Spice Biographie
Spice
Eine Hymne auf eine Band, die nicht mehr ist, aber die...
PROLOG
Dies könnte wieder so einer werden: ein Waschzettel über irgendeine Band, an die irgendeine Plattenfirma glaubt, dass sie damit viel Geld verdienen kann. Ein geschliffenes Wort für Waschzettel lautet Produktinfo. Da steht dann meist, wie charismatisch der Sänger, wie tight die Rhythm Section, wie wie cool und trendverdächtig diese Melange aus X, Y und Z ist. Gruselig! Produktinfo, Waschzettel, Liner notes: was sind das für schäbige Namen, wo es doch um eines der heiligsten Güter überhaupt geht? Um Musik.
Aber dann kommt von dem Mann der Plattenfirma das entscheidende Wort. Was er den schreiben solle, fragt der Texter dieser Zeilen den Mann von der Plattenfirma: „Eine Hymne“, sagt dieser ohne Wimpernzucken. Gute Güte, eine Hymne. Kein Waschzettel, kein Produktinfo. Eine Hymne. Über Band X, über Band Y und auch über Band Z schreibt man auch keine Hymnen, aber über Spice. Da schreibt man gerne eine Hymne.
MONOLOG
Es gibt auch einen Anlaß für diese Hymne: das neue Album von Spice, der wohl besten europäischen Funk-Band aller Zeiten, erscheint endlich. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: die Band Spice existiert nicht mehr. Silvester 2002 funkte Spice ein letztes Mal live umjubelt im hannoverschen Gig. Anfang 2003 war Schluß. Das konsequente Ende nach einem nicht enden wollendem Hickhack über Marketingstrategien, fehlender Hit-Singles, verpasster Trends und letztendlich über das immer wieder verschobene Nachfolge-Album für das 1996 (!) erschienene Album „Vario Bel Air“. So ist die Geschichte von Spice die Geschichte einer Band, die nicht an sich scheiterte, sondern an dem Unvermögen einer feigen Branche zeitloser Musik Zeit zu geben, anstelle im Fegefeuer von Castingshows und Klingelton-Downloads langsam zu verglühen.
DAS WUNDER
So gesehen grenzt es an ein Wunder, dass mit „69 Overdrive“ nun tatsächlich dass verloren geglaubte, von Insidern mystisch verehrte, dritte Spice-Album erscheint. Das Unglaubliche daran: es hätte schon ihr Fünftes sein können. 1998 bereits lag ein neues, komplettes Album vor – es wanderte in den Müll. Dann nahm sich ein Chart-erprobtes Management der in die Trend-Lücke gefallenen Band an. Mit Timo Maas-Mastermind Martin Buttrich fand sich ein Produzent, der wußte, wo die Band herkam und ahnte, wo hin sie gehen kann. Man setzte sich zusammen, bastelte Songs. Keyboarder Sven Kaiser schrieb opulente Streicher- und Bläser-Arrangements, BigBeat- und Techno-Exportschlager Timo Maas schuf einen in der Club-Szene mit großem Feedback aufgenommenen Remix von „69 Overdrive“. Die Zeichen standen gut für Spice, in der damals noch heilen Musikwelt die Nische zwischen Fatboy Slim, Jamiroquai und Lenny Kravitz zu besetzen. Ende 1999 war das neue, neue Album komplett fertig. 15 Tracks fanden Platz auf „69 Overdrive“. Sogar ein fertiges, in London designtes Booklet lag bereit – mit einem Aschenbecher auf dem Cover, weil der damalige Spice-Executive Manager meinte, „hash driven music“ zu hören. In den hannoverschen Clubs zwischen Gig und Centrum waren die „News“ derweil „Talk of the town“: Spice bringen ein neues Album heraus. Die Band bestätigte dies. Wann immer man sie traf, kam die stolze Antwort: „Das Album ist fertig, das kommt jetzt raus“. Ein halbes Jahr später: die gleiche Antwort. Vier Jahre später existierte Spice nicht mehr. Zerrieben, ausgebrannt, ausgeblutet, desillusioniert. „Wo ist die Single?“ hätte das Management immer wieder gemahnt. Obwohl doch klar war, dass Spice für zeitlose Musik mit viel Soul steht – eine Band, die als Band ein Hit ist. Aber die bestimmt eines nicht ist: ein Zulieferer für die Fließband-Hit-Industrie. Ein Trauerspiel.
