaucht, wie auch die Keyboard-Parts von Ken Stringfellow, der zuvor als Tour-Keyboarder von den Posies/Big Star und REM weltweit auf großen Bühnen zu sehen war.
Die an eine Hymne erinnernde Electronica-Einlage des letzten Stücks „Finish Line“ wird sicher auch überraschen, doch den Kern dieses Album findet man im unfassbaren „Chasing Cars“: „Das ist der reinste und offenste Lovesong, den ich je geschrieben habe“, berichtet Lightbody.
Was man auf „Eyes Open“ hören kann ist der Sound einer Band, die alles gibt. Alles aus sich rausholt. Was natürlich kaum überrascht, wo die Truppe doch einen Großteil der vergangenen 30 Monate auf Tour verbracht hat. Dazu kommt, dass sie mit zwei neuen Mitgliedern eine Handvoll neuer Akzente setzen kann. Im Februar 2005 verließ der einstige Bassist Mark McClelland die Band. Der Multiinstrumentalist Paul Wilson, ein langjähriger Freund und ein vorheriges Tour-Mitglied, übernahm seine Position. „Wenn es darum geht, einen Song zu schreiben, fühlt es sich bei Paul manchmal so an, als hätten wir ein zweites Gehirn“, erzählt Lightbody lachend. „Eben denkst du noch `Verdammt, warum schaffen wir das nicht?´, doch Paul schafft es dann. Er hat diesem Album eine besondere Note aufgedrückt.“ Als fünftes Mitglied ist Tom Simpson mit von der Partie. Sein Können am Keyboard und seine Skills als Programmierer hat die Band ebenfalls schon oft für Live-Auftritte bemüht; als festes Mitglied hat nun auch er neue Impulse geliefert, die „Eyes Open“ zu so einem herausragenden Album machen.
„Eyes Open“ ist eine Postkarte von Snow Patrol, die sie direkt am Abgrund geschrieben haben. Es wird schwer sein, im Jahr 2006 an diesen Songs vorbeizukommen.
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