ZUKUNFT
„Es ist unser bestes Album. Ein Zeitdokument. Wir können uns damit immer noch identifizieren“, urteilt Spice-Keyboarder Sven Kaiser jetzt mit zeitlichem Abstand über „69 Overdrive“. Sollte das Album tatsächlich erscheinen, wären von den ursprünglich 15 Tracks nur noch zehn zu hören. Dafür ist ein neuer Song, quasi posthum eingespielt, hinzugekommen. Vielleicht lag es daran, jetzt nicht mehr qualvoll und gehetzt nach einem Hit suchen zu müssen, dass „Big Blue Sky“ (angeblich ein eher zufälliges Nebenprodukt) genau das ist: ein Hit. Sowohl in der ruhigen Version auf LP als auch im brillanten Frank-Popp-Remix. Erste Probaten, die ohne Kenntnis der CD Hörproben bekamen, sprachen von dem Song, den Lenny Kravitz schon immer machen wollte und grandiosem Hörfutter, sowohl für Lounge Lizards als auch für Formatradio-Freaks.
Aber mal ab von „Big Blue Sky“, dem Song, den wir bald alle bei „Wetten das“ hören werden: die weiteren zehn Songs von „69 Overdrive“ sind trotz gegenteiliger Einschätzung überforderter Manager potentielle Hits. Der leicht angehouste Disco-Bumper „Love In The City“ und der Titeltrack hätte im Zeitmaschinen-Sprung gute Chancen gehabt, ein Dance-Classic im Paradise Garage oder Studio 54 zu werden. „Sexy Lady“ sowie „Can’t Get Enough“ sind dreckiger, deeper Fundamental-Funk, der vor allem alte Spice-Fans aus „Fred’s Bowling Center“-Zeiten glücklich macht. Mit „Sweet Sucess“ und „Loose It“ grooven sich Spice genüßlich im mittleren Boogie-Tempo ein und geben eine Ahnung davon, wie Stax-Songs in der Disco-Ära geklungen hätten „Mirror“ wiederum ist ein kleiner, versteckter Hit, der auf langen Autofahrten erst seinen besonderen Trucker-Soul-Reiz entwickelt. Und dann ist da noch „The River“: hier fließt der Funk-Strom tatsächlich entspannt und beruhigt durch Lounge-Gewässer, eingebettet in superbe Streicher– und Bläser-Arrangements
Ganz zum Schluß gibt es dann noch „Reprise“ – ein kleiner, sentimentaler, wehmütiger Abschied von einer großen Platte einer großen Band, die nicht mehr existiert.
Leider, denn vieles spricht für eine Spice-Renaissance. Erst kürzlich wurde bei Amazon eine illegale Schmuggel-Kopie des Spice-Albums für 189 Euro versteigert und im Magazin Intro wählte die Lindenstraßen-Schaupspielerin ???????????? in ihre Album-Top-Five aller Zeiten „Vario Bel Air“ einer Band namens Spice.
GESCHICHTE
Rare Groove, Acid Jazz, Plateaustiefel und Schlaghosen: es war eine lustige Zeit, als sich Spice das erste Mal trafen. Das muß im Frühjahr 1993 gewesen sein. Fünf Kottlettenträger, die entweder in Speedmetal-, Mod- oder Indie-Bands ihr Glück fanden, setzten sich zusammen und studierten die WahWah-Gitarren-infizierte LP-Sammlung von Percussionist Max Olgivie. Den Sound kriegen wir auch hin, sagten sich die Fünf und trafen glücklicherweise den Sänger Martin Bettinghaus, der eigentlich lieber im Stil der Small Faces mucken wollte, aber funky Soul auch ganz cool fand. Erste Aufnahmen aus dem Übungskeller fanden schnell in den Cassettenplayer einer Rare-Groove-Disco am hannoverschen Raschplatz und beschallten mit großer Resonanz den Dancefloor. Wow, klingt, als wäre es in Alabama in einem dreckigen Juke Joint anno 1972 eingespielt, war der einhellige Tenor. Der Rest ist Funk-Historie: Spice drängten sich als Vorgruppe bei Sax-Funkmeister Maceo Parker auf und ließen sogar Maceo unglaubig staunen: „Lord have mercy, what a fonkey band!“ Einigermaßen verbirgt ist, dass Spice noch während des Auftritts von Maceo einen Plattenvertrag angeboten bekamen. Wo Spice fortan auch spielten: es war stets brechend voll. 1994 erschien dann (nach einem Sampler-Beitrag beim Londoner Acid-Jazz-Label) das Debüt von Spice: „Fred’s Bowling Center“, produziert von dem in London lebenden Hannoveraner Keyboarder Yak Bondy (Tom Oz, Lisa Stansfield u.a). „Fred’s Bowlings Center“ mit Funk-Classics wie „Turn It On“, „Funkiest Body In Town“ oder „Dark End Street“ übertraf alle Erwartungen: 25.000mal ging das Album über den Ladentisch. Spice spielte TV-Gigs, wurde von Stefan Raab eingeladen und lockte auf ihren immer umfangreicheren Club-Touren, die sie jetzt oft auch nach Österreich und die Schweiz führten, zwischen 300 und 500 Funkateers. Zwischenzeitlich machten Spice Schlagzeilen als Rare-Groove-Cover-Band Faboulos Ecips und aufgrund des Namensstreits mit einer anderen Band called Spice, die sich dann allerdings in Spice Girls umbenennen mußte. Zwei Jahre nach ihrem Debüt erschien das Album „Vario Bel Air“ in neuem Sounddesign. Funky waren Spice noch immer, aber ihre Klangfarbe reicherten sie jetzt um weiche Disco, Bossa- und Lounge-Töne an. Auch das Cover belegte den Imagewechsel: die Haare waren ab und statt 70ties-Schlabberlook schauten die Gewürzbrüder jetzt verklärt im Sommer-Pullunder aus dem Strandkorb. Drum’n’Bass, House und TripHop bestimmte jetzt den Clubsound. Keine gute Zeit für eine eklektische Funk-Band. „Vario Bel Air“, von den Medien wenig beachtet, fand dennoch 15.000 Käufer. Zu wenig allerdings, um die Plattenfirma zu besänftigen. Live aber warent Spice immer noch eine große Club-Nummer. 1997 beginnen dann die Aufnahmen von „69 Overdrive“. 2004 dürfen wir sie endlich hören.
Spice - die Band:
Martin Bettinghaus: Vocals
Martin „Margot“ Gontarski: Bass
Max Olgivie: Percussion
Sven Kaiser: Keyboards, Arrangements
Ingo Schröder: Guitar
Uli Schuster: Drums
Abspann:
P.S.: Die meisten der Bandmitglieder sind immer noch aktiv. Sänger Martin Bettinghaus weilt in London. Margot und Max sind als DJs erfolgreich. Margot spielt in der Band Sugarhat. Ingo Schröder spielt Theatermusik und ist auf CDs von Timo Maas und Bootsy Collins zu hören. Sven Kaiser ist als Arrangeur erfolgreich u.a für die Staatsoper Hannover. Eine Zeit lang fungierte Spice als Backing Band von Mousse T.
PROLOG
Dies könnte wieder so einer werden: ein Waschzettel über irgendeine Band, an die irgendeine Plattenfirma glaubt, dass sie damit viel Geld verdienen kann. Ein geschliffenes Wort für Waschzettel lautet Produktinfo. Da steht dann meist, wie charismatisch der Sänger, wie tight die Rhythm Section, wie wie cool und trendverdächtig diese Melange aus X, Y und Z ist. Gruselig! Produktinfo, Waschzettel, Liner notes: was sind das für schäbige Namen, wo es doch um eines der heiligsten Güter überhaupt geht? Um Musik.
Aber dann kommt von dem Mann der Plattenfirma das entscheidende Wort. Was er den schreiben solle, fragt der Texter dieser Zeilen den Mann von der Plattenfirma: „Eine Hymne“, sagt dieser ohne Wimpernzucken. Gute Güte, eine Hymne. Kein Waschzettel, kein Produktinfo. Eine Hymne. Über Band X, über Band Y und auch über Band Z schreibt man auch keine Hymnen, aber über Spice. Da schreibt man gerne eine Hymne.
MONOLOG
Es gibt auch einen Anlaß für diese Hymne: das neue Album von Spice, der wohl besten europäischen Funk-Band aller Zeiten, erscheint endlich. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: die Band Spice existiert nicht mehr. Silvester 2002 funkte Spice ein letztes Mal live umjubelt im hannoverschen Gig. Anfang 2003 war Schluß. Das konsequente Ende nach einem nicht enden wollendem Hickhack über Marketingstrategien, fehlender Hit-Singles, verpasster Trends und letztendlich über das immer wieder verschobene Nachfolge-Album für das 1996 (!) erschienene Album „Vario Bel Air“. So ist die Geschichte von Spice die Geschichte einer Band, die nicht an sich scheiterte, sondern an dem Unvermögen einer feigen Branche zeitloser Musik Zeit zu geben, anstelle im Fegefeuer von Castingshows und Klingelton-Downloads langsam zu verglühen.
DAS WUNDER
So gesehen grenzt es an ein Wunder, dass mit „69 Overdrive“ nun tatsächlich dass verloren geglaubte, von Insidern mystisch verehrte, dritte Spice-Album erscheint. Das Unglaubliche daran: es hätte schon ihr Fünftes sein können. 1998 bereits lag ein neues, komplettes Album vor – es wanderte in den Müll. Dann nahm sich ein Chart-erprobtes Management der in die Trend-Lücke gefallenen Band an. Mit Timo Maas-Mastermind Martin Buttrich fand sich ein Produzent, der wußte, wo die Band herkam und ahnte, wo hin sie gehen kann. Man setzte sich zusammen, bastelte Songs. Keyboarder Sven Kaiser schrieb opulente Streicher- und Bläser-Arrangements, BigBeat- und Techno-Exportschlager Timo Maas schuf einen in der Club-Szene mit großem Feedback aufgenommenen Remix von „69 Overdrive“. Die Zeichen standen gut für Spice, in der damals noch heilen Musikwelt die Nische zwischen Fatboy Slim, Jamiroquai und Lenny Kravitz zu besetzen. Ende 1999 war das neue, neue Album komplett fertig. 15 Tracks fanden Platz auf „69 Overdrive“. Sogar ein fertiges, in London designtes Booklet lag bereit – mit einem Aschenbecher auf dem Cover, weil der damalige Spice-Executive Manager meinte, „hash driven music“ zu hören. In den hannoverschen Clubs zwischen Gig und Centrum waren die „News“ derweil „Talk of the town“: Spice bringen ein neues Album heraus. Die Band bestätigte dies. Wann immer man sie traf, kam die stolze Antwort: „Das Album ist fertig, das kommt jetzt raus“. Ein halbes Jahr später: die gleiche Antwort. Vier Jahre später existierte Spice nicht mehr. Zerrieben, ausgebrannt, ausgeblutet, desillusioniert. „Wo ist die Single?“ hätte das Management immer wieder gemahnt. Obwohl doch klar war, dass Spice für zeitlose Musik mit viel Soul steht – eine Band, die als Band ein Hit ist. Aber die bestimmt eines nicht ist: ein Zulieferer für die Fließband-Hit-Industrie. Ein Trauerspiel.
ZUKUNFT
„Es ist unser bestes Album. Ein Zeitdokument. Wir können uns damit immer noch identifizieren“, urteilt Spice-Keyboarder Sven Kaiser jetzt mit zeitlichem Abstand über „69 Overdrive“. Sollte das Album tatsächlich erscheinen, wären von den ursprünglich 15 Tracks nur noch zehn zu hören. Dafür ist ein neuer Song, quasi posthum eingespielt, hinzugekommen. Vielleicht lag es daran, jetzt nicht mehr qualvoll und gehetzt nach einem Hit suchen zu müssen, dass „Big Blue Sky“ (angeblich ein eher zufälliges Nebenprodukt) genau das ist: ein Hit. Sowohl in der ruhigen Version auf LP als auch im brillanten Frank-Popp-Remix. Erste Probaten, die ohne Kenntnis der CD Hörproben bekamen, sprachen von dem Song, den Lenny Kravitz schon immer machen wollte und grandiosem Hörfutter, sowohl für Lounge Lizards als auch für Formatradio-Freaks.
Aber mal ab von „Big Blue Sky“, dem Song, den wir bald alle bei „Wetten das“ hören werden: die weiteren zehn Songs von „69 Overdrive“ sind trotz gegenteiliger Einschätzung überforderter Manager potentielle Hits. Der leicht angehouste Disco-Bumper „Love In The City“ und der Titeltrack hätte im Zeitmaschinen-Sprung gute Chancen gehabt, ein Dance-Classic im Paradise Garage oder Studio 54 zu werden. „Sexy Lady“ sowie „Can’t Get Enough“ sind dreckiger, deeper Fundamental-Funk, der vor allem alte Spice-Fans aus „Fred’s Bowling Center“-Zeiten glücklich macht. Mit „Sweet Sucess“ und „Loose It“ grooven sich Spice genüßlich im mittleren Boogie-Tempo ein und geben eine Ahnung davon, wie Stax-Songs in der Disco-Ära geklungen hätten „Mirror“ wiederum ist ein kleiner, versteckter Hit, der auf langen Autofahrten erst seinen besonderen Trucker-Soul-Reiz entwickelt. Und dann ist da noch „The River“: hier fließt der Funk-Strom tatsächlich entspannt und beruhigt durch Lounge-Gewässer, eingebettet in superbe Streicher– und Bläser-Arrangements
Ganz zum Schluß gibt es dann noch „Reprise“ – ein kleiner, sentimentaler, wehmütiger Abschied von einer großen Platte einer großen Band, die nicht mehr existiert.
Leider, denn vieles spricht für eine Spice-Renaissance. Erst kürzlich wurde bei Amazon eine illegale Schmuggel-Kopie des Spice-Albums für 189 Euro versteigert und im Magazin Intro wählte die Lindenstraßen-Schaupspielerin ???????????? in ihre Album-Top-Five aller Zeiten „Vario Bel Air“ einer Band namens Spice.
GESCHICHTE
Rare Groove, Acid Jazz, Plateaustiefel und Schlaghosen: es war eine lustige Zeit, als sich Spice das erste Mal trafen. Das muß im Frühjahr 1993 gewesen sein. Fünf Kottlettenträger, die entweder in Speedmetal-, Mod- oder Indie-Bands ihr Glück fanden, setzten sich zusammen und studierten die WahWah-Gitarren-infizierte LP-Sammlung von Percussionist Max Olgivie. Den Sound kriegen wir auch hin, sagten sich die Fünf und trafen glücklicherweise den Sänger Martin Bettinghaus, der eigentlich lieber im Stil der Small Faces mucken wollte, aber funky Soul auch ganz cool fand. Erste Aufnahmen aus dem Übungskeller fanden schnell in den Cassettenplayer einer Rare-Groove-Disco am hannoverschen Raschplatz und beschallten mit großer Resonanz den Dancefloor. Wow, klingt, als wäre es in Alabama in einem dreckigen Juke Joint anno 1972 eingespielt, war der einhellige Tenor. Der Rest ist Funk-Historie: Spice drängten sich als Vorgruppe bei Sax-Funkmeister Maceo Parker auf und ließen sogar Maceo unglaubig staunen: „Lord have mercy, what a fonkey band!“ Einigermaßen verbirgt ist, dass Spice noch während des Auftritts von Maceo einen Plattenvertrag angeboten bekamen. Wo Spice fortan auch spielten: es war stets brechend voll. 1994 erschien dann (nach einem Sampler-Beitrag beim Londoner Acid-Jazz-Label) das Debüt von Spice: „Fred’s Bowling Center“, produziert von dem in London lebenden Hannoveraner Keyboarder Yak Bondy (Tom Oz, Lisa Stansfield u.a). „Fred’s Bowlings Center“ mit Funk-Classics wie „Turn It On“, „Funkiest Body In Town“ oder „Dark End Street“ übertraf alle Erwartungen: 25.000mal ging das Album über den Ladentisch. Spice spielte TV-Gigs, wurde von Stefan Raab eingeladen und lockte auf ihren immer umfangreicheren Club-Touren, die sie jetzt oft auch nach Österreich und die Schweiz führten, zwischen 300 und 500 Funkateers. Zwischenzeitlich machten Spice Schlagzeilen als Rare-Groove-Cover-Band Faboulos Ecips und aufgrund des Namensstreits mit einer anderen Band called Spice, die sich dann allerdings in Spice Girls umbenennen mußte. Zwei Jahre nach ihrem Debüt erschien das Album „Vario Bel Air“ in neuem Sounddesign. Funky waren Spice noch immer, aber ihre Klangfarbe reicherten sie jetzt um weiche Disco, Bossa- und Lounge-Töne an. Auch das Cover belegte den Imagewechsel: die Haare waren ab und statt 70ties-Schlabberlook schauten die Gewürzbrüder jetzt verklärt im Sommer-Pullunder aus dem Strandkorb. Drum’n’Bass, House und TripHop bestimmte jetzt den Clubsound. Keine gute Zeit für eine eklektische Funk-Band. „Vario Bel Air“, von den Medien wenig beachtet, fand dennoch 15.000 Käufer. Zu wenig allerdings, um die Plattenfirma zu besänftigen. Live aber warent Spice immer noch eine große Club-Nummer. 1997 beginnen dann die Aufnahmen von „69 Overdrive“. 2004 dürfen wir sie endlich hören.
Spice - die Band:
Martin Bettinghaus: Vocals
Martin „Margot“ Gontarski: Bass
Max Olgivie: Percussion
Sven Kaiser: Keyboards, Arrangements
Ingo Schröder: Guitar
Uli Schuster: Drums
Abspann:
P.S.: Die meisten der Bandmitglieder sind immer noch aktiv. Sänger Martin Bettinghaus weilt in London. Margot und Max sind als DJs erfolgreich. Margot spielt in der Band Sugarhat. Ingo Schröder spielt Theatermusik und ist auf CDs von Timo Maas und Bootsy Collins zu hören. Sven Kaiser ist als Arrangeur erfolgreich u.a für die Staatsoper Hannover. Eine Zeit lang fungierte Spice als Backing Band von Mousse T.




